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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 18 Pages
Author: Björn Müller
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Tags: Gert, Ledigs, Vergeltung, Kontext, Sebalds, Luftkrieg, Literatur
Year: 2003
Pages: 18
Grade: 12 Punkte
Bibliography: ~ 14 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-78651-5
File size: 129 KB
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Excerpt (computer-generated)
Universität des Saarlandes
Germanistisches Institut
Hauptseminar: Literatur und Luftkrieg
Gert Ledigs "Vergeltung" im Kontext von W. G. Sebalds "Luftkrieg und Literatur"
Björn Müller
Inhalt
1. Einführung ... 3
2. Biographie ... 4
3. Gert Ledig als Autor ... 6
3.1 Die Stalinorgel ... 6
3.2 Vergeltung ... 9
3.3 weiteres literarisches Wirken ... 12
4. W. G. Sebalds Thesen in Zusammenhang mit dem Werk Vergelung ... 13
5. Schlussbemerkung ... 16
6.Bibliographie ... 17
1. Einführung
Im Spätherbst 1997 initiiert der deutsche Schriftsteller und Germanist W. G. Sebald die Diskussion um „Luftkrieg und Literatur“ in seinen Züricher Vorlesungen, welche er 1999 in leicht abgewandelter Form als Buch veröffentlicht. Sebald wirft der deutschen Literatur vor, angesichts des Grauens des Luftkrieges versagt zu haben. Im Rahmen der im Anschluss daran aufflammenden Diskussion erinnerte man sich an den Roman „Vergeltung“ Gert Ledigs, welcher das Geschehen während des Bombardements einer deutschen Großstadt beschreibt.
Gert Ledig, ein bis dahin literarisch völlig im Dunkeln versunkener Mann, wird von dem Spiegel-Redakteur Volker Hage als Reaktion auf Sebalds These ins Gespräch gebracht. Ledig ist in den Fünfzigern und Sechzigern teilweise ein sehr erfolgreicher Schriftsteller, gibt das Schreiben aber Mitte der Sechziger auf und gerät in Vergessenheit. Volker Hage treibt Ledig in Utting am Ammersee auf, berichtete im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ über dessen Vergessen, besorgt eine Neuauflage von „Vergeltung“ und gibt damit den Anstoß zur Wiederentdeckung dieses großen deutschen Nachkriegsschriftstellers.
Seinerzeit, 1956, mit seinem Werk „Vergeltung“ scharf kritisiert und abgelehnt, sieht man ihn heute ganz anders. In den fünfziger Jahren des Nachkriegsdeutschlands hat niemand Interesse daran, sich an das kaum zehn Jahre zurückliegende Grauen zu erinnern, etwa über grauenvoll sterbende Frauen und Kinder zu lesen. Ist es doch kaum und endlich überstanden und dennoch so gegenwärtig, als wäre es erst gestern gewesen. Ledig ist damals, wie schon erwähnt, in der literarischen Szene kein Unbekannter. Sein Roman „Stalinorgel“ gilt vielen als bester Roman über den Zweiten Weltkrieg, sein Autor gehört demnach „in die vorderste Reihe der deutschen Gegenwartsliteratur“. Ja, sogar internationaler Erfolg bleibt ihm mit „Stalinorgel“ nicht verwehrt, wird der Roman doch in 14 Sprachen übersetzt. Stilistisch ähnlich aufgebaut und in seinen Schilderungen nicht weniger schonungslos und brutal, hat dieser jedoch das Sterben und Dahinvegetieren an der Front zum Thema und nicht das Leiden und Sterben der Zivilbevölkerung. Nicht Alte und Kranke, nicht Frauen und Kinder sind hier völlig wehrlos dem Tod und den Qualen ausgeliefert. Nein hier sind es Soldaten. Dies kann die geschundenen Seelen jener Zeit noch verarbeiten. Was darüber hinaus geht, und ist es doch genauso eine Realität jener Zeit, wird nicht toleriert.
Auch W. G. Sebald berücksichtigt Ledigs Werk in seiner Urfassung nicht. Als dieser sich später, aufgrund verschiedener Reaktionen auf seine Vorlesungen, genötigt sieht, darauf einzugehen, macht er dies auch nur am Rande.
Dass Gert Ledigs Werk nach Sebalds These angesichts des Geschehenen versagt hat, ist meiner Meinung nach nicht korrekt. Dies werde ich im Nachfolgenden ausführen.
2. Biographie
Robert Gerhard Ledig wird am 4. November 1921 als Sohn eines Kaufmanns in Leipzig geboren. Seine Familie siedelt bald nach Wien über, wo sein Vater eine Maschinenfabrik leitet.
Nach einem Jahr kehrt er mit seiner Mutter nach Leipzig zurück, um bei seinen Großeltern mütterlicherseits zu wohnen. Zu dieser Zeit wird die Familie vom Vater wie auch anderen Verwandten finanziert. In Leipzig besucht Ledig eine Versuchsklasse der pädagogischen Lehranstalt. Im privaten Bereich legt man viel Wert auf kulturelle Bildung, was unter anderem Theaterbesuche mit sich bringt. Als Ledig 13 Jahre alt ist, werden er sowie seine Mutter durch den Selbstmord seiner Tante in finanzielle Bedrängnis gebracht.
1936 verlässt Ledig fünfzehnjährig die Schule und arbeitet für ein Jahr in einer Schokoladenfabrik. Danach nimmt er eine Stelle als Ausgeher in einem Elektrobetrieb an und besucht eine elektrotechnische Fachschule. Das Jahr 1938 ist wohl eines der schwersten in Ledigs Leben. Seine Mutter sowie seine Großmutter nehmen sich das Leben. Durch diesen Schicksalsschlag schwer getroffen zieht Gert Ledig zu seinem Onkel nach Wien. Dies wird unter anderem durch seinen Vater ermöglicht, da dieser sich nun wieder finanziell großzügiger um seinen Sohn kümmert.
[...]
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