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Phantastische Kinder- und Jugendliteratur - Jakob hinter der blauen Tür als Unterrichtsgegenstand

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 1996, 27 Pages
Author: Thomas Springub
Subject: German Studies - Didactics

Details

Event: Zwischen Realismus und Phantasiewelten. Literaturdidaktische Betrachtungen neuerer Kinder- und Jugendliteratur
Institution/College: Carl von Ossietzky University of Oldenburg (Germanistik)
Tags: Kinder- und Jugendliteratur, Phantastische Literatur
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 1996
Pages: 27
Language: German
Archive No.: V7214
ISBN (E-book): 978-3-638-14539-8
ISBN (Book): 978-3-640-39610-8
File size: 217 KB
Notes :
Theorie und (Unterrichts-) Praxis in einem. Das Thema begeistert mich und heute auch meine SchülerInnen.


Abstract

Nach einen kurzen Einstieg über das Thema "phantastische Kinder- und Jugendliteratur" wird Härtlings tolles Buch als Unterrichtsgegenstand aufgearbeitet.


Excerpt (computer-generated)

Phantastische Kinder- und Jugendliteratur 
- Jakob hinter der blauen Tür als Unterrichtsgegenstand

von Thomas Springub



Inhaltsverzeichnis

1 Phantastische Kinder- und Jugendliteratur

1.1 Der späte Durchbruch in Deutschland

1.2 Definitionsversuche

1.3 Themen
1.3.1 Phantastische Reisen
1.3.2 Einbruch der Vergangenheit in die Gegenwart
1.3.3 Gut gegen Böse
1.3.4 Fremde Welten
1.3.5 Gäste aus dem Unbekannten
1.3.6 Miniaturgesellschaften
1.3.7 Technik

1.4 Funktionen

2 "Jakob hinter der blauen Tür" als Unterrichtsgegenstand

2.1 Allgemeine Einführung

2.2 Mögliche didaktische Zugänge
2.2.1 Inhaltliche Ansatzpunkte
2.2.2 Methodische Ideen zu Härtlings Werk

3 Planung einer Unterrichtseinheit

3.1 Zur Wahl des Arbeitsthemas

3.2 Voraussetzungen

3.3 Sachanalyse und didaktisch-methodischer Begründungszusammenhang
3.3.1 "Alle verfolgen Jakob"- das Kapitel zusammengefaßt
3.3.2 Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht
3.3.3 Soziales Lehr-/ Lernziel: Gewaltlosigkeit (und Toleranz)

3.4 Planung: methodischer Gang
3.4.1 Erste Handlungssituation: Lesen
3.4.2 Zweite Handlungssituation: Gruppeneiteilung
3.4.3 Dritte Handlungssituation: Gruppenarbeit
3.4.3.1 Gruppe 1: Imaginäres Gespräch der Mitschüler
3.4.3.2 Gruppe 2: Standbild; `Schlägerei´
3.4.3.3 Gruppe 3: Tagebuchabschnitt
3.4.3.4 Gruppe 4: Hörspiel eines imaginären Telefongesprächs
3.4.4 Vierte Handlungssituation: Vorstellung
3.4.5 Fünfte Handlungssituation: Stundenende

4 Schluß

Literaturliste

1 Phantastische Kinder- und Jugendliteratur

1.1 Der späte Durchbruch in Deutschland

Die phantastische Literatur hatte Ende der siebziger und Anfang der achtziger Jahre einen regelrechten Boom und spätestens seit dieser Zeit seinen `festen´ Platz in der literarischen Landschaft. Nicht unwesentlich beteiligt an dieser Entwicklung waren Autoren wie R.R. Tolkien ("Der kleine Hobbit"/1937, "Der Herr der Ringe"/1955) oder Michael Ende ("Die unendliche Geschichte"/1979). Jedoch können solche Einzelerfolge ein derartiges Aufleben dieser Gattung nicht alleine erklären.
In der deutschen Literaturtradition herrscht seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Stilprinzip vor, daß sich durch eine Nähe zur greifbaren, erfahrbaren Wirklichkeit beschreiben läßt. Zumeist fand das phantastische Element keinen Platz. Des weiteren hat in Bezug auf Kinder- und Jugendliteratur besonders die starke Didaktisierung der siebziger Jahre zum späteren Erfolg der phantastischen Literatur geführt. Der Versuch der Aufklärung und der Indoktrination durch realistische Literatur führte zu einem verstärktem Verlangen nach irrationalen Welten. Dieses Verlangen wurde weiter gestärkt durch einen vorrangig auf rationale Methoden der Wirklichkeitserfassung ausgerichteten Bildungsprozeß. Durch die rationale Vermittlung von Bildung wächst der Wunsch, sich in irreale Bereiche zu flüchten. Eine weitere These zur Ursache des jungen Booms phantastischer Literatur beruht auf der Verarmung an `inneren Bildern´ in der heutigen Gesellschaft. Demnach suchen Menschen heute oftmals Orientierung an greifbaren `inneren Bildern´ , da sie durch Massenkommunikationsmittel und unüberschaubare Medienlandschaften mit `äußeren Bildern´ überschüttet werden.
Ich denke, daß Kinder und Jugendliche sich schon früher über außergewöhnliche und unerklärbare Fiktionen gefreut hätten. Aber erst die genannten Gründe haben dazu geführt, daß auch Autoren, Eltern und Lehrer verstärkt auf phantastische Kinder- und Jugendliteratur zurückgegriffen haben.

1.2 Definitionsversuche

Gerhard Haas und Göte Klingberg erwähnen in ihrem Aufsatz mehrere Definitionen unterschiedlicher Autoren und Wissenschaftler, die sich zwar ähneln, jedoch unterschiedlich gewichtet sind. Sie beginnen mit einem eigenen, allgemeinen Bestimmungsversuch: "In der einfachsten Definition phantastischer Texte steht einer realistisch gezeichneten, empirisch-alltäglich bestimmbaren Welt eine Welt des Irrational-Unerklärbaren gegenüber, in der das Außergewöhnliche geschieht." Das Zusammenkommen dieser beiden Welten bewirkt in phantastischer Kinder- und Jugendliteratur nicht "Schrecken, Angst (oder) Schauder", sondern auch "Komik, Spiel und satirische Pointierung".
Wenn man nun berücksichtigt, daß alle erzählende Literatur fiktional ist, d.h. der Autor schafft sich eine eigene fiktionale Wirklichkeit, die durch persönliche Erfahrungen und Stimmungen geprägt ist, stellt sich die Frage nach einer Abgrenzung zur phantastischen Literatur. Eine Antwort darauf hat Zgorzelski: "Phantastik erscheint, wenn die inneren Gesetze der fiktiven Welt zerbrochen werden." Demnach müssen die fiktiven Personen ein Geschehen oder Weltbild als unbegreiflich empfinden. Nach Todrovs Auffassung kommt es auf das Verständnis des Lesers an. Kann er das Geschehen weder einer übernatürlichen, noch einer natürlichen Welt zuordnen, so liegt ein phantastischer Text vor. Demgegenüber steht der phänomenologisch-inhaltliche Bestimmungsversuch von Klingberg: "Phantastisch im [...] engeren Sinne sind Texte, in denen eine realistische und eine `fremde´ Wirklichkeit aufeinanderstoßen, nebeneinander stehen oder ineinander übergehen." Ich möchte mich dieser letzten Definition aufgrund ihrer Einfachheit und Offenheit anschließen.
Die Motive phantastischer Kinder- und Jugendliteratur ähneln zwar denen der phantastischen Literatur für Erwachsene, haben jedoch ihre eigene Spezifik. Göte Klingberg faßt diese folgendermaßen zusammen:

[...]


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