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Wie lässt sich die Politik der Volksrepublik China bezüglich der Sicherung des Zugangs zu fossilen Brennstoffen erklären?

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2007, 22 Pages
Author: Pascal Zimmer
Subject: Politics - International Politics - Region: Far East

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2007
Pages: 22
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 15  Entries
Language: German
Archive No.: V72251
ISBN (E-book): 978-3-638-72260-5

File size: 320 KB


Excerpt (computer-generated)

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Seminar für wissenschaftliche Politik
Hauptseminar: Die Außenpolitik der Volksrepublik China
WS 2006/07

Wie lässt sich die Politik der Volksrepublik China bezüglich
der Sicherung des Zugangs zu fossilen Brennstoffen erklären?

von

Pascal Zimmer

 


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung 3

II. Ausgangssituation der chinesischen Energiesituation 5

II.1. Chinas Energiemix  5
II.2. Die Vorkommen fossiler Rohstoffe in China  5
II.3. Prognosen zum Bedarf 7

III. Empirische Befunde  8

III.1. Zielländer chinesische Investitionen und mögliche Konflikte 8
III.2. Die Transportproblematik  11
III.3. Besonderheiten der chinesischen Strategie  12
III.4. Fallbeispiel Afrika 13

IV. Theoretische Deutung  16

V. Zusammenfassung 18

VI. Anhang 21

VII. Literaturverzeichnis 22




 

I. Einleitung

China ist in aller Munde. Das bevölkerungsreichste und flächenmäßig viertgrößte Land der Erde zeigt der Welt ein einmaliges Wirtschaftswunder. Seit 1978 hat sich das Bruttoinlandsprodukt mehr als verzehnfacht. Nach Pro-Kopf-Einkommen und Kaufkraftparität (purchase power parity, PPP) ist das Land zwar noch weit hinter den OECD-Staaten zurück – auf Platz 109 zwischen Algerien und der Ukraine – allerdings liegt das BIP in PPP ermittelt bereits hinter den USA auf Rang zwei, bezieht man die EU als gemeinsamen Wirtschaftsraum nicht mit ein.1 All diese Zahlen und Vergleich sind bei uns im Westen mittlerweile so etwas wie Allgemeinwissen. Die sozialen Unruhen und Spannungen gehören noch nicht dazu. Jedoch kommt es landesweit immer häufiger zu Protesten von Arbeitslosen, Rentnern, Bauern und anderen Bevölkerungsgruppen.2

Diese Entwicklungen scheinen das Land erneut vor eine Zerreißprobe zu stellen, wie sie es in der chinesischen Geschichte häufig gegeben hat. Derzeit scheint die Regierung die Situation noch kontrollieren zu können. Ein Grund dafür liegt sicherlich in dem enormen wirtschaftlichen Wachstum seit den Reformen Deng Xiaopings, das offensichtlich seine Schattenseiten hat, aber immerhin auch viele Millionen Menschen aus der Armut befreien konnte. Die Lebenserwartung stieg auf über 72 Jahre, die Kindersterblichkeit sank auf 23 Fälle pro 1.000 Lebendgeburten.3

Nun ist ein zweistelliges Wirtschaftswachstum nicht zum Nulltarif zu haben. Die chinesische Wirtschaft benötigt riesige Energiemengen, um dieses Wachstum zu generieren. Dabei ist die Energieeffizienz im Vergleich zu entwickelten Industrieländern extrem schlecht. So braucht China pro Einheit BIP fünf Mal so viel Energie wie die nicht gerade als energiebewusst bekannten Amerikaner und zwölf Mal so viel wie Japan.4 Da aber die heimischen Reserven an fossilen Brennstoffen abgesehen von Kohle relativ gering sind, ist die chinesische Regierung gezwungen, international aktiv zu werden, um die Versorgung der Wirtschaft mit den dringend benötigten Rohstoffen sicherzustellen. Damit garantiert sie zunächst einmal den anhaltenden Wirtschaftsboom, zum anderen aber auch ihr eigenes Überleben. Denn mit der ökonomischen Liberalisierung und politischen Entideologisierung ging auch der Maoismus als Herrschaftslegitimation der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) verloren. Was bleibt, ist die Legitimation über Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und des Friedens sowie die Aussicht auf ökonomisches Wachstum. Damit soll zunächst nicht gesagt sein, dass die KPCh automatisch entmachtet oder China in einem Bürgerkrieg versänke, wenn dies nicht mehr gegeben sei, aber vorstellbar ist es allemal. Wenn man diese Argumentation akzeptiert, ist es wohl offensichtlich, welch entscheidende Rolle der Energieaspekt in diesem Zusammenhang spielt.

Deshalb will ich in dieser Arbeit der Frage nachgehen, welche Strategien die chinesische Politik verfolgt, um den Zugang zu fossilen Energieträgern zu sichern, sowie Erklärungsansätze für ihr außenpolitisches Handeln liefern. Da China selbst relativ große Kohlevorkommen besitzt, werde ich mich auf Erdöl und Erdgas beschränken, auch, weil es für die internationalen Beziehungen das brisantere Thema ist. Denn das Versiegen der Öl- und Gasquellen werden wir wohl in wenigen Jahrzehnten erleben, wohingegen die Kohlevorkommen noch etwas länger reichen werden. Zunächst werde ich die Ausgangslage darstellen, mit der sich auch die chinesische Führung befassen muss, nämlich den Energiemix des Landes, sowie den im Land lagernden Ressourcen und den Prognosen zum künftigen Bedarf. Danach werden die wichtigsten Prinzipien der chinesischen Erschließungspolitik behandelt, sowie die sich daraus ergebenden Probleme. Dies sind zum einen logistische Herausforderungen, zum anderen politische Konfrontationen, die sich immer ergeben können, wenn ein so heikles Thema wie die Energieversorgung auf der Tagesordnung steht. Am Fallbeispiel Afrika wird die Anwendung der Strategien exemplarisch dargestellt. Im vierten Teil wird die chinesische Politik im größeren Rahmen der Internationalen Beziehungen betrachtet und anhand theoretischer Modelle zu erklären versucht. Abschließend werden die wichtigsten Punkte noch einmal zusammengefasst.

II. Ausgangssituation der chinesischen Energiesituation

II.1. Chinas Energiemix

Die Zusammensetzung des Energiemix ist von besonderem Interesse, wenn man strategische politische Entscheidungen treffen, beziehungsweise in unserem Falle, analysieren will. Er gibt Auskunft darüber, welcher Primärenergieträger zu welchem Anteil in einem Land zur Stromerzeugung, Heizung, Verkehr und anderen Anwendungen verbraucht wird. Offensichtlich schränkt eine zu starke Konzentration auf nur wenige (fossile) Energieträger ein Land in seiner Entscheidungsfreiheit ein und führt zu problematischen Abhängigkeitsverhältnissen.

Betrachtet man nun den Energiemix Chinas (vgl. Abbildung 1), so sieht man, dass das Land zu über 80% von fossilen Brennstoffen abhängig ist. Knapp 62% der Primärenergie kommt dabei allein von Braun- und Steinkohle, Erdöl macht ungefähr 20%, Erdgas noch einmal 2,6% aus. Vergleicht man diese Werte mit ähnlich starken Volkswirtschaften, so zeigt sich, dass der Anteil der fossilen Energieträger beispielsweise in den USA oder Deutschland mit 86% bzw. 83% ähnlich hoch ist, jedoch ein größeres Gleichgewicht hinsichtlich der Aufteilung in Kohle, Öl und Gas herrscht. China ist also vergleichsweise überproportional von Kohle als Energieträger abhängig.5

Nun ist es wie bereits erwähnt kein Geheimnis, dass eine starke Abhängigkeit von einem oder wenigen Rohstoffen sehr schnell zu politischen Abhängigkeiten führen kann, sofern man nicht mit großen und günstig zu fördernden Lagern gesegnet ist. Sollte dies nicht nicht der Fall sein, so muss es vernünftigerweise Ziel der Regierung sein, den Energiemix zu diversifizieren und sich neue, stabile Zugänge auf dem Weltmarkt zu sichern. Bevor Chinas Bemühungen um eine solche Diversifizierung näher betrachtet werden, soll aber eine Bestandsaufnahme der im Land selbst lagernden Vorkommen gemacht werden.

II.2. Die Vorkommen fossiler Rohstoffe in China

[...]


1 CIA 2006: „World Factbook 2006“. Internet: http://cia.gov/cia/publications/factbook/

2 Le monde diplomatique 2006: „Atlas der Globalisierung“ S. 162

3 CIA 2006

4 International Energy Agency (IEA) 2000: „China´s Worldwide Quest for Energy Security“ S. 17

5 Anmerkung: Dies ist nun nicht nur problematisch in Bezug auf politische Abhängigkeiten, sondern auch, was die Umweltverschmutzung angeht, sind doch die Schäden, die sich unmittelbar aus Abbau, Verbrennung und Verstromung gerade von Braunkohle ergeben, aufgrund des geringeren Wirkungsgrades noch gravierender als bei Öl und Gas.


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