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Subtitle: Der Politstreit und die momentane didaktische Realität
Scholary Paper (Seminar), 2002, 27 Pages
Author: Joseph Badde
Subject: History - Didactics
Details
Institution/College: LMU Munich (Historikum)
Tags: Kurt-Eisner-Denkmal, Geschichtsdidaktikseminar
Year: 2002
Pages: 27
Grade: 1-
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-14552-7
ISBN (Book): 978-3-640-20254-6
File size: 533 KB
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Abstract
Die Person Kurt Eisners und die Ausrufung der Republik in Bayern ist seit Mitte der 80iger Jahre im besonderen in den Blick der Historiker aber auch der Öffentlichkeit geraten. Das Denkmal, welches 1989 für Kurt Eisner in der Kardinal-Faulhaber-Straße errichtet wurde, war von einer langen kontroversen Debatte im Münchener Rathaus und in der Presse begleitet worden. Die Debatte hatte - bei aller Fragwürdigkeit der vorgebrachten parteipolitisch geführten Argumente - den Effekt, dass die Zeit der Entstehung der Republik in Bayern Gegenstand genauerer historischer Untersuchungen wurde. Da Kurt Eisner Jude war und dem Rätegedanken nahe stand, wurden bis dato die Vorurteile über seine Person und diese Zeit, die während des Nationalsozialismus verbreitet worden waren, aber auch in der Nachkriegszeit durch die reale Existenz des Kommunismus, wohl auch aus Gründen politischer Opportunität, nicht richtig aufgearbeitet. Durch die in den 80iger Jahren einsetzende Debatte wurde die Person Kurt Eisners und seine politischen Ideen einer relativ große Öffentlichkeit bekannt gemacht und die Rezeption Kurt Eisners und seiner Regierungszeit nachhaltig verändert. In der vorliegenden Proseminararbeit möchte ich anhand der Gesprächsbeiträge im Münchener Stadtrat von 1985 bis 1989 und deren Wiedergabe in der Presse der Rezeptionsgeschichte des Kurt-Eisner-Denkmals nachgehen und das sich ändernde Geschichtsbild dieser Zeit und dieser Person aufzeigen. Am Schluss der Arbeit findet sich die Auswertung einer Umfrage, die ich am Kurt-Eisner-Denkmal durchführte, um empirisch zu erfassen, ob dieses doch recht unauffällige Denkmal von den darüber hinwegeilenden Passanten überhaupt wahrgenommen wird und wie die mit einem Denkmal gewürdigte Rolle Kurt Eisners in der bayerischen Geschichte von heutigen Zeitgenossen aufgenommen wird.
Excerpt (computer-generated)
Ludwigs-Maximilians-Universität München
Historisches Seminar
Proseminar Geschichtsdidaktik
Einführung in die Fachdidaktik
Wintersemester 2001/02
Das Kurt-Eisner-Denkmal
in der Kardinal-Faulhaber-Strasse in München
Der Politstreit und die momentane didaktische Realität
Joseph Badde
Inhalt
I. Vorwort ...2
II. Die Debatte im Münchener Stadtrat 1985/86 ...3
1. Die Vorgeschichte ...3
2. Die Vollversammlung des Münchener Stadtrats am 30.10.1985 ...5
3. Das Eisnerbild in der Vollversammlung am 30.10.1985 ...6
III. Die Debatte um das Denkmal bis zum Jahr 1989 ...9
1. Folgen der Stadtrats Vollversammlung vom 30.10.1985 ...9
2. ,,Freistaat" oder ,,Volksstaat"? ...10
3. ,,Wer hatte recht?" ...15
IV. Die Befragung am Kurt-Eisnerdenkmal am 22./23.3.2002 ...17
1. Die Kurt-Eisner-Denkmal Umfrage ...17
2. Statistikkritik ...18
3. Auswertung ...19
V. Beurteilung ...20
Quellen ...21
Literatur ...22
I. Vorwort
Die Person Kurt Eisners und die Ausrufung der Republik in Bayern ist seit Mitte der 80iger Jahre im besonderen in den Blick der Historiker aber auch der Öffentlichkeit geraten. Das Denkmal, welches 1989 für Kurt Eisner in der Kardinal-Faulhaber-Straße errichtet wurde, war von einer langen kontroversen Debatte im Münchener Rathaus und in der Presse begleitet worden. Die Debatte hatte - bei aller Fragwürdigkeit der vorgebrachten parteipolitisch geführten Argumente - den Effekt, dass die Zeit der Entstehung der Republik in Bayern Gegenstand genauerer historischer Untersuchungen wurde. Da Kurt Eisner Jude war und dem Rätegedanken nahe stand, wurden bis dato die Vorurteile über seine Person und diese Zeit, die während des Nationalsozialismus verbreitet worden waren, aber auch in der Nachkriegszeit durch die reale Existenz des Kommunismus, wohl auch aus Gründen politischer Opportunität, nicht richtig aufgearbeitet. Durch die in den 80iger Jahren einsetzende Debatte wurde die Person Kurt Eisners und seine politischen Ideen einer relativ große Öffentlichkeit bekannt gemacht und die Rezeption Kurt Eisners und seiner Regierungszeit nachhaltig verändert.
In der vorliegenden Proseminararbeit möchte ich anhand der Gesprächsbeiträge im Münchener Stadtrat von 1985 bis 1989 und deren Wiedergabe in der Presse der Rezeptionsgeschichte des Kurt-Eisner-Denkmals nachgehen und das sich ändernde Geschichtsbild dieser Zeit und dieser Person aufzeigen.
Am Schluss der Arbeit findet sich die Auswertung einer Umfrage, die ich am Kurt-Eisner-Denkmal durchführte, um empirisch zu erfassen, ob dieses doch recht unauffällige Denkmal von den darüber hinwegeilenden Passanten überhaupt wahrgenommen wird und wie die mit einem Denkmal gewürdigte Rolle Kurt Eisners in der bayerischen Geschichte von heutigen Zeitgenossen aufgenommen wird.
II. Die Debatte um das Denkmal im Jahr 1985/86
1. Vorgeschichte
Am 20.8.1985 brachte der Stadtrat Alfred Lottmann einen Antrag (Nr. 819) in den Bauausschuss ein, der eine ,,würdige Gestaltung eines Denkmals für Kurt Eisner"1 vorsah. Stadtrat Lottmann kritisierte hierbei den 1974 gefundenen Standort einer Gedenktafel auf dem Promenadeplatz und regte an, eine Gedenktafel am Ort der Ermordung Kurt Eisner in der Kardinal-Faulhaber-Straße zu errichten, jedoch ohne mit dem Bayerischen Hof in Kontakt zu treten, der 1974 die Anbringung einer Gedenktafel am Montgelas-Palais verweigerte hatte. Anstatt dessen sollte die Straßenführung für eine ,,Säule, auf der eine Bronzetafel angebracht sei"2 geändert werden. Dieser Antrag wurde jedoch vom Baureferat abgelehnt und an den Bauausschuss weitergeleitet.
Doch hatte sich in der Zwischenzeit schon die Öffentlichkeit eingeschaltet. Zwei kurze Artikel der Süddeutschen Zeitung vom 24. und 27.8.1985 beschrieben den Streitfall und die Proteste des CSU-Landtagsabgeordneten Richard Hundhammer, der behauptet hatte, ,,Eisner habe mit einem ′Haufen Linksradikaler, Kommunisten und Anarchisten die Macht an sich gerissen. Das Attentat auf ihn sei das Signal zur Ausrufung der Räterepublik gewesen′"3, sowie des Vorsitzenden des König-Ludwig-Klubs, Hannes Heindl, der meinte, dass ,,das Denkmal als eine Zumutung und Herausforderung für jeden Alt-Bayern" zu sehen sei und man eher ein Kardinal-Faulhaber-Denkmal bzw. ein König-Ludwig-Denkmal errichten solle.4 Der CSU-Stadtrat Gerhard Bletschacher kündigte schon ein Veto seiner Fraktion an, das er damit begründete, dass ,,Politiker, die Gewalt propagiert haben, nicht auch noch durch ein Denkmal verherrlicht werden dürfen."5
Diese Aussagen lösten jedoch einen Sturm von Leserbriefen aus, in denen das Bild der Person Kurt Eisners korrigiert wurde und meist emotional auf die noch immer propagierten Lügen hingewiesen wurde, die die Meinung über diese Zeit noch immer bestimmten:
[...]
1 Protokoll des Bauausschuss der Landeshauptstaat München vom 24.10. 1985, im Stadtarchiv München, S. 1.
2 Ebd.
3 Otto Fischer, Streit um Kurt Eisner, in: Süddeutsche Zeitung, 27.8.1985.
4 Ebd.
5 Ebd.
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