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Termpaper, 2006, 15 Pages
Author: Konstantin Karatajew
Subject: Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)
Details
Tags: Kantische, Pflichtethik, Utilitarismus, Tugend, Glückseligkeit
Year: 2006
Pages: 15
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 3 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-73047-1
ISBN (Book): 978-3-638-76950-1
File size: 127 KB
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Abstract
Immanuel Kants und John Stuart Mills moralphilosophische Konzepte liegen zeitlich ungefähr 80 Jahre auseinander, doch in den 80 Jahren zwischen Kants „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“ und Mills „Utilitarianism“ erlebte das Menschenbild der abendländischen Philosophie eine folgenreiche Transformation. Die entscheidende Wirkung ging von Charles Darwins Buch „On the Origin of Species by Means of Natural Selection“ (1859) aus. Kant und Mill gehen also von unterschiedlichen Voraussetzungen aus und beantworten die Frage, was der Zweck moralischen Handelns ist, jeweils anders. Bei Kant ist der Zweck moralischen Handeln die Pflichterfüllung, bei Mill das größte Glück der größten Zahl. Man sieht deutlich die unterschiedlichen Ausrichtungen der Moral: die Anhänger der Kantischen Moralphilosophie müssen sich der Prüfung durch die eigenen Vernunft unterziehen und fragen, ob sie gemäß der Einsicht in die unbedingte Pflicht handelten. Die Utilitaristen interessiert die innere Welt des handelnden Subjekts nicht. Gemäß dem Utilitarismus ist eine Handlung gut, wenn es durch sie niemandem schlechter geht, und mindestens einem besser geht, als vorher. Kant und Mill ziehen also keineswegs verschiedene Schlussfolgerungen aus derselben Weltanschauung, sondern stehen auf unterschiedlichen weltanschaulichen Fundamenten. Während für Kant die Vernunftwelt mit ihren Vernunftwahrheiten wie die Würde des Menschen genauso real ist wie die empirische Welt, bewegt sich Mills Argumentation ausschließlich in der empirischen Welt, in der es allein um konkurrierende Interessen geht. In der praktischen Philosophie geht es nicht darum, erkenntnistheoretisch festzustellen, welches weltanschauliche Fundament mehr der Wahrheit entspricht. Es geht darum, welches moralphilosophische Konzept für das vernunftbegabte Sinnenwesen Mensch besser geeignet ist.
Excerpt (computer-generated)
Universität Hannover, Philosophisches Seminar
30.12.2006
Kantische Pflichtethik und der Utilitarismus
von
Konstantin Karatajew
Inhaltsangabe
1. Einleitung 3
2. Moralphilosophische Grundpositionen Kants und Mills 4
2.1. Kants Pflichtethik 4
2.2. Mills Utilitarismus 6
3. Gegenüberstellung 9
3.1. Versuch einer Synthese 10
3.2. Pflichtethik und Utilitarismus im Lichte menschlicher Lebenswirklichkeit 12
4. Schlusswort 14
5. Literaturverzeichnis 15
1. Einleitung
Immanuel Kants und John Stuart Mills moralphilosophische Konzepte liegen zeitlich ungefähr 80 Jahre auseinander, doch in den 80 Jahren zwischen Kants „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“ und Mills „Utilitarianism“ erlebte das Menschenbild der abendländischen Philosophie eine folgenreiche Transformation. Die entscheidende Wirkung ging von Charles Darwins Buch „On the Origin of Species by Means of Natural Selection“ (1859) aus. „Darwins Theorie veränderte nun die Situation zwar nicht dergestalt, dass jetzt eine definitive, empririsch-wissenschaftliche Antwort auf die Frage nach dem Ursprung des Lebens oder der Entstehung der Natur vorgelegen hätte. Sie veränderte sie aber doch insofern, als es jetzt eine weltimmanente Alternative zu der Annahme des Schöpfergottes gab“1. Der Mensch war nicht mehr ein Geschöpf eines allmächtigen, allgütigen und allwissenden Gottes, sondern ein Produkt einer jahrmillionenlangen Entwicklung des Lebens, auch bekannt als Evolution. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vollzog sich dieser weltanschauliche Wandel unter den europäischen Gelehrten, der Wandel vom Agnostizismus mit metaphysischer Vermutung zum Agnostizismus mit materialistischer Vermutung: „Ganz allmählich vollzog sich in Westeuropa die Abkehr von der metaphysischen Weltdeutung hin zum Materialismus. Die Materialismus-Kontroversen in den fünfziger Jahren hatten diesen Prozess in Deutschland bereits eingeleitet. Wirkliche Breitenwirkung erlangte der Materialismus aber nicht in seiner dogmatisch-aggressiven Variante, wie etwa bei Vogt, sondern in der skeptischen Variante Darwins: als Agnostizismus mit materialistischer Vermutung“ 2.
Kant und Mill gehen also von unterschiedlichen Voraussetzungen aus und beantworten die Frage, was der Zweck moralischen Handelns ist, jeweils anders. Bei Kant ist der Zweck moralischen Handeln die Pflichterfüllung, bei Mill das größte Glück der größten Zahl. Man sieht deutlich die unterschiedlichen Ausrichtungen der Moral: die Anhänger der Kantischen Moralphilosophie müssen sich der Prüfung durch die eigenen Vernunft unterziehen und fragen, ob sie gemäß der Einsicht in die unbedingte Pflicht handelten. Die Utilitaristen interessiert die innere Welt des handelnden Subjekts nicht. Gemäß dem Utilitarismus ist eine Handlung gut, wenn es durch sie niemandem schlechter geht, und mindestens einem besser geht, als vorher.
Kant und Mill ziehen also keineswegs verschiedene Schlussfolgerungen aus derselben Weltanschauung, sondern stehen auf unterschiedlichen weltanschaulichen Fundamenten. Während für Kant die Vernunftwelt mit ihren Vernunftwahrheiten wie die Würde des Menschen genauso real ist wie die empirische Welt, bewegt sich Mills Argumentation ausschließlich in der empirischen Welt, in der es allein um konkurrierende Interessen geht. In der praktischen Philosophie geht es nicht darum, erkenntnistheoretisch festzustellen, welches weltanschauliche Fundament mehr der Wahrheit entspricht. Es geht darum, welches moralphilosophische Konzept für das vernunftbegabte Sinnenwesen Mensch besser geeignet ist.
2. Moralphilosophische Grundpositionen Kants und Mills
2.1. Kants Pflichtethik
Immanuel Kant (1724-1804) entwickelt in seinem Buch „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“ (1785) eine strenge, in der Vernunft (nicht im Mitgefühl, wie bei den britischen Empiristen des 18. Jhs.) verankerte Moralphilosophie. In der Vorrede zur Grundlegung schreibt er: „Eine Metaphysik der Sitten ist also unentbehrlich notwendig, nicht bloss aus einem Bewegungsgrunde der Spekulation, um die Quelle der a priori in unserer Vernunft liegenden praktischen Grundsätze zu erforschen, sondern weil die Sitten selber allerlei Verderbnis unterworfen bleiben, solange jener Leitfaden und oberste Norm ihrer richtigen Beurteilung fehlt. Denn bei dem, was moralisch gut sein soll, ist es nicht genug, dass es dem sittlichen Gesetze gemäß sei, sondern es muss auch um desselben willen geschehen; widrigenfalls ist jene Gemäßheit nur sehr zufällig und misslich, weil der unsittliche Grund zwar dann und wann gesetzmäßige, mehrmals aber gesetzwidrige Handlungen hervorbringen wird“3.
Der Kern der Metaphysik der Sitten ist der Wille, welcher allein der Sitz des Guten sein kann: „Es ist überall nichts in der Welt, ja überhaupt auch außer derselben zu denken möglich, was ohne Einschränkung für gut könnte gehalten werden, als allein ein GUTER WILLE“4. Die Tugenden, die in aristotelischer Tradition bis zu Kants Zeit für den Sitz des Guten gehalten wurden, hält Kant für Charaktereigenschaften, die sowohl zum Guten als auch zum Bösen verwendet werden können: „Verstand, Witz, Urteilskraft und wie die Talente des Geistes sonst heißen mögen, oder Mut, Entschlossenheit, Beharrlichkeit im Vorsatze als Eigenschaften des Temperaments sind ohne Zweifel in mancher Absicht gut und wünschenswert; aber sie können auch äußerst böse und schädlich werden, wenn der Wille, der von diesen Naturgaben Gebrauch machen soll und dessen eigentümliche Beschaffenheit darum Charakter heißt, nicht gut ist“5.
[...]
1 Wittkau-Horgby, Annette: Materialismus. Göttingen: Vandenhoek & Ruprecht, 1998. S. 154.
2 Ebd., S. 155f.
3 Kant, Immanuel: Grundlegung zur Metaphysik der Sitten. Stuttgart: Reclam, 2005. S. 22f.
4 Ebd., S.28.
5 Ebd., S. 28.
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