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Flucht und Vertreibung in der Poenichen Trilogie von Christine Brückner

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 27 Pages
Author: Anna Damm
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Event: Der 2. Weltkrieg in der deutschen und russischen Literatur
Institution/College: Christian-Albrechts-University of Kiel (Institut für neuere deutsche Literatur und Medien)
Tags: Flucht, Vertreibung, Poenichen, Trilogie, Christine, Brückner, Weltkrieg, Literatur
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2005
Pages: 27
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 9  Entries
Language: German
Archive No.: V72549
ISBN (E-book): 978-3-638-62960-7

File size: 186 KB


Excerpt (computer-generated)

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Institut für Neuere deutsche Literatur und Medien
Hauptseminar: Der 2. Weltkrieg in der deutschen und russischen Literatur
SS 2005

Flucht und Vertreibung in der Poenichen Trilogie
von Christine Brückner

von: Anna Kyllikki Damm

 


Gliederung

1. Einleitung  3

2. Klärung des zeitgeschichtlichen Kontextes  3

3. Definition der Begriffe Flucht und Vertreibung  6

4. Vorwürfe gegen die Vertreibungsliteratur  7

4.1. Abgrenzung der Begriffe Vertreibungsliteratur und Vertriebenenliteratur nach L.F. Helbig  8

5. Christine Brückners Poenichen-Trilogie als Gegenbeispiel  9

5.1. Zur Autorin  9
5.2. Abriss der Romanhandlung:  11
5.3. NS-Ideologie in den Romanen 13

Viktor Quint  14
Maximiliane  16
Joachim von Quindt  18

5.4. Die Darstellung der Flucht 20

6. Fazit  25

7. Literaturverzeichnis 27

 


 

1. Einleitung

„Die Odyssee einer Frau in unserem Jahrhundert. […] Eine Frau in Krieg und Frieden: Sie sollte aus dem Osten stammen, aus ihrer Heimat vertrieben werden und fortan eine Heimatlose und Ruhelose sein.“1 So beschreibt Christine Brückner ihr Konzept für die drei Poenichen Romane. Entstanden zwischen 1975 und 1985 ist die Verarbeitung des Themas Flucht und Vertreibung aus den deutschen Ostgebieten ein ganz typisches für diese Zeit. Christine Brückner ist zu diesem Zeitpunkt jedoch die erste Autorin, die sich mit dieser Thematik befasst, ohne selbst eine Vertriebene zu sein. Die Hessin ist nach eigener Aussage lediglich eine erschriebene Pommerin. Vielleicht ist es gerade diese Tatsache, die es ihr ermöglicht sehr sachlich und wertneutral an das Thema heranzugehen. Ihr Ziel ist es nicht eine Vergeltung oder Hassgefühle zu propagieren. Die Aufgabe dieser Arbeit wird es sein, genau das herauszuarbeiten. Zunächst wird auf den zeitgeschichtlichen Kontext näher eingegangen werden, welcher für das Verständnis des Romangeschehens unerlässlich ist. In dem darauf folgendem Kapitel wird auf die Vorwürfe gegen Erzählungen der Vertreibungsliteratur näher einzugehen sein, die dann im Hauptteil auf die Poenichen Trilogie von Christine Brückner bezogen werden sollen. Das Ziel dieser Arbeit soll es sein diese Vorwürfe in Bezug auf die untersuchten Romane mithilfe einer Textanalyse zu entkräften.

2. Klärung des zeitgeschichtlichen Kontextes

Ab dem 12. Jahrhundert wurden die ehemaligen ostdeutschen Gebiete, die ehemals slawisch waren, von Deutschen besiedelt. Die nahe Grenze zu Polen hat die Menschen und ihre Kultur stark beeinflusst. Bis 1939 war die Bevölkerungszusammensetzung in diesen Gebieten sehr vielschichtig. Neben der Mehrheit der deutschen Einwohner lebten dort Polen, Ukrainer, Litauer, Weißrussen und eigenständige Minderheiten wie z.B. Kaschuben oder Masuren.

Das Verhältnis zwischen der polnischen und der deutschen Bevölkerung schwankte seit jeher zwischen einer friedlichen Nachbarschaft und Spannungen und Konflikten, entstanden u.a durch die drei polnischen Teilungen im 18. Jahrhundert. Der am 23. August 1939 vereinbarte Nichtangriffspakt zwischen Deutschland und der Sowjetunion sah eine Aufteilung Polens unter den beiden Staaten vor, die kurze Zeit später auch durchgeführt wurde. Dem deutschen Reich wurden die Gebiete Danzig, Westpreußen, Posen und Oberschlesien angegliedert. Der Rest Polens zwischen den „eingegliederten Ostgebieten“ und der sowjetischen Einflusssphäre gelegen, wurde zum „Generalgouvernement für die besetzten polnischen Gebiete“, zu einem „Nebenland“ unter deutscher Aufsicht erklärt. Die ukrainischen und weißrussischen Gebiete Polens fielen an die Sowjetunion. Die drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen wurden 1940 Sowjetrepubliken.

Am 22. Juni 1941 fasste Hitler den Entschluss einen Feldzug gegen die Sowjetunion zu beginnen. Der ohnehin schon wenig vertrauenswürdige Pakt zwischen Stalin und Hitler wurde somit außer Kraft gesetzt. Das führte zu einer Veränderung der Bündniskonstellation. Die Sowjetunion wurde Teil der alliierten Großmächte gegen Hitler.

Ostdeutschland und Polen wurden zunehmend zum Verhandlungsgegenstand der alliierten Großmächte vor dem Hintergrund der Pläne zur Neuordnung Europas nach der Niederlage Deutschlands. Auf den Konferenzen von Teheran November/Dezember 1943 und Jalta im Februar 1945 wurde die Westverschiebung Polens als Entschädigung für die Verluste im Osten zwischen den Alliierten vereinbart. Der genaue Grenzverlauf wurde jedoch noch nicht festgelegt.

Nachdem für die ostdeutsche Bevölkerung das Kriegsgeschehen nahezu unüberschaubar geworden war und die Rote Armee näher rückte, flohen schließlich im Januar 1945 Millionen von Menschen in Richtung Westen. Offizielle Anordnungen und der weiter bestehende Glaube an den „Führer“ ließen die Menschen jedoch zunächst solange an ihren Heimatorten verharren, bis es für eine organisierte Evakuierung oftmals zu spät war. Die Flucht sollte dann zunächst über die Ostsee erfolgen. Sie wurde jedoch durch den harten Winter und den entgegenkommenden Volkssturm erschwert. Die Flucht über Land forderte vielerlei Entbehrungen und Opfer, nicht wenige kehrten erfolglos in ihre Heimat zurück. Die meisten der zurückgekehrten arbeitsfähigen Männer und Frauen wurden anschließend in die Sowjetunion verschleppt, wo sie unter teilweise unmenschlichen Bedingungen Arbeitsdienst zu leisten mussten. Mindestens die Hälfte der Zwangsarbeiter überlebte diese Zeit nicht.

Mit dem Potsdamer Abkommen vom 2. August 1945 wurden die territorialen Veränderungen in Deutschland und Osteuropa festgelegt. Deutschland wurde in drei Besatzungszonen unterteilt, wobei die Hauptstadt Berlin einen Sonderstatus erhielt. In der Sowjetischen Besatzungszone gelegen, wurde die Stadt zur einen Hälfte unter amerikanische, zur anderen Hälfte unter sowjetische Befehlsgewalt gestellt. Als deutsch-polnische Grenze wurde die Oder-Neiße-Linie festgelegt, zunächst jedoch nur vorläufig. Vor dem Inkrafttreten des Potsdamer Abkommens flohen ca. 6 Millionen Menschen aus Polen, der Tschechoslowakei, dem sowjetisch besetzten Teil Ostpreußens und vom Balkan in Richtung Westen. Für die nach dem Inkrafttreten des Potsdamer Abkommens noch in den ehemals deutschen Ostgebieten verbliebenen Deutschen bedeutete das in der Zeit von 1945 bis 1949 die Umsiedlung. Etwa 4,7 Millionen Deutsche waren davon betroffen.

[...]


1 Christine Brückner: Hat der Mensch Wurzeln .Autobiographische Texte. Hrsg. Gunther Tietz. Frankfurt am Main. 1988, S. 138


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