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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 24 Pages
Author: Anna Damm
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Institution/College: Christian-Albrechts-University of Kiel (Institut für neuere deutsche Literatur und Medien)
Tags: Erzähltheoretische, Analyse, Walter, Kempowskis, Herzlich, Willkommen, Tadellöser, Wolff, Vergleich, Chronik, Walter, Kempowski
Year: 2006
Pages: 24
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 8 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-62963-8
File size: 166 KB
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Excerpt (computer-generated)
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Institut für Neuere deutsche Literatur und Medien
Hauptseminar: „Die deutsche Chronik“ von Walter Kempowski
WS: 2005/06
Erzähltheoretische Analyse: Walter Kempowskis
"Herzlich Willkommen" und "Tadellöser & Wolff" im Vergleich
von: Anna Kyllikki Damm
Gliederung
1. Einleitung 2
2. Erzähltheoretische Analyse von „Herzlich Willkommen“ 4
2.1. Fiktionale Erzählung 4
2.2. Wie wird der Roman erzählt? 4
2.2.1. Die Zeit der Erzählung: 4
2.2.2. Der Modus der Erzählung 6
Wie mittelbar wird erzählt? 6
Aus welcher Sicht wird erzählt? 7
2.2.3. Erzählerstimme 8
Wann wird erzählt? 8
Wie stark ist der Erzähler am Geschehen beteiligt? 9
2.2.4. Vergleich mit „Tadellöser & Wolff 10
3. Figurenrede 11
3.1. Einordnung nach Genette 11
3.2. Die narrativisierte Figurenrede 11
3.3. Die direkte Figurenrede 11
3.4. Die transponierte Figurenrede 12
4. Erzählerperspektive und Intention des Autors 15
5. Collagetechnik 17
5.1. Definition des Begriffs Collage 17
5.2. Einordnung nach Volker Hage und Anwendung in den Romanen 18
6. Abschlussbetrachtung 22
7. Literaturverzeichnis 23
Primärliteratur: 23
Sekundärliteratur: 23
1. Einleitung
Sechs Romane und drei Befragungsbänden umfasst die „Deutsche Chronik“ Walter Kempowskis. Im Mittelpunkt seiner Arbeit stehen vor allem die Themen Vergangenheit und Schuld. Erschienen sind die Romane zwischen 1971 und 1984. Schon immer stark mit der eigenen Biographie beschäftigt, schildert Kempowski in seiner Chronik die Geschichte einer Rostocker Familie zwischen 1885 und 1958. Alle Romane sind als fiktive Erzählungen angelegt, auch wenn ein großer Teil der Erzählung auf realen Vorlagen basieren dürfte.
Die in dieser Arbeit behandelten Romane haben jeder für sich eine besondere Stellung in der Chronik. Gleichwohl „Tadellöser & Wolff“ zwar nicht den Anfang der Chronik darstellt, so ist es doch als erstes Buch derselben erschienen. Die Behandlung der Zeit des Dritten Reiches mag einen großen Teil dazu beigetragen zu haben, dass es, sogar verfilmt, das erfolgreichste Buch der Chronik wurde. Die Sonderstellung von „Herzlich Willkommen resultiert aus einer anderen Ursache. Es bildet, als zuletzt erschienenes Buch, den Abschluss der Chronik.
In der vorliegenden Arbeit wird zu untersuchen sein, wie der Autor in erzähltechnischer Hinsicht vorgegangen ist. Nach einer Erzähltheoretischen Analyse, die eine Grundlage für das darauf Folgende schaffen soll, werden zwei Hauptthemen untersucht werden.
Das ist zunächst die Figurenrede. In beiden Romanen ist diese auf ihre Art und Weise sehr auffällig. Verwendet Kempowski in „T&W“ die direkte Rede noch sehr häufig, so tritt sie in „HW“ deutlich hinter der indirekten Figurenrede zurück. Warum lässt Kempowski die Figuren in dem einen Roman direkt, in dem anderen Roman „nur“ indirekt zu Wort kommen, wenn es doch eine fortlaufende Geschichte ist? Diese Frage soll ebenso beantwortet werden, wie die Frage nach der Intention, die der Autor mit dieser Vorgehensweise verfolgt.
Das zweite große Thema ist das Collage-Prinzip. Bereits in der Grundlage zur „Deutschen Chronik“, der vierbändigen „Familiengeschichte der Collasius, Hälssen, Kempowski, Nölting“ probiert Kempowski sich in der Anwendung der Collagetechnik. (vgl. Hempel, S. 23 f) Schon während seiner Haft in Bautzen sammelt er, zu dieser Zeit noch im Gedächtnis, Geschichten, Zitate und ähnliches. Er geht von Saal zu Saal, spricht mit seinen Kameraden und lässt sich deren Lebensgeschichten erzählen.
Nach seiner Freilassung 1956 beginnt er immer systematischer vorzugehen. Er befragt zunächst Verwandte und Freunde, macht sich zu allem Notizen, geht dann aber auch dazu über Fremde auf der Straße anzusprechen und sie zu einem bestimmten Thema zu befragen. So entstehen später unter anderem die Befragungsbände zu jeweils einem Thema: „Haben Sie Hitler gesehen?“ oder auch „Haben Sie davon gewusst?“ Aus all diesen Informationen, in Zettelkästen geordnet, in Verbindung mit seiner eigenen Familiengeschichte, entstehen nun die Romane der „Deutschen Chronik“. Originale Zitate, aber auch Werbeslogans oder Liedtexte aus der behandelten Zeit, baut er immer wieder in seine Romane ein. Diese Anwendung des Collage-Prinzips gipfelt in seinem neusten Werk, dem Echolot. Die zahlreichen Stimmen, die bereits in den vorangegangenen Romanen zu Wort gekommen sind, vermehren sich. Sie sind nach Aussage von D. Hempel zu einem Chor von tausend Stimmen angeschwollen. (vgl. Hempel, S. 27) Die Aufgabe des vierten Kapitels wird es also sein diese Verwendung der Collagetechnik zu untersuchen. Wie hat Kempowski das gemacht und warum? Dieser Frage habe ich mich gestellt, weil das Collage-Prinzip eines der typischsten Stilmerkmale Walter Kempowskis ist. Weil er mithilfe dieser Technik das für den Leser immer wieder erkennbare Typische erzeugt.
2. Erzähltheoretische Analyse von „Herzlich Willkommen“
2.1. Fiktionale Erzählung
Der Roman „Herzlich Willkommen“ befasst sich mit der Rückkehr des Protagonisten Walter Kempowski aus der Gefangenschaft in Bautzen. Bereits während seiner Zeit im Gefängnis begann Walter Kempowski die Geschichte seiner Familie und somit auch seine eigene zu rekonstruieren, sich ins Gedächtnis zu rufen. Und trotzdem die Erzählung sehr nah an der Realität bleibt, sind vom Autor doch einige Abweichungen vorgenommen worden, was Namen oder Situationen angeht. Auch können die vielen Gespräche mit den Verwandten oder der Mutter nur in etwa so abgelaufen sein, wie sie im Buch dargestellt sind, da das Buch nicht den Anspruch erhebt eine Dokumentation dieses erzählten Zeitraumes zu sein. Darüber hinaus deutet der Autor selbst auf die
Fiktionalität der Erzählung hin, indem er durch paratextuelle Hinweise („Die Ähnlichkeit mit lebenden Personen ist rein zufällig“) und die Definition des Werkes als „Roman“ den Leser darauf aufmerksam macht. In dem er die Aussagen der zitierten Personen bearbeitet und auf die gleiche Ebene stellt wie die Rede des Erzählers, wird die faktuale Rede der authentischen Person zu einer fiktionalen Erzählerrede. (Vgl. D. Hempel, S. 26)
2.2. Wie wird der Roman erzählt?
2.2.1. Die Zeit der Erzählung:
[...]
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