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Frauenfiguren in der Literatur der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bis zur ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2002, 24 Pages
Author: Sophie Venske
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Event: Hauptseminar: Deutsche Komödien von Lessing bis Hofmannsthal
Institution/College: LMU Munich (Deutsche Philologie)
Tags: frauenfiguren komödie
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2002
Pages: 24
Grade: 2.7
Language: German
Archive No.: V7256
ISBN (E-book): 978-3-638-14569-5

File size: 226 KB
Notes :
Am Beispiel von Minna von Barnhelm, Die Soldaten und Der zerbrochne Krug.182 KB



Excerpt (computer-generated)

Frauenfiguren in der Literatur der zweiten Hälfte
des 18. Jahrhunderts bis zur ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts

von Sophie Venske



Inhaltsangabe

1. Einleitung

2. Politisch-gesellschaftlicher Hintergrund

3. Die gesellschaftliche Stellung der Frau von der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bis zur ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts

4. Darstellung der Frau in der Literatur der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts

5. Die Frau in Lessings Komödien

5.1. Die Lisette in Lessings Jugendkomödien

5.2 "Minna von Barnhelm - oder das Soldatenglück" von G.E. Lessing
5.2.1 Kurze Zusammenfassung der Handlung
5.2.2 Die Frauenfigur Minna von Barnhelm

6. "Die Soldaten" von Jakob Michael Reinhold Lenz

6.1 Zusammenfassung der Handlung
6.2 Die Frauenfigur Marie Wesener

7. "Der zerbrochne Krug" von Heinrich Kleist

7.1 Zusammenfassung der Handlung

8. Schlussbemerkung

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Arbeit hat sich zum Ziel gesetzt, die Darstellung der Frauenfiguren in den Komödien der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu untersuchen. Bei der Untersuchung stellten sich folgende Fragen: Welches Bild der Weiblichkeit wird in den deutschen Komödien dargestellt? Welche besonderen Merkmale weisen die unterschiedlichen Frauentypen auf? Welche Parallelen lassen sich zwischen den untersuchten weiblichen Charakteren ziehen? Gibt es auffällige Unterschiede in der Darstellung in den verschiedenen Epochen? In den Dramen "Minna von Barnhelm", "Die Soldaten", "Der zerbrochne Krug" handelt es sich ausschliesslich um Frauenfiguren männlicher Schöpfung, daher stellt sich die Frage, ob das Bild der Frauen eine Form männlicher Wunsch-/Ideologieproduktion darstellt, bzw. ob die Frauenfiguren männliche Ängste/Wünsche wiederspiegeln.
Die untersuchten Werke entstanden in einem Zeitraum, - beginnend mit der französischen Revolution im Jahre 1789 bis hin zur Märzrevolution 1848 - in dem in ganz Europa weitreichende Veränderungen eingetreten sind. Da diese auch starken Einfluss aus das kulturelle Leben und die Stellung der Frau in der Gesellschaft hatten, wird im ersten Teil der Arbeit zunächst der sozial-politische Hintergrund zusammengefasst.
Im weiteren Verlauf der Untersuchung wird zum einen auf die gesamtgesellschaftliche Rolle der Frau von der Zeit der Aufklärung, über den Sturm und Drang bis hin zur Romantik eingegangen, zum anderen die Darstellung der Frau in der oben genannten Literatur untersucht.
Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem Lustspiel "Minna von Barnhelm" von Lessing, da hier ein signifikantes Frauenbild entwickelt wurde, dass für viele spätere Dramen richtungsweisend war und als Vorlage für nachfolgende Frauenfiguren diente. Als Annäherung an diese Thematik findet auch die Figur der Lisette Beachtung, da ihre Darstellung bereits in frühen Komödien von Lessing eine Entwicklung hin zur emanzipierten und aufgeklärten Frauenfigur andeutet.
Um eventuelle epochale Unterschiede zur Diskussion zu stellen, werden die Marie aus "Die Soldaten" von dem Autor des Sturm und Drangs Jakob Michael Reinhold Lenz, und die Lena aus "Leonce und Lena" von Georg Büchner kurz vorgestellt.

2. Politisch - gesellschaftlicher Hintergrund

Nicht zu Unrecht ist das 18. Jahrhundert von den Zeitgenossen und später auch von den Historikern als eine Epochenwende und als Beginn der modernen Zeit deklariert worden. Das deutsche Reich war seit dem Dreißigjährigen Krieg in eine Vielzahl kleinen Territorien zerteilt und die unzähligen Miniaturpotentaten konnte ihre aufwendige Hofhaltung nur durch rücksichtslose Ausbeutung ihrer Untertanen aufrecht erhalten. Im inneren der Staaten hemmten starre Standesschranken zwischen Adel, Bürgern und Bauern die soziale und wirtschaftliche Entwicklung. Ein politisches Bewusstsein fehlte den unmündig gehaltenen Untertanen ebenso wie den dynastische Interessenpolitik betreibenden Fürsten. Nur im geistigen Leben bildet sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ein Bewusstsein einer - die sozialen Grenzen übergreifenden - nationalen Verbundenheit heraus, das Schiller in folgende Worte fasst: "Deutsches Reich und deutsche Nation sind zweierlei Dinge (...) indem das politische Reich wankt, hat sich das Geistige immer fester und vollkommener gebildet." 1806 wird das Reich schließlich aufgelöst und in jener Zeit entwickelten sich neue ökonomische Kräfte und es bildeten sich neue soziale Klassen heraus: der Industriekapitalismus und das handeltreibende Bürgertum. Dies führte langsam zur Auflösung der alten Ständegesellschaft und zur Herausbildung der bürgerlich-egalitären Gesellschaft, die nicht mehr gewillt war, die politische und kulturelle Vorherrschaft des Adels als gottgegeben und unveränderlich hinzunehmen.
Diese Veränderungen griffen auf das kulturelle und somit auch auf das literarische Leben über und an die Stelle der höfischen trat eine neue Literatur, die die Leitgedanken der Aufklärung - Vernunft, Rationalität, Gleichheit und Menschlichkeit - auf alle Gattungen zu übertragen versuchte.

[...]


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