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Modernisierung und eine Geschichte der Genussmittel

Subtitle: Zu Wolfgang Schivelbusch: "Das Paradies, der Geschmack und die Vernunft"

Scholary Paper (Seminar), 2000, 21 Pages
Author: Iris Baumgärtel
Subject: Sociology - Classics, Basics and Theoretical Directions

Details

Event: Sozialer Wandel - Modernisierung und ihre Widersprüche
Institution/College: University of Constance (Fachbereich Geschichte und Soziologie)
Tags: Modernisierung, Geschichte, Genussmittel, Sozialer, Wandel, Modernisierung, Widersprüche
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2000
Pages: 21
Grade: gut
Language: German
Archive No.: V7260
ISBN (E-book): 978-3-638-14573-2
ISBN (Book): 978-3-638-78703-1
File size: 247 KB
Notes :
Zu Wolfgang Schivelbusch: Das Paradies, der Geschmack und die Vernunft.203 KB


Abstract

Bei der Frage nach Modernisierung, neigt man gerne dazu, zu denken, es handle sich um eine historische Aufarbeitung des menschlichen Fortschritts bis zum Hier und Jetzt, denn schließlich betrachten wir uns als eine moderne Gesellschaft im Unterschied zu traditionellen Lebensformen. Doch nicht jener Unterschied zwischen Damals und Heute macht diesen Begriff klar, sondern erst mit der Untersuchung einzelner Aspekte und Perspektiven des Prozesses "Modernisierung" lassen sich die vielfachen Verzweigungen einigermaßen zureichend erfassen. Vor dem Hintergrund des Buches Modernisierung - Projekt und Paradox von Hans van der Loo und Willem van Reijen soll im Folgenden ein Punkt aus dem allgemeinen Alltagsleben herausgegriffen und erläutert werden: Die Entfaltung und Veränderung des Geschmacks, sowohl im physiologischen, als auch psychologischen Sinne. Aus dem Titel Das Paradies, der Geschmack und die Vernunft wird vor der Lektüre des Buches von Wolfgang Schivelbusch noch nicht klar, um was genau es sich hier handelt. Erst der Untertitel Eine Geschichte der Genußmittel stellt letztendlich klar, daß es sich hier um die Entwicklung von Genußmitteln im weitesten Sinne handeln muß. Doch die Tatsache, daß hier von einer Geschichte die Rede ist, zeigt, daß diese Ausführungen nur eine Möglichkeit der historischen Wirklichkeit aufzeigen.


Excerpt (computer-generated)

Modernisierung und Eine Geschichte der Genussmittel

von Iris Baumgärtel



Inhalt

Einführung

I. Inhaltlicher Aufbau

Das Paradies, der Genuß und die Vernunft

II. Diskussion

Van der Loo/ Van Reijen - Schivelbusch

III. Persönliche Evaluation

Literatur


Einführung

Bei der Frage nach Modernisierung, neigt man gerne dazu, zu denken, es handle sich um eine historische Aufarbeitung des menschlichen Fortschritts bis zum Hier und Jetzt, denn schließlich betrachten wir uns als eine moderne Gesellschaft im Unterschied zu traditionellen Lebensformen. Doch nicht jener Unterschied zwischen Damals und Heute macht diesen Begriff klar, sondern erst mit der Untersuchung einzelner Aspekte und Perspektiven des Prozesses "Modernisierung" lassen sich die vielfachen Verzweigungen einigermaßen zureichend erfassen.
Vor dem Hintergrund des Buches Modernisierung - Projekt und Paradox von Hans van der Loo und Willem van Reijen soll im Folgenden ein Punkt aus dem allgemeinen Alltagsleben herausgegriffen und erläutert werden: Die Entfaltung und Veränderung des Geschmacks, sowohl im physiologischen, als auch psychologischen Sinne.

Aus dem Titel Das Paradies, der Geschmack und die Vernunft wird vor der Lektüre des Buches von Wolfgang Schivelbusch noch nicht klar, um was genau es sich hier handelt. Erst der Untertitel Eine Geschichte der Genußmittel stellt letztendlich klar, daß es sich hier um die Entwicklung von Genußmitteln im weitesten Sinne handeln muß. Doch die Tatsache, daß hier von einer Geschichte die Rede ist, zeigt, daß diese Ausführungen nur eine Möglichkeit der historischen Wirklichkeit aufzeigen.

I. Inhaltlicher Aufbau

Das Paradies, der Geschmack und die Vernunft

Schivelbusch stellt das Auftreten der Genußmittel in Europa in einem chronologischen Aufbau dar, unterlegt von Bildern und Zitaten zeitgenössischer Persönlichkeiten, aus dem die wichtigen Eckpunkte in der Entwicklung des Geschmacks auf verschiedene Stoffe vor dem Hintergrund historischer Ereignisse und epochaler Eigenheiten hervorgehen. Dabei betrachtet der Autor nach einer allgemeinen Einführung Gewürze, Kaffee, Schokolade, Tabak, Branntwein und Drogen jeweils separat und im Bezug zur ausschlaggebenden Ethik, Kulturgeschichte und politischen Lage der entprechenden Ära. Darauf aufbauend werden auch mit den Genußmitteln verbundene Rituale und die Evolution der Lokalkultur behandelt.
Vorbemerkung
Wie der Autor einleitend feststellt, soll es sich hier nicht um eine historische Aufarbeitung des Auftretens der Genußmittel handeln, sondern um eine Beleuchtung der Geschichte aus dem Blickwinkel des modernen Menschen. Die zentralen Fragen des Buches sind, welche Rolle diese Stoffe in der Geschichte des modernen Menschen spielten, warum in Europa zu bestimmten Zeiten die unterschiedlichsten Genußmittel in Erscheinung traten und inwiefern ihre Entdeckung Befriedigung neuartiger Geschmacksrichtungen oder schlichter Zufall waren. Im Brennpunkt der Untersuchung ist dieses Phänomen des unvermittelten Auftretens und ebenso schlagartigen Verschwindens diverser Bedürfnisse. Auch wird versucht, Gründe für die scharfe Abgrenzung sozialer Schichten voneinander durch Genußmittel und die plötzliche Einstufung von Opium oder Haschisch als "Rauschgifte" zu finden.
Schivelbusch weist darauf hin, daß das deutsche Wort "Genußmittel" sinngemäß die Bedeutung ihrer historischen Realität nicht erfasst und auch nicht ganz dem entspricht, was zum Beispiel das englische oder französische stimulants aussagt. Die Bezeichnung impliziere die Idee des "reinen paradiesischen Genusses", jedoch ihre "zunächst paradox klingende, historische Leistung ist diese Arbeit-im-Genuß. Die Vorgänge, die die Genußmittel im menschlichen Organismus bewirken, vollenden sozusagen chemisch, was geistig, kulturell und politisch schon vorher angelegt war."

[...]


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