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Die Darstellung der Liebe im "L'Heptaméron" von Marguerite de Navarre

Autor: Susanne Hasenstab
Fach: Romanistik - Französisch - Literatur

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Details

Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2006
Seiten: 17
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 13  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 138 KB
Archivnummer: V72616
ISBN (E-Book): 978-3-638-72068-7
ISBN (Buch): 978-3-638-75500-9

Zusammenfassung / Abstract

Die Liebe, das immerwährende Thema der Weltliteratur. Auch in den 72 Novellen des „L ` Heptaméron“, des Spätwerks der französischen Renaissance-Schriftstellerin Marguerite de Navarre (1492-1549), steht die Liebe in ihren mannigfaltigen Erscheinungsformen im Vordergrund. Marguerite de Navarre - Schwester von König Franz I. von Frankreich und Frau des Königs von Navarra, Diplomatin, Regierende, Mäzenin für Kunst und Literatur - schrieb das „Heptaméron“ gegen Ende ihres Lebens: Neun Jahre nach ihrem Tod erschien die unvollendete Novellensammlung, die eigentlich auf 100 Novellen angelegt war, nach dem Vorbild von Boccaccios „Decameron“. Fast alle Geschichten handeln von „Amouren innerhalb der französischen Hofgesellschaft, von rohen Leidenschaften der Hofbediensteten oder der Kleriker.“ Die Rahmenhandlung präsentiert dem Leser fünf Männer und fünf Damen adeliger Herkunft, die in einem Pyrenäenkloster auf Grund eines Hochwassers für einige Tage von der Außenwelt abgeschnitten sind. Zum Zeitvertreib, da man nichts anderes zu tun hat, beginnt man, sich gegenseitig unterhaltsame Geschichten zu erzählen, in deren Mittelpunkt Lust, Liebe und Leidenschaft stehen, so dass sich „Von Anfang an … ein rein künstlerisches, rein novellistisches Werk anzukündigen“ scheint. Die Erzähler betonen jeweils den Wahrheitsgehalt der Ereignisse. Obwohl das „L` Heptaméron“ ein fiktionales literarisches Werk ist, wird allgemein angenommen, dass nicht daran zu zweifeln ist, „que beaucoup d` histories, attestées ou non, prennent leur source dans la réalité contemporaine”. Dass die an Menschenkenntnis reiche Marguerite de Navarre hinter diesem Motiv des „passe-temps“ gegen die Langeweile ihre gesellschaftspädagogischen Ziele versteckt und eine „psychologische und moralische Untersuchung der Zeit“ vornimmt, wird erst bei näherer Betrachtung deutlich. Welche Aspekte, welches Bild der Liebe entwirft nun Marguerite de Navarre in ihren Novellen, die fast alle als „histoires autonomes“ stehen?

Textauszug (computergeneriert)

Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Neueres Philologien-Institut für Romanische Sprachen
Proseminar: Novellen der Renaissance
Sommersemester 2006, 3. Fachsemester

Die Darstellung der Liebe im „L`Heptaméron“ von Marguerite de Navarre

von

Susanne Hasenstab

 


Inhaltsverzeichnis

1. Die Liebe – zentrales Thema im „L `Heptaméron“ 3

2. Aspekte der Liebe in Beispielnovellen 4

2.1 In fremden Betten: List, Fremdgehen, Eifersucht 4

2.1.1 Die III. Novelle: List und Betrug am Hofe 4
2.1.2 Die XV. Novelle: Vernachlässigung durch den Ehemann als Ursache des Fremdgehens 5
2.1.3 Die XXXII. Novelle: Grausame Bestrafung einer Ehebrecherin 6

2.2 Gelebte Liebe: Selbstkontrolle und Selbstaufopferung 6

2.2.1 Die XVI. Novelle: Zügelung der Begierde zur Erlangung vollkommener Liebe 6
2.2.2 Die XXXVII. und die XXXVIII. Novelle: Tugenden einer guten Ehefrau: Geduld und Toleranz 7

2.3 Ungelebte Liebe: Entsagung und Hinwendung zu Gott 8

2.3.1 Die X. Novelle: Ungezügelte Leidenschaft zerstört die Liebe und den Liebenden 8
2.3.2 Die XIX. Novelle: Die göttliche, vergeistigte Liebe als Ideal 10

3. Idealbild der Liebe und Realität im Zeitalter der Renaissance 11

3.1 Ehe ohne großes Ansehen im Frankreich des 16. Jahrhunderts 11
3.2 Leidenschaft und Gewalt 11
3.3 Ehre und Ehrerhaltung bei Hofe 12
3.4 Das Idealbild: Die göttliche Liebe 13

4. Gesellschaftskritik unter dem Deckmantel des novellistischen Erzählens 15

5. Bibliographie 17

 



 

1. Die Liebe – zentrales Thema im „L `Heptaméron“

Die Liebe, das immerwährende Thema der Weltliteratur. Auch in den 72 Novellen des „L ` Heptaméron“, des Spätwerks der französischen Renaissance-Schriftstellerin Marguerite de Navarre (1492-1549), steht die Liebe in ihren mannigfaltigen Erscheinungsformen im Vordergrund: „Le sujet de l´ Heptaméron est d´ abord et avant tout l´ amour”1. Marguerite de Navarre - Schwester von König Franz I. von Frankreich und Frau des Königs von Navarra, Diplomatin, Regierende, Mäzenin für Kunst und Literatur - schrieb das „Heptaméron“ gegen Ende ihres Lebens: Neun Jahre nach ihrem Tod erschien die unvollendete Novellensammlung, die eigentlich auf 100 Novellen angelegt war, nach dem Vorbild von Boccaccios „Decameron“.2 Fast alle Geschichten handeln von „Amouren innerhalb der französischen Hofgesellschaft, von rohen Leidenschaften der Hofbediensteten oder der Kleriker.“ 3
Die Rahmenhandlung präsentiert dem Leser fünf Männer und fünf Damen adeliger Herkunft, die in einem Pyrenäenkloster auf Grund eines Hochwassers für einige Tage von der Außenwelt abgeschnitten sind. Zum Zeitvertreib, da man nichts anderes zu tun hat, beginnt man, sich gegenseitig unterhaltsame Geschichten zu erzählen, in deren Mittelpunkt Lust, Liebe und Leidenschaft stehen, so dass sich „Von Anfang an … ein rein künstlerisches, rein novellistisches Werk anzukündigen“4 scheint. Die Erzähler betonen jeweils den Wahrheitsgehalt der Ereignisse. Obwohl das „L` Heptaméron“ ein fiktionales literarisches Werk ist, wird allgemein angenommen, dass nicht daran zu zweifeln ist, „que beaucoup d` histories, attestées ou non, prennent leur source dans la réalité contemporaine” 5. Dass die an Menschenkenntnis reiche Marguerite de Navarre hinter diesem Motiv des „passetemps“ gegen die Langeweile ihre gesellschaftspädagogischen Ziele versteckt und eine „psychologische und moralische Untersuchung der Zeit“6 vornimmt, wird erst bei näherer Betrachtung deutlich. Welche Aspekte, welches Bild der Liebe entwirft nun Marguerite de Navarre in ihren Novellen, die fast alle als „histoires autonomes“7 stehen?

2. Aspekte der Liebe in Beispielnovellen

2.1 In fremden Betten: List, Fremdgehen, Eifersucht

2.1.1 Die III. Novelle: List und Betrug am Hofe

Die meisten Novellen des „Heptaméron“ spielen an Königshöfen, im aristokratischen Milieu, beispielsweise die III. Novelle “en la ville de Naples, du temps du roy Alfonce, duquel la lascivité estoit le sceptre de son royaulme”8. Mit „lascivité“ wird schon eine Charaktereigenschaft des Sittenbildes genannt, das Marguerite de Navarre entwirft : Das Liebesleben bei Hofe ist geprägt von Seitensprüngen untreuer Ehemänner und –frauen. In der III. Novelle verliebt sich der König in die Frau eines Edelmanns. Das Paar scheint glücklich und verliebt, doch dies hält den König nicht davon ab, die Frau zu seiner Geliebten machen zu wollen, denn er “ne print pas tant de plaisir au doulx accord de son mary et d´ elle qu´ il fist à penser comme il le pourroit romper.”9. Die Frau erscheint als wankelmütiges Wesen, deren Gefühle schnell umschlagen, denn kaum ist ihr Mann auf einer Geschäftsreise, verschwendet sie keinen Gedanken mehr an die Liebe, die sie noch vor kurzem mit ihrem Mann verband und wird “sy amoureuse du roy”10. Das einzige, was sie fürchtet, ist das Gerede der Leute bei Hofe, der Verlust ihrer Ehre. Doch der König verspricht ihr, die Affaire geheim zu halten, “sy secretement que l´ honneur, qu´ elle craignoit plus que la conscience, n´ en seroict poinct blessé.”11.
Das Motiv der Ehre, die die Hofdamen um jeden Preis behalten wollen, zieht sich wie ein roter Faden durch Marguerite de Navarres Novellensammlung. Nicht der Betrug an sich macht den Damen zu schaffen, sondern der mögliche Ehrverlust. Der Edelmann, der von der Affaire seiner Frau mit dem König erfährt, reagiert mit einer List: Er macht seinerseits die Königin zu seiner Geliebten, ohne dass seine Frau und der König dessen gewahr werden. Die Königin weiß von den Eskapaden ihres Mannes und nimmt diese hin, da sie weiß: “Je ne puis pas avoir l´ honneur et le plaisir ensemble. Je scay bien que j´ ay l´ honneur dont une autre recoit le plaisir; aussy, celle qui a le plaisir n´ a pas l´ honneur que j´ ay.”12
Das Vergnügen ist also den Geliebten vorbehalten, der Ehefrau bleibt dafür die Ehre. Vergnügen und Liebe in der Ehe erscheinen als unvereinbare Gegensätze. Nachdem der Edelmann die Königin von seiner Liebe und der Rechtmäßigkeit seines Tuns überzeugt hat, willigt sie ein, seine Geliebte zu werden, um ihrerseits ihr Vergnügen außerhalb der Ehe zu finden.

[...]


1 Tetel 1991, S. 17

2 Vgl: Schönberger 1993, S. 13

3 Ebd., S. 59

4 Pabst 1967, S. 187

5 Bessière/ Daros (Hg.) 1996, S. 100

6 Febvre 1998, S. 223

7 Bessière/ Daros (Hg.) 1996, S. 75

8 De Navarre: Heptaméron. Edition critique par Renja Salminen 1999, S. 26

9 Ebd., S. 26

10 Ebd., S. 27

11 Ebd., S. 27

12 Ebd., S. 28

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