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Die Erziehung bei G. E. Lessing und J. G. Herder close

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Die Erziehung bei G. E. Lessing und J. G. Herder

Termpaper, 2002, 28 Pages
Author: Doktor Alessandro De Vivo
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Termpaper
Year: 2002
Pages: 28
Grade: 1.0
Bibliography: ~ 13  Entries
Language: German
Archive No.: V72749
ISBN (E-book): 978-3-638-73067-9
ISBN (Book): 978-3-638-73513-1
File size: 204 KB

Abstract

Gotthold Ephraim Lessing und Johann Gottfried Herder waren zwei wichtige deutsche Autoren des 18. Jahrhunderts. Beide erlebten die bedeutenden Ereignisse jenes Jahrhunderts, vor allem die Verbreitung der Aufklärung, auch wenn Lessing im Jahre 1781 starb und also konnte er der französischen Revolution nicht beiwohnen. In ihren zahlreichen Werken entwickelten sie religiöse und erzieherische Gedanken, die einige gemeinsame sowie einige gegensätzliche Punkten zeigen, wenn man sie im Allgemeinen miteinander vergleicht. Gemeinsam für diese Autoren war der Kampf für die persönliche Freiheit, für die Verbreitung des selbständigen Gedankens und die folgerichtige Ausschlagung allerhand Kompromiss mit der politischen und religiösen Obrigkeit. Insbesondere ist das in Lessings Leben sichtbar. Er ließ sich mit vielen wichtigen Leuten in eine Polemik ein, um seinen persönlichen Streit gegen die Intoleranz und die geistige und politische Tyrannei zu führen. Aus diesem Grund wurde er das Symbol des Kampfes des Bürgertums gegen den Klerus und den Feudalismus. Außerdem war er fast immer mit Schulden belastet, aber trotzdem versuchte er seine sittliche Unabhängigkeit, die er als die wertvollste Gabe seines Lebens betrachtete, mit großer Kraft zu bewahren. Tatsächlich lehnte er mehrmals ab, bei Fürsten oder Herzögen im Dienst zu sein, weil sie seine Freiheit beschränkt hätten. Nur als er vierzig Jahre alt war, nahm er die Einladung des Herzogs von Brunswick an, als Bibliothekar von Wolfenbüttel zu arbeiten, weil er müde wegen seiner vielen Kämpfe war. Jedoch bewahrte Lessing auch während dieser Jahre seine kämpferische Natur: zum Beispiel gehorchtete er dem Verbot des Herzogs nicht, andere religiöse Schriften nach der Auseinandersetzung mit dem Hamburger Hauptpastor zu schreiben und verfasste Nathan der Weise, in dem Lessing die negativen Aspekten der religiösen Obrigkeit unterstrich. Im Gegenteil zu Lessing, war Herder im Laufe seines Lebens mehrmals bei Fürsten und Herzögen im Dienst, aber er hatte fast keine gute Beziehungen mit ihnen, weil er ihre despotische Haltung nicht billigte. Das passierte zum Beispiel in Bückenburg, wo er als Oberprediger arbeitete, und auch in Weimar. Hier erlebte er politische Ohnmacht und am Anfang fand Widerstände und keine finanziellen Unterstützungen für seine Reformpläne, die die sozialen Probleme und insbesondere die Schule betrafen.


Excerpt (computer-generated)

Die Erziehung in G. E. Lessing und J. G. Herder

von

Doktor Alessandro De Vivo

 


Inhaltverzeichnis

I. Einleitung 2

II. Die Aufklärung 5

IIa. Die neue Epoche der Aufklärung 7
IIb. Die Literatur in der Aufklärung 8

III. Lessings Nathan der Weise: die Entstehung 10

IIIa. Nathan der Weise: historischer Hintergrund, Inhalt und Analysis der Hauptfiguren 12

IV. Lessing: „Die Erziehung des Menschengeschlechtes“ 19

IVa. Erzieherische Aspekte des Werkes 22

V. Herders pädagogische Schriften 24

VI. Primärliteratur 28

VII. Sekundärliteratur 28


 

 

I . Einleitung

Gotthold Ephraim Lessing und Johann Gottfried Herder waren zwei wichtige deutsche Autoren des 18. Jahrhunderts. Beide erlebten die bedeutenden Ereignisse jenes Jahrhunderts, vor allem die Verbreitung der Aufklärung, auch wenn Lessing im Jahre 1781 starb und also konnte er der französischen Revolution nicht beiwohnen. In ihren zahlreichen Werken entwickelten sie religiöse und erzieherische Gedanken, die einige gemeinsame sowie einige gegensätzliche Punkten zeigen, wenn man sie im Allgemeinen miteinander vergleicht.
Gemeinsam für diese Autoren war der Kampf für die persönliche Freiheit, für die Verbreitung des selbständigen Gedankens und die folgerichtige Ausschlagung allerhand Kompromiss mit der politischen und religiösen Obrigkeit. Insbesondere ist das in Lessings Leben sichtbar. Er ließ sich mit vielen wichtigen Leuten in eine Polemik ein, um seinen persönlichen Streit gegen die Intoleranz und die geistige und politische Tyrannei zu führen. Aus diesem Grund wurde er das Symbol des Kampfes des Bürgertums gegen den Klerus und den Feudalismus. Außerdem war er fast immer mit Schulden belastet, aber trotzdem versuchte er seine sittliche Unabhängigkeit, die er als die wertvollste Gabe seines Lebens betrachtete, mit großer Kraft zu bewahren.1 Tatsächlich lehnte er mehrmals ab, bei Fürsten oder Herzögen im Dienst zu sein, weil sie seine Freiheit beschränkt hätten.
Nur als er vierzig Jahre alt war, nahm er die Einladung des Herzogs von Brunswick an, als Bibliothekar von Wolfenbüttel zu arbeiten, weil er müde wegen seiner vielen Kämpfe war. Jedoch bewahrte Lessing auch während dieser Jahre seine kämpferische Natur: zum Beispiel gehorchtete er dem Verbot des Herzogs nicht, andere religiöse Schriften nach der Auseinandersetzung mit dem Hamburger Hauptpastor zu schreiben und verfasste Nathan der Weise, in dem Lessing die negativen Aspekten der religiösen Obrigkeit unterstrich.
Im Gegenteil zu Lessing, war Herder im Laufe seines Lebens mehrmals bei Fürsten und Herzögen im Dienst, aber er hatte fast keine gute Beziehungen mit ihnen, weil er ihre despotische Haltung nicht billigte. Das passierte zum Beispiel in Bückenburg, wo er als Oberprediger arbeitete, und auch in Weimar. Hier erlebte er politische Ohnmacht und am Anfang fand Widerstände und keine finanziellen Unterstützungen für seine Reformpläne, die die sozialen Probleme und insbesondere die Schule betrafen.
Er versuchte gegen die Gewalttätigkeit, die Niedertracht und den Despotismus zu kämpfen, die nicht zu seinem Begriff von Staat und Humanität gehörten. Außerdem hielt Herder immer an seinen sittlichen und religiösen Überzeugungen fest und er verriet sie nicht, auch wenn er persönliche Vorteile erreichen konnte. Das passierte, zum Beispiel, als er im Jahre 1773 sein erstes theologisches Werk Älteste Urkunde des Menschengeschlechts veröffentlichte. Hier kritisierte er stark die Meinungen von Michaelis, der Bibelausleger und Professor in Göttingen war. Zu jener Zeit wollte Herder genau in Göttingen lehren und natürlich halfen diese Kritiken ihm gar nicht, seinen Wunsch zu erfüllen.2 Der Zusammenhang zwischen ihnen taucht auch in der Schrift auf, die Herder nach Lessings Tod im Jahre 1781 ihm widmete. Er schrieb:
„Kein neuerer Schriftsteller hat, dünkt mich, in Sachen des Geschmacks und des feineren, gründlichen Urteils über literarische Gegenstände auf Deutschland mehr gewirkt als Lessing. […] Solange deutsch geschrieben ist, hat, dünkt mich, niemand wie Lessing deutsch geschrieben. […] Seit Luther hat niemand die Sprache von dieser Seite so wohl gebraucht, so wohl verstanden. […] Meine Absicht ist nur, überhaupt die Spur zu verfolgen, wo Lessing seinen Weg nahm, wo er anfing, wo er aufhörte, wo andre ihm nachzugehen oder weiterzugehen haben.“ 3
Dagegen hatten Herder und Lessing unterschiedliche Meinungen hinsichtlich der wichtigsten Bewegung des 18. Jahrhunderts, das heißt die Aufklärung (ich werde dieses Thema im folgenden Abschnitt behandeln): während Lessing als ein Aufklärer bezeichnet wurde, kritisierte Herder viele Aspekte dieser Strömung.
Lessing begegnete den Ideen der Aufklärung bereits als Student in Leipzig und als junger Schriftsteller in Berlin und setzte sich mit ihnen bis an sein Lebensende auseinander. Man kann sagen, dass er so sehr Aufklärer war, dass er sich keiner der philosophischen Denkschulen der Aufklärung voll zuordnen ließ. Als selbständiger Denker entwickelte er manchmal sogar einige Gedanken, die nicht mit jenen der Aufklärung übereinstimmen. Zum Beispiel glaubten die Aufklärer, dass es nicht nötig war, sich selbst immer zu entwickeln und zu fortschreiten; im Gegenteil behauptete Lessing, dass man nie stehenbleiben musste, weil, seiner Meinung nach, die absolute Wahrheit nicht existierte, sondern es existierte nur die Bemühung des Menschen, der sie unermüdlich suchen sollte. Also für ihn ist die Suche nach der Wahrheit wichtiger als die fragwürdige Behauptung, sich im Besitz der Wahrheit zu wähnen. 4
Herders Stellung gegenüber der Aufklärung war viel zweideutiger: er billigte viele Aspekte dieser Bewegung, aber zugleich konnte er als ein Vertreter der aufgeklärten Kultur betrachtet werden. Tatsächlich hatten sie dieselben Zwecke: die Verbreitung der Freiheit für alle Menschen, ohne die Beschränkungen, die die politische und religiöse Obrigkeit in den absolutistischen Staat ausübte. Dagegen kritisierte Herder die Aufklärung insbesondere weil, sie, die meistens eine französische Bewegung war, eine breite Verbreitung der französischen Kultur und Sprache in Deutschland verursachte. Herder war mit seinem Land und seiner Muttersprache eng verbunden: aus diesem Grund betrachtete er die Aufklärung als eine große Gefahr für Deutschland. Er schrieb in seinem Werk Briefe zur Beförderung der Humanität:

[...]


1 L. Mittner, Storia della letteratura tedesca. Dal pietismo al romanticismo (1700-1820), Tomo primo. Torino: Piccola Biblioteca Einaudi 1971, S. 199

2 Giuseppe Baccolo, Herder. Brescia: Società Editrice Vannini 1994, S. 76

3 Johann Gottfried Herder, Werke in zwei Bänden. Herausgegeben von Karl-Gustav Gerold. München: Carl Hanser Verlag 1953, S. 616-617

4 B. Allason, Lessings ‚Minna di Barnhelm’ – ‚Nathan il Saggio’ – ‚Emilia Galotti’. Torino: Unione Tipografico-EditriceTorinese 1964, S. 17-18


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