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Untersuchung des Territorialverhaltens anhand der Figur des Wanja in Castorfs Erniedrigte und Beleidigte (Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz)

Seminararbeit, 2002, 13 Seiten
Autor: Simone Bley
Fach: Theaterwissenschaft

Details

Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2002
Seiten: 13
Note: 1,3
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V7278
ISBN (E-Book): 978-3-638-14589-3

Dateigröße: 185 KB


Textauszug (computergeneriert)

Untersuchung des Territorialverhaltens anhand der Figur
des Wanja in Castorfs Erniedrigte und Beleidigte
(Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz)

von Simone Bley

Inhaltsverzeichnis

1 Vorwort 4

2 Hauptteil 5

2.1 Bedeutung der Privatheit und das damit verbundene Verhalten 5
2.2 Welche Bedeutung hat Privatheit für Wanja? 5
2.3 Welchen Raum kann Wanja für sich beanspruchen? 6
2.4 Wie verteidigt Wanja sein Revier? 7
2.5 Wie verhält sich Wanja in seinem Revier? 8

2.6 Wie verhält sich Wanja in anderen Räumen? 9
2.6.1 Verhalten im Salon 9
2.6.2 Verhalten im begehbaren Schrank 11

3 Schluss 12

Literaturverzeichnis 13
Anhang 13


1 Vorwort

Frank Castorf inszenierte an der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in der Spielzeit 2000/2001 in Koproduktion mit der Wiener Festwoche Dostojewskis "Erniedrigte und Beleidigte". In diesem Großstadtroman "[...] geht [es] um zwei sich überschneidende Dreiecksverhältnisse zwischen Menschen in unterschiedlichen sozialen Positionen, die von einem fürstlichen Machtmenschen, der es sich leisten kann, (fast) immer die Wahrheit zusagen, oder das, was er dafür hält, für seine Interessen ein- und ausgespannt werden. Das halbwüchsige, bettelarme Waisenkind, das eigentlich eine Prinzessin ist, der aufstrebende und verachtete Schriftsteller, die Tochter aus gutem aber verarmten Hause, der sympathische aber willenschwache Sohn des Fürsten und die bezaubernde reiche Erbin begegnen sich [...]." Castorf inszeniert den Stoff auf einer Bühne, deren Mittelpunkt ein Big-Brother-artiger Container ist, auf dessen Dach eine Videoleinwand installiert wurde, die das Geschehen aus dem Inneren zum Teil geschnitten wiedergibt.
Zu analysieren ist, ob sich eine Form der Intimität, der Privatheit, des Rückzuges in einer solchen Situation einstellen kann. Anhand der Person des Wanja, eines Schriftstellers mit Schreibhemmung, soll in folgender Arbeit erläutert werden, welche Räume und Gebiete er sich schafft, welche ihm zugestanden werden, wie er sie verteidigt und sich in ihnen verhält. Keine der Figuren scheint besser dafür geeignet zu sein als er ,weil er besonders großen Wert auf seine Privatsphäre legt und man sie ihm nicht gewähren will.
Im ersten Teil der Arbeit habe ich mich mit Erving Goffmans Theorien zur Hinter- und Vorderbühne, sowie mit Irwin Altmans Ansichten zur Privatheit beschäftigt. Beide Grundsätze geben hilfreiche Erkenntnisse hinsichtlich des menschlichen Verhaltens in Bezug auf Räume, auf die sich die Analyse des Wanja aufbauen lässt.
Nützlich für die Arbeit war die, vom Institut für Theaterwissenschaft der FU Berlin, auf Video aufgezeichnete Vorstellung am 10.11.2001 in der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Dieses Material ließ eine eingehendere Betrachtung verschiedener Szenen zu, die bei einem normalen Theaterbesuch nicht möglich gewesen wären.
Da es sich bei der Inszenierung Castorfs um ein fünfstündiges Stück handelt, habe ich mich bei der Analyse auf die ersten zweieinhalb Stunden bis zur Pause beschränkt, da eine umfangreichere Betrachtung dieser Thematik den Rahmen dieser Hausarbeit gesprengt hätte.

2 Hauptteil

2.1 Bedeutung der Privatheit und das damit verbundene Verhalten

Nach Erving Goffman unterteilt sich das Leben und Handeln von Menschen in zwei Bereiche: die sogenannte Vorderbühne und die Hinterbühne. Diese an die Theatersprache angelehnten Begriffe verdeutlichen die Art und Weise wie sich ein Mensch gibt. Auf der Vorderbühne ist er sich der Anwesenheit anderer Personen bewusst. Er agiert den Normen und Höflichkeitsregeln entsprechend, er verstellt und inszeniert sich. Er ist "maskiert" und nicht er selbst. Die Hinterbühne dient nun dazu, sich zu demaskieren, sich gehen zu lassen. "Im allgemeinen läßt das Verhalten auf der Hinterbühne unbedeutendere Handlungen zu, die man leicht als symptomatisch für Vertraulichkeit auslegen könnte; auf der Vorderbühne sind derartige potentielle beleidigende Verhaltensformen ausgeschlossen."
Die Hinterbühne ist also der private Teil im Leben eines jeden, der Bereich, in welchem man sich für die Vorderbühne vorbereiten kann. Goffman beruft sich dabei auf Simone de Beauvoir, die beschreibt, welche Bedeutung die Hinterbühne für Frauen hat. "Bei anderen Frauen ist die Frau hinter der Szene. Sie poliert ihre Waffen, sie kämpft nicht. Sie stellt ihre Toilette zusammen, überlegt sich ihre Schminke, plant ihre Taktik; sie zieht die Zeit in die Länge, die sie im Morgenmantel und in Pantoffeln in den Kulissen verbringt, bevor sie die Bühne betritt."

[...]


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