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Kunstmuseen im Internet - eine Untersuchung aus kunstpädagogischer Sicht

Examination Thesis, 2002, 103 Pages
Author: Anja Schurig
Subject: Art - Pedagogy

Details

Category: Examination Thesis
Year: 2002
Pages: 103
Grade: sehr gut
Language: German
Archive No.: V7300
ISBN (E-book): 978-3-638-14607-4

File size: 1727 KB


Excerpt (computer-generated)

 

Kunstmuseen im Internet
eine Untersuchung aus kunstpädagogischer Sicht

Anja Heinemeyer

Hausarbeit
im Rahmen der Ersten Staatsprüfung
für das Lehramt an Realschulen

Universität Osnabrück

Abgabe: 04.04.2002

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung ... 4

2 Das Museum ... 7
   
2.1 Historische Entwicklung ... 8
    2.2 Das Kunstmuseum ... 9

3 Museen im Internet ... 9
   
3.1 Entstehungsgeschichte ... 10
    3.2 Definitionen ... 10
    3.3 Kategorien ... 12
    3.4 Möglichkeiten/Perspektiven ... 14

4 Virtualität und Virtualisierung ... 15
   
4.1 Definitionen ... 16
    4.2 Auswirkungen ... 17
    4.3 Verlust der Aura? ... 19
    4.4 Virtuelle Welt versus Reale Welt? ... 20
    4.5 Fazit ... 21

5 User-Centered Design (UCD) ... 22
   
5.1 Was ist UCD? ... 22
    5.2 Der Besucher eines realen Museums ... 23
    5.3 Der User ... 24
        5.3.1 Der User im Allgemeinen ... 24
        5.3.2 Der User von Museumsinternetseiten ... 26
    5.4 Wie lernt der User? ... 27
        5.4.1 Das Internet als Lernort ... 27
        5.4.2 Anforderungen an den User ... 31
        5.4.3 Möglichkeiten und praktische Beispiele ... 33
    5.5 Konsequenzen für die Gestaltung ... 36

6 Evaluation ... 38
   
6.1 Evaluationsmethoden ... 38
        6.1.1 Evaluationstypen für den Bildungsbereich ... 38
        6.1.2 Systematic Usability Evaluation (SUE) ... 39
        6.1.3 Heuristics for Web Communication ... 40
        6.1.4 Usability Engineering ... 41
        6.1.5 Checklisten ... 42
        6.1.6 Best of the Web Contest ... 43
    6.2 Kriterienkatalog ... 44
    6.3 Auswahl der Museen ... 48
        6.3.1 Broschüremuseen ... 49
        6.3.2 Inhaltsmuseen ... 49
            6.3.2.1 ZKM – Museum für neue Kunst ... 49
            6.3.2.2 Ars Electronica – Museum of the Future ... 51
            6.3.2.3 Eremitage Museum ... 53
        6.3.3 Lernmuseen ... 57
            6.3.3.1 Quadrat Bottrop ... 57
            6.3.3.2 The Getty ... 59
            6.3.3.3 The Minneapolis Institute of Arts ... 62
            6.3.3.4 Museum of Modern Art (MoMA) ... 66
            6.3.3.5 Metropolitan Museum of Art ... 69
            6.3.3.6 The National Museum of Wildlife Art ... 72
        6.3.4 Reine Virtuelle Museen ... 74
            6.3.4.1 Russische und Sowjetische Plakatkunst ... 74
            6.3.4.2 Musée Imaginaire ... 75
            6.3.4.3 WebMuseum Paris ... 77
    6.4 Auswertung der Untersuchung ... 78
        6.4.1 Auswertung der Broschüremuseen ... 78
        6.4.2 Auswertung der Inhaltsmuseen ... 79
        6.4.3 Auswertung der Lernmuseen ... 79
        6.4.4 Auswertung der Rein Virtuellen Museen ... 80

7. Schlusswort ... 81

8. Bildverzeichnis ... 83

9. Literaturverzeichnis ... 89

10. Online Artikel - Verzeichnis ... 91

11. Internetseiten - Verzeichnis ... 93

1 Einleitung
Kunstmuseen haben sich mittlerweile im Internet etabliert. Kaum ein Museum verzichtet noch auf einen Internetauftritt. Mit ihren kunstpädagogischen Inhalten bereichern sie das Internet und schaffen neue Lernräume mit faszinierenden Möglichkeiten, die durch kreative Ideen und interaktive Angebote das entdeckende Lernen ermöglichen.

Ziel dieser Arbeit zum Thema: „Kunstmuseen im Internet – eine Untersuchung aus kunstpädagogischer Sicht“ ist es, die verschiedenen Erscheinungsformen der Kunstmuseen im Internet, ihre Angebote und deren Eignung für die Kunstvermittlung herauszustellen. Das Thema dieser Arbeit wurde im deutschsprachigen Raum noch nicht unter dem kunstpädagogischen Aspekt behandelt, daher ist der überwiegende Teil der verwendeten Literatur englischsprachig und zu einem großen Teil dem Internet entnommen. Dies macht eine umfangreiche Recherchearbeit nötig um geeignete Materialien zusammenzutragen und ist nicht unproblematisch, da ein schnelllebiges Medium wie das Internet ständig aktualisiert wird und die Quellen zeitlich nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen.

Als besonders hilfreich für die Recherche haben sich die Seiten des Internetforums „Museums And The Web1“ herausgestellt, die mit jährlichen Konferenzen die Möglichkeiten und Potentiale des Internet für Museen thematisieren. Dort werden internationale Beiträge seit 1997 als online Artikel archiviert. Einen interessanten Beitrag leistet das Forum auch durch den Wettbewerb „Best of the Web2“, der jedes Jahr die besten Internetseiten von Museen nach verschiedenen Kategorien auszeichnet und für die vorliegende Arbeit einige gute Beispiele geliefert hat.

Die Arbeit ist in zwei Teile gegliedert, doch zunächst wird eine erste Annäherung an das Thema in einem Mind Map (s. Seite 6) festgehalten. Der erste Teil der Arbeit setzt das virtuelle Kunstmuseum zu seinem Umfeld, dem Internet, in Beziehung. Verschiedene Definitionen und Ansätze werden vorgestellt, die unterschiedlichen Ausprägungen der Kunstmuseen im Internet zu kategorisieren.

Das Kapitel Virtualität und Virtualisierung thematisiert den Einfluss des Internets auf Kunst und Gesellschaft und die daraus resultierenden Veränderungen. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die userzentrierte Gestaltung von Internetseiten. Sie stellt den User in den Mittelpunkt und berücksichtigt die veränderten Lernbedingungen im Internet und die damit verbundenen neuen Kompetenzen und Anforderungen an den User.

Der zweite Teil der Arbeit widmet sich der praktischen Untersuchung von Kunstmuseen im Internet. Zunächst werden verschieden Evaluationsmethoden und ein modifizierter Kriterienkatalog vorgestellt. Dieser dient für die Untersuchung als Leitpfaden und wird auf Kunstmuseen verschiedener Kategorien angewendet. Besonders die kunstpädagogischen Angebote der amerikanischen Lernmuseen werden durch zahlreiche Screenshots beispielhaft illustriert. Zur besseren Veranschaulichung wird empfohlen, insbesondere die interaktiven Beispiele im Internet aufzurufen und dort auszuprobieren. Am Ende der Arbeit befindet sich ein Glossar, welches die vielen englischen Fachbegriffe erklärt. Die beiliegende CD-ROM beinhaltet alle verwendeten online Artikel, vergrößerte Ansichten der Screenshots und eine Liste von nützlichen Links.

2 Das Museum
Der Begriff Museum geht auf die griechische Bezeichnung „museion“ zurück, ein Raum, der den Schutzgöttinnen der Künste, den Musen, geweiht war. Er wurde zum Ort der gelehrten Beschäftigung, später Studierzimmer genannt und schließlich als Kunstsammlung bezeichnet.3 Der Deutsche Museumsbund erklärte 1978, dass es noch keine zeitgemäße Definition für das Museum gäbe und unternahm den Versuch, einige Gesichtspunkte zu formulieren:

  1. Ein Museum ist eine von öffentlichen Einrichtungen oder von privater Seite getragene, aus erhaltenswerten kultur- und naturhistorischen Objekten bestehende Sammlung, die zumindest teilweise regelmäßig als Ausstellung der Öffentlichkeit zugänglich ist, gemeinnützigen Zwecken dient und keine kommerzielle Struktur oder Funktion hat.
  2. Ein Museum muß eine fachbezogene (etwa kulturhistorische, historische, naturkundliche, geographische) Konzeption aufweisen.
  3. Ein Museum muß fachlich geleitet, seine Objektsammlung muß fachmännisch betreut werden und wissenschaftlich ausgewertet werden können.
  4. Die Schausammlung des Museums muß eine eindeutige Bildungsfunktion besitzen.4

Das International Council of Museums (ICOM) formuliert 1995 folgende Definition:
Article 2 – Definitions


1. A museum is a non-profit making, permanent institution in the service of society and of its development, and open to the public, which acquires, conserves, researches, communicates and exhibits, for purposes of study, education and enjoyment, material evidence of people and their environment.
(a) The above definition of a museum shall be applied without any limitation arising from the nature of the governing body, the territorial character, the functional structure or the orientation of the collections of the institution concerned.
(b) In addition to institutions designated as “museums” the following qualify as museums for the purposes of this definition:
(i) natural, archeological and ethnographic monuments and sites and historical monuments and sites of a museum nature that acquire, conserve and communicate material evidence of people and their environment;
(ii) institutions holding collections of and displaying live specimens of plants and animals, such as botanical and zoological gardens, acquaria and vivaria;
(iii) science centres and planetaria;
(iv) non profit art exhibition galleries
(v) nature reserves;
(vi) international or national or regional or local museum organizations, ministries or departments or public agencies responsible for museums as per the definition given under this article;
(vii) non-profit institutions or organizations undertaking conservation, research, education, training, documentation and other activities relating to museums and museology;
(viii) cultural centres and other entities that facilitate the preservation, continuation and management of tangible or intangible heritage resources (living heritage and digital creative activity)
(ix) such other institutions as the Executive Council, after seeking the advice of the Advisory Committee, considers as having some or all of the characteristics of a museum, or as supporting museums and professional museum personnel through museological research, education or training.

2.1 Historische Entwicklung
Im Mittelalter gab es in Kirchen und Klöstern Sammlungen von Kirchenschätzen, die aus Reliquien, Weihegaben und anderen liturgischen Geräten bestanden. Diese wurden aus ideellen Gründen gesammelt und dienten in erster Linie zur Stärkung des christlichen Glaubens. Um 1400 fingen geistliche und weltliche Fürsten an, eigene Schatz- und Wunderkammern für ihre Sammelleidenschaft einzurichten.6 Die Sammlung war eine Art Miniaturausgabe des Kosmos und sollte zur Veranschaulichung der Schöpfung Gottes beitragen. Sie wurde später um naturwissenschaftliche Objekte erweitert. Ein weiterer Zweck war die Speicherung von Wertsachen, die sich bald auch reiche Bürger leisten konnten. Kuriositäten aus aller Welt wurden in den Kunstkammern zusammengetragen und dienten der Repräsentation und Selbstdarstellung der Fürsten.7 Nur wenige Auserwählte durften zunächst die Objekte besichtigen.

Erst nach der Französischen Revolution, im Zuge der Aufklärung, wurden Museen für breite Kreise der Bevölkerung geöffnet. Der Gedanke von Freiheit und Gleichheit aller Menschen, und dass die Welt rational verstehbar sei, fasste Fuß. Die Bildung der Bevölkerung rückte in den Vordergrund und wirkte sich auf die Museen aus, die nun eine Bildungsfunktion übernahmen. Die Museen wurden im enzyklopädischen Sinn aufgebaut und nach wissenschaftlichen Prinzipien neu gestaltet.8 Erkenntnisse der Pädagogik führten dazu, dass die Museen im 19. Jh. nach didaktischen Gesichtspunkten ausgebaut wurden. Mit der Herausbildung und Profilierung neuer Wissenschaftszweige erfolgte eine weitgehende Spezialisierung,9 so dass am Ende des 19. Jh. auch Museen auftauchten, die einem einzelnen Künstler gewidmet waren. Nach dem 1. Weltkrieg fielen einige Museen der Gegenwartskunst der faschistischen Kulturpolitik zum Opfer. Andere beugten sich dem kulturpolitischen Druck nicht, dennoch erlitt die deutsche Museumslandschaft schweren Schaden.

Nach 1945 rückte die Bildungsarbeit der deutschen Museen immer mehr in den Vordergrund. Dauer- und Sonderausstellungen, die Konservierung und Restaurierung der Objekte, wissenschaftliche Aufarbeitung und die interpretierende Darstellung galten als weitere kennzeichnende Elemente der Museumsarbeit.

In den 1960-70er Jahren wurde über die Funktionen des Museums debattiert. Dabei fielen Schlagworte wie „Musentempel“, „Schauraum“ und „Lernort“.10 Gegen Ende des 20. Jh. spielten die Einflüsse neuer Medien eine zunehmende Rolle. Neue Präsentationsmöglichkeiten wie Dia-, Film- und Videoprojektionen brachten den Museen radikale Veränderungen ins Haus. In der gegenwärtigen Situation, um die Jahrtausendwende, stellen sich die Museen weltweit einer weiteren Herausforderung: dem Internet.

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