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Aspekte deutscher Auswanderung nach Lateinamerika

Subtitle: Das Beispiel Brasilien

Scholary Paper (Seminar), 2004, 18 Pages
Author: Lars Degen
Subject: Romance Languages - Latin American Studies

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2004
Pages: 18
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 14  Entries
Language: German
Archive No.: V73028
ISBN (E-book): 978-3-638-69633-3
ISBN (Book): 978-3-640-13947-7
File size: 315 KB

Abstract

Im 19. Jahrhundert kam es vor allem im Bereich des damaligen Deutschen Reiches zu einer Auswanderungswelle ungeahnten Ausmaßes, von Horst Rößler in seinem Artikel (Rößler, S.148) sogar als Massenexodus bezeichnet. So findet man für die Zeit von 1820-1930 eine Zahl von 5,9 Millionen Auswanderern allein in die Vereinigten Staaten. In meiner Hausarbeit möchte ich mich jedoch den 10% (ebd.) der restlichen Auswanderer widmen, die nicht dorthin gingen. Interessanterweise sollte Brasilien als Auswanderungsland an zweiter Stelle folgen, und somit bot Lateinamerika sogar schon vor dem II. Weltkrieg einer großen Menge Deutscher Zuflucht. Besondere Beachtung verdienen diese Zahlen meiner Ansicht nach zusätzlich dadurch, dass diese nicht einmal nach dem Erwerb von eigenen deutschen Kolonien übertroffen wurden. Daher möchte ich in meiner Arbeit untersuchen, wer und aus welchen Gründen Interesse an den Deutschen als Einwanderer hatte, wie groß der Siedlungsstrom in dieses Gebiet war und welche möglichen Ursachen wir auf der anderen Seite für eine Auswanderung finden. Abschließend möchte ich untersuchen, wo die Deutschen siedelten und inwiefern man in jenen Gebieten noch ihre Spuren finden kann.


Excerpt (computer-generated)

Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Romanistik
Proseminar „Problemas y temas de los Vireinatos en el siglo 19”
Sommersemester 2004

Aspekte deutscher Auswanderung nach Lateinamerika
– Das Beispiel Brasilien –

von

Lars Degen

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Hauppteil 3

2.1. Die Haltung Brasiliens  3
2.2. Zahlenmäßige Dimension der deutschen Einwanderung 6
2.3 Gründe deutscher Auswanderung  7
2.4. Deutsche Siedlungsgebiete 11

3. Schlußbetrachtungen  13

4. Literatur- und Abbildungsverzeichnis 15

5. Anhang 17




 

1. Einleitung

Im 19. Jahrhundert kam es vor allem im Bereich des damaligen Deutschen Reiches zu einer Auswanderungswelle ungeahnten Ausmaßes, von Horst Rößler in seinem Artikel1 sogar als Massenexodus bezeichnet. So findet man für die Zeit von 1820-1930 eine Zahl von 5,9 Millionen Auswanderern allein in die Vereinigten Staaten. In meiner Hausarbeit möchte ich mich jedoch den 10%2 der restlichen Auswanderer widmen, die nicht dorthin gingen. Interessanterweise sollte Brasilien als Auswanderungsland an zweiter Stelle folgen, und somit bot Lateinamerika sogar schon vor dem II. Weltkrieg einer großen Menge Deutscher Zuflucht. Besondere Beachtung verdienen diese Zahlen meiner Ansicht nach zusätzlich dadurch, dass diese nicht einmal nach dem Erwerb von eigenen deutschen Kolonien übertroffen wurden.

Daher möchte ich in meiner Arbeit untersuchen, wer und aus welchen Gründen Interesse an den Deutschen als Einwanderer hatte, wie groß der Siedlungsstrom in dieses Gebiet war und welche möglichen Ursachen wir auf der anderen Seite für eine Auswanderung finden. Abschließend möchte ich untersuchen, wo die Deutschen siedelten und inwiefern man in jenen Gebieten noch ihre Spuren finden kann.

2. Hauppteil

2.1. Die Haltung Brasiliens

Die große Attraktivität gerade Brasiliens vor den zahlreichen weiteren Ländern Lateinamerikas liegt auch und vor allem in seiner einzigartigen politischen Situation zu Beginn des 19 Jahrhunderts begründet.
Denn während es im spanischen Kolonialreich durch die Absetzung des rechtmäßigen Herrschers zu einer Phase der Unsicherheit und Ungewissheit über die Zukunft kam, hatten die portugiesischen Überseegebiete das Glück, dass 1808 das Königshaus aus Portugal floh und sich in Brasilien niederließ. Somit entstand kein Machtvakuum, ganz im Gegensatz zu den spanischen Gebieten. Bezieht man dies nun besonders auf die Deutschen als Einwanderer, für die klimatisch vor allem die „Cono Sur“ Länder ideal erschienen, besaß Brasilien einen sehr großen Vorteil gegenüber Chile oder Argentinien.
Während also im Rest Lateinamerikas in den folgenden Jahren die großen Umbrüche stattfanden, die am Ende die Unabhängigkeit vom spanischen Festland bringen sollten, gab es in Brasilien durch die Anwesenheit des Prinzregenten Dom João in Rio eine relativ stabile politische Situation. Eine der ersten Aktivitäten der Regierung war die Öffnung der Häfen Brasiliens am 28. Januar 18083 auch für Nichtportugiesen und noch im selben Jahr ermöglichte der Prinzregent auch ihnen - sofern sie katholisch waren4 - den unentgeltlichen Erwerb von Staatsland, welches „sesmarias“ genannt wurde.
Die Gründe für diese „Öffnung“ des Kontinentes auch für Fremde, versteht man, wenn man sich die Bevölkerungszahlen der Kolonie genauer ansieht. Um 1816 lebten schätzungsweise 850.000 Portugiesen oder Menschen portugiesischer Abstammung in einer Kolonie mit einer Ausdehnung von cirka 8,5 Millionen km² und mit diesen Personen mussten bisher alle Posten in Militär, Verwaltung und Politik besetzt werden, und dies in einem Reich, das in Personalunion mit Portugal fast so groß wie Europa war. Ein weiterer Aspekt mit dem sich die Öffnung nach außen begründen lässt, ist das Verhältnis zwischen den Weißen und der Restbevölkerung Brasiliens. In einem Ministerialbericht für den König aus dem Jahr 1819 finden sich bei einer Gesamtbevölkerung von 3,6 Millionen: Negersklaven5 1,7 Millionen, Mulattensklaven 202.000, freie Mulatten und Mamelucken6 426.000, freigelassene Neger 159.000 bei 843.000 Weißen7. Auch wenn diese Zahlen aus der Zeit nach der Öffnung stammen, zeigen sie doch die politische Situation der Kolonie sehr deutlich. Die Kolonialgesellschaft kannte nur die weißen Herren und ihre Sklaven, eine Mittelschicht gab es in der Gesellschaft so gut wie nicht.8

[...]


1 Rößler, S.148

2 ebd.

3 Fouquet, S.96ff.

4 Oberacker, S.182

5 Ich übernehme diesen Begriff von Fouquet, ohne dadurch eine Wertung vornehmen zu wollen.

6 Mamelucken= Nachkommen von Weißen und Indianern

7 Fouquet, S.14

8 Oberacker, S.182


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