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Termpaper, 2006, 17 Pages
Author: Stefanie Lembacher
Subject: Politics - International Politics - Region: Middle- and South America
Details
Institution/College: Catholic University Eichstätt-Ingolstadt (Universität)
Tags: Umstände, Venezuela, Erfolg, Hugo, Chávez, Transformationsprozesse, Europa, Asien, Lateinamerika, Perspektive
Year: 2006
Pages: 17
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 18 + 4 online Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-73753-1
File size: 155 KB
Zunächst wird die Transformation Venezuelas in die Krisensituation dargestellt. Den Schwerpunkt bilden die volkswirtschaftlichen Probleme, die Armutsentwicklung, sowie politische Faktoren. Daraufhin werden typische Kulturstandars der venezolanischen Bevölkerung untersucht und dargestellt, wie Chávez diese gezielt anspricht und für seinen Erfolg nutzt.
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Abstract
Dem Erfolg populistischer Regime sind unabhängig vom Gesellschaftstyp und Epoche historisch-empirisch durchgängig außergewöhnliche Krisensituationen vorausgegangen. Der Krisenbegriff wird definiert als “Höhepunkt einer problematischen Entwicklung, die mit herkömmlichen Mitteln nicht zu bewältigen ist und die als aufgezwungene Herausforderung den Weg offen lässt für einen negativen wie positiven Ausgang.“ Im wirtschaftlichen Kontext entspricht die Krise dem Moment, in dem eine Hochkonjunktur in eine Rezession umschlägt. Im sozialen Bereich beginnt die Krise wenn schnelle gesellschaftliche Transformationsprozesse die gewohnte Werteordnung außer Kraft setzen und vom Individuum ein übergroßes Maß an Anpassung verlangen. Sozioökonomische und politische Transformationen sind somit meist die Auslöser für solche Krisen. Hierbei spielt es keine Rolle, wie sinnvoll und vernünftig die Motive und die hierauf folgenden Entscheidungen der Verantwortlichen ursprünglich waren, denn die Entwicklung eines Transformationsprozesses ist kaum kontrollierbar und sein Ergebnis lässt sich somit schwer voraussagen. Wie sich eine Krise im Rahmen – oder als Ergebnis – eines Transformationsprozesses darstellt, wie mit ihr umgegangen wird, ist meist abhängig von kulturellen Eigenheiten der jeweiligen Gesellschaft. Letztere können vor allem eine Katalysatorfunktion haben. Auch Venezuela befand sich unmittelbar vor dem Amtsantritt des Hugo Chávez zweifellos in einer „Krise“. Das politische, wirtschaftliche und soziale System war von enormer Instabilität gekennzeichnet, was rückblickend als Anzeichen für den bevorstehenden Totalzusammenbruch gesehen werden kann. Die Probleme des Landes kurz bevor Hugo Chávez demokratisch zum Präsidenten gewählt wurde, waren so unübersehbar, dass es nahe liegt, in diesen Problemen Faktoren zu vermuten die den Aufstieg von Hugo Chávez begünstigten. Im folgenden sollen die Krisenphänomene in Venezuela und darüber hinaus venezolanische Kulturstandards analysiert werden, um zu klären, inwiefern sie dem politischen Diskurs des Hugo Chávez zum Erfolg verhalfen.
Excerpt (computer-generated)
Die sozioökonomischen, politischen und kulturellen Umstände in Venezuela
die den Erfolg des Hugo Chávez begünstigten
von
Stefanie Lembacher
SS 2006
I. Inhaltsverzeichnis
II. Die sozioökonomischen, politischen und kulturellen Umstände in Venezuela die den Erfolg des Hugo Chávez begünstigten 3
1. Einleitung - Venezuela in der Krise 3
2. Sozioökonomische Transformation in die Krise 3
2.1. Volkswirtschaftliche Probleme 3
2.1.1. Monostrukturelle, exportorientierte Ausrichtung der Wirtschaft 3
2.1.2. Binnenwirtschaftliche Probleme 4
2.1.3. Die venezolanischen Verschuldungskrise 5
2.2. Die Armutsentwicklung 6
2.3. Die Sozioökonomische Krise und Chávez 7
3. Politische Transformation in die Krise 7
3.1. Die Politisierung des Militärs 8
3.2. Die Regierungskrise 9
3.3. Das Parteiensystem 9
3.4. Die Politische Krise und Chávez 10
4. Charakteristika der venezolanischen Kultur und Chávez 11
4.1. Die politische Vergangenheit Venezuelas 12
4.2. Venezolanische Kulturstandards 12
4.2.1. Maskulinität („Machismo“) 12
4.2.2. Hohe Machtdistanz 13
4.2.3. Kollektivismus und Religiosität 13
5. Schluss - Chávez‘ Erfolg – Intuition und Kalkül 14
III Literaturverzeichnis 16
II. Die sozioökonomischen, politischen und kulturellen Umstände in Venezuela die den Erfolg des Hugo Chávez begünstigten
1. Einleitung – Venezuela in der Krise
Dem Erfolg populistischer Regime sind unabhängig vom Gesellschaftstyp und Epoche historischempirisch durchgängig außergewöhnliche Krisensituationen vorausgegangen. Der Krisenbegriff wird definiert als “Höhepunkt einer problematischen Entwicklung, die mit herkömmlichen Mitteln nicht zu bewältigen ist und die als aufgezwungene Herausforderung den Weg offen lässt für einen negativen wie positiven Ausgang.“1 Im wirtschaftlichen Kontext entspricht die Krise dem Moment, in dem eine Hochkonjunktur in eine Rezession umschlägt. Im sozialen Bereich beginnt die Krise wenn schnelle gesellschaftliche Transformationsprozesse die gewohnte Werteordnung außer Kraft setzen und vom Individuum ein übergroßes Maß an Anpassung verlangen.2 Sozioökonomische und politische Transformationen sind somit meist die Auslöser für solche Krisen. Hierbei spielt es keine Rolle, wie sinnvoll und vernünftig die Motive und die hierauf folgenden Entscheidungen der Verantwortlichen ursprünglich waren, denn die Entwicklung eines Transformationsprozesses ist kaum kontrollierbar und sein Ergebnis lässt sich somit schwer voraussagen.
Wie sich eine Krise im Rahmen – oder als Ergebnis – eines Transformationsprozesses darstellt, wie mit ihr umgegangen wird, ist meist abhängig von kulturellen Eigenheiten der jeweiligen Gesellschaft. Letztere können vor allem eine Katalysatorfunktion haben. Auch Venezuela befand sich unmittelbar vor dem Amtsantritt des Hugo Chávez zweifellos in einer „Krise“. Das politische, wirtschaftliche und soziale System war von enormer Instabilität gekennzeichnet, was rückblickend als Anzeichen für den bevorstehenden Totalzusammenbruch gesehen werden kann. Die Probleme des Landes kurz bevor Hugo Chávez demokratisch zum Präsidenten gewählt wurde, waren so unübersehbar, dass es nahe liegt, in diesen Problemen Faktoren zu vermuten die den Aufstieg von Hugo Chávez begünstigten. Im folgenden sollen die Krisenphänomene in Venezuela und darüber hinaus venezolanische Kulturstandards analysiert werden, um zu klären, inwiefern sie dem politischen Diskurs des Hugo Chávez zum Erfolg verhalfen.
2. Sozioökonomische Transformation in die Krise
2.1. Volkswirtschaftliche Probleme
2.1.1. Monostrukturelle, exportorientierte Ausrichtung der Wirtschaft
Die Geschichte Venezuelas ist durch den immensen Erdölreichtum geprägt. Seit es 1910 die ersten Erdölfunde durch ausländische Ölgesellschaften gab, nahm die Bedeutung der Erdölwirtschaft stetig zu. Das Land erlebte eine Transformation von einer seit der Kolonialzeit auf Kaffee und Kakao spezialisierten Exportwirtschaft hin zu einer vom Erdöl dominierten Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. 1925 wurde 1/10 der gesamten Wirtschaftsleistung durch das Öl erwirtschaftet und bereits 1929 schon 1/3. Etwa 90 % des Rohstoffs werden seither exportiert.3 Dies bringt zwangsläufig einen hohen Grad an Abhängigkeit von den Preisentwicklungen an den internationalen Erdölmärkten mit sich.4 Hierin besteht auch das Kernproblem Venezuelas: Die Transformation beinhaltete lediglich einen Austausch der Exportgüter. Zweifelsohne ging damit eine Erhöhung der Exporteinnahmen einher, jedoch wurde die monostrukturierte Ausrichtung der Exportwirtschaft nicht überwunden. Die wirtschaftlichen Folgen dieser „Erbsünde(n)“5 aller Regierungen führten schließlich zu den zahlreichen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Krisen, mit denen das Land bis in die Gegenwart zu kämpfen hat. Auch regelmäßige Versuche, den Erdölsektor durch neue Gesetze unter staatliche Kontrolle zu bringen, bzw. den Einfluß des Staates zu erhöhen, brachten zwar höhere Einnahmen, jedoch verringerte dies nicht die Abhängigkeit vom Erdöl. Schon das Petroleum-Gesetz von 1943 sah vor, dass der Staat mit 50% an den Gewinnen der ausländischen Ölkonzerne beteiligt ist. Außerdem sollten neue Fördekonzessionen auf 40 Jahre begrenzt werden und das Eigentum nach deren Ablauf an den Staat übergehen –sog. Reversionsprinzip.6 Auch vertragswidrige Maßnahmen, wie die vorgezogene Reversion7, brachten keine effiziente Nutzung der Erdöleinnahmen, wie im folgenden dargestellt wird.
2.1.2. Binnenwirtschaftliche Probleme
Als Ende der fünfziger Jahre die internationale Preisentwicklung für Erdöl rückläufige Tendenzen zeigte, erkannte man erstmals die Notwendigkeit der Errichtung und Diversifizierung einer Binnenwirtschaft.8 Dies geschah primär durch die politische Steuerung der Gewinndistribution, d.h. die gezielte Investition der Erdölgewinne in den Aufbau einer modernen Grundstoffindustrie und der Modernisierung des Agrarsektors mit dem Ziel der Importsubstitution, letzteres vor allem im Bereich der Konsumgüter.9 Diese Versuche, das „Erdöl zu säen“ brachten eine unüberschaubare Anzahl staatlicher Unternehmen hervor, über deren genaue Tätigkeit und wirtschaftlichen Erfolg selbst die Regierungen keinen Überblick mehr hatten, und deren Korruption und Mißwirtschaft wesentlich zur späteren Schuldenkrise beigetragen hat. Die forcierte Importsubstitutionsstrategie schwächte sich schnell ab, die industriellen Produkte waren zu keiner Zeit international wettbewerbsfähig und trugen daher kaum zu wirtschaftlichem Wachstum bei. Die Produktion beschränkte sich im wesentlichen auf Lizenzfertigungen und Endmontagen.10
[...]
1 Habermeyer, Wolfgang: „Krise“;
2 Vgl. Habermeyer, Wolfgang: „Krise“;
3 Venitz, Jutta: „Die Ursachen der Schuldenkrise in Lateinamerika“; S. 130;
4 Vgl. Venitz, Jutta: „Die Ursachen der Schuldenkrise in Lateinamerika“; S. 133;
5 Vgl. Burchardt, Hans-Jürgen: „Das soziale Elend des Hugo Chávez: Die Wirtschafts- und Sozialpolitik der Fünften Republik“, S. 117;
6 Vgl. Venitz, Jutta: „Die Ursachen der Schuldenkrise in Lateinamerika“, S. 131;
7 Vgl. dieselbe, S. 150;
8 Vgl. dieselbe, S. 134;
9 Vgl. dieselbe, S. 134;
10 Vgl. dieselbe, S. 137;
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