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Road Movie oder Anti Road Movie, eine Gegenüberstellung der Road Movies "El viaje" und "The Straight Story"

Scholary Paper (Seminar), 2003, 33 Pages
Author: Ralf Thür
Subject: Film Science

Details

Event: Das Road Movie: Genre, Gender und gesellschaftlicher Wandel
Institution/College: University of Zurich (Seminar für Filmwissenschaft)
Tags: Road, Movie, Anti, Road, Movie, Gegenüberstellung, Road, Movies, Straight, Story, Road, Movie, Genre, Gender, Wandel
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2003
Pages: 33
Bibliography: ~ 26  Entries
Language: German
Archive No.: V73308
ISBN (E-book): 978-3-638-74106-4
ISBN (Book): 978-3-638-74225-2
File size: 389 KB

Abstract

Das Seminar Das Road Movie: Genre, Gender und gesellschaftlicher Wandel, das ich besucht habe, bildet das Fundament für die vorliegende Arbeit. Die Schwerpunkte dieses Kurses lagen auf verschiedenen Bereichen zum Genre Road Movie. So konzentrierte sich das Seminar nach einer Einführung in die Thematik der Reise oder der Frontiers, des Erzählens, sowie den Motiven des Genres selbst u.a. auf den nationalen Mythos, den Aspekt Genre und Gender, die Figurenkonstellationen sowie die feministische Debatte. Schon im Vorfeld des Seminars interessierte mich das Motiv der Reise im erwähnten Genre, das im amerikanischen Film sowie der Literatur ein zentrales Moment bildet. Die Bewegung und die Mobilität haben sich im Kontext der Ökologie oder des Individualverkehrs zu einem aktuellen Thema entwickelt. Drive-ins, Autokinos, Trucker, schwere Motorräder und mobile Wohnwagen sind Bestandteil der amerikanischen Kultur. Die individuelle Mobilität und der grenzerweiternde Gedanke der Frontiers lassen die pointierte Aussage zu, dass die Amerikaner die Bewegung um ihrer selbst willen lieben (Mühlen 1977: 44). Ich habe mich für einen Vergleich der beiden Road Movies El viaje von F. Solanas (Argentinien) und The Straight Story von D. Lynch (USA) entschieden, weil ich mit diesen Filmen das Genre Road Movie vertieft angehen konnte. Zudem bieten diese beiden Kunstwerke die Möglichkeit, auch untypische Elemente und Randerscheinungen des Genres zu zeigen, einzugrenzen und somit das Genre genauer auszuloten. „Reisen, Autos und das Medium Film haben jeweils einen besonderen Bezug zur amerikanischen Kultur. Allen dreien huldigt das amerikanische Genre-Kino im Road Movie.“ (Bertelsen 1991: 6). Die nun vorliegende Seminararbeit besteht aus verschiedenen Teilen, die ich hier kurz vorstellen möchte. Im theoretischen Teil versuche ich das Genre als solches sowie das Genre Road Movie zu definieren. Im analytischen Teil stelle ich beide Filme vor und setze sie in einen grösseren Bezug. Der interpretative Teil (3.3) umfasst einen Vergleich von verschiedenen Merkmalen beider Filme, der auf die Elemente des Genres Road Movie fokussiert ist. So werden die Hauptfigur selbst sowie diese in ihrem sozialen Kontext, das Motiv der Reise, der Aspekt der Männlichkeit in der Krise und weitere Merkmale untersucht.


Excerpt (computer-generated)

Universität Zürich, Seminar für Filmwissenschaft
Seminar: Das Road Movie: Genre, Gender und gesellschaftlicher Wandel
Wintersemester 2002 / 2003

Road Movie oder Anti Road Movie
Eine Gegenüberstellung der Road Movies El viaje und The Straight Story

von

Ralf Thür

 


1. Vorwort 1

2. Theorieteil 2

2.1 Einleitung 2
2.2 Klärung des Begriffs Genre 2
2.3 Definition des Genres Road Movie 4

3. Analyseteil 7

3.1 Einleitung 7
3.2 Vorstellung der Filme El viaje und The Straight Story 8

3.2.1 Angaben zum Film El viaje 8
3.2.2 Inhalt 8
3.2.3 Kontext des Films 9
3.2.4 Reaktionen der Filmkritik 10
3.2.5 Angaben zum Film The Straight Story 11
3.2.6 Inhalt 11
3.2.7 Kontext des Films 12
3.2.8 Reaktionen der Filmkritik 13

3.3 Direkter Vergleich der beiden Filme anhand von Merkmalen 14

3.3.1 Die Darstellung der Hauptfigur 14
3.3.2 Die Hauptfigur in Verbindung mit dem sozialen Umfeld 15
3.3.3 Das Motiv der Reise 17
3.3.4 Die Männlichkeit in der Krise 19

3.3.4.1 Martin Nunca in El viaje 19
3.3.4.2 Alvin in The Straight Story 20

4. Konklusion 21

5. Bibliografie 25

6. Filmografie 27



 

1. Vorwort

Das Seminar Das Road Movie: Genre, Gender und gesellschaftlicher Wandel, das ich im Wintersemester 2002 / 03 besucht habe, bildet das Fundament für die vorliegende Arbeit. Die Schwerpunkte dieses Kurses lagen auf verschiedenen Bereichen zum Genre Road Movie. So konzentrierte sich das Seminar nach einer Einführung in die Thematik der Reise oder der Frontiers, des Erzählens, sowie den Motiven des Genres selbst u.a. auf den nationalen Mythos, den Aspekt Genre und Gender, die Figurenkonstellationen sowie die feministische Debatte. Schon im Vorfeld des Seminars interessierte mich das Motiv der Reise im erwähnten Genre, das im amerikanischen Film sowie der Literatur ein zentrales Moment bildet. Die Bewegung und die Mobilität haben sich im Kontext der Ökologie oder des Individualverkehrs zu einem aktuellen Thema entwickelt. Driveins, Autokinos, Trucker, schwere Motorräder und mobile Wohnwagen sind Bestandteil der amerikanischen Kultur. Die individuelle Mobilität und der grenz-erweiternde Gedanke der Frontiers lassen die pointierte Aussage zu, dass die Amerikaner die Bewegung um ihrer selbst willen lieben (Mühlen 1977: 44).
Ich habe mich für einen Vergleich der beiden Road Movies El viaje von F. Solanas (Argentinien) und The Straight Story von D. Lynch (USA) entschieden, weil ich mit diesen Filmen das Genre Road Movie vertieft angehen konnte. Zudem bieten diese beiden Kunstwerke die Möglichkeit, auch untypische Elemente und Randerscheinungen des Genres zu zeigen, einzugrenzen und somit das Genre genauer auszuloten. „Reisen, Autos und das Medium Film haben jeweils einen besonderen Bezug zur amerikanischen Kultur. Allen dreien huldigt das amerikanische Genre-Kino im Road Movie.“ (Bertelsen 1991: 6).
Die nun vorliegende Seminararbeit besteht aus verschiedenen Teilen, die ich hier kurz vorstellen möchte. Im theoretischen Teil versuche ich das Genre als solches sowie das Genre Road Movie zu definieren. Im analytischen Teil stelle ich beide Filme vor und setze sie in einen grösseren Bezug. Der interpretative Teil (3.3) umfasst einen Vergleich von verschiedenen Merkmalen beider Filme, der auf die Elemente des Genres Road Movie fokussiert ist. So werden die Hauptfigur selbst sowie diese in ihrem sozialen Kontext, das Motiv der Reise, der Aspekt der Männlichkeit in der Krise und weitere Merkmale untersucht.

2. Theorieteil

2.1 Einleitung

Wer in die Ferien verreist, sucht nicht nur Ruhe und Erholung, sondern auch Erlebnisse, setzt sich in Bewegung
— äusserlich und innerlich. Es kommt nicht von ungefähr, dass Road Movies (Strassenfilme)
neben dem Western das wohl ′filmischste′ Kinogenre bilden. Reisen ist Bewegung, Film ist Bewegung –
zusammen sind sie das ideale Medium, um den Menschen in äusserer und innerer Bewegung darzustellen,
sei es auf der Flucht vor Problemen oder sich selbst oder auf der Suche nach Abenteuern und der eigenen
Identität. (Ganz-Blättler 1991: 20)

Die Reise als solche und das Kennenlernen fremder Welten fasziniert den Menschen seit Langem. Daher ist auch die Strasse ein Sinnbild für Grenzüberschreitung und Erschliessen neuer Welten. Eine sehr aktuelle Parallele zur klassischen Strasse ist das Internet, der information highway wie ihn Bill Clinton genannt hatte. In den Jahren des Booms wurden bewusst die Codes und Symbole der Strasse für den Cyberspace aufgenommen. Schon die Namen der in den Neunzigerjahren gebräuchlichsten Browser, dem Explorer sowie Netscape beinhalten die Reise sowie das Ergründen unbekannter Gefilde. Das Motiv der Strasse ist also sehr aktuell; aber dies sei nur am Rande erwähnt. In diesem ersten Teil der Arbeit möchte ich theoretische Aspekte rund um den Begriff Genre sowie das Road Movie als Genre liefern. Ursula Ganz-Blättler spricht beim Road Movie als dem wohl filmischsten Genre neben dem Western. In der Literatur werden unterschiedliche Positionen dargelegt. Vorerst möchte ich kurz auf die Genretheorie eingehen, die diesen Begriff eingrenzt.

2.2 Klärung des Begriffs Genre

Because filmmakers frequently play with conventions and iconography, genres seldom remain unchanged
for very long. The broader, blanket genres like thrillers, romances, comedies, and the like may stay popular
for decades, but an exemplary comedy from the 1920s will be very different from one in the 1960s.
Genres change over history. Their conventions change, and by mixing conventions from different genres,
filmmakers create new possibilities every now and then. (Bordwell 2001: 97)

Die Entwicklung eines Genres erinnert mich ein wenig an die Diskussion, was ein Kultfilm ist und was nicht. Wenn The Fifth Element (Luc Besson, 1997) schon beim Release als Kultfilm angepriesen wird, dann werden filmwissenschaftliche und gesellschaftliche Prozesse ignoriert. Das Etikett Kultfilm ist ein durch die Rezeption des Films entstandenes Merkmal; braucht also Zeit bis zur Entstehung. Bei der Bildung eines Genres ist der Prozess ähnlich. „Zwar gibt es innerhalb der Genres Regeln, die Einfluss auf das Werk der Filmschaffenden haben, aber ein Genre wird nicht in den Studios konstruiert“ (Bertelsen 1991: 13). Martin Bertelsen bemerkt weiter, dass sich ein Genre nur dadurch konstituiert, indem der Zuschauer einen Film im Zusammenhang der Bewertung mit anderen Werken betrachtet (Bertelsen 1991: 13). Dementsprechend hat nicht ein Film, beispielsweise Easy Rider (Dennis Hopper, 1969), das neue Genre Road Movie ins Leben gerufen, sondern durch die Kombination und Entwicklung verschiedener Elemente entwickelte sich ein neues Genre. „Most cinema genres and subgenres become established when one film becomes successful and is widely imitated“ (Bordwell 2001: 97). Gemäss dem eingangs angefügten Zitat gibt es betreffend Zeitkomponente eine Makro- und eine Mikroebene. Ein Genre ist in einem engeren Zeithorizont und in der Verbindung von einigen Referenzfilmen relativ statisch und wenig Änderungen unterworfen. Betrachten wir jedoch die Entwicklung auf der Makroebene und somit in einem weiteren zeitlichen Horizont ist ein Genre permanent kleinen Ergänzungen und neuen Kombinationen der Genreelemente ausgesetzt. Im Programmheft des Filmpodiums Zürich brachte Margrit Tröhler die Aspekte auf den Punkt:

Genres enthalten gleichzeitig ahistorische und historische Momente und sind als wandelbare kulturelle
Kategorien zu verstehen. Sie treten mit der Gesellschaft, die sie hervorbringt und in der sie rezipiert, das
heisst als solche erkannt werden, in ein wechselseitiges Verhältnis. (Tröhler 2002: 14)

2.3 Definition des Genres Road Movie

Zwei junge Leute, rebellisch und ungebunden, machen sich auf den Weg in Richtung Irgendwo. Das Ziel
ist nicht so wichtig, und gesprochen wird wenig. Räder rollen über Asphalt, über Nebenstrassen und Pisten,
und in den tiefen Bass des Motors stimmt laute Musik ein, während die Kamera mitzieht — uns
förmlich mitreisst auf den ′Trip′.
(Ganz-Blättler 1991: 20)

In der wissenschaftlichen Literatur wird das Genre Road Movie nicht einheitlich definiert und als Initialzündung werden unterschiedliche Zeiten, respektive Filme festgehalten. So bemerkt Michael Strübel, dass Road Movies als Filmgenre relativ jung sind, wenn man den Western oder den Thriller zum Vergleich heranzieht (Strübel 1996: 36): „Aber es ist doch unübersehbar, dass sich ab den späten sechziger Jahren aus den USA kommend Road Movies auch als deutlich definierbares Genre herausgebildet haben“ (Strübel 1996: 36). Strübel sieht daher die Kriterien, um das Genre Road Movie eingrenzen zu können, weniger in einer Definition, als in einem Feld von Punkten. Als relevant und als „dramaturgische Gemeinsamkeiten“ (Strübel 1996: 36) erachtet er das Folgende:

Die Unbestimmtheit des endgültigen Reiseziels, die Durchbrechung einer chronologischen Erzählweise,
der Hang zur Mythenbildung im Erleben einer grenzenlos erscheinenden Freiheit und schliesslich das
ernüchternde, häufig brutale oder niederschmetternde Ende, das nie ein ′Happy end′, bestenfalls in europäischen
Filmen noch ein ′Open end′ ist. (Strübel 1996: 36)

Je nach Gewichtung der Themen, Konstellation der Figuren sowie Ablauf der Geschichte können verschiedene Zeitpunkte das Aufkommen des Genres datieren. So meint beispielsweise Ganz-Blättler, dass es mit Easy Rider (Dennis Hopper, 1969) eben nicht angefangen habe, sondern dass es das klassische Handlungsmuster, das ich eingangs zitiert habe, schon vorher gegeben habe. Das Handlungsmuster oder gewisse Elemente des Genres seien in Variationen schon bei Bonnie and Clyde (Artur Penn, 1967) oder auch bei The Wild One (László Benedek, 1954), mit M. Brando in der Hauptrolle, entstanden (Ganz-Blättler 1991: 20). Ganz-Blättler lässt sich in ihrem Aufsatz zur folgenden pointierten Aussage verleiten: „Road Movies gibt es, seit es Strassen gibt, und das gilt für die USA als angestammte Heimat der ′klassischen′ Automobil- und Motorrad- Movies genauso wie für Europa mit seiner ganz anderen Tradition von ′Fahrenden′“ (Ganz-Blättler 1991: 20). Margrit Tröhler bemerkt dazu, dass die Filmkritik erst „mit Easy Rider von Denis Hopper“ (Tröhler 2002: 14) den Genrebegriff des Road Movies etabliert habe. Strübel hebt in diesem Kontext hervor, dass die Vereinigten Staaten ein Autoland sind und dass, wer „in den USA kein Auto hat, nicht fahren kann oder auf den öffentlichen Nah- und Fernverkehr vertraut“ (Strübel 1996: 28), allgemein bedauert und für verrückt gehalten wird. An folgender Stelle argumentiert auch Timothy Corrigan unter ähnlichen Vorzeichen wie Strübel:

[...]


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