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Die Bedeutung der Walpurgisnacht in Goethes Faust I und II close

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Die Bedeutung der Walpurgisnacht in Goethes Faust I und II

Bachelor Thesis, 2006, 40 Pages
Author: Inga Hemmerling
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Bachelor Thesis
Year: 2006
Pages: 40
Grade: 2,7
Bibliography: ~ 30  Entries
Language: German
Archive No.: V73412
ISBN (E-book): 978-3-638-63591-2
ISBN (Book): 978-3-638-67803-2
File size: 230 KB
Notes :



Abstract

So schreitet in dem engen Bretterhaus Den ganzen Kreis der Schöpfung aus, Und wandelt mit bedächt`ger Schnelle Vom Himmel durch die Welt zur Hölle. (Faust, Vers 239-242) Es scheint, als sei „Faust“ zu einem „Allgemeingut“ der Gesellschaft geworden: Goethe thematisiert in seinem Werk den gesamte Kreis der Schöpfung, es geht um Menschen und Phantasiewesen, um Leben und Tod, um die Liebe, Religion und den Sinn des Lebens. Die wohl mythischsten und gestaltenreichsten Szenen der Faust-Dichtung sind zweifelsohne die der Walpurgisnächte. Wie sind die beiden Walpurgisnachtszenen inhaltlich aufgebaut, welche Personen spielen wichtige Rollen und wie sind die Szenen strukturiert? Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten weisen sie auf und vor allem: Welche Bedeutung haben die „nordische“ und die „klassische Walpurgisnacht“ für die gesamte Faust-Dichtung? In dieser Arbeit wird ein analytischer Blick auf die mythischen Walpurgisnachtszenen geworfen, wodurch die gegebenen Fragestellungen beantwortet werden.


Excerpt (computer-generated)

Die Bedeutung der Walpurgisnacht
in Goethes Faust I und II

Schriftliche Hausarbeit

für die Bachelorprüfung der Fakultät für Philologie
an der Ruhr-Universität Bochum
(Gemeinsame Prüfungsordnung für das Bachelor/Master-Studium
im Rahmen des 2-Fach-Modells an der RUB vom 7.1.2002)

vorgelegt von

Hemmerling, Inga

31. August 2006

 

 

Gliederung

1. Einleitung ...  2

2. Hintergrund ...  3
2.1 Die Tradition des Hexenglaubens und der Walpurgisnacht  ...   3
2.2 Die griechische Mythologie ...  4

3. Die Walpurgisnacht in Goethes Faust I  ...   7
3.1 Inhalt  ...   7
3.2 Personen  ...   8
3.3 Sprachliche Form  ...   9
3.4 Der Walpurgisnachtstraum  ...  11

4. Die klassische Walpurgisnacht in Goethes Faust II  ...   12
4.1 Inhalt  ...   13
4.2 Personen  ...  15
4.3 Sprachliche Form  ...   19

5. Vergleich der Walpurgisnachtszenen  ...   22
5.1 Gemeinsamkeiten  ...   22
5.2 Unterschiede  ...   24

6. Die Funktion der Walpurgisnachtszenen für das komplette Werk  ...   30

7. Abschlussbemerkung  ...   36

8. Literaturverzeichnis  ...  38

 

 

1. Einleitung

Die Faust-Dichtung, die Johann Wolfgang Goethe ein halbes Jahr vor seinem Tod abgeschlossen hat, ist als sein Lebenswerk nicht nur für die Literaturwissenschaft interessant. Es scheint, als sei „Faust“ zu einem „Allgemeingut“ geworden, das Kunst, Religion, Wissenschaft und Kultur untrennbar miteinander verbindet1 und die „Faust- Figur“ zu einem allgemeingültigen Repräsentanten der Gesellschaft werden lässt.2 Goethe lässt viele Erlebnisse in sein Lebenswerk einfließen, wie zum Beispiel das Miterleben der Entwicklung einer modernen, demokratischen und industriellen Gesellschaft, wodurch die Komplexität der Faust-Dichtung geprägt ist. Das umfangreiche Werk entfaltet sich durch die Fülle von Bildern, Figuren, Gestalten und Mythen, ebenso wie Inspirationen aus der Bibel, aus europäischem Glauben und verschiedenen Brauchtümern, die Goethe in das Faust-Werk integriert hat.3 

Die wohl mythischsten und gestaltenreichsten Szenen der Faust-Dichtung sind die der Walpurgisnächte, mit welchen sich die vorliegende Arbeit im Weiteren beschäftigen wird. Sie spielen in Goethes Faust eine rätselhafte Rolle, die durch viele Interpretationsanstöße zu erklären versucht wurden.4 Goethe führt in den beiden Szenen etwas vor, „was eigentlich nur vom Einschlafen bis zum Aufwachen erlebt werden kann“.5 

Die Walpurgisnacht des ersten Faust-Teils ist durch das wüste und exzessive Treiben auf dem Blocksberg im Norden geprägt und stellt eine mitreißende, aber auch verwirrende „Traum- und Zaubersphäre“ (Vers 3871) dar. Sich dessen anschließend folgt der „Walpurgisnachtstraum“, der wie ein handlungsloses Zwischenspiel und Intermezzo des Dramas wirkt. Die „klassische Walpurgisnacht“ im zweiten Teil der Dichtung charakterisiert Goethe durch „griechische Begriffe“, die seines Erachtens passender sind, um seine Vorstellung einer „Walpurgisnacht“ auf griechischem Boden, in antiker Natur und mit mythischen Figuren verwirklichen zu können.6

Wie sind die beiden „Walpurgisnachtszenen“ inhaltlich aufgebaut, welche Personen spielen wichtige Rollen und wie sind die Szenen strukturiert? Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten weisen sie auf und vor allem: Welche Bedeutung haben die „nordische“ und die „klassische Walpurgisnacht“ für die gesamte Faust-Dichtung? Im Folgenden geht es um die Beantwortung dieser Fragestellungen, wobei ich in einem ersten Schritt den Hintergrund, auf dem die „Walpurgisnachtszenen“ in Goethes „Faust“ aufbauen, näher beleuchten werde.

2. Hintergrund

Der Hintergrund der beiden „Walpurgisnachtszenen“ geht in zwei verschiedene Richtungen. In „Faust I“ steht die Tradition der „romantischen Walpurgisnacht“ im Mittelpunkt. Damit verbunden ist von Hexen die Rede, die sich in einer bestimmten Nacht versammeln und zusammen feiern. In der „klassischen Walpurgisnacht“ in Goethes „Faust II“ geht es dann mehr um Mythologie: Goethe gestaltet die Szene als einen großen Schauplatz antiker griechischer Figuren, die als Mythen bekannt sind und verwendet sie in freier Form, um seine Absichten mit ihnen zu verwirklichen. Was hat es aber mit dem Hexenglauben auf sich? Wann, wo und warum findet die Walpurgisnacht statt? Was genau ist ein Mythos und welche Figuren der „klassischen Walpurgisnacht“ sind in der griechischen Mythologie wieder zu finden? Diese Fragen leiten zu dem ersten Hintergrundabschnitt über, der sich mit der Tradition des Hexenglaubens und der Walpurgisnacht befasst.

2.1 Die Tradition des Hexenglaubens und der Walpurgisnacht

Der Hexenglaube und der Glaube an Zauberei ist so alt wie die Menschheit selbst. Bereits in der Antike wird ein Gesetz festgelegt, welches Hexen, die Feldfrüchte mit Zauberei verderben, mit schweren Strafen droht. Dabei glaubt man gibt es „holde“ und „unholde“ Geister und Hexen, die dem Menschen Heil und Unheil bescheren können. Der Zauberglaube ist nicht isoliert zu sehen, sondern muss in Verbindung mit der Kirchengeschichte, mit der Medizin, der Naturforschung und der Geschichte des Strafrechts betrachtet werden.7 Während der Magier als Gelehrter und Hilfeleistender gilt, gibt es Menschen, besonders Frauen, die für Ketzerei auf dem Scheiterhaufen sterben sollen. Dazu gehören die „Maleficae“, die Übeltäterinnen. Von ihnen wird angenommen, dass sie von bösen Geistern die Macht bekommen, der Natur, den Tieren und den Menschen Unheil zu bescheren.

[....]


1 Vgl.: Greiner-Vogel, Hedwig: Goethes Faust. Das Menschheits-Drama der Gegenwart. Dornach/Schweiz: Philosophisch-Antroposophischer Verlag, 1982. S. 13.

2 Vgl.: Ebd. S. 17.

3 Vgl.: Hermes, Eberhard: Lektürenhilfen. Johann Wolfgang von Goethe: Faust. Erster und Zweiter Teil. Stuttgart: Ernst Klett Verlag, 1988. S. 5.

4 Vgl.: Greiner-Vogel, Hedwig: S. 96.

5 Steiner, Rudolf: Das Faust-Problem: Die romantische und die klassische Walpurgisnacht. Geisteswissenschaftliche Erläuterungen zu Goethes „Faust“. Band II. Zwölf Vorträge, gehalten in Dornach vom 30. September 1916 bis 19. Januar 1919. Dornach/Schweiz: Rudolf Steiner Verlag, 1974. S. 137.

6 Vgl.: Ebd.: S. 137.

7 Vgl.: Neeb, Reinhold: Hexen, Folter, Scheiterhaufen. Hexenverfolgung und Hexenglauben im alten Oberhessen. Gießen: Brühlscher Verlag, 1991. S. 11.


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