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Okkasionelle Wortbildung im Russischen

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2007, 25 Pages
Author: Daria Alekhina
Subject: Russian / Slavic Languages

Details

Event: Morphologie
Institution/College: LMU Munich
Tags: Okkasionelle, Wortbildung, Russischen, Morphologie
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2007
Pages: 25
Grade: 1
Bibliography: ~ 21  Entries
Language: German
Archive No.: V73487
ISBN (E-book): 978-3-638-74414-0
ISBN (Book): 978-3-638-79434-3
File size: 269 KB

Abstract

In den letzten Jahrhunderten erlebte die russische Sprache starke Veränderungen, die natürlich auch auf dem lexikalischen Niveau gewirkt haben. "Die Befreiung der russischen Sprache von den Fesseln der einseitigen und militant intoleranten und gedanklich totalitären Einspurigkeit des Kommunismus" (Kostomarov 1995:11) führte dazu, dass die Grenzen zwischen der Literatursprache, offizieller Rede und der Alltagssprache abgeschafft wurden. Das äußert sich nicht nur darin, dass Slang und Dialekt in die Literatursprache eindringen, sondern auch in der Bildung von zahlreichen Okkasionalismen und Wortspielen, die besonders für die Sprache der Medien sowie die Zeitungssprache charakteristisch ist. Ständig werden neue Wörter gebildet. Die Sprachbenutzer setzen aber nicht einfach Einheiten nach vorgegebenen Regeln zusammen, sondern bilden die Wörter sehr oft, um bestimmte Wirkungen zu erzielen. Die Sprecher stellt sich bewusst oder unbewusst die psychologische Aufgabe, die Eintönigkeit der normalen Sprechweise zu meiden, einen scherzhaften, witzigen oder spritzigen Ton anzuschlagen und die Kommunikation so ungezwungen und frei wie möglich zu gestalten. Im Allgemeinen zeichnet sich die okkasionelle Lexik durch die Merkmale der Neuheit und der Nicht-Lexikalisiertheit aus. Okkasionalismen sind demnach lediglich Bestandteile des individuellen und aktuellen Lexikons jedes einzelnen Sprechers. Die vorliegende Untersuchung orientiert sich somit nicht am überindividuellen sprachlichen System (langue), sondern am individuellen und aktuellen Sprachgebrauch (parole)1. Die Arbeit gliedert sich in drei Abschnitte. Nach den einführenden Erläuterungen im Kapitel 1 zum Begriff des Okkasionalismus wendet sich das zweite Kapitel der Abgrenzung der Okkasionalismen. Dabei wird auf differente Auffassungen und terminologische Unterschiede in der Forschungsliteratur verwiesen. Anschließend wird eine Definition des Okkasionalismus ausgearbeitet, auf Grund derer die Okkasionalismen von anderen nicht-usuellen Neubildungen abgegrenzt werden. Das 3. Kapitel widmet sich der okkasionellen Wortbildung des Russischen. Hier werden die wichtigsten okkasionelle Wortbildungsarten, bzw. -formatien sowie auch spezifische okkasionelle Wortbildungsverfahren dargestellt.


Excerpt (computer-generated)

Ludwig-Maximilians-Universität München, Institut für slavische Philologie
Wissenschaftliche Übung: Morphologie
SS 2004, 9. Semester

Okkasionelle Wortbildung im Russischen

von

Daria Alekhina

 


Inhaltsverzeichnis

Einleitung 3

1. Zum Begriff "Okkasionalismus"  5

2. Abgrenzung der Okkasionalismen  7

3. Okkasionelle Wortbildung im Russischen  11

3.1. Das System der russischen Wortbildung  11
3.2. Okkasionelle Wortbildungsverfahren  14

3.2.1. Okkasionelle Wortbildungsarten 15

3.2.1.1. Okkasionelle reine Wortbildungsarten 15
3.2.1.2. Okkasionelle gemischte Wortbildungsarten  22

3.2.2. Okkasionelle Wortbildungstypen 24
3.2.3. Okkasionelle Wortbildungsformantien 26

Zusammenfassung  32

Literaturverzeichnis 35
 


 

Einleitung

Der Untersuchungsgegenstand der vorliegenden Arbeit ist die okkasionelle Wortbildung in der russischen Sprache. In den letzten Jahrhunderten erlebte die russische Sprache starke Veränderungen, die natürlich auch auf dem lexikalischen Niveau gewirkt haben. "Die Befreiung der russischen Sprache von den Fesseln der einseitigen und militant intoleranten und gedanklich totalitären Einspurigkeit des Kommunismus" (Kostomarov 1995:11) führte dazu, dass die Grenzen zwischen der Literatursprache, offizieller Rede und der Alltagssprache abgeschafft wurden. Das äußert sich nicht nur darin, dass Slang und Dialekt in die Literatursprache eindringen, sondern auch in der Bildung von zahlreichen Okkasionalismen und Wortspielen, die besonders für die Sprache der Medien sowie die Zeitungssprache charakteristisch ist.

Ständig werden neue Wörter gebildet. Die Sprachbenutzer setzen aber nicht einfach Einheiten nach vorgegebenen Regeln zusammen, sondern bilden die Wörter sehr oft, um bestimmte Wirkungen zu erzielen. Die Sprecher stellt sich bewusst oder unbewusst die psychologische Aufgabe, die Eintönigkeit der normalen Sprechweise zu meiden, einen scherzhaften, witzigen oder spritzigen Ton anzuschlagen und die Kommunikation so ungezwungen und frei wie möglich zu gestalten. Im Allgemeinen zeichnet sich die okkasionelle Lexik durch die Merkmale der Neuheit und der Nicht-Lexikalisiertheit aus. Okkasionalismen sind demnach lediglich Bestandteile des individuellen und aktuellen Lexikons jedes einzelnen Sprechers. Die vorliegende Untersuchung orientiert sich somit nicht am überindividuellen sprachlichen System (langue), sondern am individuellen und aktuellen Sprachgebrauch (parole)1.

Die Arbeit gliedert sich in drei Abschnitte. Nach den einführenden Erläuterungen im Kapitel 1 zum Begriff des Okkasionalismus wendet sich das zweite Kapitel der Abgrenzung der Okkasionalismen. Dabei wird auf differente Auffassungen und terminologische Unterschiede in der Forschungsliteratur verwiesen. Anschließend wird eine Definition des Okkasionalismus ausgearbeitet, auf Grund derer die Okkasionalismen von anderen nicht-usuellen Neubildungen abgegrenzt werden. Das 3. Kapitel widmet sich der okkasionellen Wortbildung des Russischen. Hier werden die wichtigsten okkasionelle Wortbildungsarten, bzw. -formatien sowie auch spezifische okkasionelle Wortbildungsverfahren dargestellt.

1. Zum Begriff "Okkasionalismus"

Die okkasionelle Wortbildung hat in der russischen Linguistik eine lange Tradition. Besonders in den letzten Jahren bekommt dieses Thema eine große Beachtung. Viele Autoren wie Feldman, Chanpira, Zemskaja, Namitokova, Lopatin, Lykov, Uluchanov u.a. haben sich bereits mit diesem Thema auseinander gesetzt. Doch gibt es bis jetzt keine einheitliche Theorie der Okkasionalität. Die Bestimmung dieses Begriffs variiert in den verschiedenen Arbeiten zu Okkasionalismen erheblich. In den existierenden Beschreibungen des grammatischen Aufbaus der russischen Sprache wird Okkasionalismen ein sehr begrenzter Raum zugewiesen. Okkasionelle Wörter werden beispielsweise zur Illustration des Grades und der Sphäre der Produktivität usueller Wortbildungstypen gebraucht.

Für die Bestimmung des Begriffs "Okkasionalismus" ist es notwendig, das System der sprachlichen Einheiten vorzustellen. Im Sprachgebrauch werden normalerweise zwei Klassen von Wörtern benutzt: 1) usuelle, d.h. im Wortschatz einer Sprache bereits vorhandene und auch im Wörterbuch fixierte Wörter, z.B. demokratija, olimpiada (Vgl. Uluchanov 2000:11). Sie werden ständig im Sprechakt reproduziert und erfüllen eine nominative, kommunikative und informative Funktion, 2) nicht-usuelle, d.h. neue, nicht im System einer Sprache existierende und auch nicht im Wörterbuch fixierte Wörter, z.B. dymokratija, fel′jetoniada. In dieser Arbeit werden nur nicht-usuelle Einheiten der russischen Sprache behandelt.

Im Bereich der nicht-usuellen Einheiten der russischen Sprache soll zwischen Neologismen und Okkasionalismen unterschieden werden. Neologismen sind neue, vor kurzem entstandene motivierte Wörter, die im Sprachsystem bereits integriert sind und im alltäglichen Sprachgebrauch problemlos reproduziert werden können, z.B. avtootvetik, bezotchodnyj2 (Vgl. Uluchanov 2000:11). Im Gegensatz dazu sind Okkasionalismen3 (vom lat. occasio – Zufall) motivierte Wörter, die nur aus einer einmaligen Situation heraus entstanden sind und nicht im Sprachsystem verankert sind, z.B. neprijatinka. Das wichtigste Merkmal solcher Wörter ist der enge Zusammenhang mit dem Kontext, d.h. sie sind meistens nicht ohne Kontext, in dem sie entstanden sind, zu verstehen (Vgl. Zemskaja 1973:227). Der Terminus “Okkasionalismus” ist in der linguistischen Literatur sehr verbreitet, doch finden sich auch andere Bezeichnungen für diese Wörter, wie z.B. “pisatel′skije novoobrazovanija”, “tvor?eskie neologismy”, ”hudo estvennye neologizmy”, “stilisti?eskie neologismy”, “individual′nye neologizmy”, “slova-samodelki”, “slova-meteory”, “slova-odnodnevki”, “egologizmy”, “individualno-avtorskie novoobrazovanija”, “proizvedenija individual′nogo reetvorestva”, “efemernyje innovacii”. Trotz der verschiedenen Terminologie, die sich als Ausdruck der verschiedener Schwerpunkte in der Beobachtungsperspektive interpretieren lässt, werden Okkasionalismen von allen Autoren als Einheiten der Rede bezeichnet, die immer spontan entstehen. Erst nach der Integration ins Sprachsystem werden sie zu Neologismen. Auch ihre Expressivität gilt für alle Autoren als Norm. Ich werde in dieser Arbeit den von den meisten Linguisten akzeptierten Begriff "Okkasionalismus" benutzen.

Im folgenden werden die Probleme der Abgrenzung der Okkasionalismen von den anderen nicht-usuellen Einheiten der russischen Sprache behandelt, wie sie bei verschiedenen Autoren vorkommen.

2. Abgrenzung der Okkasionalismen

[...]


1 Begriffe von Saussure entsprechen im Russischen jazyk (langue) und re?′ (parole)

2 Probleme ergeben sich allerdings bei der Frage, ab wann und bis wann ist ein neues Wort als Neologismus zu bezeichnen? Als ein Kriterium dafür gilt der allgemeinsprachliche Gebrauch eines neuen Wortes, durch den die Integration als abgeschlossen zu werten ist.

3 Der Begriff „Okkasionalismus“ wurde zum ersten Mal von Feldman gebraucht (Feldman 1957:66).


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