Bei GRIN registrieren oder einloggen

Your e-mail-address or password is wrong
Jetzt registrieren
Für neue Autoren: kostenlos, einfach und schnell
Dies wird Ihr Benutzername, bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse an

Passwort vergessen

Your e-mail-address or password is wrong

Neues Passwort anfordern
Das Phänomen der Sportsucht close

Bitte warten

Bitte installieren Sie den Flash Player, wenn kein E-Book erscheint.

Das Phänomen der Sportsucht

Hauptseminararbeit, 2007, 22 Seiten
Autor: Marc Castillon
Fach: Sport - Sportsoziologie

Details


Zusammenfassung / Abstract

Der Begriff Sport, von seiner Bedeutungszuweisung soviel wie Zerstreuung, Vergnügen bedeutend, ist in den westlichen Gesellschaften, in denen immer weniger körperliche Arbeit anfällt, fast zum Synonym für körperliche Anstrengung geworden. Das Phänomen Sport spiegelt das Leistungs-, Konkurrenz- und Gleichheitsprinzip unserer Industriegesellschaft wider. Und in der Tat unbestritten ist, dass eine regelmäßige Bewegung ja auch einen positiven Effekt auf Körper und Geist hat. Zwei- bis dreimal pro Woche für 30 bis 60 Minuten Ausdauersport ist sportmedizinisch empfehlenswert. Doch was wenn das Gesunde dem Pathologischen weicht? Bei den Olympischen Spielen in Athen 1896 wurde zum Gedenken an den Lauf des Boten Pheidippides der Marathonlauf (42,195 km) als längste Laufdisziplin ausgetragen. Inzwischen wird das Vielfache dieser Strecke ohne Unterbrechung zurückgelegt, bis hin zum ca. 4700 km langen Ultra-Langstreckenlauf quer durch Nordamerika. Obwohl das Phänomen der Sportsucht bereits 1970 durch Baekelund entdeckt wurde, rückte der potentielle Suchtcharakter von Sport erst in den letzten zwanzig Jahren verstärkt in das Blickfeld der Öffentlichkeit und Wissenschaft – u. a. bedingt durch die Entwicklung der Laufbewegung Ende der 1970er Jahre und durch die im Zuge der sich entwickelnden Fitnesswelle fast schon inflationär zu nennende Anzahl an Fitnessstudioeröffnungen in den USA und wenig später in Europa. Die Sportsucht ist eine Verhaltenssucht nichtstoffgebundener Art und kann in ihrer Form in sämtlichen Sportarten auftreten. Das Wesen der Sportsucht ist sowohl aus der Bodybuilderszene bekannt – dann sprechen wir von einer Bodybuilding- bzw. Muskelsucht (Muskeldysmorphie) – als auch aus dem Ausdauerbereich (Lauf- oder Ausdauersucht). Auch Risikosportarten rücken hier suchtspezifisch verstärkt in den Fokus. In diesem kleinen Büchlein werden die Erkenntnisse über den noch relativ jungen Untersuchungsgegenstand Ausdauersucht zusammenfassend dargestellt. Zunächst ist es unabdingbar, den Begriff Verhaltenssucht zu definieren. Dann wird die Phänomenologie der Laufsucht umfassend dargestellt, und zwar durch eine Definitionsherleitung einhergehend mit einer Herausarbeitung diagnostischer Kriterien. Thematisiert werden auch die die Sportsucht fördernden Umstände und die Ursachen von Sportsucht. Zu fragen ist darüber hinaus, welche suchtspezifischen Entzugssymptome beim Unterlassen des Sports auftreten. Anschließend werden Therapieransätze und -möglichkeiten vorgestellt.


Textauszug (computergeneriert)

Freie Universität Berlin, Institut für Soziologie
Wintersemester 2006/2007

Das Phänomen der Sportsucht

von

Marc Castillon

 


Gliederung

I. Einleitung 3

II. Das Störungsbild der Verhaltenssucht – ein Definitionsversuch 5

III. Ausdauersucht 7

1. Beispiel 7
2. Definition und Phänomenologie 7

2.1. Kategorie I 8
2.2. Kategorie II 8
2.3. Kategorie III 9
2.4. Gesundes vs. pathologisches Sporttreiben 10

3. Diagnostik 10
4. Ausdauersucht fördernde Umstände 11
5. Ursachen 12

5.1. Physiologische Erklärungsansätze 12
5.2 Psychologische Erklärungsansätze 14

6. Entzugssymptome 16
7. Therapie 17

IV. Fazit 19

Verzeichnis der Literatur 21


 

 

I. Einleitung

Der Begriff Sport, von seiner Bedeutungszuweisung eigentlich soviel wie Zerstreuung, Vergnügen bedeutend, ist in den westlichen Gesellschaften, in denen immer weniger körperliche Arbeit anfällt, fast zum Synonym für körperliche Anstrengung geworden. Das Phänomen Sport spiegelt das Leistungs-, Konkurrenz- und Gleichheitsprinzip unserer Industriegesellschaft wider.1 Und in der Tat unbestritten ist, dass eine regelmäßige Bewegung ja auch einen positiven Effekt auf Körper und Geist hat und den besten Schutz vor Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck etc. darstellt. „Zwei- bis dreimal pro Woche für 30 bis 60 Minuten Ausdauersport, das ist empfehlenswert“, so die Aussage des Sportpsychologen Gugutzer.2 Doch was wenn das Gesunde dem Pathologischen weicht? Bei den Olympischen Spielen in Athen 1896 wurde zum Gedenken an den Lauf des Boten Pheidippides3 der Marathonlauf (42,195 km) als längste Laufdisziplin ausgetragen. Inzwischen wird das Vielfache dieser Strecke ohne Unterbrechung zurückgelegt. Als mittlerweile traditionell anzusehen sind beispielsweise der 100 km Lauf von Biel und der 78,5 km lange Swiss-Alpine-Marathon über das Hochgebirge von Davos mit Überwindungen extremer Höhenunterschiede (bis zu 2320 Metern). Als besondere Distanzsteigerung ist der Ultra-Langstreckenlauf „Trans-America-Foot-Race“ quer durch Nordamerika, vom Pazifischen bis zum Atlantischen Ozean (ca. 4700 km), anzusehen.4
Obwohl das Phänomen der Sportsucht bereits 1970 durch Baekelund entdeckt wurde, rückte der potentielle Suchtcharakter von Sport erst in den letzten fünfzehn bis zwanzig Jahren verstärkt in das Blickfeld der Öffentlichkeit und Wissenschaft – u. a. bedingt durch die Entwicklung der Laufbewegung Ende der 1970er Jahre und durch die im Zuge der sich entwickelnden Fitnesswelle fast schon inflationär zu nennende Anzahl an Fitnessstudioeröffnungen in den USA und wenig später auch in Europa.5 Die Entdeckung des Phänomens Sportsucht durch Baekelund war auch eher zufällig. Er stellte nämlich fest, dass viele Sportler trotz finanzieller Entschädigung nicht an seiner Studie über Sport und Schlafen teilnehmen wollten, da sie nicht bereit waren, auf ihren Sport zu verzichten. Daraus schloss er, dass exzessives Sporttreiben die Kriterien einer Abhängigkeit erfüllt und in Form einer Sportsucht auftreten könne.6 Die Sportsucht ist eine Verhaltenssucht nichtstoffgebundener Art und kann in ihrer Form in sämtlichen Sportarten auftreten. Das Wesen der Sportsucht ist sowohl aus der Bodybuilderszene bekannt – dann sprechen wir von einer Bodybuilding- bzw. Muskelsucht (Muskeldysmorphie) – als auch aus dem Ausdauerbereich (Lauf- oder Ausdauersucht). Darüber hinaus rückten auch Risikosportarten und ihre Beziehung zur Sucht verstärkt in den Fokus.
Diese Hausarbeit stellt an sich den Anspruch, die Erkenntnisse über den noch relativ jungen Untersuchungsgegenstand Ausdauersucht, als einen Bereich der Sportsucht, zusammenfassend darzustellen. Hier kann – bedingt durch den begrenzten Umfang der Hausarbeit – nicht auf das Thema Sucht in den Risikosportarten mit seinen ganz speziellen Charakteristika „Grenzsuche“ und „Erlebnissuche“7 eingegangen werden. Auch die Sucht im Bodybuildingsport muss hier dahingestellt bleiben. Da die Sportsucht und damit die Ausdauersucht zu den Verhaltenssüchten gezählt wird, ist es unabdingbar, den Begriff Verhaltenssucht zunächst zu definieren. Dann soll die Phänomenologie der Laufsucht umfassend dargestellt werden, und zwar durch eine Definitionsherleitung einhergehend mit einer Herausarbeitung diagnostischer Kriterien. Im Folgenden werden dann die Umstände, welche die Sportsucht fördern können, und die Ursachen von Sportsucht thematisiert. In einem weiteren Schritt interessieren die bei Unterlassen des Sports suchtspezifisch auftretenden Entzugssymptome. Anschließend soll sich die Frage nach der Therapieransätzen und Therapiemöglichkeiten gestellt werden.
Der Umstand, dass es sich bei der Sportsucht um einen relativ jungen Untersuchungsgegenstand handelt, ist auch kennzeichnend für die Literaturlage, die als dürftig und ausbaufähig zu bezeichnen ist. So ließ sich beispielsweise im deutschsprachigen Raum keine Publikation finden, die sich umfassend und ausschließlich nur mit Sportsucht befasst. Sportsucht wird weitgehend als nur eine von verschiedenen Verhaltenssüchten wahrgenommen und beleuchtet, so auch in den für diese Hausarbeit wichtigsten Publikationen: „Nicht nur Drogen machen süchtig“ von Poppelreuter und Gross8, sowie „Verhaltenssucht“ von Grüsser und Thalemann9. Ein abgerundetes Bild der Ausdauersucht kann hier jedoch durch zusätzliche Aufsätze bzw. das Thema tangierende Monographien und vor allem durch eingängige Erfahrungsberichte von Betroffenen, darüber hinaus auch durch das Medium Internet gezeichnet werden.

II. Das Störungsbild der Verhaltenssucht – ein Definitionsversuch

[...]


1 Finking, Bernard (200): Extremsportler. Szenen von erlebnishungrigen Adrenalin-Junkies der sportlichen „Kick-Kultur“, Berlin, S. 15.

2 Zitiert nach Pichler, Johannes: http://www.netdoktor.de/feature/sportsucht.htm; Vgl. hierzu auch: Knoll, Michaela (1997): Sporttreiben und Gesundheit. Eine kritische Analyse vorliegender Befunde, Schorndorf, S. 19f.

3 In der Nähe vom griechischen Ort Marathon fand 490 v. Chr. die Schlacht bei Marathon zwischen Persern und Athenern statt, aus der die Athener unter dem Feldherrn Miltiades siegreich hervorgingen. Um diese Schlacht rankt sich die Legende des Boten Pheidippides. In der verbreitetsten Version der Geschichte soll Pheidippides die Kunde des Sieges vom Schlachtfeld nach Athen (ca. 40 km) gebracht und nach Überbringung der Nachricht auf dem Aeropag an Erschöpfung gestorben sein. Diese Legende findet sich erst bei Plutach, der ca. 600 Jahre nach der Schlacht lebte, und wurde die Grundlage des modernen Marathonlaufs.

4 Allmer, Henning (1995): „No risk – no fun“. Zur psychologischen Erklärung von Extrem- und Risikosport. In: Allmer, Henning/ Schulz, Norbert (Hg.): Erlebnissport – Erlebnis Sport, Sankt Augustin, S. 61; Vgl. darüber hinaus: http://de.wikipedia.org/wiki/Swiss_Alpine_Marathon, sowie http://de.wikipedia.org/wiki/100-km- Lauf_Biel.

5 Vgl. Pope, Harrison G./ Phillips, Katharine A./ Olivardia, Roberto (2001): Der Adonis-Komplex. Schönheitswahn und Körperkult bei Männern, München, S. 13.

6 An dieser Stelle ist kritisch anzumerken, dass durchaus differenzierte Ansichten über das Phänomen der Sportsucht bestehen. Diese Erkenntnis konnte ich in einem Gespräch mit einem Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie mit psychoanalytischem Therapieansatz gewinnen. Dieser brachte zum Ausdruck, dass er weniger von einer Sucht im eigentlichen Sinne sprechen würde, sondern – natürlich abhängig vom konkreten Fall – eher die diagnostischen Kriterien einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung erfüllt sehen würde. Auch wenn im Weiteren von einer Sportsucht die Rede ist, soll doch hier angemerkt sein, dass je nach Schule und theoretischem Ansatz durchaus unterschiedliche Auffassungen über das Wesen der Sportsucht existieren. (Dieser Umstand ist sicherlich auch dadurch geschuldet, dass die Verhaltenssucht noch keinen Eingang als eigenständiges Störungsbild in die gängigen Klassifikationssysteme psychischer Störungen, die ICD-10 und das DSM-IV-TR, mit Ausnahme des „Pathologischen (Glücks-)Spiels“, welches unter die Kategorie der „Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen“ als „abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle“ (ICD-10) bzw. Störungen der Impulskontrolle, nicht anderenorts klassifiziert“ (DSM-IV-TR) fällt, gefunden hat.)

7 Vgl. hierzu die zusammenfassenden Darstellungen von Allmer (1995), S. 60-90, Aufmuth, Ulrich (1986): Risikosport und Identitätsbegehren. Überlegungen am Beispiel des Extremalpinismus. In: Hortleder, Gerd/Gehbauer, Gunter (Hg.): Sport – Eros – Tod, Frankfurt, S. 188-215, sowie Bartl, Gregor (2000): Sport und Sucht – Extremsportarten. In: Poppelreuter, Stefan/ Gross, Werner (Hg.): Nicht nur Drogen machen süchtig. Entstehung und Behandlung von stoffungebundenen Süchten, Weinheim, S. 209-231.

8 Poppelreuter, Stefan/ Gross, Werner (Hg.) (2000): Nicht nur Drogen machen süchtig. Entstehung und Behandlung von stoffungebundenen Süchten, Weinheim.

9 Grüsser, Sabine Miriam/ Thalemann, Carolin N. (2006): Verhaltenssucht. Diagnostik, Therapie, Forschung, Bern.


Kommentare

Bisher keine Kommentare

Kommentar hinzufügen
Ihr Kommentar wird redaktionell geprüft und dann freigeschaltet

Andere Nutzer haben sich auch für folgende Titel interessiert:


Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:

http://www.grin.com/e-book/73576/das-phaenomen-der-sportsucht
please wait Bitte warten