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Die Krüppelbewegung - eine Emanzipationsbewegung der 1970er Jahr

Termpaper, 2007, 29 Pages
Author: Susan Deniz Tümer
Subject: Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education

Details

Event: Geschichte der Sonderpädagogik nach 1945
Institution/College: University of Hannover (Institut für Sonderpädagogik )
Tags: Krüppelbewegung, Emanzipationsbewegung, Jahr, Geschichte, Sonderpädagogik
Category: Termpaper
Year: 2007
Pages: 29
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 26  Entries
Language: German
Archive No.: V73595
ISBN (E-book): 978-3-638-78101-5

File size: 195 KB

Abstract

Die „Krüppelbewegung“ ist eine Emanzipationsbewegung der 1970er Jahre, die sich aktiv dafür einsetzte, die soziale Benachteiligung von Menschen mit einer körperlichen Behinderung aufzuheben. Ihr Ziel war es Chancengleichheit und vor allem Selbstbestimmung in allen relevanten Lebensbereichen zu erreichen. In dieser Arbeit wird die „Krüppelbewegung“ und ihre Bedeutsamkeit für die aktuellen Lebensbedingungen von Menschen mit körperlicher Behinderung dargestellt.


Excerpt (computer-generated)

Universität Hannover, Institut für Sonderpädagogik
Seminar: Geschichte der Sonderpädagogik nach 1945
WS 2006/2007

Die Krüppelbewegung - eine Emanzipationsbewegung der 1970er Jahr

von

Susan-Deniz Tümer

 


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung 1

2 Terminologie „Krüppel“ 2

2.1 Entwicklung und Verwendung 2
2.2 Bedeutung im Zusammenhang mit der „Krüppelbewegung“ 3

3 Organisation der Menschen mit Behinderung nach dem 2. Weltkrieg 4

3.1 Kriegsopferverbände 4
3.2 Elternvereine 4

4 Die „Krüppelrealität“ – Lebensrealität der „Krüppel“ 6

4.1 Reaktionen, Verhalten und Einstellungen gegenüber Menschen mit körperlicher Behinderung 6
4.2 Lebensumstände 7

4.2.1 Mobilität 7
4.2.2 Wohnen 8
4.2.3 Ausbildung und Beruf 9

5 Die Entstehung der Bewegung und ihre Formen 11

5.1 Club Behinderter und Ihrer Freunde e. V. (CeBeeF) 11
5.2 VHS-Kurse 12
5.3 Autonome „Krüppelgruppen“ 13

6 Öffentliches Wirken der Bewegung 15

6.1 Frankfurter Straßenbahnblockade 15
6.2 Asylantrag von Franz Christoph in den Niederlanden 15
6.3 Demonstrationen in Frankfurt 16
6.4 Aktionen gegen das „Uno-Jahr der Behinderten 1981“ 17

6.4.1 Eröffnungsveranstaltung 17
6.4.2 Reha 81 17
6.4.3 „Krüppeltribunal“ 18

7 Der „Krüppelstandpunkt“ 20

8 Entwicklungen nach 1981 21

9 Lage der Menschen mit Behinderung während des „Europäisches Jahr der Menschen mit Behinderung 2003“ 22

10 Schlussbetrachtung 23

Bibliographie 24

 



1 Einleitung

Die „Krüppelbewegung“ ist eine Emanzipationsbewegung der 1970er Jahre, die sich aktiv dafür einsetzte, die soziale Benachteiligung von Menschen mit einer körperlichen Behinderung aufzuheben. Ihr Ziel war es Chancengleichheit und vor allem Selbstbestimmung in allen relevanten Lebensbereichen zu erreichen. In dieser Arbeit möchte ich die „Krüppelbewegung“ und ihre Bedeutsamkeit für die aktuellen Lebensbedingungen von Menschen mit körperlicher Behinderung darstellen.

Zur Einführung in die Thematik werde ich als erstes klären, wie die Terminologie „Krüppel“ im Zusammenhang mit der „Krüppelbewegung“ zu verstehen ist, denn eigentlich wurde der Begriff – wie sich zeigen wird – als solcher nie von den Menschen mit Behinderung akzeptiert und bereits Mitte der 1950er Jahren offiziell aufgegeben (Kapitel 2). Anschließend gehe ich auf die Situation der Menschen mit Behinderung vor der Entstehung der Bewegung ein, um verständlich zu machen, welche Beweggründe sie hatten. Sie fühlten sich durch die vorhandenen Organisationsformen nicht ausreichend vertreten und waren so nicht in der Lage, ihre beklagenswerten Lebensumstände („Krüppelrealität“) zu verändern (Kapitel 3 und 4). Dies führte letztendlich dazu, dass die Betroffenen eigene Organisationen gründeten (Kapitel 5). Anschließend stelle ich einige Beispiele des öffentlichen Wirkens der Gruppierungen vor, die das Ziel hatten, auf die äußere Benachteiligung aufmerksam zu machen (Kapitel 6). Ein zentraler Aspekt der Bewegung war, dass die Menschen mit Behinderung ein neues Selbstbewusstsein erlangen sollten, indem sie sich von den Wert- und Normvorstellungen der „Nichtbehinderten“ lösten. Diese neue Denkensweise wurde im „Krüppelstandpunkt“ gefordert (Kapitel 7). Zum Abschluss werde ich die Entwicklung nach dem Höhepunkt der Bewegung 1981 (Kapitel 8) kurz darstellen und abschließend auf die Situation der Menschen mit einer Behinderung zum Zeitpunkt des „Europäischen Jahres der Menschen mit Behinderung 2003“ eingehen (Kapitel 9).

2 Terminologie „Krüppel“

2.1 Entwicklung und Verwendung

Die Terminologie „Krüppel“ ist der ursprüngliche, mittlerweile veraltete Begriff für „körperbehinderte, physisch entstellte Menschen“ (Dupuis 1992: 374). Das älteste Zeugnis für den Wortlaut „Krüppel“ lässt sich in der Form „crupel“ bis in das 11. Jahrhundert am Mittelrhein zurückverfolgen. Im 19. Jahrhundert werden als „Krüppel“ Menschen mit „gekrümmten, verwachsenen oder gelähmten gliedern“ (Gebrüder Grimm 1873, zit. n. Wilken 1983: 212) [Kleinschreibung im Original] bezeichnet. Das Wort „Krüppel“ hatte von Anfang an eine negative, abwertende Bedeutung, wie beispielsweise das Sprichwort „je krümmer, desto tümmer“ (zit. n. Wilken 1983: 212) aus dem deutschen Wörterbuch der Gebrüder Grimm (1873) zeigt.
Der Theologe Th. Schäfer schilderte im Jahre 1900 die Probleme von Anstalten, die den Begriff „Krüppel“ in ihrem Namen trugen und an die deswegen der „Vorwurf der Hartherzigkeit gegen die Elenden“ (Schäfer 1900 zit. n. Wilken 1983: 212) gerichtet wurde. Man bemühte sich in den folgenden Jahren darum eine Alternative für das Wort „Krüppel“ zu finden, doch es konnte kein „auch nur annähernd so bezeichnendes Wort von lieblichen Klang“ (Schäfer 1907, zit. n. Wilken 1983: 212) gefunden werden: „Gebrechlicher“ (Biesalski 1924; Merkens 1974, zit. n. Wilken 1983: 212), „Gelähmter“ (ebd.) oder „Hilfling“ (ebd.) waren dabei einige Vorschläge des Deutschen Sprachvereins.
Obwohl 1925 der weniger stigmatisierende Begriff „Körperbehinderter“ aufgrund der zunehmenden Demokratisierung auftauchte, wurde das Anliegen der Betroffenen, nämlich die Abschaffung des Begriffes „Krüppel“, weiterhin ignoriert. Insbesondere die Wissenschaft setzte das Wort gezielt ein, da es nach der Meinung der Fachleute der einzige Begriff sei, der exakt das wiedergebe, was sie meinten. Endgültig setzte sich der Begriff „Körperbehinderte“ erst nach dem 2. Weltkrieg, scheinbar aufgrund der Erlebnisse des Nationalsozialismus, durch. Die Menschen hatten erkannt, dass es wichtig, sogar bedeutend für das Leben wurde, dass man die stigmatisierende Bezeichnung „Krüppel“ zugunsten der Terminologie „Körperbehinderter“ aufgeben musste, um den Menschen als gleichberechtigtes und wertvolles Wesen anzuerkennen.

In der Alltagssprache wurde der Begriff weiterhin verwendet und auch in der Literatur wurde an dem Begriff „Krüppel“ festgehalten. Mit dem „Gesetz über die Fürsorge Körperbehinderter und von einer Körperbehinderung bedrohter Menschen“ wurde letztendlich im Jahre 1957 die Terminologie offiziell durch den Begriff „Körperbehinderter“ gesetzlich abgelöst (vgl. Wilken 1983: 213 f.).

2.2 Bedeutung im Zusammenhang mit der „Krüppelbewegung“

Während der „Krüppelbewegung“ erlangte der Begriff „Krüppel“ wieder an Bedeutung, allerdings in einem anderen Kontext. Die Bezeichnung „Krüppel“ wurde von Organisationen selbstbewusster Menschen mit einer körperlichen Behinderung, nämlich den Mitgliedern der „Krüppelgruppen“ (vgl. Breuer 1992: 374), selbst verwendet, um die Öffentlichkeit auf ihre Benachteiligung aufmerksam zu machen (vgl. Dupuis 1992: 374). Der Begriff „Behinderter“ verschleierte ihrer Ansicht nach die Realität, so dass sie die Eigenbezeichnung „Krüppel“ verwendeten (vgl. Breuer 1992: 374):

Wir nennen uns Krüppel und sprechen damit aus, was Nichtbehinderte über uns nur denken. Bei dieser Bezeichnung kann über das Machtgefälle nicht hinweggegangen werden, wie es beim seichten, beschönigenden behindert geschieht (Radtke/Sierck 1982: 149).

Mit dem Wort „Krüppel“ wurde dabei ausdrücklich die „Auseinandersetzung, Selbstbestimmung und ein Bewußtsein des Unangepaßten“ (ebd.: 150) assoziiert.

3 Organisation der Menschen mit Behinderung nach dem 2. Weltkrieg

3.1 Kriegsopferverbände

[...]


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