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Faktoren für den Schulerfolg von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in der Bundesrepublik Deutschland

Diploma Thesis, 2006, 159 Pages
Author: Feride Ergün
Subject: Sociology - Work, Profession, Education, Organisation

Details

Category: Diploma Thesis
Year: 2006
Pages: 159
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 141  Entries
Language: German
Archive No.: V73752
ISBN (E-book): 978-3-638-67878-0
ISBN (Book): 978-3-638-68084-4
File size: 637 KB

Abstract

Die Tatsache, dass das deutsche Bildungssystem in den letzten Jahren, vor allem aufgrund der PISA Debatten deutlich in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit gerückt ist und Schülerinnen und Schüler anderer Nationalitäten geringere Bildungschancen gewährt, lässt auch für die Zukunft vermuten, dass aufgrund der Benachteiligungen und Bildungsungleichheiten der Jugendlichen mit Migrationshintergrund das deutsche Schulsystem auch weiterhin im Fokus des öffentlichen Interesses stehen wird. Solange jedoch keine umsetzbaren Vorschläge und effiziente Fördermaßnahmen unternommen werden, um die prekäre Situation von Migrantenjugendlichen im Bildungswesen zu verbessern und ihnen dementsprechend gleiche bzw. bessere Bildungschancen zu ermöglichen wie gleichaltrigen deutschen Kindern und Jugendlichen, werden zukünftige Studien vermutlich dem deutschen Schulsystem ebenfalls ein schlechtes Zeugnis aushändigen. Da gegenwärtig in Deutschland sowohl viele Studien als auch die Medien bislang Fragen der schulischen Bildung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund vielfach nur unter den Aspekten ihrer Benachteiligung beleuchten und Auskunft darüber geben, wie miserabel die Betroffenen im deutschen Bildungswesen abschneiden, soll sich daher der Schwerpunkt dieser Arbeit nicht hauptsächlich auf den Misserfolg, sondern vielmehr auf bildungserfolgreiche Jugendliche mit Migrationshintergrund beschränken. Im Hinblick auf bildungsspezifische Aspekte und Bildungsbeteiligung ausländischer Schülerinnen und Schüler wird des Öfteren und immer wieder nur die Schattenseite aufgezeigt bzw. reflektiert, sodass das Thema Bildungserfolg von Migrantenkindern vernachlässigt und aus den Augen verloren wird.


Excerpt (computer-generated)

Ruhr-Universität Bochum
Fakultät für Sozialwissenschaft

Faktoren für den Schulerfolg von Jugendlichen mit
Migrationshintergrund in der Bundesrepublik Deutschland

Deutschtürkische Jugendliche in der Gesamtschule und dem Gymnasium

Diplomarbeit

vorgelegt von

 Feride Ergün

Bochum, November 2006

 

 

1. Einleitung ... 4

1.1 Fragestellung und Aufbau der Arbeit  ... 5
1.2 Begrifflichkeiten und Definitionen ... 6

2. Theoretische und empirische Grundlagen zur Erklärung des Bildungserfolgs  ... 9
2.1 Bourdieus Kapitalbegriff zur Erklärung des Schulerfolgs  ... 9
2.2 Die PISA-Studie  ... 18

3. Jugendliche mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem  ... 25
3.1 Die allgemein gegenwärtige Bildungs- bzw. Schulsituation von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund  ... 28
3.2 Die Selektions- und Inklusionsfunktion des deutschen Bildungssystems  ... 30
3.3 Vergleiche im Hinblick auf Bildungsbeteiligung und Bildungsabschlüsse  ... 43

4. Die Einflussnahme der Herkunftsfamilie auf schulischen Geschehnisse  ... 56
4.1 Bedeutung und Funktion der Familie für Jugendliche mit Migrationshintergrund  ... 58
4.2 Voraussetzungen für das Verstehen der deutschen Schule  ... 60
4.3 Mitspracherecht der Eltern bezüglich Lehrerentscheidungen  ... 74
4.4 Auswirkungen des elterlichen Einflusses auf den Schulerfolg  ... 83

5. Die Peergroup als eine wichtige Quelle bei der Überbrückung von Hindernissen ... 85
5.1 Begriffsdefinition  ... 86
5.2 Die Peergroup als wichtige Sozialisationsinstanz  ... 88
5.3 Die Bedeutung der Peergroup für jugendliche Migrantinnen und Migranten  ... 95
5.4 Der Einfluss der Peergroup auf familiale und schulische Instanzen  ... 100
5.5 Positive und negative Auswirkungen der Peergroup hinsichtlich des Bildungserfolgs  ... 105

6. Fördernde und erschwerende Erklärungsfaktoren für den Bildungs(miss)erfolg von Jugendlichen mit Migrationshintergrund  ... 107
6.1 Ursachen für das schlechte Abschneiden im Bildungssystem  ... 108
6.2 Bedingungen bzw. Determinanten für den Schulerfolg der Migrantenjugendlichen  ... 119

7. Fazit sowie zukünftige Verbesserungsvorschläge für die schulische Situation der Jugendlichen mit Migrationshintergrund  ... 135

Literaturverzeichnis  ... 141

 

 

1. Einleitung

Die Tatsache, dass das deutsche Bildungssystem in den letzten Jahren, vor allem aufgrund der PISA Debatten deutlich in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit gerückt ist und Schülerinnen und Schüler anderer Nationalitäten geringere Bildungschancen gewährt, lässt auch für die Zukunft vermuten, dass aufgrund der Benachteiligungen und Bildungsungleichheiten der Jugendlichen mit Migrationshintergrund das deutsche Schulsystem auch weiterhin im Fokus des öffentlichen Interesses stehen wird. Solange jedoch keine umsetzbaren Vorschläge und effiziente Fördermaßnahmen unternommen werden, um die prekäre Situation von Migrantenjugendlichen im Bildungswesen zu verbessern und ihnen dementsprechend gleiche bzw. bessere Bildungschancen zu ermöglichen wie gleichaltrigen deutschen Kindern und Jugendlichen, werden zukünftige Studien vermutlich dem deutschen Schulsystem ebenfalls ein schlechtes Zeugnis aushändigen.

Da gegenwärtig in Deutschland sowohl viele Studien als auch die Medien bislang Fragen der schulischen Bildung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund vielfach nur unter den Aspekten ihrer Benachteiligung beleuchten und Auskunft darüber geben, wie miserabel die Betroffenen im deutschen Bildungswesen abschneiden, soll sich daher der Schwerpunkt dieser Arbeit nicht hauptsächlich auf den Misserfolg, sondern vielmehr auf bildungserfolgreiche Jugendliche mit Migrationshintergrund beschränken. Im Hinblick auf bildungsspezifische Aspekte und Bildungsbeteiligung ausländischer Schülerinnen und Schüler wird des Öfteren und immer wieder nur die Schattenseite aufgezeigt bzw. reflektiert, sodass das Thema Bildungserfolg von Migrantenkindern vernachlässigt und aus den Augen verloren wird.

Daher soll sich das Augenmerk dieser Arbeit hauptsächlich auf Schülerinnen und Schüler richten, die ein migrationsgeschichtlichen Hintergrund aufweisen und aufgrund dieser Eigenschaft viele Benachteiligungen, Diskriminierungen und Ungleichbehandlungen durch die Familie, Schule und Peergroup erfahren, aber trotz all dem in der Lage sind, auftretende Hürden zu überwinden und einen außerordentlich guten Weg einzuschlagen, sodass sie schließlich eine erfolgreiche schulische Laufbahn mit guten Schulleistungen, Schulabschlüssen und den Besuch einer höheren Schulform durchlaufen. In diesem Kontext sollen wichtige Mechanismen im Rahmen der Familie, Schule und Peergroup aufgezeigt werden, die in gewisser Weise den Bildungserfolg dieser Jugendlichen fördern oder auch einschränken können.

1.1 Fragestellung und Aufbau der Arbeit

Mit Hilfe der zur Verfügung stehenden Literatur wird geklärt, ob und inwieweit sich Jugendliche mit Migrationshintergrund, insbesondere türkische Jugendliche, in Anbetracht der symbolischen Dreierkonstellation von Familie, Schule und Peergroup auseinandersetzen und welche Hürden sie überwinden müssen, die vor allem den Schulerfolg beeinflussen und dementsprechend Konsequenzen für die zukünftigen Entscheidungen haben können.

Demnach ist das Ziel dieser Arbeit die Wechselbeziehung und den Einfluss zwischen diesen genannten Faktoren auf den Schulerfolg des Migrantenjugendlichen aufzuzeigen und zu analysieren. Dabei stehen im Mittelpunkt Fragen nach den persönlichen Merkmalen wie Stärken und Kompetenzen dieser Jugendlichen, wie sie versuchen sich in das deutsche Schulsystem zu integrieren, welche Hilfe und Unterstützung sie am besten durch ihre Familien und der Schule vermittelt bekommen und welchen Wert sie auf soziale Kontakte außerhalb der Schule legen.

Im Folgenden soll in Kapitel 2 sowohl auf das theoretische als auch auf das empi-rische Datenmaterial eingegangen werden. Zur theoretischen Fundierung der Ana-lyse dient der Begriff des kulturellen Kapitals nach Pierre Bourdieu, der die sozialen Ungleichheiten im Bildungssystem durch die ungleiche Verteilung von kulturellen Ressourcen erklärt. Des Weiteren erscheinen hier vor allem als empirisches Material die PISA-Studien 2000 und 2003, die aufschlussreich für die Bestätigung der Argumentationslinie sind.

Daran anschließend werden die Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem dargestellt. Zu diesem Zweck wird der Übergang von der Grundschule auf die weiterführende Schulform aufgezeigt, wo speziell die Gesamtschule und das Gymnasium angesprochen werden. Das Kapitel 3 schließt mit der Darstellung der Vergleiche hinsichtlich der Bildungsabschlüsse mit dem Fokus auf Nationalitäten, Geschlecht und Bundesländer.

Kapitel 4 enthält Informationen über die Einflussnahme der Herkunftsfamilie auf die schulischen Geschehnisse. Hierbei werden sowohl Einstellungen und Wissen als auch Partizipationsmöglichkeiten und Lehrerbilder der ausländischen Eltern im deutschen Schulsystem aufgezeigt.

Kapitel 5 thematisiert einen weiteren Faktor, nämlich die Peergroup, die auch versucht auf den Bildungserfolg der Migrantenjugendlichen Einfluss zu nehmen. Es soll aufgezeigt werden, was durch die Hinwendung zu einer Gleichaltrigengruppe im schulischen und familiären Bereich bewirkt werden kann und inwieweit eine Teilnahme mit Gleichgesinnten den Schulerfolg beeinflusst.

In Kapitel 6 werden die wichtigsten Ergebnisse hinsichtlich des Schulerfolgs zusammengefasst. Es geht darum, welche Faktoren ausschlaggebend sind für die Erlangung einer höheren Qualifikation - also dem Schulerfolg - wobei dem wiederum die erschwerenden Faktoren entgegengesetzt werden.

Im Anschluss daran erfolgt in Kapitel 7 das Fazit, wobei unter anderem Empfehlungen und Förderkonzepte vorgelegt werden, die auf die schulische Situation der Jugendlichen mit Migrationshintergrund eingehen und eine Verbesserung der Lage der Migrantenjugendlichen an deutschen Schulen zum Ziel haben.

1.2 Begrifflichkeiten und Definitionen

Um der Analyse dieser Arbeit nachgehen zu können, ist es zunächst einmal wichtig und sinnvoll auf einige Begriffe, die mit dieser Thematik sehr eng verbunden sind, näher einzugehen. Die Definitionen sind daher von großer Bedeutung, um Missverständnisse von vornherein auszuschließen. Der Begriff Schulerfolg wird mit dem Terminus Bildungserfolg synonym benutzt, weil "Bildung und Schule nicht zu unterscheiden sind und Schulerfolg somit auch automatisch mit Bildungserfolg gleichzusetzen ist" (BETZ, 2004, S. 13). Der Grund dafür liegt insbesondere darin, dass der Schulerfolg eine bestimmte Kategorie von Bildungserfolg darstellt, da Schule und Bildung eine enge Parallellinie aufweisen, sich gegenseitig bedingen und einen unzertrennlichen Zwilling darstellen.

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