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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2007, 55 Pages
Author: Jens D. Haverland
Subject: Theology - Practical Theology
Details
Institution/College: Christian-Albrechts-University of Kiel (Theologische Fakultät)
Tags: Gottesdienst, Praktische Theologie, Liturgik, liturgische Gewänder, Paramentik
Year: 2007
Pages: 55
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 58 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-73685-5
ISBN (Book): 978-3-640-28756-7
File size: 462 KB
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Abstract
Die Frage „Schatz, was soll ich bloß anziehen?“ kennt Mann nur allzu gut aus dem profanen Umfeld, wenn es gilt, sich auf ein besonderes Ereignis kleidermäßig vorzubereiten. Das Schwierige an dieser heikel zu beantwortenden Frage ist, dass sie vom Partner in den seltensten Fällen richtig beantwortet werden kann. Hilfreicher ist da als Gegenüber meistens die beste Freundin, da sie die Problematik aus eigener, leidvoller Erfahrung kennt. Doch diese Frage ist kein frauenspezifisches Problem. Sie beschäftigt auch den ein oder anderen Mann, gerade wenn es um Anlässe geht, die man nicht regelmäßig besucht. Dann ist man eben doch unsicher, welches die angebrachteste Kleidung ist und möglicherweise dankbar über einen Dresscode. Wird dieser Frage im profanen Bereich ein nicht außer acht zu lassender Stellenwert eingeräumt, darf sie erst recht im sakralen Kontext nicht zu kurz kommen. Hierbei eröffnet uns die allegorische Auslegung des Canticum Canticorum als Darstellung der Liebesbeziehung zwischen Gott und seinem Volk durchaus die Möglichkeit, selbst die Frage zu stellen: „Schatz, was soll ich bloß anziehen?“ Und tatsächlich taucht die Thematik der Kleidung in der Bibel häufiger auf, als man zunächst denken könnte. Vom Alten Testament angefangen, wo die Menschen erkannten, dass sie nackt waren (Gen 3,7) bis zum Ende des Neuen Testamentes, wo den Menschen in der Offenbarung das weiße Gewand versprochen wird (Apk 6,11), welches sie im Blut des geschlachteten Lammes rein waschen sollen (Apk 22,14). Seit knapp 200 Jahren gibt es zumindest im protestantischen Bereich eine Art anerkannten Dresscode – den schwarzen Talar. Doch fängt man einmal an, sich im liturgischen Spiegel zu drehen und schaut dabei kritisch an sich herunter, können einen leicht Zweifel beschleichen, ob dies tatsächlich eine so geschickte Wahl war, ob das Kleid heute, und sei es auch noch so schön, wirklich dem Anlass angemessen ist. In dieser Arbeit möchte ich den liturgischen Spiegel gerne zur Hand nehmen und neu auf Augenhöhe bringen. Nicht weil das Kleid vielleicht aufgeschlissen sei, sondern weil es immer wieder gut tut, den akkuraten Sitz der Kleidung und des Stils neu zu überdenken. Leider hat man im späteren Berufsleben selten Zeit, och mal einen solchen kontrollierenden Blick in den Spiegel zu werfen. Deswegen möchte ich die Chance nutzen und mir bereits im Studium Gedanken über die liturgische Kleidung machen. In meiner Arbeit werde ich mich zunächst der Entwicklung seit dem Urchristentum widmen und in einem Überblick über Zeit und Raum auch den Schritt in die Weiten der globalen Kirche wagen, quasi nicht nur den Partner, sondern auch die gute Freundin fragen. Danach werde ich anhand einer Auswahl liturgischer Kleidungsstücke aufzeigen, welche vielseitigen Formen es bei den Gewändern gab und immer noch gibt. Bereits hier sei schon darauf hingewiesen, dass sich seit dem 2. Vatikanum auch in der römisch-katholischen Kirche vieles simplifiziert hat. Im dritten und letzten Teil stelle ich meine eigene Meinung noch einmal detailliert dar und weise auf, in meinen Augen sinnvolle, Verwendungsmöglichkeiten von Gewändern als Paramente im lutherischen Gottesdienst hin.
Excerpt (computer-generated)
Christian-Albrechts Universität Kiel
Hauptseminar: Liturgische Praxis
Wintersemester 2006/07, am 13. April 2007
„Schatz, was soll ich bloß anziehen?“
Liturgische Gewänder im protestantischen Gottesdienst
von
Jens Haverland
Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung 4
B. Hauptteil 5
1. Geschichte 5
a. Antikes Christentum und Ostkirche 5
Exkurs: Liturgische Farben 7
b. Reformationszeit 10
c. Entwicklung bis zur Gegenwart 12
d. Ökumenischer Kontext 16
2. Gestalt 19
a. liturgische Untergewänder 19
I. Amikt (Schultertuch/Humerale) 19
II. Albe 20
III. Zingulum 22
IV. Chorhemd (Rochett und Superpelliceum) 23
b. Liturgische Obergewänder 25
I. Kasel (Casula) 25
II. Dalmatik und Tunicella 27
III. Chormantel (Pluviale/Cappa) 28
c. Appendix liturgischer Kleidung 29
I. Kopfbedeckungen 29
II. Stola 30
III. Skapulier 33
d. Talar und Beffchen 34
3. Gebrauch in der Gemeinde 35
a. Eigener Standpunkt 35
b. Mögliche praktische Umsetzung in der Gemeinde 37
I. Gewänder im Gottesdienst 37
II. Gewänder für Gottesdiensthelfer 38
III. Einführung in die Gemeinde 40
a. Kirchenvorstand 40
b. Information an das Landeskirchenamt 40
c. Gemeindebrief 41
d. Gemeindeabend 41
e. Anschaffung 42
f. Konfirmandenarbeit 43
IV. Weitere Nutzungsformen 45
a. Westerhemd 45
b. Leichentuch 46
C. Schluss 49
Literaturverzeichnis 51
Arbeitsbücher, Hilfsmittel und Gesetzestexte: 51
Monographien: 52
Lexikonartikel: 53
Internet: 54
A. Einleitung
Die Frage „Schatz, was soll ich bloß anziehen?“ kennt Mann nur allzu gut aus dem profanen Umfeld, wenn es gilt, sich auf ein besonderes Ereignis kleidermäßig vorzubereiten. Das Schwierige an dieser heikel zu beantwortenden Frage ist, dass sie vom Partner in den seltensten Fällen richtig beantwortet werden kann. Hilfreicher ist da als Gegenüber meistens die beste Freundin, da sie die Problematik aus eigener, leidvoller Erfahrung kennt. Doch diese Frage ist kein frauenspezifisches Problem. Sie beschäftigt auch den ein oder anderen Mann, gerade wenn es um Anlässe geht, die man nicht regelmäßig besucht. Dann ist man eben doch unsicher, welches die angebrachteste Kleidung ist und möglicherweise dankbar über einen Dresscode.
Wird dieser Frage im profanen Bereich ein nicht außer acht zu lassender Stellenwert eingeräumt, darf sie erst recht im sakralen Kontext nicht zu kurz kommen. Hierbei eröffnet uns die allegorische Auslegung des Canticum Canticorum als Darstellung der Liebesbeziehung zwischen Gott und seinem Volk durchaus die Möglichkeit, selbst die Frage zu stellen: „Schatz, was soll ich bloß anziehen?“
Und tatsächlich taucht die Thematik der Kleidung in der Bibel häufiger auf, als man zunächst denken könnte. Vom Alten Testament angefangen, wo die Menschen erkannten, dass sie nackt waren (Gen 3,7) bis zum Ende des Neuen Testamentes, wo den Menschen in der Offenbarung das weiße Gewand versprochen wird (Apk 6,11), welches sie im Blut des geschlachteten Lammes rein waschen sollen (Apk 22,14). Seit knapp 200 Jahren gibt es zumindest im protestantischen Bereich eine Art anerkannten Dresscode – den schwarzen Talar. Doch fängt man einmal an, sich im liturgischen Spiegel zu drehen und schaut dabei kritisch an sich herunter, können einen leicht Zweifel beschleichen, ob dies tatsächlich eine so geschickte Wahl war, ob das Kleid heute, und sei es auch noch so schön, wirklich dem Anlass angemessen ist.
In dieser Arbeit möchte ich den liturgischen Spiegel gerne zur Hand nehmen und neu auf Augenhöhe bringen. Nicht weil das Kleid vielleicht aufgeschlissen sei, sondern weil es immer wieder gut tut, den akkuraten Sitz der Kleidung und des Stils neu zu überdenken. Leider hat man im späteren Berufsleben selten Zeit, och mal einen solchen kontrollierenden Blick in den Spiegel zu werfen. Deswegen möchte ich die Chance nutzen und mir bereits im Studium Gedanken über die liturgische Kleidung machen.
In meiner Arbeit werde ich mich zunächst der Entwicklung seit dem Urchristentum widmen und in einem Überblick über Zeit und Raum auch den Schritt in die Weiten der globalen Kirche wagen, quasi nicht nur den Partner, sondern auch die gute Freundin fragen. Danach werde ich anhand einer Auswahl liturgischer Kleidungsstücke aufzeigen, welche vielseitigen Formen es bei den Gewändern gab und immer noch gibt. Bereits hier sei schon darauf hingewiesen, dass sich seit dem 2. Vatikanum auch in der römisch-katholischen Kirche vieles simplifiziert hat. Im dritten und letzten Teil stelle ich meine eigene Meinung noch einmal detailliert dar und weise auf, in meinen Augen sinnvolle, Verwendungsmöglichkeiten von Gewändern als Paramente im lutherischen Gottesdienst hin.
B. Hauptteil
1. Geschichte
a. Antikes Christentum und Ostkirche
In den ersten fünf Jahrhunderten nach der pfingstlichen Geistausgießung (Apg. 2,1-13), die traditionell als Geburtsstunde der Kirche angesehen wird, haben sich die Organisations- und Frömmigkeitsgestalten der christlichen Religion herausgebildet. War das erste Jahrhundert noch geprägt von der Erwartung einer baldigen Parusie und dem Anbruch der messianischen Endzeit, fand im zweiten Jahrhundert eine gewisse Klärung statt. Die Situation der ersten christlichen Zusammenschlüsse war geprägt von immer wieder vorkommenden Verfolgungen, Anklagen und Verurteilung einzelner, dann als Märtyrer verehrten Christen. Als Reaktion auf die politische und kulturelle Lage des Christentums entwickelte sich eine, nach damaligen Maßstäben, wissenschaftliche Theologie heraus, zum einen in Form einer Apologetik, zum anderen als spekulative Religionsphilosophien, beispielsweise der Gnosis. Neben dieser Entwicklung einer Theologie entstand auch die Struktur des religiösen Alltags, geprägt durch Fasten und Beten, und des gemeinsamen gottesdienstlichen Lebens. Bereits hier finden sich schon bestimmte Elemente der Frömmigkeit und Liturgie. Außerdem bildete sich das dreigegliederte kirchliche Amt heraus, zunächst in den Stufen Diakon, Presbyter und Episcopus, ab dem dritten Jahrhundert dann mit dem modularisierten Ältestenamt als Priesteramt.1 Die Anerkennung als religio licitas durch Galerius 311 ermöglichte den Christen, als vom römischen Staat anerkannte Religion, ihren Kult ungestört auszuüben.2
Darüber hinaus wurden große basilikale Kirchenbauten in den verschiedenen Städten des römischen Reiches staatlich gefördert. Ebenso trat das Christentum im vierten Jahrhundert durch zahlreiche christliche Gegenstände (z.B. verzierte Sarkophage, Mosaiken oder Münzprägungen) vermehrt öffentlich in Erscheinung. Auch wenn der gesicherte Religionsstatus vermuten lassen könnte, dass sich das Gepräge der frühen Christengemeinschaften nun deutlich verändert habe, hat die konstantinische Wende weniger Einfluss auf den Kult genommen als weitgehend angenommen. Nach Markschies lässt sich nämlich zeigen, „daß sich die Organisations- und Frömmigkeitsgestalt der christlichen Religion vor allem im 3. Jh. herausgebildet hat.“3 Dies trifft allerdings nicht auf die liturgischen Gewänder zu.
Zunächst gab es keine explizite liturgische Kleidung, diese entwickelte sich erst allmählich ab dem vierten Jahrhundert aus der profanen Gewandung heraus.4 Diese Entwicklung vollzieht sich allerdings nicht überall gleichmäßig, so dass man in der Zeit bis zu Karl dem Großen mit einer reichen Vielfalt liturgischer Gewänder rechnen kann. In Anlehnung an staatliche und gesellschaftlich anerkannte Insignien römischer Beamter, wurden auch im kirchlichen Bereich Unterscheidungsmerkmale verwendet, weswegen man an einzelnen Kleidungsstücken und deren unterschiedlichen Tragweise auch die entsprechende Weihestufe eines Klerikers ablesen kann.5
Ähnlich wie unter anderem auch bei der Entwicklung des christlichen Kultbaus, kann man einige Verbindungen zur jüdischen Tradition sehen, doch handelt es sich nicht um eine ungebrochene Weiterentwicklung.
Die gottesdienstliche Kleidung der frühen Christen entsprach naturgemäß der Kleidung des profanen Umfelds, sei es nun jüdisch oder römisch.6 Dabei kann man aber davon ausgehen, dass es sich bei der Gottesdienstkleidung der beim Gottesdienst agierenden Personen nicht um die alltägliche Straßenkleidung handelte, sondern schon um besondere, nur zu diesem Zweck verwendete Kleidung.7
Deutlich wird das daran, dass der Bischof von Rom bereits im dritten Jahrhundert seine Presbyter ermahnte, „daß die heiligen Gewänder nicht zum gewöhnlichen Gebrauch angezogen werden sollten.“8
Recht früh bildeten sich in der Gewandung gestalterische Unterschiede zwischen der östlichen und der westlichen Kirche heraus,9 noch bevor die großen Schismen eine Trennung in Ost- und Westkirche bewirkten10. So waren die Gewänder in der Ostkirche wesentlich prachtvoller gestaltet und von größerem Reichtum, wodurch sich diese entschieden von der profanen Kleidung der damaligen Zeit unterschieden.11 Jedoch entwickelte die Ostkirche keinen genauen liturgischen Farbkanon, wie die römische Kirche im Mittelalter. Oft trägt der Zelebrant nicht dieselben Farben wie die anderen am Gottesdienst beteiligten Kleriker. Allgemein werden für die Feste hellere Farben benutzt (grün und weiß), für Buß- und Trauergottesdienste hingegen dunklere (rot, violett und schwarz).12
Exkurs: Liturgische Farben
[...]
1 S. Markschies, 344-360.
2 Vgl. Hauschild, Alte Kirche, S 134.
3 Vgl. Markschies, 357.
4 S. LitKleidung.pdf
5 S. Hofhansl, 160. Beispielsweise wird die Stola diagonal als Diakonenstola getragen, hingegen als Priesterstola parallel oder gekreuzt getragen. Diese Unterscheidung ist im protestantischen Gebrauch nicht zu vollziehen, da es üblicherweise nur eine „Weihestufe“, die Ordination, gibt. Im Kontext der von den verschiedenen Landeskirchen praktizierte Ausbildung und Einsetzung von Prädikanten respektive Lektoren, kann aber eine erneute Bewusstmachen der Möglichkeiten, sowohl für die Gemeinde, als auch für den handelnden Laien hilfreich sein.
6 Vgl. Lotz, 11f.
7 Vergleichbar, der vielleicht heutzutage nur zu Weihnachten getragenen Bluse oder Krawatte.
8 Lotz, 11.
9 Vgl. Lotz, 12.
10 Vgl. Heiler, Urkirche und Ostkirche, 128-132.
11 Vgl. Lotz, 12.
12 Vgl. Heiler, Ostkirche, 206f.
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