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Textstrukturen in vorbereiteten Reden am Beispiel einer Politikerrede

Scholary Paper (Seminar), 2007, 34 Pages
Author: Dr. phil. Daria Hagemeister
Subject: German Studies - Linguistics

Details

Event: PS Sprachwissenschaft gesprochene Sprache in Österreich
Institution/College: University of Vienna (Germanistik)
Tags: Textstrukturen, Reden, Beispiel, Politikerrede, Sprachwissenschaft, Sprache, Tautologie
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2007
Pages: 34
Grade: 1
Bibliography: ~ 11  Entries
Language: German
Archive No.: V73940
ISBN (E-book): 978-3-638-67895-7
ISBN (Book): 978-3-638-76984-6
File size: 216 KB

Abstract

Die vorliegende Arbeit wurde im Rahmen des PS Gesprochene Sprache in Österreich am Institut für Germanistik der Universität Wien im WS 2006/07 unter dem Titel „Textstrukturen in vorbereiteter Rede: Politikerrede“ verfasst. Im Speziellen hat sich die Verfasserin mit der „Rede zur Lage der Nation“ des Bundeskanzlers Dr. Wolfgang Schüssel vom 15.05.2006 befasst. Im ersten Abschnitt soll eine allgemeine Einführung in die Terminologie und die Definition der Begriffe „Gesprochene Sprache und Kommunikation“, „Text und Textsorten“, „thematische Entfaltung“ und „Stilistik“ gegeben werden. Der zweite Abschnitt behandelt sodann verschiedene Strategien und Vorgehensweisen der Textanalyse. Neben linguistischen und makro- bzw. mikrostilistischen Analysen wird auch eine rhetorische Herangehensweise vorgestellt. Der dritte Abschnitt ist zur Gänze der politischen Rede und dem Fallbeispiel gewidmet. Es wird zunächst auf den Aufbau der gesamten Rede eingegangen. Daran schließt sich ein Transkript zweier ausgewählter Textstellen an, welche nach rhetorischen Gesichtspunkten, Thema-Rhema Gliederung, aber auch nach Phrasierung und Intonation untersucht werden. In den Schlussbetrachtungen wird nochmals darauf hingewiesen, dass eine rein syntaktische Analyse nicht sinnvoll ist, sondern nur unter Berücksichtigung semantischer und pragmatisch-kommunikativer Faktoren erfolgen kann.


Excerpt (computer-generated)

Universität Wien, WS 2006/07
PS Sprachwiss.: Gesprochene Sprache in Österreich

Textstrukturen in vorbereiteter Rede: Politikerrede
(Fallbeispiel: Bundeskanzler Dr. Wolfgang Schüssel
„Rede zur Lage der Nation“ am 15. Mai 2006)

von

Dr. phil. Daria Hagemeister

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 4

1.1. Gesprochene Sprache  4

1.1.1. Mündliche Kommunikation  7

1.2. Was ist ein Text?  9

1.2.1. Textauffassungen  9

1.3. Referenz in Texten  11
1.4. Textsorten 12
1.5. Textualitätskriterien  13
1.6. Die thematische Entfaltung  15
1.7. Stilistik  16

2. Methodik  17

2.1. Grundlagen der Analyse von Texten 17

2.1.1. Textanalytische Strategien  17
2.1.2. Textlinguistisch-stilistische Analyse 18
2.1.3. Makrostilistisches und mikrostilistisches Vorgehen 19
2.1.4. Thema-Rhema-Analyse 20
2.1.5. Analyse nach rhetorischen Kategorien 21

3. Textstrukturen in Politikerreden  22

3.1. Politische Reden 22

3.1.1. Sprache und Kultur 23
3.1.2. Sprache und Ideologie 24

3.2. Fallbeispiel: Bundeskanzler Dr. Wolfgang Schüssel  25

„Rede zur Lage der Nation“ am 15. Mai 2006 25
3.2.1. Transkript ausgewählter Textstellen  28
3.2.2. Analyse der ausgewählten Textstellen  29

4. Schlussbetrachtungen und Zusammenfassung 30

5. Literatur- und Quellenverzeichnis  34




 

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit wurde im Rahmen des PS Gesprochene Sprache in Österreich am Institut für Germanistik der Universität Wien im WS 2006/07 unter dem Titel „Textstrukturen in vorbereiteter Rede: Politikerrede“ verfasst. Im Speziellen hat sich die Verfasserin mit der „Rede zur Lage der Nation“ des Bundeskanzlers Dr. Wolfgang Schüssel vom 15.05.2006 befasst.

Im ersten Abschnitt soll eine allgemeine Einführung in die Terminologie und die Definition der Begriffe „Gesprochene Sprache und Kommunikation“, „Text und Textsorten“, „thematische Entfaltung“ und „Stilistik“ gegeben werden. Der zweite Abschnitt behandelt sodann verschiedene Strategien und Vorgehensweisen der Textanalyse. Neben linguistischen und makro- bzw. mikrostilistischen Analysen wird auch eine rhetorische Herangehensweise vorgestellt.

Der dritte Abschnitt ist zur Gänze der politischen Rede und dem Fallbeispiel gewidmet. Es wird zunächst auf den Aufbau der gesamten Rede eingegangen. Daran schließt sich ein Transkript zweier ausgewählter Textstellen an, welche nach rhetorischen Gesichtspunkten, Thema-Rhema Gliederung, aber auch nach Phrasierung und Intonation untersucht werden. In den Schlussbetrachtungen wird nochmals darauf hingewiesen, dass eine rein syntaktische Analyse nicht sinnvoll ist, sondern nur unter Berücksichtigung semantischer und pragmatischkommunikativer Faktoren erfolgen kann.

1.1. Gesprochene Sprache

Seit den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts rückte die gesprochene Sprache zusehends ins Blickfeld der sprachwissenschaftlichen Forschung. Durch die pragmatische Wende war das Interesse auf Regeln, Vorgänge und sprachliche Strukturen der alltäglichen Kommunikation gelenkt worden. Waren es anfänglich eher die syntaktischen Besonderheiten der gesprochenen Sprache, die es aufzudecken galt, so entwickelten sich im Laufe der Zeit diese Forschungen zu der Disziplin der Gesprächsanalyse unter Einbeziehung der soziologischethnomethodologisch geprägten Konversationsanalyse und der Sprechakttheorie, welche ihrerseits den Handlungscharakter der Sprache betont. Gemäß dieser Theorie sind Gespräche „komplexe, kommunikative Handlungen“, die in gesellschaftliche, institutionelle Kontexte eingebettet sind. Die Sprechakte sind sprachliches Handeln aufgrund individueller Intentionen, die sich wiederum auf kollektive Muster beziehen.1 Searle selbst äußerte sich zwar skeptisch hinsichtlich der Erweiterung der Sprechakttheorie auf Dialoge, doch jedes Gespräch hat ein kommunikatives Ziel. In der Realität wird man es daher …

… oftmals nicht nur mit einzeln im Raum stehenden, isolierten Sprechakten zu tun haben, sondern eine Vielzahl von Sprechakten [Anm.: durch Sprecherwechsel] stehen einander gegenüber, und somit werden immer wieder mindestens zwei (oder mehrere) konträre Kräfte einander entgegen wirken - Schwingung und Gegenschwingung. Doch jede Kraft, jede Schwingung und jeder Sprechakt muss für sich alleine beurteilt werden, d. h. man kann das Gelingen des einen nicht als Misslingen des anderen interpretieren, da man hiemit eine qualitative Bewertung durchführen würde, wohingegen eine rein quantitative Bewertung zulässig wäre. Die perlokutionäre Wirkung, der perlokutionäre Effekt, müsste demnach als Resultat der Überlagerung mehrerer Sprechakte gesehen werden, die sich gegenseitig verstärken oder aber auch aufheben können.2.

Bezieht man diese Aussagen nun vor allem auf Politikerreden, so muss man noch hinzufügen, dass es zwar bei einer Ansprache keinen Sprecherwechsel gibt, dennoch muss man auch eine solche monologisch abgefasste Rede unter dem Gesichtspunkt des „interaktionalen Herstellens von Sinn“3 sehen, wobei die Aktionen und Reaktionen simultan oder zeitlich verschoben stattfinden können. Dass es Bezugnahmen auf eine bestimmte politische Rede geben wird, seien sie zustimmend oder als Gegenreden verfasst, das muss man wohl von vorn herein annehmen.

Ferner muss auch genau definiert werden, was als „gesprochene Sprache“ zu bezeichnen sein soll. So versteht etwa Steger4 unter gesprochener Sprache nur das

- was vorher nicht aufgezeichnet wurde,
- was vorher nicht länger für einen bestimmten Vortragszweck bedacht wurde,
- was nicht in Vers, Reim, Melodie oder vergleichbar fester Bindung steht,
- was im Rahmen des jeweils gesprochenen Sprachtyps als ‚normal’, d. h. als richtig anzusehen ist (darunter verstehe ich den Textmusterbezug).4

Nach dieser Definition wäre es ja gar nicht zulässig, sich im Rahmen dieses Proseminars mit Textstrukturen in Politikerreden zu befassen. Tatsächlich jedoch geht es um den Unterschied zwischen konzeptioneller Mündlichkeit und konzeptioneller Schriftlichkeit. Eine politische Rede wird selbstverständlich unter dem Gesichtspunkt der Mündlichkeit verfasst, obgleich sie schriftlich ausformuliert wird und auch in schriftlicher Form vorliegt. Es geht dabei jedoch vorwiegend um die beabsichtigte Realisierungsweise, bei welcher – im Falle einer Rede - die Sprache in phonischer Form Verwendung finden soll. Unterschiedliche Bedingungen der Produktion und Rezeption von gesprochener und geschriebener Sprache führen zu verschiedenen Anwendungsgebieten und zur Herausbildung unterschiedlicher Textsorten, die ihrerseits wiederum unterschiedliche strukturelle Differenzierungen erfordern.
Die besonderen Bedingungen der gesprochenen Sprache sind Flüchtigkeit, Schnelligkeit und Spontaneität, der Einsatz nonverbaler Elemente und die Interaktion zwischen Sprecher und Hörer. Wenn es auch bei einer Politikeransprache nicht zu Überlappungen und simultanem Sprechen kommen kann, da das Rederecht von vorn herein festgelegt und ein Sprecherwechsel nicht vorgesehen ist, so können dennoch ein spontan einsetzender Applaus oder Zwischenrufe aus dem Publikum den Redeverlauf beeinflussen. Vor allem auf dem Gebiet der lautlichen Phänomene kann dieser Einfluss gut beobachtet werden. So können etwa die Lautstärke und Akzentuierung, die Tonhöhe, das Sprechtempo oder auch die Länge der Pausen, also alle prosodischen Mittel vom Sprecher nicht nur funktional zu einer intendierten Gliederung der Äußerungseinheiten genutzt werden, sondern auch ungeplant und spontan als Gegenreaktion auf eine Reaktion des Publikums eingesetzt werden, wie man auch anhand unseres Fallbeispiels sehen wird können.

1.1.1. Mündliche Kommunikation

[...]


1 Vgl.: Fix, Ulla, u.a.: „Textlinguistik und Stilistik für Einsteiger“. Ein Lehr- und Arbeitsbuch, Leipziger Skripten, 1. Bd., 2. korr. Aufl., Peter Lang, Europäischer Verlag der Wissenschaften, Frankf./Main 2002, S. 43 – 44.

2 Hagemeister, Daria: „Die Sprechakttheorie“. Aufsatz, Inst. f. Germanistik an der Univ. Wien, WS 2005/06, V62975 Grin Online Verlag 2006, S. 12.

3 Fix, Ulla, u.a.: „Textlinguistik und Stilistik für Einsteiger“. Ein Lehr- und Arbeitsbuch, Leipziger Skripten, 1. Bd., 2. korr. Aufl., Peter Lang, Europäischer Verlag der Wissenschaften, Frankf./Main 2002, S. 44.

4 Fix, Ulla, u.a.: „Textlinguistik und Stilistik für Einsteiger“. Ein Lehr- und Arbeitsbuch, Leipziger Skripten, 1. Bd., 2. korr. Aufl., Peter Lang, Europäischer Verlag der Wissenschaften, Frankf./Main 2002, S. 38.


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