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Begegnung und Austausch - Interkulturelles Lernen im Tandem

Thesis (M.A.), 2007, 98 Pages
Author: Franziska Böttcher
Subject: Communications: Intercultural Communication

Details

Category: Thesis (M.A.)
Year: 2007
Pages: 98
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 84  Entries
Language: German
Archive No.: V73974
ISBN (E-book): 978-3-638-68610-5
ISBN (Book): 978-3-638-68745-4
File size: 855 KB

Abstract

Interkulturelle Begegnungen und interkulturelle Kommunikation gehören zu ganz alltäglichen, oftmals unvermeidbaren Erfahrungen in unserer globalisierten Gegenwart. Die seit Jahren anhaltende Migration in die westlichen Industrienationen trägt ihren Teil dazu bei, dass Fremdheitserfahrungen in unserer multikulturellen Gesellschaft für viele zunehmend zum Alltag gehören. Zusätzlich nimmt dank der weltweit gestiegenen Mobilität auch die Zahl der Auslandsaufenthalte, ob nun beruflich oder privat, stetig zu. All diese Entwicklungen führen dazu, dass besonders auf dem Arbeitsmarkt zunehmend die Forderung nach transkultureller Kommunikationsfähigkeit, nach interkultureller Kompetenz, als einer der Schlüsselqualifikationen laut wird. Aufgrund der gestiegenen Nachfrage nach interkultureller Kompetenz sehen sich scheinbar immer mehr Menschen gezwungen, ganz gezielt interkulturelle Kontakte zu suchen, um die eigenen Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Eine Möglichkeit dafür stellt das Sprachlernprogramm Tandem dar. Tandemlernen bedeutet zunächst Begegnung, daher geht es neben der sprachlichen auch um eine interkulturelle Dimension. Diese ist der Hauptgegenstand der im Folgenden vorliegenden Untersuchung, wobei speziell die ethnologische Perspektive einen neuen Beitrag zur interkulturellen Kommunikationsforschung liefern soll. Mit Hilfe einer auf teilnehmender Beobachtung und einigen Einzelinterviews basierenden ethnographischen Feldforschung soll der Blick auf die Alltagserfahrungen und Handlungsstrategien der Tandempartner, insbesondere in Bezug auf ihren Umgang mit kultureller Differenz, gerichtet werden. Dabei zielt das Interesse vor allem auch darauf, wie interkulturelle Kommunikation und interkulturelles Lernen im Tandem im Einzelfall aussehen können – wie sich die Interaktion gestalten kann, aber auch welche Schwierigkeiten und Probleme damit verbunden sein können.


Excerpt (computer-generated)

HUMBOLDT–UNIVERSITÄT ZU BERLIN
PHILOSOPHISCHE FAKULTÄT I
INSTITUT FÜR EUROPÄISCHE ETHNOLOGIE

Begegnung und Austausch - Interkulturelles Lernen im Tandem

Ein ethnologischer Beitrag zur interkulturellen Kommunikationsforschung

Magisterarbeit

 im Fach Europäische Ethnologie

Februar 2007

vorgelegt von:

Franziska Böttcher

 

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung ... 1

2. Forschungsinteresse und Forschungsstand ... 3

3. Aufbau und Ziel der Arbeit ... 4

4. Interkulturelle Kommunikationsforschung ... 6
4.1. Kurze Fachgeschichte ... 6
4.2. Zentrale Begrifflichkeiten und Konzepte ... 9
4.2.1. Kultur - von der Schwierigkeit mit einem Schlüsselbegriff ... 9
4.2.1.1. Kultur als mentale Programmierung und nationale Essenz ... 10
4.2.1.2. Der postmodern-semiotische Kulturbegriff ... 13
4.2.1.3. Moosmüller - Unterscheidung in Handlungskontexte ... 15
4.2.2. Interkulturelle Kommunikation und Kommunikationsstile ... 18
4.2.3. Interkulturelles Lernen  ... 21
4.2.4. Vorurteile und Stereotype ... 25

5. Sprachenlernen in Begegnungssituationen - TANDEM ... 26
5.1. Geschichte der Tandem - Idee ... 27
5.2. Tandem - das Konzept ... 28
5.3. Interkulturelles Lernen im Tandem ... 30

6. Untersuchung autonomer Einzeltandems - Fallbeispiele ... 31
6.1. Konkrete Forschungsfragen ... 31
6.2. Methodisches Herangehen ... 33
6.2.1. Teilnehmende Beobachtung ... 37
6.2.2. Qualitative Interviews ... 38

6.3. Fallbeispiele ... 39
6.3.1. Fallbeispiel 1 - "Typisch Ami eben, war ja klar!"  ... 40
6.3.1.1. Rahmenbedingungen / Kontext ... 40
6.3.1.2. Vermittlung und Kontaktaufnahme ... 41
6.3.1.3. Begegnung - Das erste Treffen ... 42
6.3.1.4. Die Interviews mit Daniela - "Ich mag die einfach nicht!"  ... 45
6.3.1.4.1. Rekapitulation erster Eindrücke ... 45
6.3.1.4.2. Ein paar Wochen und ein Tandem später ... 47
6.3.1.5. Das Interview mit Andrea - "It′s so exciting for me..."  ... 49
6.3.1.6. Kommunikationsstile und der Umgang mit Differenz ... 50
6.3.1.7. Interkulturelle Kompetenz und Interkulturelles Lernen ... 54
6.3.1.8. Das Scheitern eines Tandems -Erklärungsversuche ... 56

6.3.2. Fallbeispiel 2 - " Ein bisschen deutsche Pünktlichkeit könntest Du Dir ruhig abgucken!"  ... 57
6.3.2.1. Rahmenbedingungen / Kontext ... 57
6.3.2.2. Kontaktaufnahme und Treffen ... 58
6.3.2.3. Das Interview mit Bianca - "Man muss sich auch mal anpassen können."  ... 61
6.3.2.4. Das Interview mit Eric - "You Germans really like your rules"  ... 65
6.3.2.5. Kultur und der Umgang mit Differenz ... 67
6.3.2.6. Wissensrepertoires und Kulturvermittlung ... 68
6.3.2.7. Interkulturelles Lernen ... 68

6.3.3. Fallbeispiel 3 - "Ich langweile mich hier zu Tode!"  ... 69
6.3.3.1. Rahmenbedingungen / Kontext ... 69
6.3.3.2. Kontaktaufnahme und Treffen ... 70
6.3.3.3. Das Interview mit Elena - "Tandem ist meine Rettung!"  ... 75
6.3.3.4. Das Interview mit Anja - "Beim ersten Besuch hatte ich schon Angst."  ... 77
6.3.3.5. Kultur und der Umgang mit Differenz ... 81
6.3.3.6. Wissensrepertoires und Kulturvergleich ... 83
6.3.3.7. Interkulturelles Lernen ... 

7. Zusammenfassung der Ergebnisse ... 85

8. Schlussfolgerung und Ausblick ... 87

Bibliographie ... 89

 

 

1. Einleitung

"Interkulturelle Verständigung ist etwas sehr Unwahrscheinliches. Es gibt mehr Gründe, interkulturelle Kontakte zu vermeiden, als sie zu suchen. Interkulturelle Kontakte verunsichern, sie behindern die Selbstverständlichkeiten alltäglich eingeübter Kommunikation, sie irritieren und erzeugen Peinlichkeiten. All dies lässt uns erwarten, dass Menschen normalerweise interkulturelle Situationen meiden."
(Eder 2001: 254)

Interkulturelle Begegnungen und interkulturelle Kommunikation gehören mittlerweile jedoch zu ganz alltäglichen, oftmals unvermeidbaren Erfahrungen in unserer globalisierten Gegenwart. Die seit Jahren anhaltende Migration in die westlichen Industrienationen trägt ihren Teil dazu bei, dass Fremdheitserfahrungen in multikulturellen Gesellschaften für viele zunehmend zum Alltag gehören. Zusätzlich nimmt dank der weltweit gestiegenen Mobilität auch die Zahl der Auslandsaufenthalte, ob nun beruflich oder privat, stetig zu. All diese Entwicklungen führen dazu, dass besonders auf dem Arbeitsmarkt zunehmend die Forderung nach transkultureller Kommunikationsfähigkeit, nach interkultureller Kompetenz als einer der Schlüsselqualifikationen laut wird.

Klaus Eder hat bereits 2001 vorausgesagt, dass Fähigkeiten, kulturelle Grenzen ebenso zu überschreiten wie angemessen zu respektieren, in Zukunft von gleichrangiger Bedeutung sein werden, wie die elementaren Kulturtechniken Lesen, Schreiben, Sprachkompetenz und die Beherrschung der Informationsmedien (vgl. Eder 2001). Reine Fremdsprachenkompetenz stellt dabei nur einen Teil der erwarteten Fähigkeiten dar. Kulturspezifisches Wissen wird ebenso vorausgesetzt wie die scheinbar grundlegenden charakterlichen Eigenschaften Toleranz und Empathiefähigkeit, die nur schwer technisch vermittelbar sind.

Es ist also nicht verwunderlich, dass "Interkulturelle Kommunikation", "Interkulturelles Lernen" und "Interkulturelle Kompetenz" zunehmend zu Schlagworten der öffentlichen Diskussion geworden sind, wie erst kürzlich wieder in der Debatte um die zunehmenden Probleme an Berliner Schulen mit hohem Migrantenanteil deutlich geworden ist. Auch hier wird nun verstärkt nach Programmen gefragt, die sowohl Lehrern als auch Schülern mit Hilfe interkulturellen Lernens zu interkultureller Handlungskompetenz verhelfen sollen.

Im Zuge der weltweit voranschreitenden Internationalisierung und Globalisierung von Kulturen, Gesellschaften und Ökonomien hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten ein auf die neuen Anforderungen ausgerichteter Wirtschafts- und auch Wissenschaftsbereich herausgebildet. "Interkulturell" ist dabei das Hauptschlagwort, das derzeit in verschiedensten Kombinationen einen regelrechten Boom erfährt. Neben interkulturellen Studiengängen unterschiedlichster Ausrichtung haben interkulturelle Trainings oder Coachings Hochkonjunktur, und auch der Markt interkultureller Ratgeber erlebt eine große Nachfrage. Dieser aktuelle Trend ist vor allem auch am fast schon inflationären Gebrauch des zur Mode gewordenen Adjektivs zu erkennen. So werden Sprachkurse heute oftmals als "interkultureller Fremdsprachenunterricht" beworben und auch in schulischen Rahmenplänen ist beim Punkt Fremdsprachenunterricht immer häufiger von der Vermittlung "interkultureller Landeskunde" statt nur von Landeskunde die Rede, großteils jedoch ohne dass eine methodische oder inhaltliche Neuorientierung stattgefunden hätte (vgl. Lüsebrink 2005).

Ganz entgegen der zu Beginn zitierten Aussage von Klaus Eder (Eder 2001:254) sehen sich, aufgrund der gestiegenen Nachfrage nach interkultureller Kompetenz, scheinbar immer mehr Menschen gezwungen, ganz gezielt interkulturelle Kontakte zu suchen, um sich diesbezüglich fortzubilden, vor allem mit dem Ziel, die eigenen Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Eine Möglichkeit dafür stellt das Sprachlernprogramm Tandem dar, welches auch aufgrund der geschilderten neuen Anforderungen, die natürlich untrennbar mit Fremdsprachenkenntnissen verbunden sind, in den letzten Jahren wachsenden Zulauf erfährt. Beim Erwerb interkultureller Fähigkeiten spielt das Sprachenlernen nach wie vor eine wichtige, wenn nicht die bedeutendste, Rolle. Tandem bietet in diesem Zusammenhang einen ganz besonderen Kontext, da es sich dabei um das Lernen in Begegnungssituationen zwischen unterschiedlichsprachigen Personen handelt, also um direkte interkulturelle Kommunikation. Aufgrund dieser Tatsache empfiehlt sich das Sprachlernprogramm scheinbar vielen, die den neuen Anforderungen im Alltag und am Arbeitsmarkt gerecht werden wollen, als ein ideales Übungsfeld interkultureller Kompetenz.
Beim Tandemlernen geht es neben der sprachlichen ganz offensichtlich auch um eine interkulturelle Dimension. Diese ist der Hauptgegenstand der im Folgenden vorliegenden Untersuchung, wobei speziell die ethnologische Perspektive einen neuen Beitrag zur interkulturellen Kommunikationsforschung liefern soll. Mit Hilfe einer auf teilnehmender Beobachtung und einigen Einzelinterviews basierenden ethnographischen Feldforschung soll der Blick auf die Alltagserfahrungen und Handlungsstrategien der Tandempartner, insbesondere in Bezug auf den Umgang mit kultureller Differenz, gerichtet werden. Dabei zielt das Interesse vor allem auch darauf, wie interkulturelle Kommunikation und interkulturelles Lernen im Tandem im Einzelfall aussehen können - wie sich die Interaktion gestalten kann, aber auch welche Schwierigkeiten und Probleme damit verbunden sein können.

2. Forschungsinteresse und Forschungsstand

Bei der Suche nach einem Thema für die Magisterarbeit bietet es sich an, persönliche Interessen und bereits gesammelte Erfahrungen miteinander zu verbinden. Da ich neben der Europäischen Ethnologie die Fächerkombination Anglistik / Amerikanistik als Hauptfach studiert habe, war mir relativ früh klar, dass sich die Themensuche auf die Bereiche Fremdsprachenerwerb und Interkulturelle Kommunikation konzentrieren würde.

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