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Aufbau und Erzählstruktur des Ulenspiegel-Buches - Insbesondere in Hinblick auf die Forschungspositionen Peter Honeggers

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 40 Pages
Author: Marc Partetzke
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2006
Pages: 40
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 16  Entries
Language: German
Archive No.: V74240
ISBN (E-book): 978-3-638-69014-0
ISBN (Book): 978-3-638-69499-5
File size: 6845 KB

Abstract

Anknüpfend an das im Hauptseminar „Ulenspiegel“ gehaltene Referat „Ulenspiegel. Akrostichon und Erzählstruktur“ soll mit dieser Hausarbeit der Versuch unternommen werden, tiefer in die Thematik einzusteigen, weitere Informationen zu liefern und sich kritischer mit einzelnen Forschungspositionen auseinanderzusetzen. Unterstellt werden soll dabei, dass Herman Bote gemeinhin als der Verfasser des „Ulenspiegel“ gilt. Auch wenn zeitweilig andere Persönlichkeiten, wie z.B. Dr. Thomas Murner als Autoren gehandelt wurden/ werden, erscheint es in der Forschungsliteratur dennoch so, als sei H. Bote weithin als Ulenspiegelschöpfer anerkannt. Einen nicht zu verachtenden Anteil an dieser wissenschaftlichen Position hat Peter Honegger, der mit seiner 1973 erschienen Publikation „Ulenspiegel. Ein Beitrag zur Druckgeschichte und Verfasserfrage“ für neue Erkenntnisse in der Ulenspiegelforschung sorgte. Doch nicht nur in Bezug auf den Verfasser lieferte P. Honegger wichtige Informationen, sondern auch hinsichtlich der gesamten Erzählstruktur des Textes. Ich möchte daher im ersten Abschnitt auf die Fragen der Verfasserschaft und der vermeintlichen Erzählstruktur des „Ulenspiegel“ nach Peter Honegger eingehen und mich im zweiten Teil dieser Arbeit damit kritisch auseinandersetzten. Dabei sollen auch andere Konzepte zur Erzählstruktur in den Blick genommen werden. – Dies ergibt sogleich einen Blick auf die verwendete Forschungsliteratur. Hauptsächlich werde ich mit P. Honeggers Publikation arbeiten – nicht zuletzt wegen der methodischen Praktikabilität. Die Mehrzahl der übrigen Literatur wird dann entweder zusätzliche Informationen liefern, flankierend wirken oder in kritischer (Op-)Position zu den Ansichten Honeggers stehen, damit ein umfangreicheres Bild bezüglich der Verfasserfrage und Erzählstruktur gezeichnet werden kann, als dies mittels einer einzigen Publikation möglich ist. Textgrundlage der Arbeit ist die Ulenspiegelausgabe von Reclam „Ein kurtzweilig Lesen von Dil Ulenspiegel. Nach dem Druck von 1515“, herausgegeben von Wolfgang Lindow.


Excerpt (computer-generated)

Friedrich-Schiller-Universität Jena, Institut für Germanistische Literaturwissenschaft
Hauptseminar: „Ulenspiegel“, Sommersemester 2006
6. Fachsemester

Aufbau und Erzählstruktur des „Ulenspiegel“-Buches -
Insbesondere in Hinblick auf die Forschungspositionen Peter Honeggers

von

Marc Partetzke

 


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung  3

2 Die Verfasserfrage 4

3 Herman Bote – Verfasser des „Ulenspiegel“!?  5

4 Formale und inhaltliche Erzählstruktur des „Ulenspiegel 11

5 Exkurs: Sinn und Intention von Akrosticha  15

6 Kritische Auseinandersetzung mit den Positionen Honeggers  16

7 Weitere Versionen bezüglich des „Ulenspiegel“-Aufbaus  21

7.1 Der Eulenspiegelaufbau nach Ekkehard Borries 21
7.2 „Der Aufbau des Eulenspiegel-Volksbuches von 1515“ nach Werner Hilsberg 22

8 Fazit  29

9 Literaturangabe 31

10 Anhang  34




 

1 Einleitung

Anknüpfend an das im Hauptseminar „Ulenspiegel“ gehaltene Referat „Ulenspiegel. Akrostichon und Erzählstruktur“ soll mit dieser Hausarbeit der Versuch unternommen werden, tiefer in die Thematik einzusteigen, weitere Informationen zu liefern und sich kritischer mit einzelnen Forschungspositionen auseinanderzusetzen. Unterstellt werden soll dabei, dass Herman Bote gemeinhin als der Verfasser des „Ulenspiegel“ gilt. Auch wenn zeitweilig andere Persönlichkeiten, wie z.B. Dr. Thomas Murner als Autoren gehandelt wurden/ werden, erscheint es in der Forschungsliteratur dennoch so, als sei H. Bote weithin als Ulenspiegelschöpfer anerkannt. 1 Einen nicht zu verachtenden Anteil an dieser wissenschaftlichen Position hat Peter Honegger, der mit seiner 1973 erschienen Publikation „Ulenspiegel. Ein Beitrag zur Druckgeschichte und Verfasserfrage“ für neue Erkenntnisse in der Ulenspiegelforschung sorgte. Doch nicht nur in Bezug auf den Verfasser lieferte P. Honegger wichtige Informationen, sondern auch hinsichtlich der gesamten Erzählstruktur des Textes. Ich möchte daher im ersten Abschnitt auf die Fragen der Verfasserschaft und der vermeintlichen Erzählstruktur des „Ulenspiegel“ nach Peter Honegger eingehen und mich im zweiten Teil dieser Arbeit damit kritisch auseinandersetzten. Dabei sollen auch andere Konzepte zur Erzählstruktur in den Blick genommen werden. – Dies ergibt sogleich einen Blick auf die verwendete Forschungsliteratur. Hauptsächlich werde ich mit P. Honeggers Publikation arbeiten – nicht zuletzt wegen der methodischen Praktikabilität. Die Mehrzahl der übrigen Literatur wird dann entweder zusätzliche Informationen liefern, flankierend wirken oder in kritischer (Op-) Position zu den Ansichten Honeggers stehen, damit ein umfangreicheres Bild bezüglich der Verfasserfrage und Erzählstruktur gezeichnet werden kann, als dies mittels einer einzigen Publikation möglich ist. Textgrundlage der Arbeit ist die Ulenspiegelausgabe von Reclam „Ein kurtzweilig Lesen von Dil Ulenspiegel. Nach dem Druck von 1515“, herausgegeben von Wolfgang Lindow.

2 Die Verfasserfrage

Laut Peter Honegger gab es bei der Frage danach, wer eigentlich der Verfasser des „Ulenspiegel“ sei bis zur Veröffentlichung seiner Publikation ein entscheidendes methodisches Problem.2 Nicht die Suche nach den Spuren eines möglichen Autors stand im Vordergrund, sondern die nach dem ursprünglichen Text des „Ulenspiegel“. So erkannte die Literaturwissenschaft relativ schnell, dass der uns heute vorliegende Text keine Stringenz in Sachen Sprache, Handlung oder Personencharakterisierung aufweist. – Vielmehr verweisen niederdeutsche Ausdrücke und gute geographische Kenntnisse in und um Braunschweig auf einen Braunschweiger Autor mit niedersächsischer Muttersprache; mitteldeutsche Ortsangaben und sogar das Fehlen niederdeutscher Ausdrücke wiederum auf einen anderen deutschen Dialekt. Es müssen folglich mindestens zwei unterschiedliche Autoren aus verschiedenen Sprachräumen (Übersetzungen einmal ausgeschlossen) in Betracht gezogen werden. Der unterschiedliche Erzählstil einzelner Historien 3 , die keineswegs homogene Darstellung der Figur des Ulenspiegel und einige andere Erscheinungen decken diese Annahme mehrerer Verfasser zusätzlich. Jedoch haben all’ diese Überlegungen keineswegs zum „Nachweis eines plausiblen Verfassernamens“ geführt, weshalb Honegger zu dem Schluss kommt, die Fragestellung sei falsch formuliert worden. So sei nicht etwa der Ursprungstext von den späteren Zusätzen zu trennen, weil dies schon per se voraussetzt, dass es mindestens zwei Verfasser gibt, sondern das „umgekehrte Vorgehen [vonnöten]: zuerst nach Spuren eines möglichen Autors zu suchen und erst danach die ihm sicher zuzuschreibenden Teile des Volksbuches zu eruieren“.4 Das führt folglich zu der Frage, was Honegger dazu veranlasst, die Behauptung aufzustellen, Herman Bote sei der Verfasser des „Ulenspiegel“.

3 Herman Bote – Verfasser des „Ulenspiegel“!?

Unterstellt man, dass Herman Bote der Autor des „Ulenspiegel“ ist, so sollte man zuerst prüfen, ob die im Text dargestellten Ereignisse möglicherweise in die Lebenszeit Botes gehören könnten. Tatsächlich weisen die Handwerkgeschichten, Ulenspiegels Tod im Jahre 1350, das in der 88. Historie beschriebene Turnier zu Einbeck (1471) sowie die genaue Ortskenntnis des Braunschweiger Landes auf einen Erzähler hin, der „sich selbst als Kind des 15. Jahrhunderts zu erkennen [gibt].“ 5 Herman Bote, als Sohn des Braunschweiger Schmiedemeisters und Ratsmitgliedes Arnt Bote, war bereits 1488 Zollschreiber. Aus diesem Jahr ist bekannt, dass er seines Amtes enthoben wurde. Man kann davon ausgehen, dass er zum Zeitpunkt dieser Amtsenthebung mindestens 25 Jahre alt gewesen sein muss, weil er sonst diesen administrativen Posten nicht hätte antreten können. Zeitweilig war er wohl auch Verwalter des Braunschweiger Altstadt-Ratskellers. Von 1497 bis 1513 ist er wieder als Zollschreiber tätig gewesen. Zudem wird er zwischen den Jahren 1516 und 1520 als Verwalter der städtischen Ziegelei erwähnt. Das Todesjahr kann nur ungefähr zwischen 1520 und 1525 datiert werden. Insofern bestätigt sich also die Vermutung der partiellen Kongruenz zwischen Lebenszeit Botes und einigen Geschehnissen im „Ulenspiegel“.

Aus Botes Hand ist nur ein einziges authentisches Zeugnis gesichert, das zudem aus seinem Berufsalltag stammt. Mit „Hermen bote me fecit 1503“ signierte er das handgeschriebene Zollverzeichnis der Stadt Braunschweig. Von dieser Handschrift ausgehend wird ihm „Dat schichtbiok“ zugeschrieben, eine Chronik über die Handwerkeraufstände in Braunschweig, die circa zwischen 1510 und 1514 entstanden ist. Neben der Handschrift als primäres Indiz für dieselbe Autorschaft von Zollverzeichnis und Chronik ist der letzteren zusätzlich eine Zeichnung vorangestellt, die eine männliche Figur in der Amtstracht der Stadt Braunschweig als Boten darstellt.6 Eine ähnliche Darstellung findet sich auch bei einem Werk namens „Dat boek von veleme rade“, das Herman Bote relativ sicher zugeschrieben werden kann,7 denn neben jener erwähnten Botendarstellung findet sich in diesem Buch das Akrostichon HERMEN BOTE, das den Kapitelanfängen 2-10 zu entnehmen ist. Auch die mittelalterliche Spruchsammlung „Der Koker“ ist mit großer Wahrscheinlichkeit der Feder Botes entsprungen. Darauf verweisen zum einen das Vokabular, der Reimgebrauch und einige inhaltliche Übereinstimmungen mit dem „Boek van veleme rade“, zum anderen „Botes Freude an akrostichischen Spielereien: Zwar ergeben die Kapitelanfänge bei diesem Werk nicht seinen Namen, aber sie durchlaufen der Reihe nach das Alphabet von A-W.“8 Auch für die beiden „Weltchroniken“ konnte 1952 durch G. Cordes nachgewiesen werden, dass Herman Bote der Verfasser ist. Dazu kommen einige politische „Streit- und Spottlieder“, die möglicherweise den Grund für seine Amtsenthebung geliefert haben.

Nach diesem relativ kurzen Befund Botescher Produktion und deren vermeintlicher Regelhaftigkeit bezüglich Wortwahl, Reimart, Akrostichon usw. stellt sich in Bezug auf den „Ulenspiegel“ die Frage, ob gewisse Ähnlichkeiten zu den bisher genannten Werken feststellbar sind und wenn ja, ob diese ausreichen können, um Herman Bote auch die Autorschaft für den „Ulenspiegel“ zuzusprechen. Peter Honegger führt dafür folgende Parallelen an:

[...]


1 Eine Übersicht darüber, wer als Autor des „Ulenspiegel“ bereits gehandelt wurde vgl. Bollenbeck, Georg, Till Eulenspiegel. Der dauerhafte Schwankheld. Zum Verhältnis von Produktions- und Rezeptionsgeschichte (= Germanistische Abhandlungen, Bd. 56), Stuttgart 1985, S. 12-18.

2 Etwas irreführend kann der Begriff des Autors/ Verfassers hier verstanden werden, falls man ihn mit dem Begriff des geistigen Schöpfers des „Ulenspiegel“ gleichsetzt, denn der Name Vlenspeygel taucht bereits 1411 in handschriftlichen Zeugnissen im Zuge geistlicher Korrespondenz zweier norddeutscher Kleriker auf. Insofern ist der Autor hier nur Konzipient des Werkes, nicht aber der gedankliche Schöpfer.

3 Im Folgenden auch mit „Hist.“ (für Singular und Plural) abgekürzt.

4 Honegger, Peter, Ulenspiegel. Ein Beitrag zur Druckgeschichte und zur Verfasserfrage (= Forschungen, Verein fu r Niederdeutsche Sprachforschung, Neue Folge, Reihe B, Sprache und Schrifttum, Bd. 8), Neumünster 1973, S. 84.

5 Ebd., S. 85.

6 Siehe Anhang S. 1.

7 Siehe Anhang S. 2.

8 Honegger, P., Ulenspiegel. Ein Beitrag zur Druckgeschichte und zur Verfasserfrage, Neumünster 1973, S. 88.


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