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Seminararbeit, 2007, 17 Seiten
Autor: Asmus Green
Fach: Germanistik - Semiotik, Pragmatik, Semantik
Details
Institution/Hochschule: Christian-Albrechts-Universität Kiel (Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte)
Tags: Frömmigkeit, Begriffsgeschichtliche, Untersuchung, Modul, Begriffsgeschichte
Jahr: 2007
Seiten: 17
Note: 2,5
Literaturverzeichnis: ~ 15 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-74162-0
ISBN (Buch): 978-3-638-75588-7
Dateigröße: 223 KB
Diese Arbeit untersucht die historische Semantik der Begriffe "Fromm" und "Frömmigkeit".
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Zusammenfassung / Abstract
Die Begriffsgeschichte stellt einen Zweig der Kultur- und Geschichtswissenschaften dar, der sich mit der Geschichte der Sprache, genauer mit der historischen Semantik von Begriffen und Wörtern auseinandersetzt. Sie versucht, durch die Beschreibung von sich verändernden Begriffsinhalten den Wandel von Wirklichkeitsauffassungen zu verfolgen und zu erklären. Die daraus entspringende Erkenntnis ist nicht nur eine Erkenntnis des sich ändernden Begriffsgebrauchs und ein Wissen um alte Bedeutungen von Wörtern, sondern sie kann auch gesellschaftliche Zusammenhänge erhellen, die auf den untersuchten Begriffen basieren. Sofern man Sprache als konstituierendes Element für gesellschaftliche Erfahrungen ansieht, fungiert eine Begriffsgeschichte auch als Geschichte des gesellschaftlichen Bewusstseins. Da Sprache nicht nur neutrales “Kommunikationsmedium” ist, sondern wesentlich zur Formung gesellschaftlicher Wirklichkeit beiträgt, verspricht die Untersuchung des sprachlichen Niederschlags bestimmter gesellschaftlicher Ereignisse Aufschluss über die Ereignisse selbst und das gesellschaftliche Bewusstsein hinter ihnen. Den engen Zusammenhang zwischen Sprache und Erkenntnis bezeichnet sehr treffend Friedrich Hölderlin: “So wie die Erkenntnis die Sprache ahndet, so erinnert sich die Sprache der Erkenntnis.” Der Blick auf die verschiedenen Verwendungsmöglichkeiten der Begriffe “Frömmigkeit” und “fromm” zeigt ihre semantische Überfrachtung im heutigen Sprachgebrauch und dass die Verwendung dieser Begriffe Unklarheiten unterliegen muss. Diese Arbeit soll den Bedeutungswandel des Begriffes “Frömmigkeit” (bzw. als Adjektiv “fromm”) nachzeichnen und erklären. Dabei soll zunächst bei den rekonstruierbaren Wurzeln des Wortes begonnen werden. Ist dieses Fundament umrissen, soll im Verlauf der Arbeit der diachrone Wandel des Begriffs verfolgt und kommentiert werden. Dazu werden zuerst einige biblische Textstellen auf den semantischen Gehalt des Begriffes “fromm” untersucht. Im Anschluss daran sollen außerbiblische und schließlich auch außerchristliche Texte auf dieses Thema hin befragt werden.
Textauszug (computergeneriert)
"Frömmigkeit" - Begriffsgeschichtliche Untersuchung
von
Asmus Green
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Entstehung des Begriffes 4
3. “Frömmigkeit” im biblischen Gebrauch 5
4. “Frömmigkeit” in Schriftgut außerhalb der Bibel 9
5. “Frömmigkeit” in außerchristlicher Literatur 11
6. Säkularisierung als Grund für die Bedeutungsverschiebung von “Frömmigkeit” 13
7. “Frömmigkeit” in der systematischen Theologie 14
8. “Frömmigkeit” als negativ aufgeladener Begriff 15
9. Schlussbetrachtung 15
10. Literaturverzeichnis 16
1. Einleitung
Die Begriffsgeschichte stellt einen Zweig der Kultur- und Geschichtswissenschaften dar, der sich mit der Geschichte der Sprache, genauer mit der historischen Semantik von Begriffen und Wörtern auseinandersetzt.
Sie versucht, durch die Beschreibung von sich verändernden Begriffsinhalten den Wandel von Wirklichkeitsauffassungen zu verfolgen und zu erklären. Die daraus entspringende Erkenntnis ist nicht nur eine Erkenntnis des sich ändernden Begriffsgebrauchs und ein Wissen um alte Bedeutungen von Wörtern, sondern sie kann auch gesellschaftliche Zusammenhänge erhellen, die auf den untersuchten Begriffen basieren. Sofern man Sprache als konstituierendes Element für gesellschaftliche Erfahrungen ansieht, fungiert eine Begriffsgeschichte auch als Geschichte des gesellschaftlichen Bewusstseins.1
Da Sprache nicht nur neutrales “Kommunikationsmedium” ist, sondern wesentlich zur Formung gesellschaftlicher Wirklichkeit beiträgt, verspricht die Untersuchung des sprachlichen Niederschlags bestimmter gesellschaftlicher Ereignisse Aufschluss über die Ereignisse selbst und das gesellschaftliche Bewusstsein hinter ihnen. Den engen Zusammenhang zwischen Sprache und Erkenntnis bezeichnet sehr treffend Friedrich Hölderlin: “So wie die Erkenntnis die Sprache ahndet, so erinnert sich die Sprache der Erkenntnis.”2
Der Anlass zum Betreiben von Begriffsgeschichte kann allerdings auch wesentlich einfacher und naheliegender sein: Das Phänomen des Bedeutungswandels von Begriffen bringt mit sich, dass in der aktuelleren Bedeutung eines Begriffes oft ältere Bedeutungen nicht mehr ablesbar sind. Deswegen sind ältere Texte oft nur teilweise verständlich oder schlichtweg unverständlich, begibt man sich nicht auf die Suche nach möglichen älteren Deutungsmöglichkeiten eines Begriffes. Da ein Bedeutungswandel nicht nur diachron, also im Verlauf eines Zeitraumes, sondern auch (synchron) gleichzeitig z. B. zwischen zwei Sprachgebieten stattfinden kann, erstreckt sich das Problem des Verständnisdefizites nicht nur auf Texte aus früheren Zeiten, sondern auf Kommunikation im Allgemeinen.
Mit dieser Intention soll sich in dieser Arbeit dem Begriff der Frömmigkeit diachron genähert werden, der in der heutigen säkularisierten Zeit vielfach semantisch aufgeladen ist und in vielen Fällen nur unter Bedingungen der Unsicherheit und Unklarheit benutzt wird.
Der Begriff der Frömmigkeit hat im heutigen Sprachgebrauch mehrere Facetten. Zunächst wird “Frömmigkeit” in verschiedenen Nuancen mit dem persönlichen Glauben in Verbindung gebracht: Ein “frommer” Mensch kann besonders gläubig sein, oder auch nur “normal” gläubig, aber mit einer eher nach innen gekehrten Glaubenskultur. Mit “Frömmigkeit” kann also sowohl die gefühlte Intensität des Glaubens als auch die Art der Glaubensauslebung gemeint sein.
Allerdings kann “fromm” auch mit negativer Bedeutung behaftet sein und jemanden bezeichnen, der seinen Glauben nur zum Schein und oberflächlich zur Schau stellt und wie eine Fassade ohne Hintergrund trägt, um bestimmte Ziele zu erreichen. In diese Richtung geht auch eine weitere Bedeutungsmöglichkeit: Die Bezeichnung “fromm” kann auch auf eine Person zutreffen, die Unschuld heuchelt und einen Schein zu wahren versucht. “Tu nicht so fromm!” kann als Aufforderung gemeint sein, seine Maske fallenzulassen und eine Schuld einzugestehen. In dieser Bedeutung hat “Frömmigkeit” keine religiöse Bedeutung mehr.
Der Blick auf die verschiedenen Verwendungsmöglichkeiten der Begriffe “Frömmigkeit” und “fromm” zeigt ihre semantische Überfrachtung im heutigen Sprachgebrauch und dass die Verwendung dieser Begriffe Unklarheiten unterliegen muss.
Diese Arbeit soll den Bedeutungswandel des Begriffes “Frömmigkeit” (bzw. als Adjektiv “fromm”) nachzeichnen und erklären. Dabei soll zunächst bei den rekonstruierbaren Wurzeln des Wortes begonnen werden. Ist dieses Fundament umrissen, soll im Verlauf der Arbeit der diachrone Wandel des Begriffs verfolgt und kommentiert werden. Dazu werden zuerst einige biblische Textstellen auf den semantischen Gehalt des Begriffes “fromm” untersucht. Im Anschluss daran sollen außerbiblische und schließlich auch außerchristliche Texte auf dieses Thema hin befragt werden.
2. Entstehung des Begriffes
[...]
1 Busse, Historische Semantik – Analyse eines Programms, Stuttgart 1987, S. 11.
2 Hölderlin, Über die Verfahrensweise des poetischen Geistes, in: Sämtliche Werke, Hg. F. Beissner, Stuttgart 1962, Bd. 4, 251-276, S. 272.
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