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Scholary Paper (Seminar), 2007, 26 Pages
Author: David Jensen
Subject: Law - Criminal process, Criminology, Law Enforcement
Details
Tags: Anwendung, Subkulturtheorien, Immigrationskriminalität, Beispiel, Immigranten, Deutschland
Year: 2007
Pages: 26
Grade: 15 (gut)
Bibliography: ~ 18 + 3 online Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-71479-2
ISBN (Book): 978-3-638-78310-1
File size: 178 KB
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Abstract
Anwendung von den Theorien von Cohen, Miller, Cloward/Ohlin, Wolfgang/Ferracuti und Matza auf die Immigrationskriminalität. Zum Assimilationsprozess der türkischen Immigranten.
Excerpt (computer-generated)
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br., Rechtswissenschaftliche Fakultät
Kriminologisches Blockseminar: Immigration und Kriminalität
WS 2006-2007
Anwendung der Subkulturtheorien auf die
Immigrationskriminalität am Beispiel türkischer Immigranten in Deutschland
von
David Jensen
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 3
II. Subkulturtheorien 4
II.a. Delinquent Boys. Albert Cohen 4
II.b. Lower Class Culture. Walter Miller 6
II.c. Delinquency and Opportunity. Richard Cloward und Lloyd Ohlin 8
II.d. Subculture of Violence. Martin Wolfgang und Franco Ferracuti 10
II.e. The subculture of delinquency. David Matza 11
III. Assimilationsprozess 12
IV. Das türkische Leben in Deutschland 17
V. Anwendung der Subkulturtheorien 20
VI. Fazit. 23
VII. Literaturverzeichnis 25
I. Einleitung
Vor ungefähr 50 Jahren begann durch die Chicago-Schule die Formulierung der Subkulturtheorien. Seitdem haben sie hauptsächlich den Zweck, Jungendkriminalität zu erklären, indem sie die Gruppen bzw. Subkulturen von Jugendlichen analysieren. Trotz der Meinungsverschiedenheiten der Autoren in mehreren Punkten, einigen sie sich fast alle darauf, dass diese Subkulturen aus Jugendlichen der Unterschicht bestehten. Die Subkulturtheorien wurden später auch verwendet, um das Verhalten von Gruppen wie z.B. Skinheads und Hooligans zu erläutern.
In dieser Hausarbeit soll erörtert werden, ob die Einwanderer eine Subkultur bilden können, die auch durch diese Subkulturtheorien erläutert werden kann. So befürwortet diese These, dass die geringe berufliche bzw. akademische Ausbildung der Immigranten diese dazu zwingt, in der Unterschicht zu bleiben. Des Weiteren teilen die Migranten gemeinsame Merkmale (Sprache, Herkunft, Kultur), die sie stärker zusammenbringen können und so ebenfalls zur Bildung einer Subkultur beitragen. Wenn man davon ausgeht, dass die Subkulturtheorien auch die Entstehung und Handlungsweise von Ausländersubkulturen erklären können, könnte man folglich die Ergebnisse der Subkulturtheorien auch auf die Ausländerkriminalität anwenden. In einem ersten Teil „Subkulturtheorien“ dieser Arbeit werden die Charakteristika von fünf repräsentativen Subkulturtheorien zusammengefasst, um eine theoretische Grundlage zu schaffen.
Der zweite Teil „Assimilationsprozess“ und dritte Teil „Das türkische Leben in Deutschland“ werden sich mit dem Assimilationsprozess und dem Zusammenleben von Ausländern in Deutschland befassen. Dies soll sowohl auf einer theoretischen Ebene geschehen, als auch anhand des praktischen Beispiels eines türkischen Einwanderers aufgezeigt werden.
In einem letzten Teil „Anwendung der Subkulturtheorien“ werden die ersten beiden Abschnitte diskutiert, um die oben erwähnte These dieser Arbeit zu bestätigen und auch abschließende Erwägungen zu machen.
Zum Thema Subkultur ist vor allem Literatur aus den Vereinigten Staaten vorhanden. Einen guten Überblick über die Situation der türkischen Gesellschaft in Deutschland gibt das Buch „Kollective Identitäten. Selbstverortungen türkischer MigrantInnen und ihrer Kinder“ von Rosemarie Sackmann1.
II. Subkulturtheorien.
Die Wurzeln der Subkulturtheorien sind in den kriminologischen Forschungen zu finden, die anfang des zwanzigsten Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten durch die Chicago-Schule durchgeführt wurden. Als Erster formulierte Cohen 1955 im seinem Buch „Delinquent Boys“2 die Subkulturtheorien. Obwohl Autoren wie z.B. Whyte oder Frazier sich schon Jahre vor ihm um die Problematik der Jugendkriminalität in der Unterschicht und die Normen, die sie regieren, gekümmert haben3, war er der erste, der eine allgemeine Theorie der Subkulturen verfasst hat.
II.a. Delinquent Boys. Albert Cohen.
Jeder Mensch, erklärte Cohen, wird ständig mit Problemen konfrontiert, die ihn unter Druck setzen. Wie er diese Probleme löst, wird dann von zwei Faktoren bestimmt: der Situation und dem Bezugsrahmen. Unter ersteren schließt Cohen die Mitmenschen und die Umgebung, in der die Person sich entfaltet, ein. Charakteristisch für Situationen sind die begrenzten Ressourcen, die im Endeffekt ihre Erwartungen und Chancen limitieren. Außerdem kommt es oft vor, dass die Situationen einander oftmals ausschließen, so dass die Personen ihre Ressourcen entweder in einer oder in der anderen benutzen, nicht aber in beiden.
Die Wahrnehmung dieser Tatsachen und Umstände variiert von Mensch zu Mensch und ist vom Bezugsrahmen, d.h. den Vorurteilen, den Werten, den Interessen und der persönlichen Stellungnahme der Person abhängig. „The facts never simply stare us in the face. We see them always through a glass, and the glass consists of the interests, preconceptions, stereotypes and values we bring to the situation“4.
Die Situation und der Bezugsrahmen befinden sich in einer ständigen Interaktion, so dass Veränderungen in der einen Modifikationen im anderen verursachen. Von besonderer Wichtigkeit sind auch die Mitmenschen, die ein Teil der Situation bilden, da sie meistens Mitglieder desselben Milieus sind. Wenn man ein Problem lösen will, braucht man ihre Kooperation und ihr Einverständnis, denn ohne ihre Mitarbeit wäre es kaum möglich, etwas zu unternehmen. Diese Abhängigkeit von den Mitmenschen zwingt die Person, Probleme zu lösen und Entscheidungen zu treffen, in einer Weise, die von dieser Sozialgruppe schon akzeptiert ist. Ferner ist die Übereinstimmung zwischen dem Verhalten der Person und dieser Art und Weise ein Zeichen ihrer Mitgliedschaft dieser bestimmten Gruppe. Das ganze ist ein Prozess, welcher den Bezugsrahmen bestätigt und das Verhalten vor den anderen rechtfertigt. Es gibt mehrere Gruppen, die durch die Bildung von Abhängigkeiten Einfluss auf das Individuum haben, aber nicht alle in demselben Maß. Wenn sie sehr einflussreich sind, nennt man sie Bezugsgruppen.
Cohen geht davon aus, dass in unserer Gesellschaft die Werte und die Ziele der Mittelschicht (Geld, Macht, Karriere, usw.) überwiegen und dass der Status einer Person von ihrem Erfolg nach diesen Maßstäben bestimmt wird. Die Möglichkeit, diese Ziele zu erreichen, bleibt aber wegen der begrenzten Ressourcen der Situation limitiert. Die Person wird dadurch frustriert und kann in Anpassungsprobleme an die Hauptgesellschaft geraten. Eine Subkultur taucht dann auf, wenn mehrere Personen dasselbe Problem teilen, sie sich in einer Gruppe vereinen und neue Erfolgsmaßstäbe schaffen, nach denen sie triumphieren können. Diese neue Gruppe, die dann als Subkultur anzusprechen ist, wird zur wichtigsten Bezugsgruppe und ändert den Bezugsrahmen der Person: andere Gruppen werden von diesem Moment an als Fremde erkannt und deswegen wird ein feindseliges Verhalten ihnen gegenüber geäußert, welches die Mitgliedschaft der Person an der einen Subkultur bestätigt. Anhand damaliger Statistiken schließt Cohen, dass die kriminelle Subkultur hauptsächlich aus Jungen der Unterschicht gebildet wird5. Sie werden von den Werten der Mittelschicht inokuliert, erkennen aber schon mit jungem Alter, dass die Chancen für sie begrenzt sind und Erfolg ausgeschlossen ist. Der Junge bzw. die Gruppen von Jungen neigen dazu, Straftaten zu begehen.
[...]
1 Sackmann, R.: Kollektive Identitäten. Selbstverortungen türkischer MigrantInnen und ihrer Kinder. Frankfurt am Main 2005. (Im Folgenden werden die Quellen bei erster Nennung komplett zitiert, danach nur mit Name des Autors und der Seite des Zitates)
2 Cohen, A.: Delinquent Boys: The Culture of the Gang. Illinois 1955.
3 Kaiser, G., Kerner, H.-J., Sack, F., Schellhoss, H.(Hrsg.): Kleines Kriminologisches Wörterbuch. 3. Aufl. C.F. Müller, Heidelberg 1993, S. 277.
4 Cohen, A. S. 53.
5 Ebda. S.73.
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