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Ursachen und stadtgeographische Erscheinungsformen von Segregation in Johannesburg nach 1994

Termpaper, 2007, 25 Pages
Author: Andreas Mittag
Subject: Geography / Earth Science - Demographics, Urban Management, Planning

Details

Category: Termpaper
Year: 2007
Pages: 25
Bibliography: ~ 6 + 3 online  Entries
Language: German
Archive No.: V74486
ISBN (E-book): 978-3-638-72078-6
ISBN (Book): 978-3-638-72183-7
File size: 229 KB

Abstract

1. Einleitung Was nach dem Ende der Apartheid kommen würde, konnte Anfang der 90er Jahre kein Südafrikaner mit Sicherheit prophezeien. Würde ein Blutbad ausbrechen oder der Über-gang von einem tyrannischen Regime zu einer Demokratie friedlich verlaufen? Würde jahrelang eine Stimmung von Missgunst und Rachsucht über das Land herrschen oder würden sich Schwarze und Weiße von einem Tag zum anderen in die Arme fallen? Trotz viel Unsicherheit konnte man zumindest auf geographischer Ebene schon ahnen, was fol-gen würde. Wie erwartet zogen nach der Abschaffung des Group Areas Act unzählige Schwarze aus den ehemaligen homelands in die städtischen Ballungsräume und viele schon ansässige Gastarbeiter zogen aus den Townships in andere Stadtteile, die zuvor aus-schließlich von Weißen bewohnt waren. Die Großstädte Johannesburg, Kapstadt und Dur-ban erlebten also gleichzeitig sowohl eine demographische Umstrukturierung also auch eine Massenzuwanderung aus umliegenden und weiter entfernten ländlichen Räumen. Während die ehemaligen homelands (v.a. Transkei, Kwazulu und Lebowa) durch den Exo-dus v.a. viele junge Schwarze verloren, wuchs der Bedarf an Wohnmöglichkeiten in den Städten rasant an. Die abgelegenen Townships und innerstädtischen Gebiete konnten (und können bis jetzt) nicht alle Zugezogenen und deren Nachwuchs beherbergen, sodass an den Peripherien der Städte so genannte informal settlements (auch shanty towns oder squatter camps, größtenteils Marginalsiedlungen) entstanden, in denen die Lebensbedingungen v.a. aufgrund mangelnder Infrastruktur, Armut und Kriminalität erschwert sind.


Excerpt (computer-generated)

Universität Potsdam, Institut für Geographie
Wintersemester 2006/07

Ursachen und stadtgeographische Erscheinungsformen
von Segregation in Johannesburg nach 1994

von

Andreas Mittag

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Die Stadtgeographie Johannesburgs vor 1994 5

2.1 Die Gründungsjahre 5
2.2 Die Stadtentwicklung von 1910 bis 1948 6
2.3 Johannesburg nach 1948 bis zum Ende der Apartheid 7

3. Die stadtgeographische Entwicklung Johannesburgs seit Ende der Apartheid 9

3.1 Grundlegende Post-Apartheid Veränderungen 9
3.2 Änderungen im Stadtbild Johannesburgs 11

3.2.1 Niedergang der Johannesburger City 12
3.2.2 Gentrifizierung 15
3.2.3 Kriminalität, gated communites und Zersiedlung 18

4. Aussichten 21

5. Fazit 22

6. Literatur- und Quellenverzeichnis 24




 

1. Einleitung

Was nach dem Ende der Apartheid kommen würde, konnte Anfang der 90er Jahre kein Südafrikaner mit Sicherheit prophezeien. Würde ein Blutbad ausbrechen oder der Übergang von einem tyrannischen Regime zu einer Demokratie friedlich verlaufen? Würde jahrelang eine Stimmung von Missgunst und Rachsucht über das Land herrschen oder würden sich Schwarze und Weiße von einem Tag zum anderen in die Arme fallen? Trotz viel Unsicherheit konnte man zumindest auf geographischer Ebene schon ahnen, was folgen würde. Wie erwartet zogen nach der Abschaffung des Group Areas Act1 unzählige Schwarze aus den ehemaligen homelands2 in die städtischen Ballungsräume und viele schon ansässige Gastarbeiter zogen aus den Townships in andere Stadtteile, die zuvor ausschließlich von Weißen bewohnt waren. Die Großstädte Johannesburg, Kapstadt und Durban erlebten also gleichzeitig sowohl eine demographische Umstrukturierung also auch eine Massenzuwanderung aus umliegenden und weiter entfernten ländlichen Räumen.

Während die ehemaligen homelands (v.a. Transkei, Kwazulu und Lebowa) durch den Exodus v.a. viele junge Schwarze verloren, wuchs der Bedarf an Wohnmöglichkeiten in den Städten rasant an. Die abgelegenen Townships und innerstädtischen Gebiete konnten (und können bis jetzt) nicht alle Zugezogenen und deren Nachwuchs beherbergen, sodass an den Peripherien der Städte so genannte informal settlements (auch shanty towns oder squatter camps, größtenteils Marginalsiedlungen) entstanden, in denen die Lebensbedingungen v.a. aufgrund mangelnder Infrastruktur, Armut und Kriminalität erschwert sind.

Parallel hierzu siedelten sich im Laufe der Zeit viele weiße Südafrikaner, die es sich leisten konnten, aus den innerstädtischen Bereichen und unbegehrten Bezirken in die wohlhabenden suburbs und gated communities um. Vor allem an dem rural-urban-fringe (Stadt-Umland- Bereich) entstanden ummauerte Siedlungen, die fast autonom von der restlichen Stadt existieren und eine markante Zersiedlung des Stadt-Umland-Bereiches verursacht haben. Mit einer oft höchstentwickelten Infrastruktur (Schule, Einkaufszentrum, Banken, Sport- und Freizeiteinrichtungen) sind fast alle Daseinsgrundfunktionen des Gutverdieners innerhalb diesen bewachten Festungen abgedeckt.

Obwohl in solchen gated communities heutzutage fast alle Rassen vertreten sind, kann man wegen der sozialen Segregation der sich stark unterscheidenden Einkommensklassen in den Großstädten beinahe von einer „Neo-Apartheid“ sprechen. Auch wenn Rasse nicht mehr unbedingt eine Rolle bei der Wohnungsstandortwahl spielt, gehören die meisten Schwarzen oft immer noch der unprivilegierten Bevölkerungsgruppe an, die das Innere einer gated community nur als Haushaltsgehilfe oder Gärtner kennen gelernt haben. In Johannesburg, der größten und meistbevölkerten Metropole Südafrikas, sind u.a. die Prozesse der Segregation [die „räumliche Trennung und Abgrenzung von sozialen Gruppen gegeneinander“ (Leser 2005, S. 831)] und der Zersiedlung des Stadt-Umland-Bereichs (auch urban sprawl) sehr deutlich erkennbar. Nicht nur gibt es in Johannesburg mehr gated communities als in jeder anderen südafrikanischen Stadt, sondern hier leben die Ärmsten und Reichsten des Landes meist gleich nebeneinander – die einen in einer fast europäischen „Oase“, die anderen in instabilen Baracken aus Wellblech und Pappe.

In dieser Hausarbeit werde ich mich vor allem auf die o.g. Prozesse und deren Auswirkungen auf die räumliche Struktur der Stadt Johannesburg konzentrieren. Zuerst werde ich kurz die historische Entwicklung bis zum Ende der Apartheid skizzieren und daraufhin auf die stadt- geographischen Prozesse seit 1994 (als Beginn der Post-Apartheid-Ära) eingehen. Anhand konkreter Beispiele und mithilfe auserwählter Literatur und Statistiken werde ich versuchen, die genannten strukturellen Transformationsprozesse in Johannesburg zu schildern und zu begründen.

2. Die Stadtgeographie Johannesburgs vor 1994

2.1 Die Gründungsjahre

[...]


1 Eine Gesetzgebung der Apartheid-Regierung, die den verschiedenen Rassengruppen bestimmte Wohn- und Arbeitsgebiete in urbanen Räumen zuwies.

2 Als homelands wurden während der Apartheid die Stammesgebiete der Schwarzen in Südafrika bezeichnet. Sie enthielten 72 % der Gesamtbevölkerung, aber beanspruchten nur 13 % der Gesamtfläche Südafrikas. (Waugh 2002, S. 373)


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