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Termpaper, 2007, 28 Pages
Author: Thilo Zimmermann
Subject: Economics / Business : Economic and Social History
Details
Institution/College: University of Cologne
Tags: Alfred, Marshall, Sein, Lebenswerk, Spannungsverhältnis, Meisterleistung, Ansprüchen, Enstehung, Ausbreitung, Neoklassik
Year: 2007
Pages: 28
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 11 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-72051-9
File size: 247 KB
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Abstract
Alfred Marshall (1842-1924) war ohne Zweifel einer der größten Ökonomen seiner Zeit. Mit den „Principles of Economics“ schuf er ein fundamentales Lehrgebäude, das bis heute in der Mikroökonomie Bestand hat. Nach Salin kann man nur mit „Ehrfurcht“ seine „bedächtige Vereinigung der überkommenen und der neuen Lehre beobachten“. Es war im Grunde keine große neuartige Idee, die Marshalls theoretisches Werk ausmachte, sondern vielmehr die Verschmelzung der alten, auf Produktionskosten basierenden klassischen Theorie mit den neuen Überlegungen der Grenznutzenschule. Keynes beschreibt einen inneren Konflikt Marshalls zwischen seinem strengen, nüchternen, kritischen und völlig unsentimentalen Verstand und seinem Gewissen eines unbesonnen Moralisten mit „Gefühlen und kaum bewussten Empfindungen ganz anderer Natur“ . Der innere Konflikt Marshalls zwischen der Hinwendung zur reinen Ökonomik einerseits und seinem sozialen Gewissen andererseits bleibt von damals bis heute aktuell. Im 19.Jhd. führte der zügellose Laissez-Faire Kapitalismus zur Bildung eines riesigen Proletariats. Heute gibt es in der Globalisierungsdebatte Meinungen, die eine zu „reine“ Interpretation der Ökonomie und „Marktfundamentalismus“ für negative Phänomene des Globalisierungsprozesses verantwortlich machen. Der Versuch, den Konflikt zwischen diesen beiden Bereichen zu lösen oder umfassend darzustellen, würde den Rahmen dieser Hausarbeit sicherlich sprengen. Vielmehr soll versucht werden, Alfred Marshalls inneres Spannungsverhältnis zwischen der Schaffung einer reinen Ökonomik einerseits und seinen sozialen Anliegen andererseits zu beleuchten. So hoffe ich, das Problem aus einer personenbezogenen Perspektive zu beleuchten, um einen Anstoß zur Diskussion bieten zu können.
Excerpt (computer-generated)
Universität zu Köln, Seminar für Wirtschafts- und Sozialgeschichte
Hauptseminar: Entstehung und Ausbildung der Neoklassik
Geschichte des ökonomischen Denkens II
WS 06/07, Semester: 7
Alfred Marshall
Sein Lebenswerk im Spannungsverhältnis zwischen
theoretischer Meisterleistung und sozialmoralischen Ansprüchen
von
Thilo Zimmermann
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG 2
2. BIOGRAFIE 4
3. DAS ÖKONOMISCHE DENKEN ALFRED MARSHALLS 8
4. ZEITGESCHICHTLICHER HINTERGRUND UND DOGMENHISTORISCHE EINORDNUNG 13
5. SEIN HAUPTWERK: DIE „PRINCIPLES OF ECONOMICS“ 18
6. KRITIK AN ALFRED MARSHALL UND SEINEM WERK 21
7. BEZUG ZU AKTUELLEN PROBLEMEN DER VOLKSWIRTSCHAFTSLEHRE UND ABSCHLIEßENDES FAZIT 26
LITERATURVERZEICHNIS 27
1. Einleitung
Alfred Marshall (1842-1924) war ohne Zweifel einer der größten Ökonomen seiner Zeit. Mit den „Principles of Economics“ schuf er ein fundamentales Lehrgebäude, das bis heute in der Mikroökonomie Bestand hat1. Nach Salin kann man nur mit „Ehrfurcht“ seine „bedächtige Vereinigung der überkommenen und der neuen Lehre beobachten“2. Es war im Grunde keine große neuartige Idee, die Marshalls theoretisches Werk ausmachte, sondern vielmehr die Verschmelzung der alten, auf Produktionskosten basierenden klassischen Theorie mit den neuen Überlegungen der Grenznutzenschule.
Schumpeter sieht Marshall in der Wirtschaftsgeschichte auf einer Stufe mit Adam Smith und beschreibt große Ähnlichkeiten zwischen ihnen. Beide hätten einen sehr hohen Grad der Vollendung und unendliche Sorgfalt in ihrer jahrzehntelangen grundlegenden Arbeit3. Im Gegensatz zu Marshall selber versteht Schumpeter das Werk als „schöpferische Leistung“ und nicht als bloße Synthese bereits existierender Ideen.4 Doch neben seiner theoretischen Meisterleistung attestieren Marshall viele Zeitgenossen und Wirtschaftshistoriker auch ein starkes soziales Gewissen. Keynes beschreibt Alfred Marshall zum einen als „größten Ökonomen in 100 Jahren“5. Er sagt aber auch, Marshall sympathisiere tatsächlich „mit der Arbeiterbewegung und dem Sozialismus in vieler Beziehung, nur nicht im geistigen Bereich“6 So wird auch in dem Essay von Keynes über Marshall immer wieder deutlich, wie sehr Marshall in seinem Leben von seinem sozialen Gewissen begeleitet wird. Dennoch bleibt Marshall in seinen Werken stets rein ökonomisch und vermischt seine ökonomischen Einsichten an kaum einer Stelle mit moralischen Prinzipien.7
Keynes beschreibt einen inneren Konflikt Marshalls zwischen seinem strengen, nüchternen, kritischen und völlig unsentimentalen Verstand und seinem Gewissen eines unbesonnen Moralisten mit „Gefühlen und kaum bewussten Empfindungen ganz anderer Natur“8. Marshall selber sieht die Beschäftigung mit der Ökonomik als Kampf gegen die Armut. Für ihn „ist die Untersuchung der Ursache der Armut gleichzeitig die Untersuchung der Wurzel der sozialen Deklassierung eines großen Teils der Menschheit“9. Er sieht also gerade in seinem Modell der reinen Ökonomie einen Weg, Armut zu erklären und später auch zu beseitigen.
Blickt man aber auf das Vermächtnis Marshalls in der Wirtschaftsgeschichte zurück, so fällt schnell auf, dass die Strahlkraft von Marshalls theoretischer Leistung seine sozialen Anliegen völlig überdeckt. Marshalls Ruhm beruht zum überwiegenden Teil auf der Gründung einer Schule der reinen Ökonomie, die alle sozial-ökonomischen Prozesse von der Betrachtung ausschließt10. Er hat das Gegenteil von dem bewirkt, was er, beziehungsweise sein soziales Gewissen, eigentlich wollte: Er schuf eine Theorie-Welt des Homo Oeconomicus, in der es nur rationale Handlungsakteure gibt, die bei einer irrealistischen Annahme vom vollkommenen Wettbewerb stets versuchen, ihren Gewinn oder Nutzen zu maximieren. Eine Betrachtung sozialer Komponenten des Modells oder ein Lösungsvorschlag zur sozialen Frage bietet Marshall nicht. Der innere Konflikt Marshalls zwischen der Hinwendung zur reinen Ökonomik einerseits und seinem sozialen Gewissen andererseits bleibt von damals bis heute aktuell. Im 19.Jhd. führte der zügellose Laissez- Faire Kapitalismus zur Bildung eines riesigen Proletariats. Heute gibt es in der Globalisierungsdebatte Meinungen, die eine zu „reine“ Interpretation der Ökonomie und „Marktfundamentalismus“11 für negative Phänomene des Globalisierungsprozesses verantwortlich machen.
Der Versuch, den Konflikt zwischen diesen beiden Bereichen zu lösen oder umfassend darzustellen, würde den Rahmen dieser Hausarbeit sicherlich sprengen. Vielmehr soll versucht werden, Alfred Marshalls inneres Spannungsverhältnis zwischen der Schaffung einer reinen Ökonomik einerseits und seinen sozialen Anliegen andererseits zu beleuchten. So hoffe ich, das Problem aus einer personenbezogenen Perspektive zu beleuchten, um einen Anstoß zur Diskussion bieten zu können.
Die Hausarbeit soll auch der Frage nachgehen, inwieweit Marshall überhaupt zur Lösung der sozialen Frage beitragen konnte. Konnte er tatsächlich einen Weg zur Lösung des Problems aufzeigen oder behinderte ihn die Beschäftigung mit sozialen Fragen eher bei der Entwicklung einer „reinen Ökonomik“?
Der Hauptteil der Hausarbeit ist in drei Kapitel gegliedert. Sie sollen die „doppelte Persönlichkeit“ Marshalls aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten. Lediglich im Kapitel „Die Principles of Economics“ wird die duale Betrachtungsweise zugunsten der Theorie etwas verschoben, um auch dem Anspruch einer Hausarbeit zu Alfred Marshalls Werk als solchem gerecht werden zu können.
In den beiden letzten Kapiteln werden die Ergebnisse resümiert, kritisch betrachtet und ein Bezug zur aktuellen Debatte hergestellt. Grundlage für die Betrachtungen sind Aussagen und Schriften von Zeitgenossen und Wirtschaftshistorikern, die Alfred Marshalls Leben und sein Werk beschrieben haben.
2. Biografie
[...]
1 Vgl. Ben Seligmann „Alfred Marshall: Die gestaltgewordene Tradition“ S. 191
2 Edgar Salin „Politische Ökonomie- Geschichte der wirtschaftspolitischen Ideen von Platon bis zur Gegenwart“ S.157
3 Vgl. Joseph Alois Schumpeter, „Geschichte der ökonomischen Analyse II“ S. 1018
4 Vgl. Schumpeter, „Geschichte der ökonomischen Analyse II“ S. 1019-1023
5 John M. Keynes: „Alfred Marshall” S. 370
6 Keynes „Alfred Marshall” S. 381
7 Vgl. Keynes „Alfred Marshall” S. 368
8 Keynes „Alfred Marshall” S. 377
9 Keynes „Alfred Marshall” S.368
10 Vgl. Werner Krause “Ökonomen-Lexikon” S. 338
11 Joseph Stieglitz, „Die Chancen der Globalisierung“ S. 13
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