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Die Reformpolitik des Kleisthenes

Seminararbeit, 2001, 20 Seiten
Autor: Dr. phil. Jürgen Schäfer
Fach: Geschichte - Frühgeschichte, Antike

Details

Veranstaltung: Proseminar: Die athenische Demokratie
Institution/Hochschule: Universität Duisburg-Essen (Fachbereich Geschichte)
Tags: Demokratiegeschichte, Antike, Athen, Kleisthenes
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2001
Seiten: 20
Note: 1
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V7465
ISBN (E-Book): 978-3-638-14725-5
ISBN (Buch): 978-3-638-75688-4
Dateigröße: 250 KB

Zusammenfassung / Abstract

Die Jahre um die Jahrhundertwende vom 6. zum 5. Jahrhundert v. Chr. gelten heute als die Übergangszeit von der archaischen Tyrannis zur klassischen Demokratie im antiken Griechenland. Zwei Personen traten damals auf den Plan, die eine gewichtige Rolle in den politischen Auseinandersetzungen jener Zeit einnahmen. Zum einen der Isagoras, Wortführer einer Gruppe Adeliger; und zum anderen jener Kleisthenes, dessen Reformen so bedeutend waren für die Entwicklung der athenischen Demokratie und dessen Wirken und Exponenten der Reformen die vorliegende Arbeit in Grundzügen näher zu beleuchten versucht. Dabei widmet sich die Einleitung den grundlegenden Problemen der historischen Forschung und der Quellenproblematik sowie als Vorgeschichte der Rolle des Reformers Solon als einer der Wegbereiter der athenischen Demokratie. Kapitel zwei beleuchtet die Ereignisse der Zeitenwende in den Jahren 508/507 v. Chr. und die Auseinandersetzungen über die politische Neugestaltung in Attika nach dem Sturz der Tyrannis des Hippias im Jahre 510 v. Chr. Hier werden die Rolle von Kleisthenes sowie seine Politik und Absichten diskutiert. Kapitel drei widmet sich explizit den Reformen des Kleisthenes. Die räumliche Neugliederung des Stadtstaates, der Rat der 500, das Amt der zehn Strategen und die Militärreform werden genauso thematisiert wie die Einführung des Ostrakismos (Scherbengericht), dessen Urheberschaft Aristoteles bei Kleisthenes sieht. Nach der Entmachtung des Areopag, des alten und mächtigen Adelsrates, in den Jahren 462/461 v. Chr. lag die uneingeschränkte politische Macht für fast 150 Jahre in den Händen der gesamten athenischen Bürgerschaft. Die unbestrittene Entscheidungsgewalt des démos war fortan manifestiert in der politischen Terminologie. In diesen Jahren wurde in Athen erstmals der Begriff der demokratía, der Herrschaft des Volkes, geprägt. Die Reformen des Kleisthenes hatten diese Entwicklungen mit ermöglicht. Entsprechend widmet sich Kapitel vier in Form eines kritischen Fazits der Frage, ob Kleisthenes tatsächlich als der Begründer der Demokratie angesehen werden kann.


Textauszug (computergeneriert)

Universität Essen
Fachbereich 1
Sommersemester 2000

Seminar: Die athenische Demokratie

Seminararbeit:

Die Reformpolitik des Kleisthenes

Jürgen Schäfer

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung


1.1. Allgemeines und Quellenproblematik  ... S. 2
1.2. Vorgeschichte  ... S. 3

2. Zeitenwende – Kleisthenes und die Wege zur Reform


2.1. Die Ereignisse der Jahre 508/507 v. Chr.  ... S. 4
2.2. Kleisthenes . Politik und Absichten  ... S. 7

3. Die Reformen des Kleisthenes


3.1. Die räumliche Neugliederung des Stadtstaates  ... S. 8
3.2. Der Rat der 500  ... S. 11
3.3. Militärreform . Das Amt der zehn Strategen  ... S. 14
3.4. Kleisthenes und der Ostrakismos  ... S. 15

4. Fazit: Kleisthenes – Begründer der Demokratie?  ... S. 16

Anhang
I. Literaturverzeichnis  ... S. 19

 

1. Einleitung

1.1. Allgemeines und Quellenproblematik

Die Jahre um die Jahrhundertwende vom 6. zum 5. Jahrhundert v. Chr. gelten heute als die Übergangszeit von der archaischen Tyrannis zur klassischen Demokratie im antiken Griechenland.1 Zwei Personen traten damals auf den Plan, die eine gewichtige Rolle in den politischen Auseinandersetzungen jener Zeit einnahmen. Zum einen der Isagoras, Wortführer einer Gruppe Adeliger; und zum anderen jener Kleisthenes, dessen Reformen so bedeutend waren für die Entwicklung der athenischen Demokratie und dessen Wirken und Exponenten der Reformen die vorliegende Arbeit in Grundzügen näher zu beleuchten versucht.

Dieser Sachverhalt steht fest, wenngleich der Katalog dessen, was wir nicht wissen, viel länger ist.2 Die Beurteilung der Ereignisse im antiken Athen stellen ein Problem dar, da es um die Quellenlage nicht sonderlich gut bestellt ist. Die uns heute bekannten Überlieferungen sind fast ausschließlich Abschriften, die im Mittelalter in Klöstern entstanden sind. Die Schrift .Der Staat der Athener. von Aristoteles (.384, .322 v. Chr.) stellt jedoch eine Ausnahme dar, denn es handelt sich um eine Papyrus-Abschrift, die in der trockenen Luft Ägyptens den Lauf der Zeit überdauerte. Die Entstehung wird auf das Ende des 1. oder auf Anfang des 2. Jahrhunderts n. Chr. datiert.3 Neben zahlreichen Bedenken, ob Aristoteles tatsächlich der Autor gewesen sei, ist der Zeitpunkt der Entstehung ein weiteres Problem. Mehrere Hinweise in der Schrift deuten darauf hin, dass sie nicht vor 335/334 v. Chr. entstanden sein kann.4 Das würde bedeuten, dass die Aufzeichnungen des Aristoteles erst ca. 170 Jahre nach der Reformpolitik des Kleisthenes entstanden sind. Dennoch gilt in der Literatur die Aristotelesche .Athenaíon politeía. als wichtige Quelle über Kleisthenes. Die Quellenlage verbessert sich erst ab dem Jahre 480 v. Chr.. Seither ist deutlich mehr überliefert.5 Für Informationen insbesondere über Kleisthenes sind hier die Aufzeichnungen des griechischen Geschichtsschreibers Herodot zu nennen (.um 490, .425 v. Chr.), die auch aufgrund der größeren zeitlichen Nähe als zuverlässiger zu bewerten sind.6

1.2. Vorgeschichte

Im Jahre 594 v. Chr. wurde Solon mit dem Auftrag zum Archon gewählt, .die in zwei feindliche Lager zerfallene Bevölkerung Attikas wieder zu versöhnen..7 Er war dem Gedanken verpflichtet, dem sozialen und ökonomischen Wandel in Athen entsprechend auch eine Neuverteilung politischer Rechte und Pflichten innerhalb der Bürgerschaft zu schaffen. Um an öffentlichen Entscheidungsprozessen partizipieren zu können, war forthin nicht mehr die Abstammung maßgebend, sondern die Zugehörigkeit zu einer von vier, nach Einkommen gestaffelten Vermögensklassen (sog. timokratisches System), in die Solon die athenische Bürgerschaft einteilte. Durch diese, so BLEICKEN (1994, S. 22), wichtigste Reform Solons, war nun auch für die Bewohner Athens nicht-adeliger Herkunft die Möglichkeit geschaffen, durch Vermögensbildung und unabhängig von der Herkunft in die politische Klasse aufzurücken oder eine solche zu bilden.

Solons Reformen hatten das bürgerliche Selbstbewusstsein der Athener geweckt und sorgten für eine allmähliche Auflösung alter Beziehungsgeflechte innerhalb des Adels und schwächten somit dessen Position, indem Solon ihnen neue Formen der politischen Auseinandersetzung aufzwang.8 Er setzte einen Prozess in Gang, der die Bürger Athens aus ihrer politischen Bindung an einzelne Adelshäuser und deren ideologischer Ausrichtung auf den athenischen Staat herauszulösen begann und schaffte so, wenn auch nicht in dieser Absicht, wichtige Grundlagen, aus denen sich die athenische Demokratie zu konstituieren begann und ihr in späteren Jahren letztlich zum Durchbruch verhalf.
Solon galt zwei Jahrhunderte später bei den Athenern als Begründer der demokratischen Verfassung, weil er dafür sorgte, die Vorrechte alter Adelsfamilien zugunsten eines breiteren Mitbestimmungsrechtes der Bürgerschaft abzubauen.9

[...]

1 Kinzl, Konrad H.: .Athen: Zwischen Tyrannis und Demokratie., in: ders. (Hg.): Demokratia . Der Weg zur Demokratie bei den Griechen. Darmstadt 1995 (= Wege der Forschung, Band 657), S. 246.
2 Vergleiche hierzu: Raaflaub, Kurt A.: .Einleitung und Bilanz: Kleisthenes, Ephialtes und die Begründung der Demokratie., in: Kinzl, Konrad H. (Hg.): Demokratia. Der Weg zur Demokratie bei den Griechen. Darmstadt 1995 (= Wege der Forschung, Band 657), S. 19.
3 Siehe hierzu: Einleitung: 1. Die Textüberlieferung, in: Aristoteles: .Der Staat der Athener., hrsg. v. Martin Dreher, Stuttgart 1993, S. 6.
4 siehe hierzu: Einleitung: 5. Abfassungszeit und spätere Änderungen, in: Ebda., S. 18.
5 Seminaraufzeichnung vom 19.04.2000.
6 Die Quellenlage zu Kleisthenes ist ausführlicher diskutiert in: Raaflaub, Kurt A.: .Einleitung und Bilanz: Kleisthenes, Ephialtes und die Begründung der Demokratie. S. 9 . 11.
7 Bleicken, Jochen: .Die athenische Demokratie.. 2., völlig überarbeitete und wesentlich erweiterte Auflage, Paderborn 1994, S. 22.
8 Funke, Peter: .Athen in klassischer Zeit., München 1999 (=Beck.sche Reihe Wissen) S. 10 . 11.
9 Ebda., S. 8 . 9.


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