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Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr - Zur Selbstdarstellung einer totalen Institution

Intermediate Examination Paper, 2001, 39 Pages
Author: Dr. phil. Jürgen Schäfer
Subject: Sociology - Work, Profession, Education, Organisation

Details

Event: Seminar: Zivilgesellschaft und Militär im Wandel
Institution/College: University of Duisburg-Essen (Fachbereich Soziologie)
Tags: Zivilgesellschaft, Militär, Öffentlichkeit, totale Institution, Organisation
Category: Intermediate Examination Paper
Year: 2001
Pages: 39
Grade: 1,0
Language: German
Archive No.: V7472
ISBN (E-book): 978-3-638-14732-3
ISBN (Book): 978-3-638-63999-6
File size: 242 KB
Notes :
Arbeit zur Zwischenprüfung. 283 KB


Abstract

Die vorliegende Arbeit gründet auf Recherchearbeiten zur Organisation der Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr sowie auf der Vorstellung der von der Bundeswehr dafür eingesetzten unterschiedlichen Methoden und Medien. Das zur Verfügung stehende Material für den Zeitraum ca. von 1990 bis 2000 ermöglicht es, sowohl den fundamentalen Wandel der Rolle der Bundeswehr seit dem Ende des kalten Krieges als auch die Auswirkungen äußerer Einflüsse in ihrer inhaltlichen Widerspiegelung in der Öffentlichkeitsarbeit darzustellen. Die ausführlichen Ergebnisse sowie Anmerkungen zu Recherche und Methoden der Beobachtung finden sich in Kapitel 3. Als theoretische Grundlage dieser Arbeit dient die Theorie Erving Goffmans (1922 – 1982) über die Merkmale totaler Institutionen. Diese werden in Kapitel 2 vorgestellt und in Bezug gesetzt zur totalen Institution des Militärs dazu verwandt, die Strukturen der Bundeswehr herauszuarbeiten und das Spannungsfeld der Kommunikation einer totalen Institution mit der Öffentlichkeit darzustellen. Die Reflexion der empirisch zu beobachtenden Wirklichkeit durch Abstraktion auf die Theorie ermöglicht im Falle der vorliegenden Untersuchung, die Besonderheiten, Motivationen und Mechanismen der Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr besser zu verstehen. Entsprechend widmet sich Kapitel 4 der Analyse der Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr in Form von Fallbeispielen, an denen die Theorie überprüft, bzw. die Praxis analysiert werden soll. Aspekte des politisch-gesellschaftlichen Wandels in den 1990er Jahren stehen hier im Vordergrund. Exemplarisch werden zwei wichtige Ereignisse des Jahres 1997 aufgegriffen: Das Hochwasser an der Oder und die rechtsradikalen Vorkommnisse in der Bundeswehr. An ihnen soll sich die Frage klären, ob sich Besonderheiten für die Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr als totale Institution ergeben durch Reaktionen auf Ereignisse, der offensichtlich nur totale Institutionen gewachsen sind, bzw. für die eine totale Institution besonders anfällig ist. Abschließend werden die Transparenz der Kommunikation und damit der Wahrheitsgehalt der öffentlichen Darstellung der deutschen Streitkräfte vor dem Hintergrund der Theorie Goffmans und unter den Bedingungen des gesellschaftlichen Wandels kritisch hinterfragt.


Excerpt (computer-generated)

Universität Essen
Fachbereich 1
Sommersemester 2000
Seminar: Zivilgesellschaft und Militär im Wandel

Arbeit zur Zwischenprüfung:
Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr
Zur Selbstdarstellung einer ‚totalen Institution’

vorgelegt von:
Jürgen Schäfer

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung ... 2

2. Die "totale Institution" und das öffentliche Interesse  ... 3


2.1. Besonderheiten der "totalen Institution"  ... 3
2.2. Totale Institution Militär  ... 5
2.3. Interessen und Bedürfnisse eines kollektiven Akteurs ... 7
2.4. Spannungsfeld öffentliches Interesse  ... 9

3. Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr ... 11


3.1. Bemerkungen zur Recherche ... 11
3.2. Struktur und Organisation ... 12
3.3. Richtlinien und Zielgruppen  ... 14
    3.3.1. Auftrag der Information: Grundlagen, Ziele, Aufgaben  ... 14
    3.3.2. Zielgruppen der Öffentlichkeitsarbeit  ... 17
3.4. Medieneinsatz und Präsentation  ... 18
3.4.1. Printmedien  ... 18
    3.4.2. Hörfunk  ... 20
    3.4.3. Werbespots in TV und Kino  ... 20
    3.4.4. Neue Medien / Internet  ... 22
    3.4.5. Tage der offenen Tür, Ausstellungen, Flugblätter ... 23

4. Theorie und Praxis – Analyse  ... 24


4.1. Oderbruch und Hammelburg – Reaktionen ... 25
4.2. Transparenz durch Kommunikation?  ... 29

5. Zusammenfassung ... 32

Anhang ... 35

I. Abbildungsverzeichnis  ... 35
II. Abkürzungsverzeichnis ... 35
III. Adressen ... 36
IV. Quellenverzeichnis ... 36
V. Literaturverzeichnis ... 37

 

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit zur Zwischenprüfung ist das Ergebnis eines Arbeitsprozesses, der mit dem Sommersemester 2000 begann. Das Arbeitsthema Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr (BW) bezog sich ursprünglich auf Beobachtungen zur Selbstdarstellung der Bundeswehr im Frühjahr 2000. Die Resultate wurden in einem Referat am 3. Juni 2000 während eines Blockseminars im Kulturforum Essen-Steele vorgestellt. Diese Vorleistungen bestanden im Wesentlichen aus Recherchearbeiten zur Organisation der Öffentlichkeitsarbeit in der Bundeswehr sowie in der Vorstellung der von der BW eingesetzten unterschiedlichen Medien. Anhand des zur Verfügung stehenden Materials für den Zeitraum ca. von 1990 bis 2000 wurde versucht, die Auswirkungen äußerer Einflüsse auf die Bundeswehr darzustellen und ihre inhaltliche Widerspiegelung in der Öffentlichkeitsarbeit aufzuzeigen. Die ausführlichen Ergebnisse sowie Anmerkungen zu Recherche und Methoden der Beobachtung finden sich in Kapitel 3.

Als theoretische Grundlage dieser Arbeit dient die Theorie Erving Goffmans (1922 – 1982) über die Merkmale totaler Institutionen.1 Diese werden in Kapitel 2. vorgestellt und in Bezug gesetzt zur totalen Institution des Militärs dazu verwandt, die Bundeswehr zu durchleuchten und den Blick auf strukturelle Determinanten freizugeben. Weiterhin wird versucht, dass Spannungsfeld der Kommunikation einer totalen Institution mit der Öffentlichkeit darzustellen.

Die Aufgabe der Theorie ist es, zu abstrahieren und die Möglichkeit zur Reflexion zu schaffen. So versucht VON KARDORFF (1991), Anregungen für die Umsetzung der sozialwissenschaftlichen Erkenntnisse Goffmans in die Praxis zu geben. Bezogen u. a. auf die Theorie der totalen Institution ermögliche der Theorie-Praxis Vergleich den Perspektivenwechsel „bei der Reflexion auf die Praxis, der in der Frage besteht, wie Situationen, jenseits subjektiver Motivlagen und Wertorientierungen, die konkreten Handlungsvollzüge der Interaktionspartner bestimmen.“2 Die Reflexion durch Abstraktion auf die Theorie ermöglicht im Falle der vorliegenden Untersuchung, die Besonderheiten, Motivationen und Mechanismen der Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr besser zu verstehen. Entsprechend widmet sich Kapitel 4. der Analyse der Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr in Form von Fallbeispielen, an denen die Theorie überprüft, bzw. die Praxis analysiert werden soll. Aspekte des politischgesellschaftlichen Wandels in den 1990er Jahren stehen hier im Vordergrund. Exemplarisch werden zwei wichtige Ereignisse des Jahres 1997 aufgegriffen: Das Hochwasser an der Oder und die rechtsradikalen Vorkommnisse in der Bundeswehr. An ihnen soll sich die Frage klären, ob sich Besonderheiten für die Öffentlichkeitsarbeit der BW als totale Institution ergeben durch Reaktionen auf Ereignisse, der offensichtlich nur totale Institutionen gewachsen sind, bzw. für die eine totale Institution besonders anfällig ist.

Abschließend wird die Transparenz der Kommunikation und damit der Wahrheitsgehalt der öffentlichen Darstellung der deutschen Streitkräfte vor dem Hintergrund der Theorie Goffmans kritisch hinterfragt.

2. Die "totale Institution" und das öffentliche Interesse
2.1. Besonderheiten der "totalen Institution"

Zunächst müssen wir uns dem Begriff der totalen Institution nähern und seine Bedeutung für die Organisationssoziologie feststellen. Nach LIPP (1998) sind Institutionen soziale Einrichtungen, die auf Dauer bestimmen, >was getan werden muß<.“ Sie können als Organisationen menschlichen Zweckhandelns dienen.3 Organisationen sind soziale Gebilde, die auf spezifische Ziele ausgerichtet sind. In der Organisationssoziologie bezeichnet eine Organisation die „Gesamtheit aller geplanten und ungeplanten sozialen Prozesse, die innerhalb des sozialen Systems bzw. im Rahmen der Außenbeziehungen mit anderen organisatorischen Gebilden ablaufen [...].“4 Das Ziel einer Organisation bestimmt seine Struktur. Es definiert Normen und Regelungen, bestimmt Kommunikationswege, Verantwortlichkeiten, Kompetenzen und Autoritätsbeziehungen. Die Organisation ist immer auch ein Herrschaftsverband. Institutionen stabilisieren und entlasten soziales Handeln, indem sie die Kontingenz beschränken und Komplexität reduzieren. Sie definieren Normen und bilden Strukturen im Alltag.

Eine totale Institution jedoch stellt einen „Grenzfall der Überforderung [...] institutioneller Prinzipien“ dar.5 Die Strukturgebung tendiert zum Negativen; unterliegt dann destruktiven Prozessen und wirkt u. U. zerstörerisch. Die in totalen Institutionen erfassten Individuen sind einer erheblichen Kontrolle ausgesetzt, was sich durch die Überkomplexität an Normen und Vorschriften und den damit verbundenen Sanktionsmechanismen äußert. Totale Institutionen verhindern potentiell soziale Entwicklung.

Die allumfassende Beanspruchung ihrer Mitglieder ist gekennzeichnet durch das zentrale Merkmal der Aufhebung der Trennung der drei Lebensbereiche Arbeit, Freizeit und Schlaf. „Alle Angelegenheiten des Lebens finden an ein und derselben Stelle, unter ein und derselben Autorität statt.“ Und das an Orten, die von der Außenwelt abgeschnitten sind durch „verschlossene Tore, hohe Mauern, Stacheldraht, Felsen, Wasser, Moore“; und so die räumliche Freizügigkeit verhindern.6

[...]

1 Goffman, Erving (1972): Über die Merkmale totaler Institutionen, in: ders.: Asyle. Über die soziale Situation psychiatrischer Patienten und anderer Insassen, Frankfurt am Main, S. 13 – 123.
2 von Kardorff, Ernst (1991): Goffmans Anregungen für soziologische Handlungsfelder, in: Hettlage, Robert; Lenz, Karl (Hg.): Erving Goffman – ein soziologischer Klassiker der zweiten Generation. Bern / Stuttgart, S. 329 f.
3 Ausführlich in: Lipp, Wolfgang (1998): Art. Institution, in: Schäfers, Bernhard (Hg.): Grundbegriffe der Soziologie. 5. Auflage, Opladen (= UTB für Wissenschaft 1416), S. 148 – 151; zur Definition der Institutionen siehe auch: Goffman, Erving (1972): Über die Merkmale totaler Institutionen, S. 15.
4 Ausführlich in: Zimmermann, Gunter E.: Art. Organisation, in: Schäfers, Bernhard (Hg.): Grundbegriffe der Soziologie, S. 261 – 264.
5 Lipp, Wolfgang (1998): Art. Institution, S. 150.
6 Goffman, Erving (1972): Über die Merkmale totaler Institutionen, S. 17.

 


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