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Scholary Paper (Seminar), 2007, 19 Pages
Author: Antje Ruthert
Subject: Pedagogy - Miscellaneous Topics
Details
Institution/College: University of Hannover (Philosophische Fakultät)
Tags: Erziehungsberatung, Annahme, Unbewussten, Grundannahmen, Pädagogik, Beratung
Year: 2007
Pages: 19
Grade: Leistungsschein
Bibliography: ~ 6 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-86710-8
ISBN (Book): 978-3-638-86715-3
File size: 128 KB
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Abstract
Erziehungsprobleme scheinen ein modernes Alltagsphänomen unserer Gesellschaft zu sein, denn es bedarf mehr denn je der Klärung von Fragen wie „Was kann ich tun, wenn ich mit meinem Kind nicht mehr zurecht komme?“ oder „Wie kann man die Schwierigkeiten verstehen, mit den Eltern ebenso wie ihre Kinder tagtäglich zu kämpfen haben?“. Nicht nur in der Fachwelt wird über diese Themen debattiert, auch die Medien schüren Unsicherheiten und propagieren Erziehungshilfen à la „Stille Treppe“, sodass sich Erziehende häufig überfordert fühlen (müssen). Der Wiener Psychoanalytiker Wilfried Datler (* 1957) greift in seinem Aufsatz „Erziehungsberatung und die Annahme eines dynamischen Unbewußten. Über zentrale Charakteristika psychoanalytisch-pädagogischer Erziehungsberatung“ eben jene Erziehungsschwierigkeiten auf und hat fünf zentrale Merkmale zusammengestellt, welche für ein Verständnis von psychoanalytischer Beratung von großer Bedeutung sind. Er plädiert dafür, dass der Einfluss unbewusster Prozesse für die Erschließung von Eltern-Kind-Problemen keineswegs außer Acht gelassen werden darf bzw. Erziehungsprobleme von einem psychoanalytischen Standpunkt aus betrachtet werden sollten. Zunächst werden in dieser Ausarbeitung Grundzüge allgemeinen Beratungshandelns dargestellt, um einen ersten Überblick bzw. Einstieg in das Thema zu ermöglichen. Im Anschluss daran werde ich konkret auf die psychoanalytisch-pädagogische Erziehungsberatung eingehen und deren historischen Wurzeln sowie rechtliche Grundlagen beleuchten. Datlers Auflistung der wichtigsten Charakteristika gibt Auskunft über die Aufgabenstellung und das Verständnis psychoanalytischer Beratung und zeigt wie wichtig die Annahme eines dynamischen Unbewussten für die Beratungspraxis ist.
Excerpt (computer-generated)
Leibniz Universität Hannover, Philosophische Fakultät
SE: „Grundannahmen psychoanalytischer Pädagogik und Beratung“
Wintersemester 2006/2007, 9. Fachsemester
Erziehungsberatung und die Annahme eines dynamischen Unbewussten
von
Antje Ruthert
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung... 3
2. Was ist Beratung? – Versuch einer Begriffsbestimmung... 4
3. Psychoanalytisch-pädagogische Erziehungsberatung... 8
3.1 Die psychoanalytische Annahme eines dynamischen Unbewussten... 11
3.2 Zentrale Charakteristika psychoanalytisch-pädagogischer Erziehungsberatung... 12
4. Fazit... 17
5. Literaturverzeichnis... 19
1. Einleitung
Erziehungsprobleme scheinen ein modernes Alltagsphänomen unserer Gesellschaft zu sein, denn es bedarf mehr denn je der Klärung von Fragen wie „Was kann ich tun, wenn ich mit meinem Kind nicht mehr zurecht komme?“ oder „Wie kann man die Schwierigkeiten verstehen, mit den Eltern ebenso wie ihre Kinder tagtäglich zu kämpfen haben?“. Nicht nur in der Fachwelt wird über diese Themen debattiert, auch die Medien schüren Unsicherheiten und propagieren Erziehungshilfen à la „Stille Treppe“, sodass sich Erziehende häufig überfordert fühlen (müssen).
Der Wiener Psychoanalytiker Wilfried Datler (* 1957) greift in seinem Aufsatz „Erziehungsberatung und die Annahme eines dynamischen Unbewußten. Über zentrale Charakteristika psychoanalytisch-pädagogischer Erziehungsberatung“ eben jene Erziehungsschwierigkeiten auf und hat fünf zentrale Merkmale zusammengestellt, welche für ein Verständnis von psychoanalytischer Beratung von großer Bedeutung sind. Er plädiert dafür, dass der Einfluss unbewusster Prozesse für die Erschließung von Eltern- Kind-Problemen keineswegs außer Acht gelassen werden darf bzw. Erziehungsprobleme von einem psychoanalytischen Standpunkt aus betrachtet werden sollten. Zunächst werden in dieser Ausarbeitung Grundzüge allgemeinen Beratungshandelns dargestellt, um einen ersten Überblick bzw. Einstieg in das Thema zu ermöglichen. Im Anschluss daran werde ich konkret auf die psychoanalytisch-pädagogische Erziehungsberatung eingehen und deren historischen Wurzeln sowie rechtliche Grundlagen beleuchten. Datlers Auflistung der wichtigsten Charakteristika gibt Auskunft über die Aufgabenstellung und das Verständnis psychoanalytischer Beratung und zeigt wie wichtig die Annahme eines dynamischen Unbewussten für die Beratungspraxis ist.
2. Was ist Beratung? – Versuch einer Begriffsbestimmung
Die eigenständige Bewältigung des Alltags gestaltet sich in modernen Gesellschaften durch die Komplexität verschiedener Handlungs- und Entscheidungsmöglichkeiten in fast allen Lebensbereichen beschwerlicher, was dazu geführt hat, dass der Bedarf an Beratung in den letzten Jahren stark zugenommen hat.1 Anlässlich dieses so genannten „Beratungsbooms“ stellen sich die Fragen „Was ist Beratung?“ und „Was will oder kann Beratung?“. Demnach bedarf es zunächst einer Eingrenzung des Beratungsbegriffs, bevor ich mich hier in dieser Ausarbeitung vertiefend mit der psychoanalytisch- pädagogischen Erziehungsberatung auseinandersetze.
Ausgehend von der mir vorliegenden Literatur erscheint eine konkrete Definition von „Beratung“ schwierig. Es existiert eine Vielzahl an Erklärungen für den Terminus, bei denen unterschieden werden muss, ob sie sich auf alltägliches oder aber professionelles Beratungshandeln beziehen.
Der wörtliche Ursprung des Begriffs liegt im Etymon „Rat“, dessen Bedeutung im Althochdeutschen auf vorhandene Mittel oder einen Vorrat an Lebensmitteln zurückzuführen ist.2 Bezieht man diese Betrachtungsweise auf die Beratungssituation, so lässt sich festhalten, dass der Ratgebende3 bzw. Berater dem Ratsuchenden sein Repertoire an Wissen, Erkenntnissen und Erfahrungen zugänglich macht und Entscheidungshilfen in problematischen Lebenssituationen offeriert.4 Beratung ist demnach „eine zielorientierte soziale Interaktion zwischen (mindestens) zwei Personen“5, deren Ziel darin besteht einen der Interaktionspartner zur Selbsthilfe zu befähigen und ist mittlerweile als grundlegende Einflussgröße auf die Lebensgestaltung gesellschaftlich fest verankert.6 Beratungssituationen, ganz gleich ob alltäglich oder professionell, enthalten mindestens einen Ratsuchenden, einen Berater sowie ein Beratungsproblem. Der ideale Ratsuchende ist in der Lage reflektiert mit seinem Problem umzugehen und erkennt, dass er sein Problem ohne Hilfe von außen nicht lösen kann. Er wendet sich an einen Berater und berichtet diesem von seinen Schwierigkeiten. Der Ratgebende wiederum hat stets ein offenes Ohr für die Probleme seiner Klienten und verfügt über hohe Kompetenzen auf seinem Beratungsgebiet: „Aufgrund seines differenzierten, wissenschaftlich gesicherten Wissens und seiner reichhaltigen Berufs- und Lebenserfahrung kann er komplexe Probleme strukturieren und differenzieren, Hintergründe aufdecken und Ratschläge für ihre Bewältigung erteilen.“7 Den Fokus jedes Beratungshandelns bildet das Beratungsproblem. Der Berater zeigt dem Ratsuchenden neue Wege auf, um bisherige Lösungsstrategien zu überdenken und durch neue Entscheidungen oder Handlungen eine kritische Lebenssituation zu verbessern, ohne ihm jedoch vorzuschreiben, was er zu tun oder zu lassen hat.8
[...]
1 Vgl. Dewe (2004), S. 131f.
2 Vgl. Schwarzer/Posse (1986), S.633.
3 Ich verwende durchgehend die männliche Schreibweise, meine aber selbstverständlich die weibliche Form ebenso.
4 Vgl. a.a.O.
5 a.a.O., S. 634.
6 Vgl. a.a.O. und vgl. Dewe (2004), S. 132.
7 Schwarzer/Posse (1986), S. 635.
8 Vgl. a.a.O., S. 635f.
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