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Termpaper, 2002, 27 Pages
Author: Tobias Voller
Subject: History - Middle Ages, Early Modern
Details
Tags: Christine, Pisan, Autorin, Mittelalter
Year: 2002
Pages: 27
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 11 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-72931-4
File size: 172 KB
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Abstract
Die vorliegende Arbeit gibt einen Überblick über das Leben und Wirken der Christine de Pisan, die sich durch das Verfassen zahlreicher Texte zu politischen und gesellschaftlichen Fragen ihrer Zeit, den Ruf einer Autorin im Spätmittelalter erworben hat. Dabei wird auf die Probleme aufmerksam gemacht, denen sich Christine de Pisan bei dem Erwerb von Bildung, einem im Spätmittelalter vorwiegend männlichen Privileg, und ihrer sozialen Stellung als Witwe gegenüber sah. Die Arbeit zeigt auf, wie es Christine de Pisan gelang, ihre soziale Stellung durch geistreiche Texte und die geschickte Pflege eines komplizierten Beziehungsgeflechtes zu einflussreichen Persönlichkeiten ihrer Zeit zu verbessern und ihren Namen zu einem Qualitätssiegel zu machen. Bei einem Überblick über die Werke Christine de Pisans, wird u.a. auf den von ihr selbst entfachten Gelehrtenstreit um den Roman de la Rose eingegangen; einem beliebten und viel zitierten Werk höfischer Dichtung, das Christine de Pisan aufgrund zahlreicher frauenfeindlicher Äußerungen hart attackiert.
Excerpt (computer-generated)
Universität Bremen, Fachbereich 8 - Geschichte
Vorlesung: „Wieder gelesen: Huizingas Herbst des Mittelalters Burgund im ausgehenden Mittelalter“
Sommersemester 2001, Bremen, 24. April 2002
Christine de Pisan Autorin im Spätmittelalter
von
Tobias Voller
Inhalt
Einleitung 2
Biographie 2
Inhalte und Themen der Schriften Christine de Pisans 4
Christines Bildungsweg 7
Soziale Stellung 11
Christine als Autorin 15
Anmerkungen 25
Einleitung
Die vorliegende Arbeit gibt einen Überblick über das Leben und Wirken der Christine de Pisan, die sich durch das Verfassen zahlreicher Texte zu politischen und gesellschaftlichen Fragen ihrer Zeit den Ruf einer Autorin im Spätmittelalter erworben hat. Dabei wird auf die Probleme aufmerksam gemacht, denen sich Christine de Pisan bei dem Erwerb von Bildung, einem im Spätmittelalter vorwiegend männlichen Privileg, und ihrer sozialen Stellung als Witwe gegenüber sah. Die Arbeit zeigt auf, wie es Christine de Pisan gelang, ihre soziale Stellung durch geistreiche Texte und die geschickte Pflege eines komplizierten Beziehungsgeflechtes zu einflussreichen Persönlichkeiten ihrer Zeit zu verbessern, und ihren Namen zu einem Qualitätssiegel zu machen. Bei einem Überblick über die Werke Christine de Pisans, wird u.a. auf den von ihr selbst entfachten Gelehrtenstreit um den Roman de la Rose eingegangen; einem beliebten und viel zitierten Werk höfischer Dichtung, das Christine de Pisan aufgrund zahlreicher frauenfeindlicher Äußerungen hart attackiert.
Biographie
Christine de Pisan lebte von 1364 bis vermutlich 1429 (Varty, S. x). Sie wurde in Venedig als Tochter des Gelehrten Tommaso di Benvenuto da Pizzano geboren, der von 1344 bis 1356 Professor für Astrologie an der Universität von Bologna war und bis 1364 ein Amt als Ratsherr im Dienste der Republik Venedig innehatte. In diesem Jahr kam er einer Einladung des französischen Königs Charles V. an dessen Hof nach, um dort unter dem dem französischen Idiom angepassten Namen Tomas de Pisan eine Stelle als königlicher Alchimist, Astrologe und Physiker anzutreten. Die Familie folgte ihm vier Jahre später. Bis zum Tod Königs Karls V. 1380, gelang es der Familie ein Leben in Wohlstand zu führen, danach verlor Tomas jedoch Stelle und Einkommen und starb zwischen 1384 und 1389 desillusioniert und verarmt zu der von ihm selbst vorhergesagten Stunde, wie wir von Christine in Lavision erfahren (Yenal, S. 6). Christine hatte schon vorher im Alter von 15 Jahren 1379 Etienne du Castel geheiratet. Dieser kam aus einer angesehenen Familie aus der Picardie und trat als Notar und Schreiber in den Dienst des neuen Königs Karls des VI.. Nach zehn Jahren Ehe verstarb er jedoch im Alter von 34 Jahren auf einer Reise, die er mit dem König unternahm, und ließ Christine, selbst erst 25 Jahre alt, mit einem Sohn und einer Tochter zurück (ein drittes Kind verstarb früh) (Yenal, S. 6). Der Tod Etiennes bedeutete einen starken Einschnitt in Christines Leben, denn sie war nicht nur von tiefer Trauer erfüllt, sondern von nun an allein für die Versorgung ihrer Kinder, der kranken Mutter und zweier Brüder verantwortlich. Sie musste, wie sie selbst in La Mutation de Fortune sagt, über Nacht in „eine männliche Rolle schlüpfen“ (Yenal, S. 7).
Um an das Erbe ihres Mannes zu gelangen, verbrachte sie in den folgenden zehn Jahren einen Großteil ihrer Zeit in Gerichtsgebäuden, während der ihr verbliebene Besitz immer wieder gepfändet und eingezogen wurde (Yenal, S. 7). Trost brachten Christine in dieser schwierigen Zeit das Schreiben und das Studium philosophischer Schriften, zu denen z.B. das Werk des römischen Philosophen und Staatsmanns Boethius (ca. 480-524) De Consolatione Philosophiae gehörten (Yenal, S. 7). De Consolatione Philosophiae (Trost der Philosophie) wurde von Boethius während seiner Gefangenschaft im Kerker des Ostgotenkönigs Theoderich verfasst und enthält „Betrachtungen über die Wertlosigkeit der irdischen Güter und die Vereinbarkeit der göttlichen Vorhersehung mit menschlicher Freiheit“ (Brockhaus Universallexikon, 1999). Es wirkt verständlich, dass Christine dieses Werk, das übrigens eines der am meisten gelesenen Bücher im Mittelalter war und vielfach übersetzt und kommentiert wurde, in ihrer Not sehr schätzte. Das Schreiben, d.h. das Verfassen von Gedichten, in denen sie den Schmerz über den Tod Etiennes verarbeitet, mag zunächst ein Ventil für ihre Trauer gewesen sein, nach einer längeren Einarbeitungsphase hat es ihr jedoch Ansehen und Einkommen verschafft (s.u.). Am Ende ihrer 35-jährigen Autorenkarriere ließ sie schließlich ein umfangreiches Werk zurück, das aus 294 Balladen, siebzig Rondeaux, sechzig Virelais, einer ansehnlichen Sammlung von Ventes d’amour, verschiedenen Allegorien, Briefen und didaktischen Werken besteht (Yenal, S. 10). Berühmtheit erlangte sie auch durch den von ihr entfachten Gelehrtenstreit um den im 13. und 14. Jahrhundert gern gelesenen Roman de la Rose, dem sie in vielen Passagen extreme Frauenfeindlichkeit nachwies und den sie deshalb als schädliches Werk attackierte.
Inhalte und Themen der Schriften Christine de Pisans1
[...]
1 Bei Edith Yenal findet sich eine vollständige Auflistung aller Werke Christine de Pisans mit jeweils einer kurzen Inhaltsangabe. Auf die Angabe von Titeln wird hier verzichtet, da sich viele von Christines Werken thematisch ähneln und hier nur ein kurzer Überblick gegeben werden soll.
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