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Seminararbeit, 2005, 27 Seiten
Autor: Moritz Ahrens
Fach: Latein
Details
Institution/Hochschule: Ruhr-Universität Bochum
Tags: Authentizität, Spiel, Eberbriefen, Plinius, Jüngeren, Proseminar, Plinius
Jahr: 2005
Seiten: 27
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 10 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-74511-6
Dateigröße: 176 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Die Epistel I,6 gilt als eines der Paradebeispiele der plinianischen Kunstbriefe. Aber auch wenn er ob seiner stilistischen Feinheiten und sorgsam gegliederten Struktur in fast jedem lateinischen Schulbuch zu finden ist, wurde ihm in der Forschung die größte Aufmerksamkeit im Zusammenhang mit dem Brief IX,10 zuteil. Beide Episteln richten sich an den Historiker Tacitus, der mit elf Briefen der häufigste Adressat im gesamten Briefcorpus Plinius des Jüngeren ist. Im Zuge dieser literarischen Brieffreundschaft sandten sie sich gegenseitig Entwürfe ihrer Schriftstellerei zur Beurteilung und eventuellen Verbesserung zu. Darüber hinaus berichtet Plinius besonders in I,2, III,18 und VII,17 von dem Brauch, Reden und andere Schriften von rhetorischem Inhalt, die zur Publikation vorgesehen waren, Freunden zur Lektüre zukommen zu lassen. Dieser Hintergrund und die bestechende Ähnlichkeit der Stellen Plin. Epist. IX,10,2 Itaque poemata quiescunt, quae tu inter nemora et lucos commodissime perfici putas und Tac. Dial. 9,6 Adice, quod poetis, si modo dignum aliquid elaborare et efficere velint [...] in nemora et lucos, id est in solitudinem, secedendum est haben dazu geführt, dass sich das Hauptinteresse der Forschungs-diskussion auf den Zusammenhang mit dem taciteischen Dialogus de oratoribus, auf die Chronologie und die Frage nach der Autorschaft der beiden Jagdbillete konzentriert hat. Die vorliegende Arbeit will sich jedoch detailliert mit einem Teilaspekt der Forschung zu I,6 und IX,10 auseinandersetzen und Untersuchungen zur Authentizität der von Plinius beschriebenen Eberjagd anstellen. Der Schwerpunkt wird folglich auf der Analyse des Briefes I,6 liegen, um mittels einer philologischen Analyse Erkenntnisse über die Einstellung des Plinius zur Jagd zu erlangen, sowie Vermutungen über den Jagdverlauf anstellen zu können. Dabei wird die grundsätzliche Frage, ob literarisches Spiel auch literarische Fiktion mit sich bringt, einen wichtigen Leitfaden bilden. Im zweiten Teil wird sich das Augenmerk abschließend auf den Konnex mit dem zweiten Eberbrief IX,10 richten, um die inhaltlichen Tendenzen mit den Ergebnissen der Analyse von I,6 zu vergleichen.
Textauszug (computergeneriert)
RUHR-UNIVERSITÄT BOCHUM, Seminar für Klassische Philologie
Proseminar: Plinius minor, Sommersemester 2005
Fachsemester 4
Authentizität versus literarisches Spiel in den
Eberbriefen (I,6 und IX,10) Plinius des Jüngeren
von
Moritz Ahrens
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 3
II. Übersetzung 5
II. 1 Übersetzung: Epist. I,6 5
II. 2 Zur Übersetzung 5
III. Analyseteil 6
III. 1 Vorbemerkung zur Analyse von I,6 6
III. 2 Prooemium: Provozierte Skepsis 6
III. 3 Narratio: Jagd ohne Waffen 9
III. 4 Argumentatio: Das Jagdumfeld als Inspiration 10
III. 5 Peroratio: Empfehlung zur Nachahmung 13
III. 6 Zweigliedrigkeit als konstituierendes Stilmerkmal 15
III. 7 Die Frage der Eber: tatsächliches Jagdglück oder literarische Fiktion? 17
IV. Der zweite Eberbrief Epist. IX,10: Die Fortsetzung von Epist. 1,6 21
IV. 1 Übersetzung: Epist. IX,10 21
IV. 2 Die Frage nach den taciteischen praecepta 21
IV. 3 Die Entschuldigung des Plinius 23
V. Fazit 25
Literaturverzeichnis 27
Textausgaben: 27
Kommentare: 27
Forschungsliteratur: 27
I. Einleitung
Die Epistel I,6 gilt als eines der Paradebeispiele der plinianischen Kunstbriefe. Aber auch wenn er ob seiner stilistischen Feinheiten und sorgsam gegliederten Struktur in fast jedem lateinischen Schulbuch zu finden ist, wurde ihm in der Forschung die größte Aufmerksamkeit im Zusammenhang mit dem Brief IX,10 zuteil.1
Beide Episteln richten sich an den Historiker Tacitus, der mit elf Briefen der häufigste Adressat im gesamten Briefcorpus Plinius des Jüngeren ist.2 Im Zuge dieser litera-rischen Brieffreundschaft sandten sie sich gegenseitig Entwürfe ihrer Schriftstellerei zur Beurteilung und eventuellen Verbesserung zu.3 Darüber hinaus berichtet Plinius besonders in I,2, III,18 und VII,17 von dem Brauch, Reden und andere Schriften von rhetorischem Inhalt, die zur Publikation vorgesehen waren, Freunden zur Lektüre zukommen zu lassen.4 Dieser Hintergrund und die bestechende Ähnlichkeit der Stellen Plin. Epist. IX,10,2 Itaque poemata quiescunt, quae tu inter nemora et lucos commodissime perfici putas und Tac. Dial. 9,6 Adice, quod poetis, si modo dignum aliquid elaborare et efficere velint [...] in nemora et lucos, id est in solitudinem, secedendum est haben dazu geführt, dass sich das Hauptinteresse der Forschungs-diskussion auf den Zusammenhang mit dem taciteischen Dialogus de oratoribus, auf die Chronologie und die Frage nach der Autorschaft der beiden Jagdbillete konzentriert hat.
Die vorliegende Arbeit will sich jedoch detailliert mit einem Teilaspekt der Forschung zu I,6 und IX,10 auseinandersetzen und Untersuchungen zur Authentizität der von Plinius beschriebenen Eberjagd anstellen. Der Schwerpunkt wird folglich auf der Analyse des Briefes I,6 liegen, um mittels einer philologischen Analyse Erkenntnisse über die Einstellung des Plinius zur Jagd zu erlangen, sowie Vermutungen über den Jagdverlauf anstellen zu können. Dabei wird die grundsätzliche Frage, ob literarisches Spiel auch literarische Fiktion mit sich bringt, einen wichtigen Leitfaden bilden. Im zweiten Teil wird sich das Augenmerk abschließend auf den Konnex mit dem zweiten Eberbrief IX,10 richten, um die inhaltlichen Tendenzen mit den Ergebnissen der Analyse von I,6 zu vergleichen.
Die Übersetzung der Episteln basieren auf der von R.A.B. Mynors besorgten Edition. Da diese Arbeit nicht auf zwei oder mehr Sekundärtexte von einem Autor oder einer Autorenkonstellation zurückgreift, ist darauf verzichtet worden, in den Fußnoten die Titel der Aufsätze bzw. Monographien zu nennen; stellvertretend steht einzig der Name des entsprechenden Verfassers.
II. Übersetzung
II. 1 Übersetzung: Epist. I,6
Gaius Plinius grüßt seinen Cornelius Tacitus.
[1] Du wirst lachen und du darfst auch lachen. Ich, ja, jener, den du kennst, habe drei Eber und zwar besonders schöne gefangen. „Selbst?“ fragst du. Ja, selbst; nicht jedoch so, dass ich gänzlich meine Trägheit und Ruhe aufgab. Ich saß bei den Netzen; in nächster Nähe befanden sich weder ein Jagdspieß noch eine Lanze, sondern ein Schreibgriffel und Wachstäfelchen; ich dachte über irgendetwas nach und notierte mir etwas, um, wenn schon leere Hände, doch zumindest volle Wachstafeln mit nach Hause zu bringen. [2]
Es gibt gar keinen Grund dafür, dass du diese Art des Studierens verachtest; es ist erstaunlich, dass der Geist durch Bewegung und körperliche Betätigung aufgescheucht wird; ferner sind die Wälder ringsherum, sowie die Einsamkeit und besonders jene Stille, die einem die Jagd bietet, starke Anregungen zum Nachdenken. [3] Daher wird es dir, wenn du zur Jagd gehst, auf mein Anraten hin erlaubt sein, sowohl Brotkorb und Feldflasche als auch Wachstäfelchen mitzunehmen: Du wirst die Erfahrung machen, dass Diana nicht mehr in den Bergen umherschweift als Minerva. Lebe wohl.
II. 2 Zur Übersetzung
Bei der Übersetzung des vorliegenden Briefes wurde Wert darauf gelegt, den Pointen und ironischen Elementen nach Vermögen gerecht zu werden. Zu diesem Zweck wurden bei der Übertragung ins Deutsche einerseits Interjektionen verwendet und andererseits die Ausdrücke inertia, excitetur und incitamenta so übersetzt, dass sie dem Lateinischen in Aussage und Stil weitgehend entsprechen.
III. Analyseteil
III. 1 Vorbemerkung zur Analyse von I,6
[...]
1 Im Rahmen dieser Arbeit wird die chronologische Reihenfolge der Briefe I,6 – IX,10 vorausgesetzt.
2 Außer I,6 und IX,10 sind I,20; IV,13; VI,9; VI,16; VI,20; VII,20; VII,33; VIII,7 und IX,14 an Tacitus adressiert.
3 Dies geht unter anderem aus Plin. Epist. VIII,7 hervor; vgl. dazu Schuster, S. 236, Anm. 4.
4 Vgl. ebda., S. 235.
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