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Das gemeinsame Priestertum der Gläubigen und seine Bedeutung in der Kirche

Diploma Thesis, 1998, 68 Pages
Author: Dipl.-Theol. (Univ.) Markus Schäfler
Subject: Theology - Systematic Theology

Details

Category: Diploma Thesis
Year: 1998
Pages: 68
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 60  Entries
Language: German
Archive No.: V75082
ISBN (E-book): 978-3-638-69582-4
ISBN (Book): 978-3-638-71179-1
File size: 394 KB

Abstract

Schon im Alten Testament wird das Volk Gottes „als ein Reich von Priestern“ bezeichnet, und auch im Neuen Testament wird gesagt, die Kirche sei „eine königliche Priesterschaft“. Der Begriff des gemein-samen Priestertums der Gläubigen, der im Kirchenbild des Zweiten Vatikanums eine wesentliche Bedeu-tung hat, ist also bereits biblisch grundgelegt und von Anfang an ein Wesensmerkmal der Kirche. Alle Getauften sind Priester, weil sie durch Jesus Christus im Heiligen Geist direkten Zugang zum Vater haben und daher niemanden brauchen, der zwischen ihnen und Gott vermittelt. Jahrhundertelang wurde dies jedoch fast vergessen, weil die Kirche im Lauf der Zeit immer stärker auf das Amt hin zentriert wurde. Mehr und mehr Aufgaben in der Kirche wurden den Amtsträgern reserviert. Zudem zeigte sich eine Tendenz, den priesterlichen Lebensstil als den höherwertigeren anzusehen. Da-durch wurden die Laien zunehmend in eine passive Rolle gedrängt, so dass sie in der Kirche immer weni-ger Bedeutung hatten. In der katholischen Kirche kam es erst durch das Zweite Vatikanische Konzil zu einem neuen Bewusstsein über das gemeinsame Priestertum. Das Konzil stellte heraus, dass alle Gläubi-gen durch die Taufe Anteil an dem einen Priestertum Jesu Christi haben und so ein priesterliches Volk bilden. Dieses Kirchenbild ist allerdings bis heute eher ein theoretisches. Faktisch ist die Kirche nach wie vor klerikal und priesterzentriert. Hier läge also eine wichtige Aufgabe für die Zukunft. In dieser Arbeit wird zunächst die biblische Grundlegung des gemeinsamen Priestertums anhand des neutestamentlichen Priesterbildes und der neutestamentlichen Gemeindeorganisation dargelegt und ge-zeigt, dass die neutestamentliche Theologie das Priestertum eigentlich abschaffen wollte und dass es in der Kirche anfangs noch keine Priester gab. Im Anschluss daran folgt eine Erörterung der geschichtlichen Ereignisse, die zur Wiedereinführung des Priestertums und zu einer immer weiter fortschreitenden Trennung der Kirche in den Priester- und den Laienstand geführt haben. Danach soll, ausgehend vom Zweiten Vatikanischen Konzil, die Bedeutung des gemeinsamen Priestertums sowie der Unterschied zum Priestertum des Dienstes erläutert werden. Den Abschluss der Arbeit bildet ein kurzes Kapitel über Schwierigkeiten, die es bei der Verwirklichung des gemeinsamen Priestertums noch gibt.


Excerpt (computer-generated)

THEOLOGISCHE FAKULTÄT DER UNIVERSITÄT AUGSBURG
LEHRSTUHL FÜR FUNDAMENTALTHEOLOGIE

Diplomarbeit

Das gemeinsame Priestertum der Gläubigen und seine Bedeutung in der Kirche

vorgelegt von:

Markus Schäfler

Augsburg, den 26. Mai 1998

 

 

Inhaltsverzeichnis

INHALTSVERZEICHNIS ...  1
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS  ...  3

1 EINLEITUNG  ...  5

2 DIE BIBLISCHE GRUNDLEGUNG DES GEMEINSAMEN PRIESTERTUMS ...  7
2.1 DER BEGRIFF „PRIESTER“ IM NEUEN TESTAMENT  ...  7
2.2 DAS VERHÄLTNIS JESU ZUM PRIESTERTUM ...  10
2.3 AMTSSTRUKTUREN IN DEN NEUTESTAMENTLICHEN GEMEINDEN ...  11
2.3.1 Die charismatische Struktur der paulinischen Gemeinden  ...  12
2.3.2 Institutionalisierte Gemeindestrukturen innerhalb des Neuen Testaments  ...  14
2.4 FOLGERUNGEN FÜR DIE AMTSTHEOLOGIE ...  16

3 DIE ZUNEHMENDE TRENNUNG ZWISCHEN KLERIKERN UND LAIEN ...  19
3.1 DIE STRUKTURELLE ENTWICKLUNG: ENTSTEHUNG DES MONEPISKOPATS ...  19
3.1.1 Gründe für diese Entwicklung  ...  20
3.2 DIE SPIRITUELLE ENTWICKLUNG: AUSBILDUNG VON ZWEI STÄNDEN  ...  22
3.3 DIE FOLGE: ÜBERBETONUNG DES AMTES  ...  24
3.4 GEGENBEWEGUNGEN ...  26
3.4.1 Das Beispiel der Waldenser  ...  27
3.4.2 Die Reformation  ...  27
3.4.3 Christlich-soziale Bewegungen des 19. und 20. Jahrhunderts ...  30

4 EIN NEUES VERSTÄNDNIS: DIE AUFHEBUNG DER TRENNUNG ...  32
4.1 DAS KIRCHENBILD VOM „VOLK GOTTES ...  32
4.2 DAS WESEN DES GEMEINSAMEN PRIESTERTUMS ...  36
4.2.1 Aktive Teilnahme an sakramentalen und liturgischen Handlungen  ...  36
4.2.2 Weltdienst  ...  38
4.2.2.1 Das Zeugnis des christlichen Lebens  ...  38
4.2.2.2 Das Zeugnis des Wortes  ...  41
4.2.2.3 Der Weltdienst in Verbindung mit dem Heilsdienst  ...  42
4.2.2.4 Die den Laien eigene Sendung  ...  44
4.3 DAS PRIESTERTUM DES DIENSTES IM UNTERSCHIED ZUM GEMEINSAMEN PRIESTERTUM DER GLÄUBIGEN ...  45
4.3.1 Begriffe  ...  45
4.3.2 Grundsätzliche Unterscheidung  ...  48
4.3.3 Das neue Amtsverständnis ...  49
4.3.4 Die Bedeutung des Amtes  ...  51

5 PROBLEME BEI DER VERWIRKLICHUNG DES GEMEINSAMEN PRIESTERTUMS ...  55
5.1 DIE TRENNUNG ZWISCHEN KLERIKERN UND LAIEN IST NOCH NICHT AUFGEHOBEN ...  56
5.2 MANGELNDE VORAUSSETZUNGEN DER LAIEN ...  57

6 SCHLUSSBEMERKUNGEN ...  61

7 QUELLEN- UND LITERATURVERZEICHNIS ...  63
7.1 QUELLEN ...  63
7.2 LITERATUR ...  65

 

 

1. EINLEITUNG 

Schon im Alten Testament wird das Volk Gottes „als ein Reich von Priestern“ bezeichnet1, und auch im Neuen Testament wird gesagt, die Kirche sei „eine königliche Priesterschaft“2. Was aber bedeutet dies? Aufgabe eines Priesters ist es seit alters her in der Religionsgeschichte, zwischen Gott und den Menschen zu vermitteln. Früher taten die Priester dies durch die Darbringung von Opfern, um so das Volk zu entsühnen. Da Jesus Christus aber als der einzige Hohepriester ein für allemal das Opfer dargebracht hat, indem er sich selbst dahingab für die Sünden der Welt, ist für die Kirche die Darbringung von Opfertieren nicht mehr nötig. Durch ihn haben alle Gläubigen im Heiligen Geist Zugang zum Vater.3 Dadurch können sie auch anderen diesen Zugang eröffnen und somit einen priesterlichen Dienst vollziehen.

Somit ist das gemeinsame Priestertum der Gläubigen ein Wesensmerkmal der Kirche. Jahrhundertelang wurde dies jedoch fast vergessen, weil die Kirche im Lauf der Zeit immer stärker auf das Amt hin zentriert wurde. Mehr und mehr Aufgaben in der Kirche wurden den Amtsträgern reserviert. Zudem zeigte sich eine Tendenz, den priesterlichen Lebensstil als den höherwertigeren anzusehen. Dadurch wurden die Laien zunehmend in eine passive Rolle gedrängt, so daß sie in der Kirche immer weniger Bedeutung hatten. In der katholischen Kirche kam es erst durch das Zweite Vatikanische Konzil zu einem neuen Bewußtsein über das gemeinsame Priestertum. Das Konzil stellte heraus, daß alle Gläubigen durch die Taufe Anteil an dem einen Priestertum Jesu Christi haben und so ein priesterliches Volk bilden.

Wenn dabei auch vieles erst im Entstehen ist und es noch viele Unklarheiten gibt, so ist dennoch durch die Revitalisierung des gemeinsamen Priestertums im Zweiten Vatikanum der Grund gelegt für eine Erneuerung der Kirche, damit alle Gläubigen sich der Größe ihrer Berufung bewußt werden. 

In dieser Arbeit soll zunächst die biblische Grundlegung des gemeinsamen Priestertums anhand des neutestamentlichen Priesterbildes und der neutestamentlichen Gemeindeorganisation dargelegt werden. Im Anschluß daran folgt eine Erörterung der geschichtlichen Ereignisse, die zu einer immer weiter fortschreitenden Trennung der Kirche in den Priester- und den Laienstand geführt haben. Danach soll, ausgehend vom Zweiten Vatikanischen Konzil, die Bedeutung des gemeinsamen Priestertums sowie der Unterschied zum Priestertum des Dienstes erläutert werden. Den Abschluß der Arbeit bildet ein kurzes Kapitel über Schwierigkeiten, die es bei der Verwirklichung des gemeinsamen Priestertums noch gibt.

2. DIE BIBLISCHE GRUNDLEGUNG DES GEMEINSAMEN PRIESTERTUMS 

Im Neuen Testament zeigt sich gegenüber dem Alten Testament ein verändertes Priesterbild. Der einzige Hohepriester ist Jesus Christus. Er ermöglicht es, daß alle Getauften zu einem priesterlichen Volk zusammengeschlossen werden. Durch dieses neue Priesterbild ergibt sich auch eine neue Gemeindeorganisation, die jedem einzelnen im Volk Gottes ermöglichen soll, sein Charisma zu verwirklichen und am Aufbau der Gemeinde mitzuwirken. Wie dieses neutestamentliche Priesterbild und die damit verbundene Gemeindeorganisation aussieht, soll in diesem Kapitel herausgearbeitet werden.

2.1 Der Begriff „Priester“ im Neuen Testament 

Im Neuen Testament wird der Begriff „Priester“ mit dem Wort „[...]“ ausgedrückt. Zwar gibt es auch den Begriff „[...]“, aber dies bezeichnet einen Gemeindevorsteher, dessen Funktionen mit denen eines Priesters nicht übereinstimmen.4 Sucht man nun im Neuen Testament nach dem Begriff „[...]“, so fällt auf, daß dieser Begriff nie auf einzelne Angehörige der christlichen Gemeinden angewandt wird. Der Begriff „[...]“ hat im Neuen Testament drei verschiedene Bedeutungen:5

a) Er bezeichnet die Priester des alten Bundes.

b) Er bezeichnet das einzigartige eschatologische Hohepriestertum Jesu Christi. Diese Bedeutung findet sich vor allem im Hebräerbrief.

c) Schließlich wird der Begriff „[...]“ verwendet, um das gemeinsame Priestertum aller Glaubenden zu bezeichnen, wie dies zum Beispiel in 1 Petr 2, 9 geschieht: „Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.“

[....]


1 Vgl. Ex 19, 6a: „Ihr aber sollt mir als ein Reich von Priestern und als ein heiliges Volk gehören.“; Jes 61, 6a: „Ihr alle aber werdet «Priester des Herrn» genannt, man sagt zu euch «Diener unseres Gottes».“

2 Vgl. z. B. 1 Petr 2, 9: „Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.“

3 Vgl. Eph 2, 18: „Durch ihn haben wir beide in dem einen Geist Zugang zum Vater.“

4 Vgl. z. B. SCHMID, J.: Art. Priester. III. Im NT, in: LThK2, Bd. 8, 743 - 744.

5 Vgl. BLANK, J.: Vom Urchristentum zur Kirche - Kirchenstrukturen im Rückblick auf den biblischen Ursprung, München 1982, 150.

[...] = Sonderschrift - in Downloaddatei enthalten


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