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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 24 Pages
Author: Daniela Scharnagl
Subject: Romance Languages - French Linguistics
Details
Institution/College: LMU Munich (Romanisches Institut)
Tags: ACADÉMIE, FRANÇAISE, Endpunkt, Sprachnormierungs-, Sprachkodifizierungsbestrebungen, Hauptseminar
Year: 2006
Pages: 24
Grade: 2,3
Bibliography: ~ 13 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-74534-5
File size: 174 KB
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Abstract
In keiner anderen Nation spielt die Beschäftigung mit der eigenen Sprache eine solch enorme Rolle wie in Frankreich. Im Rahmen des besuchten Seminars unter dem Titel „Historische Varietätenlinguistik“ erscheint es opportun, eine Verknüpfung zwischen der geschichtlichen Seite des Themas und dem sprachlichen Aspekt zu suchen. Die hier verfolgte Fragestellung möchte eine chronologische und auch inhaltliche Entwicklung in Fragen des sprachpflegerischen Bemühens in Frankreich während des 17. Jahrhunderts und marginal in unsere Gegenwart ausstrahlend offenlegen. Zur situativen und zeitlichen Einordnung soll dem Leser zunächst ein kurzer Überblick über das 17. Jahrhundert, seine gesellschaftspolitischen Gegebenheiten sowie seine kulturellen und literarisch-sprachlichen Zustände vermittelt werden. Um die zentrale Thematik näher einzukreisen, werden im darauffolgenden Abschnitt drei wichtige Persönlichkeiten des gesellschaftlichen und vor allem sprachlichen Bereichs mit ihren Bestrebungen und Erfolgen vorgestellt, um Einzelbemühungen im Sinne von Sprachnormierung und –kodifizierung zu präsentieren. Im dritten Gliederungspunkt schließt sich die detaillierte und umfassende Betrachtung des bon usage an, welcher für alle am Normierungsprozeß beteiligten Personen und Institutionen von besonderer Bedeutung war und auch vom varietätenlinguistischen Standpunkt aus von großer Relevanz für die Franzosen des 17. Jahrhunderts war. Um schließlich einen historischen Endpunkt des behandelten Zeitraumes zu setzen, wird die Académie française als erstes staatliches Institut der Sprachpflege vorgestellt. Wie sich ergeben wird, laufen alle vorhergehenden Bemühungen und sprachnormierenden Bestrebungen in der Académie als zentrale und zentralistische Organisation zusammen, um von nun an als staatliche Verordnungen Geltung zu erlangen. Ein kurzer Ausblick auf die nach wie vor bestehende Académie unserer Tage rundet das Thema ab. Funktional gesehen ist die Arbeit darauf ausgerichtet, den Fokus des Lesers von der inhaltlichen Weite des 17. Jahrhunderts sukzessive auf die Sprache im allgemeinen und schließlich auf die detaillierte Auseinandersetzung mit Maßnahmen zur Sprachregulierung und –pflege im einzelnen zu lenken.
Excerpt (computer-generated)
Ludwig-Maximilians-Universität München, Institut für Romanische Philologie
Hauptseminar: „Historische Varietätenlinguistik“
Sommersemester 2006, Semesterzahl: 7
Die ACADÉMIE FRANÇAISE als vorläufiger Endpunkt
der Sprachnormierungs- und Sprachkodifizierungsbestrebungen
von
Daniela Scharnagl
INHALTSVERZEICHNIS
1 Sprachnormierung und -kodifizierung 3
2 Die Académie française als vorläufiger Endpunkt der Sprachnormierungs- und Sprachkodifizierungsbestrebungen im 17. Jahrhundert 4
2.1 Die Bedeutung des siècle classique 4
2.1.1 Gesellschaftspolitischer Kontext 4
2.1.2 Kulturelle und literarische Umstände 5
2.1.3 Momentane Sprachsituation 6
2.2 Wichtige Personen im Kodifizierungsprozeß 8
2.2.1 Richelieu – Bindeglied zwischen Politik und Literatur 8
2.2.2 Malherbe – Initiator von Normierungsbestrebungen 9
2.2.3 Vaugelas – Sprachpflegerische Bemühungen 11
2.3 Das Ideal des bon usage 12
2.3.1 Entstehung und Definition 12
2.3.2 Entwicklung und Ausprägungen 14
2.3.3 Sprachnormierende Effekte 16
2.4. Die Gründung der Académie française 17
2.4.1 Ursprünge, Gründung und Statuten 18
2.4.2 Werke und Mitglieder 19
2.4.3 Aufgaben damals und heute 21
3 Sprachnormierung und –kodifizierung vom 17. Jahrhundert bis heute 23
4 Bibliographie 24
1 SPRACHNORMIERUNG UND -KODIFIZIERUNG
In keiner anderen Nation spielt die Beschäftigung mit der eigenen Sprache eine solch enorme Rolle wie in Frankreich. Im Rahmen des besuchten Seminars unter dem Titel „Historische Varietäten-linguistik“ erscheint es opportun, eine Verknüpfung zwischen der geschichtlichen Seite des Themas und dem sprachlichen Aspekt zu suchen. Die hier verfolgte Fragestellung möchte eine chronologische und auch inhaltliche Entwicklung in Fragen des sprachpflegerischen Bemühens in Frankreich während des 17. Jahrhunderts und marginal in unsere Gegenwart ausstrahlend offenlegen.
Zur situativen und zeitlichen Einordnung soll dem Leser zunächst ein kurzer Überblick über das 17. Jahrhundert, seine gesellschaftspolitischen Gegebenheiten sowie seine kulturellen und literarisch-sprachlichen Zustände vermittelt werden. Um die zentrale Thematik näher einzukreisen, werden im darauffolgenden Abschnitt drei wichtige Persönlichkeiten des gesellschaftlichen und vor allem sprachlichen Bereichs mit ihren Bestrebungen und Erfolgen vorgestellt, um Einzelbemühungen im Sinne von Sprachnormierung und -kodifizierung zu präsentieren. Im dritten Gliederungspunkt schließt sich die detaillierte und umfassende Betrachtung des bon usage an, welcher für alle am Normierungsprozeß beteiligten Personen und Institutionen von besonderer Bedeutung war und auch vom varietätenlinguistischen Standpunkt aus von großer Relevanz für die Franzosen des 17. Jahrhunderts war. Um schließlich einen historischen Endpunkt des behandelten Zeitraumes zu setzen, wird die Académie française als erstes staatliches Institut der Sprachpflege vorgestellt. Wie sich ergeben wird, laufen alle vorhergehenden Bemühungen und sprachnormierenden Bestrebungen in der Académie als zentrale und zentralistische Organisation zusammen, um von nun an als staatliche Verordnungen Geltung zu erlangen. Ein kurzer Ausblick auf die nach wie vor bestehende Académie unserer Tage rundet das Thema ab. Funktional gesehen ist die Arbeit darauf ausgerichtet, den Fokus des Lesers von der inhaltlichen Weite des 17. Jahrhunderts sukzessive auf die Sprache im allgemeinen und schließlich auf die detaillierte Auseinander-setzung mit Maßnahmen zur Sprachregulierung und -pflege im einzelnen zu lenken.
2 DIE ACADÉMIE FRANÇAISE ALS VORLÄUFIGER ENDPUNKT DER SPRACHNORMIERUNGS- UND SPRACHKODIFIZIERUNGSBESTREBUNGEN
IM 17. JAHRHUNDERT
2.1 DIE BEDEUTUNG DES SIÈCLE CLASSIQUE
Das 17. Jahrhundert wird in Frankreich auch als siècle classique bezeichnet, da in diesem Jahrhundert Kunst, Kultur und Literatur in beeindruckender Blüte standen. Ludwig XIV., der Sonnenkönig, förderte und beeinflußte Literatur, Architektur, Musik und Kunst wie kein anderer Monarch vor ihm und verhalf dem Klassizismus in Frankreich zur umfangreichsten Ausprägung.
2.1.1 GESELLSCHAFTSPOLITISCHER KONTEXT
Zunächst sei ein kurzer Abriß der historischen und gesellschaftspolitischen Hintergründe des 17. Jahrhunderts gegeben, um einen grundlegenden Überblick über die Epoche zu vermitteln.
„Die innere politische Entwicklung Frankreichs ist im 17. Jh. durch die Errichtung und Vervollkommnung der absolutistischen Monarchie gekennzeichnet.“ (Geckeler/-Dietrich 2003, 220). Nachdem Heinrich IV. nach den Religionskriegen in der 2. Hälfte des 16. Jahrhundert mit der politischen und wirtschaftlichen Reorganisation des Landes begonnen hatte, übernahm nach dessen Tod 1610 Ludwig XIII. als schwacher König die Macht und übertrug diese nahezu uneingeschränkt seinem ersten Minister, dem Kardinal Richelieu. Unter Richelieu kam es zu einer Festigung der monarchischen Macht sowie zur gänzlichen Ausschaltung innerer Opposition nach den Aufständen der Fronde (1653/54). 1643 bestieg Ludwig XIV. unter Hilfe der Regentschaft Mazarins den Thron.
„Nach dessen Tod (1661) übernahm Ludwig XIV. selbst die Regierung und führte die absolute Monarchie zur Vollendung. Die weitere Einigung des Landes durch geschickte Bindung der Kräfte des Adels, die Pracht der Hofhaltung, die Förderung der Wirtschaft, der Ausbau der amerikanischen Kolonien […], der Aufbau einer großen Militärmacht, aber auch die außerordentliche Förderung von Wissenschaft und Kunst sind die äußeren Kennzeichen seiner Regentschaft […]. (Geckeler/Dietrich 2003, 221)
Der Absolutismus stellt die Staatsform dar, welche aus dem tiefen Bedürfnis der Epoche heraus nach der Wiederherstellung von Ordnung und Sicherheit entstanden ist. Man sah einen Ausweg aus den Krisenzeiten nur in der Stärkung der fürstlichen Macht. Es wurde nun die Forderung laut „nach dem ‚pouvoir absolu’, nach der ungeteilten Verkörperung der staatlichen Gewalt in der Person des Fürsten.“ (Kunisch 1986, 21) Die bisherige Mannigfaltigkeit der politischen Entscheidungen und Entscheidungsträger wurde zurückgedrängt und durch den Alleinherrschafts-anspruch des Fürsten ersetzt. Zwar wurde eine völlige Beseitigung der Stände vermieden, doch wurden ihre Funktionen und Rechte stark beschnitten und auf sekundäre Aufgaben bzw. Repräsentationspflichten zurückgedrängt. Die absolutistische Staatsform wurde von den Zeitgenossen nicht als Despotie empfunden, denn der Monarch war nach wie vor an das göttliche und natürliche Recht gebunden und durfte nur in von Menschen aufgestellte Gesetze eingreifen. (Kunisch 1986, 22f.)
Zusammenfassend läßt sich zum 17. Jahrhundert aus gesellschaftspolitischer Sicht konstatieren, daß die innenpolitischen Entwicklungen unter deutlicher Betonung der königlichen Allmacht standen. Auf politischer Ebene kam es zu einer nahezu vollständigen Domestizierung des Adels am Versailler Königshof und somit möglichst allumfassender Ausschaltung jeglicher Opposition, aus wirtschaftlicher Sicht trat Frankreich durch die Einführung des Merkantilismus in ein neues Wirtschaftszeitalter ein und im außenpolitischen Bereich konnten unter Ludwig XIV. große Kriegserfolge und Territorialgewinne gefeiert werden.
Um nun aber den historisch orientierten Überblick nicht allzu sehr ausschweifen zu lassen, werden im folgenden Ausführungen speziell zu kulturellen und literarischen Besonderheiten des siècle classique oder auch grand siècle unternommen.
2.1.2 KULTURELLE UND LITERARISCHE UMSTÄNDE
[...]
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