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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2000, 16 Pages
Author: Benjamin Thomas Hobert
Subject: History - Miscellaneous
Details
Institution/College: University of Münster (Didaktik der Geschichte)
Tags: Jeismann, Geschichtsbewusstsein, Geschichtsbild, Goethe, Theater, Götz von Berlichingen
Year: 2000
Pages: 16
Grade: sehr gut
Bibliography: ~ 11 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-10492-0
ISBN (Book): 978-3-638-75596-2
File size: 95 KB
Die Arbeit setzt sich am Beispiel von Goethes Götz von Berlichingen mit den geschichtswissenschaftlichen Termini - Geschichtsbild - und - Geschichtsbewusstsein - im Theater auseinander.
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Abstract
Was sind Geschichtsbilder und wer ist Götz von Berlichingen? Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Geschichtsbildern im Theater, namentlich denen in Goethes ´Götz von Berlichingen`. Zunächst möchte ich einige einleitende Worte und Erklärungen zu den beiden zentralen Begriffen, bzw. Thematiken meiner Ausarbeitung liefern: Geschichtsbilder und ´Götz von Berlichingen`. Wenn die vorliegende Untersuchung nach solchen Geschichtsbildern in Goethes `Götz von Berlichingen` sucht, so wird es darum gehen müssen zu zeigen, was an Goethes Darstellung der besagten Theaterfigur und ihrem Leben historisch-kritisch nicht ganz richtig, verzerrt, einseitig oder schlichtweg falsch (weil vielleicht erfunden) ist. Ausschlaggebend dafür können die oben schon angesprochenen besonderen Erkenntnismöglichkeiten Goethes, seiner Zeitgenossen und den Verfassern möglicher Quellen ( auf die Goethe zurück gegriffen hat) sein, ebenso besondere Deutungswünsche oder lebensweltliche Fragestellungen der Goetheschen Gegenwart. Schließlich wird es von nicht unerheblicher Bedeutung sein, das Genre des Geschichtstheaters mit seiner besonderen Prägekraft, Form und Ausgestaltung unseres Schauspiels betreffend, zu berücksichtigen. Das Theater nimmt sich größte Freiheiten darin, ad libitum zu spielen, also zu dichten. Darauf wird im Hauptteil der Arbeit ausführlicher eingegangen.
Excerpt (computer-generated)
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Seminar: Didaktik der Geschichte
SS 2000
Hausarbeit
Geschichtsbilder im Theater - Eine Erarbeitung am Beispiel des ´Götz von Berlichingen`
Vorgelegt von:
Benjamin Hobert
Inhalt
1 Einleitung - Was sind Geschichtsbilder und wer ist Götz von Berlichingen? 3
2 Die Entstehung des Schauspiel-Götz - Goethe schreibt seine Geschichte 6
2.1 Zur Validität der Hauptquelle 7
2.2 Goethes Impetus als Dichter - Geschichte im Theater 8
2.3 Der vermeintlich selbstlose Ritter 10
2.4 Götzens und Goethes Kampf um Freiheit - ein ungleiches Paar 12
3 Schlussbetrachtung 14
1 Einleitung - Was sind Geschichtsbilder und wer ist Götz von Berlichingen?
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Geschichtsbildern im Theater, namentlich denen in Goethes ´Götz von Berlichingen`. Zunächst möchte ich einige einleitende Worte und Erklärungen zu den beiden zentralen Begriffen, bzw. Thematiken meiner Ausarbeitung liefern: Geschichtsbilder und ´Götz von Berlichingen`.
Die Kategorie des Geschichtsbilds, bzw. der Geschichtsbilder lässt sich am Leichtesten in ihrer Unterscheidung zur Kategorie des sogenannten Geschichtsbewusstseins aufschließen und erklären. Diese steht nämlich in gegensätzlicher Position zu jener, und natürlich vice versa. Karl-Ernst Jeismann, ein bedeutender Theoretiker der Konzeptualisierung und Formulierung der Kategorie des Geschichtsbewusstsein, schreibt in seinem Aufsatz ´Geschichtsbewußtsein - Theorie` im Handbuch der Geschichtsdidaktik: ,,Geschichtsbewußtsein setzt zunächst das Wissen voraus, daß die Rekonstruktion von Vergangenheiten notwendig an die Erkenntnismöglichkeiten, die Deutungswünsche, die lebensweltlichen Fragestellungen einer Gegenwart gebunden ist. Diese Bestimmung setzt das Geschichtsbewußtsein ab vom ,,Geschichtsbild", in dem Vergangenheitsverständnis zum gültigen Abbild der Geschichte erstarrt."1 Das Geschichtsbild ist nach dieser Formulierung also das genaue Gegenteil des Geschichtsbewusstseins. Wenn das Geschichtsbild die Geschichte als wahres und einziges Abbild einer vergangenen Realität versteht und zeigt, so fragt das Geschichtsbewusstsein danach, wie und aus welchen Gründen eine bestimmte Sicht auf und in die Vergangenheit zustande kommt. Geschichte ist dann - verstanden nach der Theorie des Geschichtsbewusstseins - eine auf Selektion überlieferter Zeugnisse beruhende und deswegen eine zu vielfacher unterschiedlicher Deutung führende Rekonstruktion des Vergangenen. Die Kategorie des Geschichtsbewusstseins deutet ,,Geschichtsbilder als Ausdruck eines in den Erfahrungen und Bedürfnissen einer historischen Gemeinschaft wurzelnden Vergangenheitsdeutung..."2 und erkennt sie ,,...in ihrer Partialität wie Historizität..."3. Und da es eben nicht nur eine historische Gemeinschaft mit identischen Erfahrungen und Bedürfnissen gibt, so lautet die logische Schlussfolgerung: Es gibt nicht nur ein Geschichtsbild, sondern vielmehr etliche, zahlreiche. Geschichte ist damit nicht die Geschichte, sondern eher eine Sammelbezeichnung von Varianten von Geschichtsverständnis oder auch Geschichtsschreibung. Damit verlieren die Geschichtsbilder ihren Anspruch auf absolute Wahrheit und unbedingte Richtigkeit, entlarvt eben durch die Aufdeckung ihrer Relativität und Bedingtheit. ,,Geschichtsbilder gehören zur historischen Dimension der gesellschaftlichen Konstruktion der Wirklichkeit".4 Das geschieht vor allem wegen eines elementaren Bedürfnisses nach Identifizierung durch ,,...Analogieschlüsse und Kontinuitätsbehauptungen, die Symbole und Dokumentationen emotionaler Bestätigung..."5 als ,,...die rationalen Legitimationsstrategien der Geschichtsbilder..."6. Geschichte wird damit zu etwas höchst Subjetivem. Das also versteht man unter Geschichtsbildern, wohingegen das Geschichtsbewusstsein das Zustandekommen der variablen Geschichtsbilder reflektiert und untersucht und sich um eine möglichst objektive Erfassung des Vergangenen bemüht, jedenfalls und ganz besonders die subjetivistische Reduktion des Zurückliegenden unter die Lupe nimmt.
Wenn die vorliegende Untersuchung also nach solchen Geschichtsbildern in Goethes `Götz von Berlichingen` sucht, so wird es darum gehen müssen zu zeigen, was an Goethes Darstellung der besagten Theaterfigur und ihrem Leben historisch-kritisch nicht ganz richtig, verzerrt, einseitig oder schlichtweg falsch (weil vielleicht erfunden) ist. Ausschlaggebend dafür können die oben schon angesprochenen besonderen Erkenntnismöglichkeiten Goethes, seiner Zeitgenossen und den Verfassern möglicher Quellen ( auf die Goethe zurück gegriffen hat) sein, ebenso besondere Deutungswünsche oder lebensweltliche Fragestellungen der Goetheschen Gegenwart. Schließlich wird es von nicht unerheblicher Bedeutung sein, das Genre des Geschichtstheaters mit seiner besonderen Prägekraft, Form und Ausgestaltung unseres Schauspiels betreffend, zu berücksichtigen. Das Theater nimmt sich größte Freiheiten darin, ad libitum zu spielen, also zu dichten. Darauf wird im Hauptteil der Arbeit ausführlicher eingegangen.
Nun aber noch zur Hauptfigur: Wer ist Götz von Berlichingen? Zunächst einige kurze Worte zur historischen Gestalt:
[...]
1 Jeismann, Karl-Ernst: Geschichtsbewusstsein-Theorie. In: Handbuch der Geschichtsdidaktik, hrsg. v. Klaus Bergmann, Klaus Fröhlich, Annette Kuhn, Jörn Rüsen, und Gerhard Schneider. Hannover 1997. S. 42
2 Ebenda
3 Ebenda
4 Ebenda
5 Ebenda
6 Ebenda
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