Details

Veranstaltung: Hauptseminar: Literarische Quellen zur griechischen Malerei
Institution/Hochschule: Ruhr-Universität Bochum (Klassische Archäologie)
Kategorie: Referat (Ausarbeitung)
Jahr: 2004
Seiten: 19
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 10  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 1495 KB
Archivnummer: V75624
ISBN (E-Book): 978-3-638-75569-6
ISBN (Buch): 978-3-638-91007-1

Zusammenfassung / Abstract

Fachliteratur, die sich mit der Geschichte der griechischen Kunst beschäf-tigt, verweist bei der Problematik der Malerei als „Notbehelf“ oftmals auf die Vasenmalerei der jeweiligen Epochen, um auf diese Weise eine unge-fähre Vorstellung über die Gemälde, sowie die Technik der Maler und zeichnerische Entwicklung zu vermitteln. Die technischen Möglichkeiten waren bis ca. in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts noch begrenzt, um eine detaillierte Forschung über die Malerei der Archaik und des Hellenismus auf den wenigen erhaltenen Originalen dieser Epochen durchführen zu können. So konnte oft nur ein Bezug über antike Schriftsteller wie Plinius oder Pausanias hergestellt werden, um dem Leser eine Vorstellung über die Farbenpracht, das Können und die verlorenen Werke anerkannter Künst-ler zu vermitteln. Heute verfügt die Wissenschaft allerdings über Methoden, die es ermögli-chen, diesen Verlust wieder sichtbar zu machen und mögliche Fehler bei Rekonstruktionen zu korrigieren. Auf vielen Werken kann eine fotografi-sche Normalaufnahme von dem „verborgenen“ Bild nichts vermitteln. Da-gegen tritt in einer UV-Aufnahme die Darstellung hervor und läßt sich er-fassen. Die verlorene Farbe wird so wieder sichtbar und gibt der Darstel-lung ihre Substanz zurück. Eben dieses Verfahren und die Methode der Streiflichtaufnahme ermöglichen es eine eventuelle Rekonstruktion der Stelen von Prinias herstellen und den Stellenwert dieser Werke neu defi-nieren zu können. Lange Zeit wurden diese Grabmonumente für frühe Zeugnisse der Reliefkunst gehalten, obwohl Farbspuren schon bei der Auffindung registriert wurden. So stellen sich die Fragen, welchen Stel-lenwert die ursprüngliche Farbigkeit bei diesen Stelen hatte und welche Stufe der Malereientwicklung repräsentieren sie. Ausgangspunkt für diese Fragestellung bildet das Kapitel über die Prinias-Stelen aus Nadia Kochs Buch „De picturae initiis - Die Anfänge der griechischen Malerei im 7. Jh. v. Chr.“

Textauszug (computergeneriert)

Ruhr-Universität Bochum, Klassische Archäologie
Hauptseminar: Literarische Quellen zur griechischen Malerei
Sommersemster 2004, 6. Semester

Analyse und Datierung der Prinias-Stelen

von

Britta Heidel

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Die früharchaische Malerei 4

2.1 Die Stelen von Prinias, ein Beispiel für früharchaische Tafelmalerei  5
2.1.1 Darstellungsweise und Farbigkeit dieser Grabmonumente 8

3. Literaturnachweise  13

4. Bildnachweise  14

 


 

1. Einleitung

Fachliteratur, die sich mit der Geschichte der griechischen Kunst beschäftigt, verweist bei der Problematik der Malerei als „Notbehelf“ oftmals auf die Vasenmalerei der jeweiligen Epochen, um auf diese Weise eine ungefähre Vorstellung über die Gemälde, sowie die Technik der Maler und zeichnerische Entwicklung zu vermitteln.1
Die technischen Möglichkeiten waren bis ca. in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts noch begrenzt, um eine detaillierte Forschung über die Malerei der Archaik und des Hellenismus auf den wenigen erhaltenen Originalen dieser Epochen durchführen zu können. So konnte oft nur ein Bezug über antike Schriftsteller wie Plinius oder Pausanias hergestellt werden, um dem Leser eine Vorstellung über die Farbenpracht, das Können und die verlorenen Werke anerkannter Künstler zu vermitteln.
Heute verfügt die Wissenschaft allerdings über Methoden, die es ermöglichen, diesen Verlust wieder sichtbar zu machen und mögliche Fehler bei Rekonstruktionen zu korrigieren. Auf vielen Werken kann eine fotografische Normalaufnahme von dem „verborgenen“ Bild nichts vermitteln. Dagegen tritt in einer UV-Aufnahme die Darstellung hervor und läßt sich erfassen. Die verlorene Farbe wird so wieder sichtbar und gibt der Darstellung ihre Substanz zurück.2 Eben dieses Verfahren und die Methode der Streiflichtaufnahme ermöglichen es eine eventuelle Rekonstruktion der Stelen von Prinias herstellen und den Stellenwert dieser Werke neu definieren zu können. Lange Zeit wurden diese Grabmonumente für frühe Zeugnisse der Reliefkunst gehalten, obwohl Farbspuren schon bei der Auffindung registriert wurden. So stellen sich die Fragen, welchen Stellenwert die ursprüngliche Farbigkeit bei diesen Stelen hatte und welche Stufe der Malereientwicklung repräsentieren sie. Ausgangspunkt für diese Fragestellung bildet das Kapitel über die Prinias-Stelen aus Nadia Kochs Buch „De picturae initiis - Die Anfänge der griechischen Malerei im 7. Jh. v. Chr.“

2. Die früharchaische Malerei

Literarische Quellen liefern historische Hinweise und Fakten zur Wertschätzung von Bildern, den Besitzer oder den Preis. Die Texte beziehen sich leider vorwiegend nur auf den Ruhm der Tafelmaler. Als transportable Kunstwerke verbreiteten diese Tafelgemälde den Ruhm ihrer Schöpfer rascher als die an einem Ort fixierten Wandgemälde.3 Die Schlachtdarstellung beispielsweise, die Boularchos auf hölzernem Malgrund für den Lyderkönig Kandaules anfertigte, ist das älteste griechische Gemälde, von dem sogar Plinius in seiner Naturalis Historia zu berichten weiß.4 „Ist es doch sogar zugestanden, daß das Gemälde des Boularchos mit der Schlacht der Magneten von dem lydischen König Kandaules, dem letzten der Herakliden, der auch Myrsilos genannt wird, mit Gold aufgewogen wurde. So hoch ward damals schon die Malerei geschätzt...“5 Die früharchaische Malerei zeichnet sich nicht nur anhand ihrer erhaltenen Exponate in der Vasenmalerei aus, sondern auch durch wenige erhaltene Bildnisse auf hölzerne Tafeln. Die frühesten Beispiele für griechische Tafelbilder, die von Plinius tabula genannt wurden, stammen allerdings aus dem sechsten Jahrhundert. Hierbei handelt es sich um vier Weihebildnisse, die aufgrund von günstigen Konservierungsbedingungen in Pitsa bei Korinth in einer Höhle entdeckt worden sind.6.

War die Malerei allerdings den Umwelteinflüssen ausgesetzt, so wurde vorrangig Stein als Malgrund verwendet. Vergleichbar zu der Malerei auf Holz wurden auch hier möglichst dünne, rechteckige Platten verwendet. Bevor der Maler mit dem Malvorgang begann, wurde die Vorderseite der Tafel fein geglättet. Auf diese Weise konnte die Farbe ohne weitere Grundierung direkt auf den Stein aufgetragen werden. Die frühesten Beispiele dieser Malerei stellen die Stelen aus dem kretischen Prinias dar. Die mit freistehenden Figuren versehenen Platten wurden schon zu Beginn des siebten Jahrhunderts hergestellt.7

2.1 Die Stelen von Prinias, ein Beispiel für früharchaische Tafelmalerei

[...]


1 Friedrich Matz: Geschichte der griechischen Kunst, Frankfurt 1950, S. 211-213

2 Prof. Dr. Volkmar von Graeve: Neue Methoden zur Erforschung antiker Malerei, Sonderdruck aus: Jahrbuch der Ruhr-Universität Bochum, Bochum 1988, S. 81-93

3 Ingeborg Scheibler: Griechische Malerei der Antike, München 1994, S. 9

4 Dr. Heinrich Brunn: Geschichte der griechischen Künstler – Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler, 2. Band, 2. Auflage, Stuttgart 1889, S. 4

5 Hg. Roderich König: C. Plinius Secundus d. Ä.: Naturkunde – Lateinische – Deutsch, 35. Band, 2. Auflage, Darmstadt 1997, Kapitel 55 und 27 ff.

6 Nadia J. Koch: De picturae initiis - Die Anfänge der griechischen Malerei im 7. Jh. v. Chr., München 1996, S. 7

7 Ebd.: S. 8

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