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Kommunale Öffentlichkeitsarbeit in der SBZ/DDR von 1945 bis 1989

Subtitle: Inhaltsanalytische Fallstudie am Beispiel Leipzigs

Thesis (M.A.), 2004, 135 Pages
Author: Cornelia Weinreich
Subject: Communications: Public Relations, Advertising, Marketing

Details

Category: Thesis (M.A.)
Year: 2004
Pages: 135
Grade: 2,1
Bibliography: ~ 200  Entries
Language: German
Archive No.: V75643
ISBN (E-book): 978-3-638-72217-9
ISBN (Book): 978-3-638-72574-3
File size: 1489 KB

Abstract

Öffentlichkeitsarbeit in der DDR – gab es das überhaupt? Dieser Frage soll in der folgenden Magisterarbeit nachgegangen werden. Die anzutreffende Meinung, in einer Diktatur wie der DDR gab es keine Öffentlichkeitsarbeit, weshalb sie häufig mit Agitation und Propaganda gleichgesetzt werde, soll widerlegt werden. Es geht zum einen darum darzustellen, wie Öffentlichkeitsarbeit unter anderen politischen und rechtlichen Strukturen agiert bzw. agieren kann, und zum anderen, die kommunale Öffentlichkeitsarbeit einer Kommune im Verlauf mehrerer Jahrzehnte zu beschreiben. Die Tatsache, dass alle Strukturen in der DDR, somit auch die kommunalen Verwaltungsstrukturen, dem Prinzip des demokratischen Zentralismus folgten, erschwert die Begriffsbestimmung und Charakterisierung der Öffentlichkeitsarbeit. Nach der Darstellung von heutiger Öffentlichkeitsarbeit sowie einem kurzen geschichtlichen Abriss folgen die Besonderheiten der kommunalen Öffentlichkeitsarbeit in den 40 Jahren der DDR. Wichtig sind dabei die genauere Betrachtung der rechtlichen Stellung der Kommunen und die Rolle der Bürger. Mit der Bedeutung der Medien und der Stellen für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit wird der theoretische Teil abgeschlossen und der empirische Teil schließt sich an. Die vorliegenden Daten - Material der kommunalen Pressestelle der Stadt Leipzig von 1945 bis 1989 - sind zwar nicht repräsentativ, spiegeln aber dennoch wichtige und markante Eigenschaften wider. Leitmotivisch sollen zuvor aufgestellte Thesen die Arbeit begleiten, theoretische Vorüberlegungen bestätigen oder widerlegen. Mit dieser Arbeit wird versucht, die Öffentlichkeitsarbeit in der DDR zum einen in das politische und gesellschaftliche System einzuordnen und zum anderen Merkmale und Abgrenzungen zu finden, die das Tätigkeitsfeld und die Kommunikationsform detaillierter beschreiben. Dabei kann diese Arbeit, schon aus Gründen des Umfangs, nur einen kleinen Baustein des gesamten Forschungsgebiets darstellen.


Excerpt (computer-generated)

Universität Leipzig
Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft

Magisterarbeit zur Erlangung des akademischen Grades
Magistra Artium (M.A.)

Kommunale Öffentlichkeitsarbeit in der SBZ/DDR von 1945 bis 1989

Inhaltsanalytische Fallstudie am Beispiel Leipzigs

Cornelia Weinreich

 

Inhaltsverzeichnis


1. Einleitung ... 1

1.1 Problemkontext ... 1
1.2 Ziel und Aufbau der Arbeit ... 3
1.3 Forschungsstand ... 4

2. Das Tätigkeitsfeld der Öffentlichkeitsarbeit ... 6

2.1 Definition des Begriffs Öffentlichkeitsarbeit ... 6
2.2 Geschichtlicher Abriss ... 7
2.3 Kommunale Öffentlichkeitsarbeit ... 8

3. Öffentlichkeitsarbeit in der DDR ... 12

3.1 Öffentliche Kommunikation im Sozialismus ... 12
3.1.1 Verständnis von Propaganda und Agitation aus Sicht der DDR ... 18
3.1.2 Verständnis von Öffentlichkeitsarbeit aus Sicht der DDR ... 21
3.2 Rechtliche und politische Rahmenbedingungen ... 27
3.3 Entwicklung der Öffentlichkeitsarbeit in der DDR ... 31
3.4 Definition von Öffentlichkeitsarbeit in der DDR ... 35

4. Kommunale Öffentlichkeitsarbeit in der DDR ... 40

4.1 Die Bedeutung der Kommunen in der DDR ... 40
4.1.1 Die rechtliche Stellung der Kommunen ... 42
4.1.2 Die Rolle des Bürgers ... 48
4.2 Die Bedeutung der Öffentlichkeitsarbeit in einer Kommune ... 51
4.2.1 Die Rolle der Medien ... 56
4.2.2 Die Rolle der Stellen für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ... 62

5. Kommunale Öffentlichkeitsarbeit in Leipzig von 1945 bis 1989 ... 68

5.1 Die Stadt Leipzig ... 68
5.2 Kurze Chronik der Leipziger Stadtverwaltung ... 71
5.3 Die Pressestelle der Stadt Leipzig ... 73
5.3.1 Der Stadtfunk ... 77
5.3.2 Die „Leipziger Zeitung“ ... 79
5.4 Inhaltsanalyse ... 81
5.4.1 Forschungsfrage ... 83
5.4.2 Leitthesen ... 83
5.5 Auswertung der Zeiträume ... 84
5.5.1 Sowjetische Besatzungszone (Mai 1945 bis 6.10.1949) ... 84
5.5.2 Von der Gründung der DDR bis zum Arbeiteraufstand (7.10.1949 bis 17.6.1953) ... 88
5.5.3 Vom Arbeiteraufstand bis zum Mauerbau (18.6.1953 bis 12.8.1961) ... 92
5.5.4 Vom Mauerbau bis zu Ulbrichts Rücktritt (13.8.1961 bis 2.5.1971) ... 97
5.5.5 Von der Honecker-Wahl bis zum X. Parteitag (3.5.1971 bis 10.4.1981) ... 99
5.5.6 Vom X. Parteitag bis zum Ende der DDR (11.4.1981 bis 1989) ... 103
5.6 Gegenüberstellung der Zeiträume ... 106
5.7 Auswertung der Leitthesen ... 108

6. Zusammenfassung ... 115

Anhang ... V

Literaturverzeichnis ... VII

 

 

1. Einleitung


1.1 Problemkontext

Der Begriff Öffentlichkeitsarbeit wird heutzutage oft nur in Verbindung mit demokratischen Staaten verwendet. Doch setzt sich nach fast 15 Jahren seit der politischen Wende in Deutschland die Meinung durch, dass Öffentlichkeitsarbeit auch in der DDR, also in einer Diktatur, stattgefunden hat. Häufig wird sie mit Agitation und Propaganda gleichgesetzt. Deshalb gilt es festzustellen, ob und vor allem wie Öffentlichkeitsarbeit in der DDR praktiziert wurde. Besonders im Mittelpunkt soll dabei die kommunale Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Leipzig stehen.

Für die Aufarbeitung des Staates DDR und als Beitrag für die PR-Geschichtsschreibung findet die Autorin es wichtig, dieses noch relativ dunkle Feld näher zu beleuchten. Zum einen, um darzustellen, wie Öffentlichkeitsarbeit unter anderen politischen und rechtlichen Strukturen agiert bzw. agieren kann, und zum anderen, um die kommunale Öffentlichkeitsarbeit einer Kommune im Verlauf mehrerer Jahrzehnte zu beschreiben. Die Tatsache, dass alle Strukturen in der DDR, somit auch die kommunalen Verwaltungsstrukturen, dem Prinzip des demokratischen Zentralismus1 folgten, erschwert die Begriffsbestimmung und Charakterisierung der Öffentlichkeitsarbeit. Dies liegt vor allem in der engen Verflechtung von staatlichen bzw. kommunalen Stellen mit den jeweiligen Parteiapparaten der SED.
Es muss daher zwischen der Öffentlichkeitsarbeit, wie wir sie heute verstehen, und der sozialistischen Öffentlichkeitsarbeit unterschieden werden, um das Tätigkeitsfeld und die Kommunikationsform „Öffentlichkeitsarbeit in der DDR“ möglichst umfassend darzustellen.
Eine Besonderheit stellen die beiden politischen Systeme dar, weshalb ebenfalls auf sie eingegangen werden soll. Möchte man die Öffentlichkeitsarbeit der DDR bewerten, legt man heutige Definitionen und Auffassungen zugrunde. Das ist für eine jetzige Reflexion vonnöten und auch richtig, um einen Maßstab zu setzen. Dennoch wäre es verkehrt, die DDR als Ganzes und mit ihren Teilsystemen nur im Vergleich mit der BRD zu sehen. Die Entstehungsgeschichte und Besonderheiten, die sich im Verlauf der Geschichte entwickelt haben, sowie das Selbstverständnis der DDR müssen berücksichtigt werden und lassen auf diese Weise auch andere Ansichten zu. Ein bloßer Vergleich bzw. eine orts- und zeitlose Analyse der DDR-Öffentlichkeitsarbeit könnte dagegen zu Verzerrungen führen.
Hinzu kommt, dass es Veränderungen in der Gemeinsamkeit Sprache gab, was die Annäherungen an Begriffe erschwert.


„Die tiefgreifendste Veränderung in der Lexik beider Gesellschaftsordnungen ist durch die Bedeutungsdifferenzierung ein und desselben Zeichens entstanden. Diese Differenzierung betrifft vor allem den ideologiegebundenen Teil des Wortschatzes.“2

Werden Begriffe benutzt, die in beiden Staaten existierten, dürfen sie nicht unüberlegt verwendet und gleichgesetzt werden, da Bedeutung und Verwendung stark variieren können und bei der systemimmanenten Betrachtung der jeweilige Begriffsinhalt zum Tragen kommt. Ein Übernehmen westdeutscher Definitionen würde zu einem einseitigen Ergebnis führen, muss aber im Vergleich mit herangezogen werden.
Spricht man von Öffentlichkeitsarbeit in der DDR, versteht es sich von selbst, diese nicht als identisch mit der der BRD zu sehen. Bedingt durch zwei verschiedene politische Systeme, nahm die Öffentlichkeitsarbeit unterschiedliche Wege. Dennoch hält die Autorin an dem Begriff fest und möchte ihn genauso für die DDR anwenden, auch wenn sich Wesen und Funktion der Öffentlichkeitsarbeit in den beiden deutschen Staaten teilweise stark unterschieden. Der gemeinsame Nenner, dessen Größe es zu untersuchen gilt, aber auch die Anwendung und Aufarbeitung dieses Gegenstandes in der DDR selber, berechtigen dazu, von Öffentlichkeitsarbeit in der DDR zu sprechen.
In der folgenden Arbeit soll nicht mehr untersucht werden, ob es sich bei der DDR um eine Diktatur handelt; auch darüber nicht, ob man von einer Diktatur oder einem totalitären Staat sprechen sollte. Dadurch, dass darüber schon viel diskutiert wurde und die Mehrheit der Wissenschaftler von einer Diktatur oder einem totalitären Staat spricht, soll diese Erkenntnis bereits als gegeben gelten.3 Erwähnung soll dazu aber noch die Ansicht Brunners finden, der in seinem Vergleich zwischen der Bundesrepublik und der DDR sowie der Fragestellung nach Demokratie und Diktatur festhält, dass das System der DDR wie selbstverständlich an westlichen Demokratien gemessen wurde, aber man entgegenhalten müsse, dass die DDR gar keine westliche Demokratie sein wollte und man ihrem Selbstverständnis mit der Anlegung eines ungewollten Maßstabs nicht gerecht werde. Es müsse demnach zunächst durch Betrachtung der Systemimmanenz an eigenen Normen gemessen werden, um dann eine Möglichkeit des Vergleiches zu finden. Ein Mittelweg zwischen rein systemimmanenter und nur vergleichender Betrachtung muss gefunden werden, da ein System nur für sich selbst betrachtet keine weiteren Erkenntnisse aufbringt.4


1.2 Ziel und Aufbau der Arbeit

Ziel dieser Arbeit ist, eine umfangreiche Darstellung kommunaler Öffentlichkeitsarbeit in der DDR zu geben, wobei Theorie und Praxis gleichermaßen zum Zuge kommen sollen, um eine allgemeingültige Darlegung anzustreben, aber auch um anhand eines spezifischen Falles (Stadt Leipzig) die zuvor erarbeiteten theoretischen Gesichtspunkte und Besonderheiten zu vergleichen und gegebenenfalls Diskrepanzen aufzudecken.
Leitmotivisch sollen zuvor aufgestellte Thesen die Arbeit begleiten, theoretische Vorüberlegungen bestätigen oder widerlegen. Im ersten Teil der Arbeit steht zunächst die Öffentlichkeitsarbeit in der DDR im Mittelpunkt, um dann näher auf die Kommunen und deren Öffentlichkeitsarbeit einzugehen. Mit diesem theoretischen Wissen soll der zweite, empirische Teil den Praxisbezug herstellen. Die vorliegenden Daten sind zwar nicht repräsentativ, spiegeln aber dennoch wichtige und markante Eigenschaften wider. Dabei lassen sich die Erkenntnisse nicht ohne Weiteres auf die kommunale Öffentlichkeitsarbeit in der DDR im Allgemeinen übertragen, da Leipzig als Halb-Millionen-Stadt nicht als eine typische Stadt in der DDR gelten kann. Es geht vielmehr darum, Zustand und Wandel darzustellen, den eine Stadt im Laufe der vier Jahre SBZ und 40 Jahre DDR erlebt hat. Die allgemeinen Ausarbeitungen zur staatlichen und kommunalen Öffentlichkeitsarbeit beziehen sich hauptsächlich auf die DDR, während die Öffentlichkeitsarbeit zu Zeiten der SBZ erst im praktischen Teil beleuchtet wird.
Der Aufbau wurde trichterförmig gewählt, um sich dem Thema vom allgemeinen zum besonderen zu nähern. Nach der Darstellung von heutiger Öffentlichkeitsarbeit sowie einem kurzen geschichtlichen Abriss, folgen die Besonderheiten der kommunalen Öffentlichkeitsarbeit zu verschiedenen Zeiten. Mit dem dritten Kapitel wird das Thema spezifiziert. Zunächst geht es um sozialistische, danach um die kommunale Öffentlichkeitsarbeit in der DDR. Wichtig ist dabei die genauere Betrachtung der rechtlichen Stellung der Kommunen und die Rolle der Bürger. Mit der Bedeutung der Medien und der Stellen für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit wird der theoretische Teil abgeschlossen und der empirische Teil schließt sich an.

 

[...]


1 Zum Begriff des demokratischen Zentralismus vgl. 4.1.
2 WÖRTERBUCH, 1970, S. I
3 Als Beispiel soll Brunners Feststellung gelten, der nach einer ausführlichen Analyse und einem Vergleich zur Bundesrepublik zur Schlussfolgerung kommt, „die DDR nach wie vor zumindest als eine tendenziell totalitäre Diktatur zu qualifizieren“. (BRUNNER, 1989, S. 29) Des Weiteren seien die Totalitarismustheorien von Carl Joachim Friedrich sowie Hans J. Lietzmann genannt.
4 Vgl. BRUNNER, 1989, S. 6f.


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