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Erzähltechnik in 'Berlin Alexanderplatz' - Analyse einiger ausgewählter Textpassagen

Termpaper, 2007, 14 Pages
Author: Mareike Jänsch
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Termpaper
Year: 2007
Pages: 14
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 13  Entries
Language: German
Archive No.: V75694
ISBN (E-book): 978-3-638-77044-6

File size: 129 KB


Excerpt (computer-generated)

Universität Duisburg-Essen, Campus Essen
Proseminar: Alfred Döblin, Berlin Alexanderplatz
WiSe 2006/2007, 4. Semester

Erzähltechnik in Berlin Alexanderplatz
Analyse einiger ausgewählter Textpassagen

von

Mareike Jänsch

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 2

2. Die Romanstruktur 2

2.1 Die Montagetechnik 3
2.2 Das Prinzip der prologischen Vorabinformation 4

2.2.1 Der Prolog 5
2.2.2 Die neun Bücher 6

3. Erzähltechnik im 1. Buch 8

3.1 Erzähler und Erzählerfigur 10
3.2 Autor und Leser 10

4. Zusammenfassung 11

Literaturverzeichnis 12

 


 

1. Einleitung

Der Roman Berlin Alexanderplatz - Die Geschichte vom Franz Biberkopf1 ist der Großstadtdichtung2 zugehörig und eine Ausnahmeerscheinung seiner Zeit und seines Genres. Inspiriert durch das ihn umgebende Milieu, sowie durch den Futurismus und seine Künstler, schuf der Autor Alfred Döblin Ende der 1920er Jahre ein Werk, welches er selber dem Döblinismus3 zuschrieb und zwischen Großstadtepos und Verbrechermoritat4 verortete. Neuartig war die von Döblin verwendete Montagetechnik5, was ihm gleichsam Lob und Unverständnis von Seiten der Leser und Kritiker einbrachte. Kurz nach seinem Erscheinen begründete der Roman aber Döblins Ruhm, einer der bedeutendsten und innovativsten Autoren seiner Generation zu sein. Auf Grund der verwendeten Technik und der daraus folgenden Struktur und Erzählsituation des Romans gilt Berlin Alexanderplatz heute als ein Klassiker der Moderne6. Im Folgenden wird die Struktur des Romans, die Technik und die Konzeption erläutert. Es werden die strukturellen Besonderheiten der Erzählung und damit „das Prinzip der prologischen Vorabinformation“7 gezeigt und analysiert. Des Weiteren wird die Erzähltechnik exemplarisch am ersten Buch des Romans untersucht, und kurz das Verhältnis von Erzähler und Autor sowie die Einflussnahme des Autors auf den Rezipienten erläutert.

2. Die Romanstruktur

Der Roman Berlin Alexanderplatz beginnt mit einem nicht betitelten Prolog und ist weiter in neun Kapitel unterteilt, welche als Bücher bezeichnet werden. Den neun Büchern ist jeweils eine Einleitung voran gestellt. Die einzelnen Bücher sind in sich noch einmal in Abschnitte gegliedert, vor welche die Überschriften im Sinne der Montagetechnik eingefügt bzw. montiert sind.8

2.1 Die Montagetechnik

Der Begriff der Montage ist aus dem Bereich der Filmtechnik in die Literatur übernommen worden. Sprachlich, stilistisch, inhaltlich unterschiedliche Texte heterogener Herkunft werden vom Autor zerschnitten, vermischt und in einen anderen Kontext gesetzt, sodass durch das neue Zusammenfügen eine Textcollage mit einer neuen, anderen Intention entsteht. Die Funktionen der Montage sind vielfältig9 genauso wie die in der Montage verwendeten Texte. Die Collage Berlin Alexanderplatz setzt sich unter anderem aus Börsenberichten, amtlichen Publikationen, Zeitungsannoncen, Reklametafeln, Schlagern, medizinischen Abhandlungen und Bibelzitaten10 zusammen. Durch die Montage zeichnet Alfred Döblin das Bild der Großstadt Berlin. „Die Technik der Montage ermöglicht den Simultanstil“11. Die Simultanität12 erweckt die Stadt und lässt Sie pulsieren. „Nichts durfte isoliert dargestellt werden, in den Splittern der Wirklichkeit sollten sich die räumliche und zeitliche Totalität des Weltgeschehens spiegeln. [...] Die unermüdliche Brandung des Lebens hatte alles zu umspülen und man verstand darunter vor allem Straßenlärm, Maschinengesurr, die Menschenflut der Boulevards, die Trieb- und Erinnerungsreflexe der [...] Menschen.“13 Die Chronologie der Erzählung wird durch die Simultanität durchbrochen, die Erlebnisse des Protagonisten, also die Geschichte vom Franz Biberkopf treten völlig in den Hintergrund.

„Der Rosenthaler Platz unterhält sich.
Wechselndes, mehr freundliches Wetter, ein Grad unter Null. Für Deutschland
breitet sich ein Tiefdruckgebiet aus, das in seinem ganzen Bereich dem bisherigen
Wetter ein Ende bereitet hat. Die geringen vor sich hingehenden Druckveränderungen
sprechen für langsame Ausbreitung des Tiefdruckes nach Süden
[...] . Die Elektrische Nr.68 fährt über den Rosenthaler Platz, Wittenau, Nordbahnhof,
Heilanstalt, Weddingplatz, [...], Bahnhof Frankfurter Allee, Lichtenberg [...]. Die
drei Berliner Verkehrsunternehmen, Straßenbahn, Hoch- und Untergrundbahn,
Omnibus bilden eine Tarifgemeinschaft.
[...]Mitten auf dem Rosenthaler Platz springt ein Mann mit zwei gelben Paketen
von der 41 ab, eine leere Autodroschke rutscht gerade an ihm vorbei, der
Schupo sieht ihm nach, ein Straßenbahnkontrolleur taucht auf, Schupo und
Kontrolleur geben sich die Hand: Der hat aber mal Schwein gehabt mit seine
Pakete.“14

Der Simultanstil erzeugt einen räumlichen und zeitlichen Querschnitt für den Leser. Die Simultanität in Berlin Alexanderplatz bezeichnet Döblin selber als Döblinismus15. Der Leser ist mit einer Vielzahl von Informationen konfrontiert. Die auktoriale und kommentierende Erzählperspektive erzeugt eine Stimmung, als würde der Leser sich selbst in der Metropole aufhalten und das Treiben um sich herum betrachten. Alles geschieht gleichzeitig und existiert nebeneinander mit der gleichen Wichtigkeit. Ein Erzähler wird in dieser Textpassage erkennbar, der allwissend ist und eine Fülle von Informationsmaterial für die Montage bereithält.

2.2 Das Prinzip der prologischen Vorabinformation

[...]


1 Der Arbeit zu Grunde liegende Ausgabe: DÖBLIN, A.: Berlin Alexanderplatz – Die Geschichte vom Franz Biberkopf, München: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG 45. Auflage 2006.

2 Definition: STEINHOFF, H.-H.: Großstadtdichtung: Metzler Literatur Lexikon (1990) S.185- 186.

3 vgl.: (?)MEGAC, V.: Alfred Döblins Poetik des Romans, in: Deutsche Romantheorien, Band II, hg. v. GRIMM, R., Frankfurt a. Main: Athenäum Fischer Taschenbuch Verlag GmbH & Co. 1974, S. 343.

4 vgl.: SANDER, G.: Alfred Döblin, Stuttgart: Philipp Reclam jun. GmbH & Co. 2001., S.176.

5 Definition: DÖHL, R.: Montage: Metzler Literatur Lexikon (1990) S.310.

6 vgl.: SANDER, G.: Alfred Döblin,S.179-180.

7 ebd.: S.176.

8 Beispiel: DÖBLIN, A.: Berlin Alexanderplatz, S.31

9 vgl.: DÖHL, R.: S.310.

10 vgl.: MUSCHG, W.: Alfred Döblins Roman „Berlin Alexanderplatz“. Die Geschichte vom Franz Biberkopf, in: Der deutsche Roman im 20.Jahrhundert, Band I, hg. v. BRAUNECK, M., Bamberg: C.C. Buchners Verlag 1976, S. 171. Und SANDER, G.: Alfred Döblin – Berlin Alexanderplatz, Stuttgart: Philipp Reclam jun.GmbH & Co. 2006, S.5-73.

11 MUSCHG, W.: Alfred Döblins Roman S. 171.

12 vgl.: SCHWEIKLE, G.: Simultantechnik: Metzler Literatur Lexikon (1990) S.429.

13 MUSCHG, W.: Alfred Döblins Roman S. 169.

14 DÖBLIN, A.: Berlin Alexanderplatz, S.51-52.

15 vgl.: (?)MEGAC, V.: Alfred Döblins Poetik des Romans, S. 343.


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