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Gibt es allgemeingültige Werte für die Beurteilung von Literatur?

Scholarly Essay, 1998, 61 Pages
Author: Dr. Wolfgang Ruttkowski
Subject: German Studies - Comparative Literature

Details

Event: Jahreskongress des Japanischen Germanistenverbands, Tokio, 7.6.1997
Institution/College: Kyoto Sangyo University (Jap. Germanistenverband)
Tags: Gibt, Werte, Beurteilung, Literatur, Jahreskongress, Japanischen, Germanistenverbands, Tokio
Category: Scholarly Essay
Year: 1998
Pages: 61
Language: German
Archive No.: V7572
ISBN (E-book): 978-3-638-14792-7
ISBN (Book): 978-3-638-79885-3
File size: 363 KB
Notes :
Publiziert in Acta Humanistica et Scientifica Universitatis Sangio Kyotiensis, Vol. XXIX, No. 1, Foreign Languages and Literature Series No. 25 (March 1998) 20-86.


Abstract

Unsere Wertmaßstäbe liegen auf einer Skala von höchst persönlichen (“Vorlieben”) zu relativ allgemeinen, von der Kultur, in der wir leben, übernommenen. 1. Das Kriterium der “Originalität” erweist sich als kulturell begrenzt und wird vielen Arten der Literatur nicht gerecht. 2. ”Stilisierung” (als Gestaltungsmerkmal) und “Distanz” (als Rezeptionsmerkmal) sind für weite Bereiche der Kunst nicht gültig. 3. “Ganzheit” ist ein “Poezitätskriterium” (nicht ein Wertkriterium), lässt sich auch auf Trivialliteratur anwenden, wird in “hoher” Literatur oft absichtlich durchbrochen und spielt in außerwestlicher Literatur eine weit geringere Rolle. 4. “Autonomie” lässt sich ebenfalls auf Kitsch- und Trivialliteratur anwenden und ist kein Wertbegriff, sondern ein Seinsbegriff. 5. “Transparenz” (Vieldeutigkeit) ist nur als “geleitete” ein allgemein anerkannter Wertbegriff, trifft jedoch auf weite Literaturbereiche nicht zu. Diese Wertmöglichkeit erfüllt sich nur in der individuellen Rezeption, weshalb sie jeweils von zwei Seiten näher beschrieben werden muss: vom Werk und vom Rezipienten her. 6. “Funktion” eines Werkes (seiner Gattung entsprechend) steht als Wert zu dem der “Originalität” in Widerspruch und trifft außerdem auf Trivialliteratur stärker zu als auf “hohe”. (Vortrag vor dem Jap. Germanistenverband, Keio Daigaku, Tokyo, 7.6.1997; In: Acta Humanistica 29/1, Foreign Langs. and Lit. S. No. 25, 1998, 20-86)


Excerpt (computer-generated)

Gibt es allgemeingültige Werte
für die Beurteilung von Literatur?1

Wolfgang RUTTKOWSKI

Zusammenfassung:

Unsere Wertmaßstäbe liegen auf einer Skala von höchst persönlichen ("Vorlieben") zu relativ allgemeinen, von der Kultur, in der wir leben, übernommenen.

  1. Das Kriterium der "Originalität" erweist sich als kulturell begrenzt und wird vielen Arten der Literatur nicht gerecht.
  2. "Stilisierung" (als Gestaltungsmerkmal) und "Distanz" (als Rezeptionsmerkmal) sind für weite Bereiche der Kunst nicht gültig.
  3. "Ganzheit" ist ein "Poezitätskriterium" (nicht ein Wertkriterium), lässt sich auch auf Trivialliteratur anwenden, wird in "hoher" Literatur oft absichtlich durchbrochen und spielt in außerwestlicher Literatur eine weit geringere Rolle.
  4. "Autonomie" lässt sich ebenfalls auf Kitsch- und Trivialliteratur anwenden und ist kein Wert begriff, sondern ein Seinsbegriff.
  5. "Transparenz" (Vieldeutigkeit) ist nur als "geleitete" ein allgemein anerkannter Wertbegriff, trifft jedoch auf weite Literaturbereiche nicht zu. Diese Wertmöglichkeit erfüllt sich nur in der individuellen Rezeption, weshalb sie jeweils von zwei Seiten näher beschrieben werden muss: vom Werk und vom Rezipienten her.
  6. "Funktion" eines Werkes (seiner Gattung entsprechend) steht als Wert zu dem der "Originalität" in Widerspruch und trifft außerdem auf Trivialliteratur stärker zu als auf "hohe".

 

Gliederung:

I. Grundlegende Unterscheidungen und Klarlegungen

II. Die wichtigsten "immanenten" Wertkriterien:


1. Originalität
2. Distanz
3. Ganzheit
4. Autonomie
5. Transparenz
6. Funktion

III. Einwände gegen immanente Wertkriterien:


1. Kunst versus Kitsch
2. Gesellschaftlich-kulturelles Bezugssystem der Wertkriterien
3. Problematik des Schönheitsbegriffs

IV. Besprechung von fremden literarischen Wertkriterien:


1. japanische
2. indische

V. Zusammenfassung

VI. Literatur

VII. Gemeinsame und unterscheidende Merkmale

VIII. Liste von Wertkriterien

IX. Anmerkungen

 

I. Grundlegende Unterscheidungen und Klarlegungen:

Bekanntlich gibt es in der Literaturwissenschaft zwei Schulen2, von denen eine die Wertung von der Literaturbetrachtung entweder ganz ausschließen oder zumindest säuberlich trennen möchte3, während die andere beides für unmöglich hält4, weil 1. der Dichter selbst in der Auswahl seiner Thematik und Gestaltungsmittel bereits eine Wertung durchführt, 2. sein Werk dadurch ein Wertgefüge wird und 3. die Interpreten, auf dieses wertend reagieren, zuerst in der Auswahl des interpretierten Werks, dann in den Einzelzügen, die wir beobachten. Die jetzt maßgebenden Vertreter der "soziologischen" und rezeptionsästhetischen Richtungen gehören mehr oder weniger zur zweiten Schule, der auch ich mich anschließe.5
Die Anhänger der "immanenten Interpretation" (z.B. Wolfgang Kayser, Emil Staiger und Max Wehrli) möchten außerdem streng zwischen ästhetischen und außerästhetischen (z.B. ethischen, weltanschaulichen oder politischen) Werten unterscheiden und die letzteren nur als Vorarbeit für die eigentliche Wertung zulassen. Modernere Richtungen (z.B. die, hauptsächlich von Jürgen Habermas inspirierte, sogen. "ideologiekritische"6) bestehen dagegen darauf, dass inhaltliche und gehaltliche Elemente ebenfalls für die Wertung des Werkes zu berücksichtigen sind, weil von ihnen dessen Wirkung ebenso abhängt wie von den sprachlich-formalen.
Schließlich ist, zuerst von Roman Ingarden7, zwischen künstlerischen und ästhetischen Werten eines Kunstwerks unterschieden worden8, wobei die ersteren in dessen Sprachstruktur (als Wertträger) selbst gegeben sind, die letzteren aber erst durch unsere "Konkretisierung" (durch unser Ausfüllen der "Unbestimmtheitsstellen" der Sprachstruktur) zustande kommen. Diese Unterscheidung ist ebenso wichtig (besonders für die Rezeptionstheorie) wie problematisch, weil (im Unterschied zum Kunstgegenstand, der sich nicht verändert) der ästhetische Gegenstand sich nicht eindeutig bestimmen lässt und von unserem individuellen (mehr oder weniger subjektiven) Kunst- und Werterleben abhängt. Da wir hier nur von potentiellen Werten sprechen und nicht von individuellen Werterlebnissen, können wir diese Unterscheidung ignorieren.
Vor allem sollten wir zwischen unserer "Wertung", unserem "Werten"9 (unserem "Wertschätzen") und der "Bewertung", dem "Bewerten" (der wertmäßigen Einordnung) von Literatur unterscheiden10: Man könnte auch "konstitutive" von "komparativen" Kriterien abgrenzen11. Die ersteren begründen Werterlebnisse (z.B. in einem bestimmten Kulturkreis), sagen jedoch nichts über deren Verhältnis zu anderen Werterlebnissen (besonders in fremden Kulturkreisen12) aus. Diese Kriterien sind also keine vergleichenden. - Ihre Existenz wird kaum jemand leugnen. Im Anhang geben wir eine Liste solcher Wertkriterien. Es ließen sich sogar vollkommen individuelle Wertkriterien, sogen. "Vorlieben", denken, die nur von einem Rezipienten hochgehalten werden (wenn z.B. ein Leser Gedichte über ein spezielles Thema hochschätzt). - Sobald wir aber von "universalen" oder "allgemeingültigen" Wertkriterien sprechen, fangen wir an zu vergleichen13 bzw. abzugrenzen, nämlich (zeitlich oder örtlich) "begrenzte" Kriterien von "universalen". Wir sagen beim Festellen von "allgemeinen" Kriterien: Diese sind immer und überall gültig und nicht nur für eine Literatur oder gar nur eine Periode einer Literatur.
Unter "allgemeingültigen" (nicht relationalen) Werten14verstehen wir also solche, die für alle (auch die außerhalb des europäischen Einflussbereichs liegenden15) Literaturen Anwendbarkeit und Gültigkeit besitzen.16Solche müssten, da sie nicht in den spezifischen Kulturen verankert sein könnten, entweder in psychologisch-anthropologischen17 oder in sprachlich-kommunikativen Gegebenheiten begründet sein. - Es ist nicht ganz richtig, solche Werte als "metaphysische" zu bezeichnen. Zu solchen werden sie erst gemacht, wenn man annimmt, dass sie "letzten einfachen Qualitäten" entsprechen, die irgendwo unabhängig von uns existieren.18 Wer aber ein für alle Mal psychologische oder anthropologische "Grundgegebenheiten" einem Wertmodell zugrunde legt19, statt aus der Literatur einzelner Epochen und Kulturen historisch relevante Wertmodelle abzuleiten, neigt eher zu voreiligen Systematisierungen und eventuell sogar zu Dogmatismus.
Letztlich ist in den Kontroversen über das Zustandekommen von Werten immer noch der alte Gegensatz von Idealismus und Empirismus zu entdecken. Kant suchte, ihn zu überwinden, indem er in seiner "Kritik der Urteilskraft" (1790) feststellte, dass das "Geschmacksurteil" (die ästhetische Wertung) zwar kein Erkenntnisurteil sei, weil es unserem Nachdenken über eigene Lust- und Unlusterlebnisse entspringe, dass ihm jedoch dennoch eine gewisse Allgemeingültigkeit20 zuzusprechen sei, weil wir alle ähnlich empfinden (können). - Wenn wir also letzteres bezweifeln und einwenden, dass Kant nur seinen eigenen Kulturkreis im Sinne gehabt haben kann, schlagen wir uns ins Lager der Empiristen. Erst Herder sah ästhetische Wertkriterien historisch-gesellschaftlich bedingt.21 - Es geht uns hier aber nur mittelbar um die Frage des Zustandekommens von Werturteilen und hauptsächlich um die Beschaffenheit von Wertmaßstäben und deren universale Anwendbarkeit. Da wir die Existenz allgemeingültiger Werte bezweifeln, wenn auch nicht die allgemein feststellbare Fähigkeit des Menschen, ästhetische Wertsysteme zu entwickeln (wie diese jeweils ausfallen, ist kulturell determiniert), würde man uns des "Relativismus"22 anklagen.23

Da Wertung und Kritik immer eng verbunden sind, sagen wir hier zur Sicherheit, dass wir mit "Kritik" nicht nur die zeitgenössischer Literatur meinen, sondern die aller Zeiten.

Mit "Literatur"24 meinen wir hier vor allem die sogen. "schöne", wobei wir uns dessen bewusst sind, wie schwer diese von den anderen (z.B. der didaktischen oder philosophischen) Arten der Literatur abgrenzbar ist. Auch der deutsche Begriff "Dichtung" umfasst Versdichtung und Prosa, fiktive und realitätsbezogene Literatur in mannigfachen Mischungen und Brechungsgraden. Wir können in den Geisteswissenschaften die Definitionsprobleme nicht jedes Mal neu aufrollen und müssen uns mit unscharf abgegrenzten ("akzentuierenden") Begriffen zufrieden geben.25
Wir kommen nicht umhin, gelegentlich die Ausdrücke "westlich" und "östlich" (bzw. "abendländisch" oder "europäisch") zu gebrauchen, deren Problematik wir uns natürlich bewusst sind. Der "Westen" (bzw. das "Abendland") umschließt natürlich die USA, die von Asien aus gesehen "im Osten" liegen etc.- Schwerwiegender ist, dass man uns in vielen Fällen entgegnen wird: Ja, das war früher so! ("Früher" bedeutet meist: vor dem Absterben der alten Traditionen unter westlichem Einfluss.)- Wenn aber gezeigt werden kann, dass ein bei uns hochgehaltener literarischer Wert in einer anderen entwickelten Kultur nicht gilt oder nicht galt, dann ist es eben kein universaler (bzw. allgemeingültiger) Wert.
Selbstverständlich ist unser Thema nicht nur innerhalb der Literaturwissenschaft ein zentrales, sondern mehr noch für die Kulturanthropologie. Deshalb mussten in die Bibliographie zu diesem Aufsatz auch anthropologische Untersuchungen zum Wertbegriff aufgenommen werden (durch "A" gekennzeichnet). Von den Vertretern dieser Disziplin können wir hier nur Clifford Geertz zitieren. Er beginnt sein Buch Person, Time, and Conduct in Bali: An Essay in Cultural Analysis (1966) mit einem Kapitel, das er "The Social Nature of Thought" nennt, und dieses mit folgendem Satz: "Menschliches Denken ist durch und durch sozial: in seinen Ursprüngen, in seinen Funktionen, in seinen Formen und Anwendungen."26- "Sozial" (engl. social) heißt hier natürlich nicht "sozial engagiert", wie zumeist im deutschen, sondern "sozial bedingt", wofür wir getrost "kulturbedingt" setzen dürfen. Wir werden uns zu fragen haben, ob dies auch für das Nachdenken über Literatur gilt.

II. Die wichtigsten "immanenten" Wertkriterien:

1. Originalität:

[...]


Anmerkungen

Referat am 7.6.1997 im Rahmen der Germanisten-Tagung (Nihon-Dokubun-Gakkai) an der Keio-Universität, Tokyo, Hiyoshi-Campus; gedruckt in Acta Humanistica et Scientifica Universitatis Sangio Kyotiensis, Vol. XXIX, No. 1, Foreign Languages and Literature Series No. 25 (März 1998) 20-86.

2 Eric Donald Hirsch nannte sie die ,,Separatisten" und ,,Antiseparatisten" (zit. Von Joseph Strelka, 1978, S. 331).

3 Der bekannteste Vertreter dieser Anschauung ist Northrop Frye, 1969.

4 Z.B. Rene Wellek, (1941) 100, und Joseph Strelka (1978) 331f.: ,,In der Literatur ist im Grunde nichts neutral-faktisch, da jedes von den verschiedenen kritischen Methoden sichtbar gemachte Einzelelement durch den schöpferischen Akt besonders ausgewählt worden ist, weshalb kein Kunstwerk mit `rein deskriptiven` Mitteln analysiert werden kann."

5 Zur Begriffsverwendung und Funktionsweise von ,,Wert" und ,,Wertung" allgemein vergl. Heydebrands Unterscheidungen (S. 832f.).

6 Vergl. über die ,,vier Varianten" der Ideologiekritik Heydebrand (S. 856ff.).

7 1969, 153-179.

8 1969, 164: ,,... ein künstlerischer Wert [...] ist etwas, was im Kunstwerk selbst auftritt [...] Ein ästhetischer Wert dagegen tritt in concreto erst im ästhetischen Gegenstand auf [...] es ist für uns unzweifelhaft, dass bei der Konstituierung eines individuellen ästhetischen Gegenstandes das mitschöpferische Verhalten des Betrachters unentbehrlich ist [...] Infolgedessen unterscheiden sich zwei ästhetische Gegenstände, die auf der Grundlage eines und desselben Kunstwerks entstanden sind, of auf eine tiefgreifende Weise voneinander, und zwar auch hinsichtlich des in ihnen zur Erscheinung gelangenden ästhetischen Wertes."

9 Eine genaue Beschreibung des Vorgangs versucht Kahn (1965, 259ff.); außerdem bietet er Literaturhinweise, die unsere ergänzen.

10 Vergl. Werner Ross, der im gleichen Sinne unser Werten und die Wertung unterscheidet (zit. Schulte-Sasse, 70).

11 Wellek/Warren unterscheiden zwischen den Verbformen ,,value" und ,,evaluate" in gleichem Sinne (Theory of Literature, XVIII , ,,Evaluation").

12 Hans Sedlmayr (1958, 100ff.) unterscheidet grundsätzlich zwischen (absolutem) "Rang" und (relativem) "Wert" von Kunstwerken.

13 Diese Art des Wertens hat zweifellos Gero von Wilpert im Sinn, wenn er definiert: ,,Wertung ist stets relativ sowohl in Bezug auf das zu Wertende, das nicht für sich, sondern im Umkreis vergleichbarer Werte gemessen werden muss, als auch in Bezug auf den Wertenden, der zunächst stets dazu neigen wird, sein subjektives Werturteil, den Geschmack, zum (wenn auch verschleierten) Maßstab des Urteils zu nehmen. [...] [Die Literaturwissenschaft] kann jedoch kein schlüssiges System aufstellen, sondern nur einzelne Kriterien aufzählen, deren Einstufung für die Gesamtwertung verschiedenartig ausfallen wird, und sie muss die Fähigkeit zum Werterleben voraussetzen." (1989, 1031).

14 Vergl. Johannes Hoffmeister (1955), zit. Von Schulte-Sasse (S. 58).

15 So weist z.B. die japanische Literatur bis zur Meiji-Reform (von der europ. Literaturtradition) grundsätzlich verschiedene Grundzüge auf, gleicht sich aber dann zumindest in den Prosa-Gattungen dem westlichen Geschmack zunehmend an. Dennoch meint man auch heute noch grundlegende Unterschiede feststellen zu können.

16 Der Glaube an solche Kategorien lässt sich bis zu Friedrich Schlegel zurückverfolgen: ,,Jede lobende oder tadelnde Würdigung kann nur unter zwei Bedingungen gültig sein. Der Maßstab, nach welchem geurteilt und geschätzt wird, muss allgemein gültig, und die Anwendung auf den kritisierten Gegenstand muss so gewissenhaft treu, die Wahrnehmung so vollkommen richtig sein, dass sie jede Prüfung bestehen können." (1797; zit. Von Gebhardt, S. 28).

17 Das glaubte z.B. Wilhelm Dilthey (Ges. Werke, Bd. 6, 1924, S. 157).

18 Vergl. die Zitate von Herbert Seidler, Fritz Lockemann und Herbert Wutz in Schulte-Sasse, S. 60.

19 Vergl. Wilhelm Dilthey: ,,Aus der Analysis der menschlichen Natur ergeben sich Gesetze, welche unabhängig vom Wechsel der Zeit den ästhetischen Eindruck wie das dichterische Schaffen bestimmen [...] Aus der menschlichen Natur entspringen Prinzipien, die so allgemeingültig den Geschmack und das Schaffen beherrschen, wie die logischen das Denken und die Wissenschaft." (Ges. Schriften, Bd. 6, 1925, S. 157, zit. Von Schulte-Sasse, S.75). Dagegen Schulte-Sasse: ,,Geschichtlich gewachsene und sozial vermittelte Normen sind immer schon Voraussetzungen unseres Verständnisses des einzelnen Kunstwerks." (S.75) ,,Die Frage ist nur, ob [...] die Gestaltung des wirklich Allgemeinen nicht viel zu uninteressant ist, als dass ihr noch ästhetischer Reiz zukommen könnte ..." (S. 86).

20 Zur ungenauen Unterscheidung zwischen Allgemeingültigkeit und Notwendigkeit bei Kant siehe Marcus Otto (1993, Anm. 8).

21 Peter Uwe Hohendahl (1971): ,,Kritik begründet sich bei Herder vorgänglich als ein Prozess des Verstehens [...]. Diesem Verfahren ist der Begriff der ästhetischen Norm äußerlich; diese hat nie mehr als relative Gültigkeit: sie gilt für einen bestimmten Kulturraum und eine bestimmte Epoche, als deren signifikanter Ausdruck sie zu betrachten ist. [...] Zusammen mit den Regeln und Normen als ästhetischen Grundgesetzen wird die Möglichkeit des abstrakten formalen Vergleichs negiert. [...] Vergleichbar ist nur die Wirkung auf den Betrachter [...]."

22 Wir können uns hier nicht auf philosophische Spitzfindigkeiten einlassen. Andrew Ward unterscheidet in seinem Artikel über das ästhetische Urteil (n Cooper, ed., 1992, S. 243-249) ,,Reflektierten Objektivismus" (Kant) von einfachem Objektivismus", ebenso ,,reflektierten Subjektivismus" (Hume) von ,,einfachem Subkjektivismus", außerdem ,,Relativismus".

23 Zum ,,Relativismus" bekennen sich z.B. Arthur Danto (1984), George Dickie (1985) und Joseph Margolis (1997), nicht aber dessen verstorbenen Kollege Monroe Beardsley (1970, 1981, 1982) und Eric Donald Hirsch (1967, 1969).

24 Zum Begriff ,,literarisch" vergl. Heydebrand, S. 831f.

25 Vergl. hierzu mein Buch (1968), welches wiederum durch Emil Staigers (1946) angeregt wurde. Beide gehen davon aus, dass sich in den historisch entwickelten Gattungen ,,Grundbegriffe" (so Staiger, ich bevorzuge den Begriff ,,Grundhaltungen") in jeweils verschiedenen Gewichtungen mischen und durchdringen. Bei Staiger sind es die lyrische, epische und dramatisch. Ich hielt es für praktischer, noch eine ,,publikumsbezogene" Grundhaltung hinzuzunehmen, um den mannigfachen didaktischen und Vortragsgattungen (z.B. dem literarischen Chanson) gerecht zu werden.

26 S. 1e, meine Übers.


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