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James Dean und Marlon Brando: Filmstars als Antihelden?

Scholarly Research Paper, 2007, 67 Pages
Author: Christina Quast
Subject: Communications: Movies and Television

Details

Category: Scholarly Research Paper
Year: 2007
Pages: 67
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 43  Entries
Language: German
Archive No.: V75829
ISBN (E-book): 978-3-638-80132-4

File size: 328 KB

Abstract

Im Sommer 2004 starb Marlon Brando und etwas mehr als ein Jahr danach wurde der 50. Todestag von James Dean begangen. Hollywood-Veteran Brando wurde 80 Jahre alt, Hollywood-Newcomer Dean verunglückte mit 24 Jahren bei einem Autounfall tödlich. Trotz dieser beachtlichen Differenz prägten beide Schauspieler die fünfziger Jahre durch ihren Lebensstil und ihre Filmrollen. Obwohl der Tod von Dean und Brando fast um ein halbes Jahrhundert variiert, tragen beide noch immer das Image des jungen, wortarmen Rebellen aus dieser Zeit. Als Stanley Kowalski und Johnny oder Cal Trask und Jim Stark wurden sie berühmt und zu Idolen der heranwachsenden Generation. Jene Figuren lassen Dean und Brando für immer weiterleben, weil die Filme bis heute in Kinos oder im Fernsehen wiederholt und als Videos oder DVDs verkauft werden. Inzwischen werden beide Schauspieler als Legende, Ikone oder Giganten bezeichnet. Diese Arbeit möchte sich indessen mit den Begriff „Antiheld“ auseinandersetzen, mit dem beide Schauspieler ebenfalls oft versehen werden, welcher allerdings nicht so inflationär für berühmte Persönlichkeiten verwendet wird wie die genannten Begriffe. Daher ist der Antiheld im Vergleich nicht so überstrapaziert und als simples Etikett gebraucht, unter dem die ursprüngliche Bedeutung des Begriffs längst verschwommen oder verschwunden ist. Es lohnt sich insofern, zu überprüfen, ob der Begriff Antiheld auf Dean und Brando zutrifft, um sie von anderen Stars abzugrenzen. Die Arbeit besteht aus drei Teilen, der erste wird eine Definition des Begriffs Antiheld erarbeiten und die politisch-gesellschaftlichen Verhältnisse in den fünfziger Jahren beschreiben, in denen Dean und Brando berühmt wurden. Die Karrieren der Schauspieler werden im zweiten Teil vorgestellt und darauf untersucht, ob der Begriff Antiheld zutreffend ist. Im dritten Teil wird je ein Film von Dean ("Denn sie wissen nicht, was sie tun") und Brando ("Der Wilde") näher betrachtet und ihre Rollen auf die Merkmale des Antiheld überprüft. Dass die Biografien von Dean und Brando sowie beispielhaft ihre Filmrollen betrachtet werden, ist auf die Feststellung zurückzuführen, dass Schauspieler ein on-screen und off-screen Image besitzen. Beide entstehen durch verschiedene Akteure und Quellen, so wird das on-screen Image überwiegend durch Filmrollen und das off-screen Image durch öffentliche Auftritte und Medienberichte bestimmt. Demnach können sich die Ergebnisse des biografischen und filmischen Teils unterscheiden.


Excerpt (computer-generated)

Universität Dortmund, Institut für Journalistik
12. Semester, am, 19. Februar 2007
Hauptfach: Journalistik

James Dean und Marlon Brando: Filmstars als Antihelden?

von

Christina Quast

 


Inhalt

1. Einleitung 4

1.1 Definition: Antiheld 9
1.2 Die fünfziger Jahre 12

1.2.1 Politik und Gesellschaft 12
1.2.2 Hollywood 15

2. Karrieren 18

2.1 Jugend im Mittleren Westen 18
2.2 Broadway in New York 21
2.3 Rebellen in Hollywood 25
2.4 Tod in Kalifornien 29
2.5 Fazit 35

3. Filme 38

3.1 Der Wilde 38

3.1.1 Handlung 38
3.1.2 Entstehung 39

3.2 Denn sie wissen nicht, was sie tun 41

3.2.1 Handlung 41
3.2.2 Entstehung 42

3.3 Jugendliche: Jim und Johnny 43
3.4 Erwachsene: Eltern und Bürger 48
3.5 Kleidung 52
3.6 Fazit 54

4. Zusammenfassung 58

5. Anhang 60

5.1 Literatur 60
5.2 Filmografie James Dean 63



 

„To show he wasn’t a hero;
show what he really was –
just a lost boy trying to find himself.“
Brando über Dean
(in Capote, 1957)
 


 

1. Einleitung

Im Sommer 2004 starb Marlon Brando und etwas mehr als ein Jahr danach wurde der 50. Todestag von James Dean begangen. Hollywood-Veteran Brando wurde 80 Jahre alt, Hollywood-Newcomer Dean verunglückte mit 24 Jahren bei einem Autounfall tödlich. Trotz dieser beachtlichen Differenz prägten beide Schauspieler die fünfziger Jahre durch ihren Lebensstil und ihre Filmrollen.
Obwohl der Tod von Dean und Brando fast um ein halbes Jahrhundert variiert, tragen beide noch immer das Image des jungen, wortarmen Rebellen aus dieser Zeit. Als Stanley Kowalski und Johnny1 oder Cal Trask und Jim Stark2 wurden sie berühmt und sogleich zu Idolen der heranwachsenden Generation. Jene Figuren lassen Dean und Brando für immer weiterleben, weil die Filme bis heute in Kinos oder im Fernsehen wiederholt und als Videos oder DVDs verkauft werden.
Inzwischen werden beide Schauspieler als Legende, Ikone oder Giganten bezeichnet. Diese Arbeit möchte sich indessen mit den Begriff „Antiheld“ auseinandersetzen, mit dem beide Schauspieler ebenfalls oft versehen werden, welcher allerdings nicht so inflationär für berühmte Persönlichkeiten verwendet wird wie die anfänglich genannten Begriffe. Daher ist der „Antiheld“ im Vergleich nicht so überstrapaziert und als simples Etikett gebraucht, unter dem die ursprüngliche Bedeutung des Begriffs längst verschwommen oder verschwunden ist. Es lohnt sich insofern, zu überprüfen, ob der Begriff „Antiheld“ auf Dean und Brando zutrifft, um sie von anderen legendären, ikonischen oder gigantischen Stars abzugrenzen.
Die Arbeit besteht aus drei Teilen, der erste wird eine Definition des Begriffs „Antiheld“ erarbeiten und die politisch-gesellschaftlichen Verhältnisse in den fünfziger Jahren beschreiben, in denen Dean und Brando berühmt wurden. Die Karrieren der Schauspieler werden im zweiten Teil ausführlich vorgestellt und darauf untersucht, ob der Begriff „Antiheld“ zutreffend ist. Im dritten Teil wird je ein Film von Dean und Brando näher betrachtet und ihre Rollen auf die Merkmale des „Antiheld“ überprüft. Dafür ausgewählt wurden „Der Wilde“ und „Denn sie wissen nicht, was sie tun“3. Dass einerseits die Biografien von Dean und Brando und andererseits beispielhaft ihre Filmrollen in dieser Arbeit betrachtet werden, ist auf die Feststellung von Moos (1996:9) zurückzuführen, dass Schauspieler ein on-screen und off-screen Image besitzen. Beide entstehen durch verschiedene Akteure und Quellen, so wird das onscreen Image überwiegend durch Filmrollen und das off-screen Image durch öffentliche Auftritte und Medienberichte bestimmt. Demnach können sich die Ergebnisse des biografischen und filmischen Teils dieser Arbeit unterschieden.

o Film-Auswahl
Bis zu seinem Tod 1955 hat Dean nur in drei Filmen eine Hauptrolle gespielt, sodass die Auswahl deutlich begrenzt ist. „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ bietet sich an, weil es Deans erfolgreichster und berühmtester Film ist, welcher auch in der Gegenwart - den fünfziger Jahren - spielt. Dagegen beruhen „Jenseits von Eden“ und „Giganten“ auf Romanen von John Steinbeck und Edna Ferber, deren Handlungen vor dem zweiten Weltkrieg angesiedelt sind.
Brando hatte bis 1955 schon in acht Filmen mitgewirkt, darunter waren die drei geschichtlichen Filme „Viva Zapata“, „Julius Cäsar“ sowie „Desiree“ und die beiden Broadway-Stücke „Endstation Sehnsucht“ sowie „Schwere Jungs und leichte Mädchen“. Mit „Der Wilde“ wurde für diese Arbeit ein Film ausgewählt, der vor allem thematisch zu „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ passt. Beide Filme handeln von jugendlicher Kriminalität und zählen zu den ersten Teenagerfilmen.

o Literatur-Auswahl
Da sich unzählige Bücher mit Dean und Brando beschäftigen, wird die Literatur für den zweiten Teil dieser Arbeit nach folgenden Kriterien ausgewählt: Es werden alle Autoren berücksichtigt, die einen der Schauspieler persönlich kannten, um eine möglichst wahre Schilderung ihrer Karrieren durch erstrangige Quellen zu haben. Ergänzt wird diese persönliche Literatur durch eine Biografie pro Jahrzehnt seit den fünfziger Jahren. Es handelt sich um Bücher, die als Standardliteratur zu Dean und Brando gelten. Neben den erwünschten Vorteilen hat diese Auswahl auch einige Nachteile, die sich vorwiegend nach Abschluss der Recherche zeigten. Es ist überraschend, dass zu James Dean mehr persönliche Literatur zur Verfügung steht als zu Marlon Brando4, obwohl es sich nicht um eine vollständige Liste handelt, weil einige Bücher nicht in deutschen Bibliotheken vorhanden sind. Ferner haben einige bedeutende Quellen wie Deans Agentin Jane Deacy und Brandos Schauspiellehrerin Stella Adler beschlossen, sich nicht öffentlich zu den Schauspielern zu äußern.
Weiterhin fällt auf , dass persönliche Literatur zu Dean erst seit Mitte der achtziger Jahre erschienen ist, mit Ausnahme von William Basts Buch (1957)5. Dies bedeutet, dass mehr als dreißig Jahre zwischen den tatsächlichen Ereignissen und den aufgeschriebenen Erinnerungen liegen. Einerseits dürften diese persönlichen Erinnerungen nicht mehr sehr genau sein und könnten andererseits von Deans andauernder medialer Präsenz nach seinem Tod beeinflusst sein. Dass viele Autoren ihre Bücher dennoch zu großen Teilen mit gesprochenen Dialogen füllen, muss kritisch gesehen werden, weil es sich bestenfalls sinngemäße Zitate sein können. Fast jedes persönliche Buch erhebt den Anspruch erstmals über den echten James Dean zu berichten, was Gilmore und Stock am deutlichsten hervor heben:
„Stripped of the icon, unclouded by myth and supposition, this story for the first time gives a true portrait of the atomic-age maverick, James Dean.“ (Gilmore, 1997:9) „In jenen bitterkalten Spätwintertagen, in denen Jimmy und ich den Ort, den Bauernhof, die Felder von Fairmount durchstreiften und Familie und Freunde besuchten, lernte ich den richtigen James Dean kennen, wenn auch nur flüchtig.“ (Stock, 1986:11) Dennoch scheint jedes Buch von einer anderen Person zu handeln; bei Bast (1957 und 2006) ist es ein ehrgeiziger Schauspieler und Freund fürs Leben, bei Sheridan (2000) ein mittelloser und sehr verliebter junger Mann, während es sich bei Gilmore (1997) um eine rücksichtslose sowie sexuell experimentierfreudige Person und bei Hyams (1995) um jemanden, der ständig nach Liebe sucht und in Hollywood nicht glücklich sein kann, handelt. Die Gründe könnten sein, dass Dean seine Freunde weitgehend voneinander abschirmte (vgl. Gilmore, 1997:126), um möglicherweise verschiedene Rollen auszuleben, und dass die Autoren ihre Erinnerungen wahrscheinlich idealisiert und selektiert haben. Das führt auch dazu, das Tatsachen sehr unterschiedlich beschrieben oder gedeutet werden, die auffallendsten Beispiele sind hier die Beziehungen von Dean zu Elizabeth Sheridan und Pier Angeli6.
Dafür, dass persönliche Literatur über Marlon Brando selten ist, gibt es eine Erklärung: „Keiner meiner Freunde, wenn es denn Freunde sind, redet über mich. ... Freunde schreiben keine Bücher über mich. Bekannte tun das vielleicht.“ (Grobel, 1993:125) Wer trotzdem über das Leben des Schauspielers sprach oder schrieb, gehörte einfach nicht (mehr) zu den Freunden von Brando (vgl. Carey, 1985:16). Den Nachteil der geringen Quantität kann die Qualität der persönlichen Literatur ausgleichen, denn es stehen eine Autobiografie (Brando 1994) und die vollständigen Gespräche für ein Playboy-Interview (Grobel, 1993) zur Verfügung, die Brando direkt wiedergeben. Kurz nach seinem Tod haben der enge Freund George Englund (2005) und die Lebensgefährtin Tarita Teriipaia (2006) Bücher über den Schauspieler veröffentlicht, somit sind ihre Erinnerungen etwas frischer als von Autoren persönlicher Literatur zu Dean.
Ein großer Teil der persönlichen Literatur gibt nur einen zeitlich oder menschlich begrenzten Abschnitt aus den Leben der Schauspieler wieder und vernachlässigt wesentliche Ereignisse ihrer Karrieren. Diese Ergänzung leisten die Biografien über Dean und Brando, die ihre Leben meistens chronologisch erzählen und ihre Rollen erfassen.
Die ersten Biografien über Dean und Brando stammen aus den siebziger Jahren, sodass für die früheren Jahrzehnte keine Literatur verfügbar ist. Der größte Nachteile aller benutzten Biografien ist, dass sie nicht autorisiert sind und es sich folglich um zweitrangige Quellen handelt: „They are nothing more than more or less detailed collections of long known information combined with unconfirmed rumors about the actor’s private life.“ (Moos 1996:120)
Außerdem ist festzustellen, dass diese Tatsachen und Gerüchte unterschiedlich stark gekennzeichnet oder auch vermengt werden. Dies führt dazu, dass eine Unterscheidung von Wahrheit und Legende eigentlich unmöglich ist. Trotz der zunehmenden Fülle von Biografien, bleiben Dean und Brando bis heute rätselhaft und uneindeutig. Auch fällt auf, dass bestimmte Episoden und Zitate oft übernommen, aber unterschiedlich eingeordnet oder gedeutet werden, weil die Schauspieler im Laufe der Zeit aus immer neuen und anderen Blickwinkeln betrachtet werden, „the fact that the star can no longer verify the ‚truth’ of his identity facilitates the generation of a number of possible truths, each of which serves to authenticate Dean’s persona.“ (DeAngelis, 2001:89) Es ist also möglich, dass immer neue Versionen der Leben von Dean und Brando entstehen, um ihnen einen entsprechenden Sinn zu verleihen.
Zum Schluss sei angemerkt, dass die Kombination von persönlicher Literatur und Biografien aus vier Jahrzehnten die Nachteile beider Genre ausgleicht und eine hinreichende Grundlage bietet, um das Ziel dieser Arbeit zu erreichen.

1.1 Definition: Antiheld

[...]


1 Brandos Rollen in „Endstation Sehnsucht“ und „Der Wilde“

2 Deans Rollen in „Jenseits von Eden“ und „Denn sie wissen nicht, was sie tun“

3 Alle Filme sind in Filmografien im Anhang verzeichnet.

4 Diese Arbeit verwendet neuen persönliche Bücher zu Dean und vier zu Brando.

5 Eine zweite, erweiterte Fassung ist 2006 erschienen.

6 siehe Sheridan, 2002 und Bast, 2006:118 sowie Gilmore, 1997:153 und Hyams, 1995:211ff


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