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Das Sonne-und-Mond-Gleichnis: Über das Verhältnis zwischen Papst und Kaiser im Mittelalter

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2002, 23 Pages
Author: Joseph Badde
Subject: History - Middle Ages, Early Modern

Details

Event: Das Verhältnis von Sacerdotium und Regnum
Institution/College: LMU Munich (Historikum)
Tags: Sonne-Mondgleichnis, Verhältnis, Papst, Kaiser, Mittelalter, Verhältnis, Sacerdotium, Regnum
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2002
Pages: 23
Grade: 2+
Language: German
Archive No.: V7588
ISBN (E-book): 978-3-638-14804-7
ISBN (Book): 978-3-640-20255-3
File size: 355 KB

Abstract

Bei der Auswahl der Referatsthemen, über das Verhältnis von regnum und sacerdotium im Mittelalter, fiel mir das Sonne-Mondgleichnis auf, weil ich damit ein jüdisches Märchen in Zusammenhang brachte, dass ich aus meinen Kindheitstagen kannte und in positiver Erinnerung behalten hatte. Dieses Märchen handelt davon, dass am Anfang der Schöpfung Sonne und Mond gleich groß gewesen wären und friedlich nebeneinander koexistiert hätten. Doch eines Tages sei dem Mond der Gedanke gekommen, größer sein zu wollen als die Sonne und so ging der Mond zu Gott um ihm seine Gedanken zu erläutern. Gott hörte geduldig zu und sagte, er werde etwas ändern und wandelte das sonnenhafte Aussehen des Mondes in das mondhafte Aussehen, das wir heute noch kennen. Da war der Mond sehr erzürnt und eilte zu Gott, um sich zu beschweren: ‚Du hast mir versprochen mich größer zu machen als die Sonne. Nun hast Du mich kleiner und kälter gemacht und auch das Licht erhalte ich nun von der Sonne!’ Doch Gott antwortete: ‚Beruhige dich, du bist viel größer geworden als du denkst, denn nach dir werden sich die Weltmeere richten und die Menschheit wird ihren Kalender nach dir planen.’ Da war der Mond zufrieden.1 Dieses Märchen beschrieb das jüdisch-theologische Wissen, dass augenscheinliche Größe täuschen kann. Doch dieses Wissen, dass der Mond eine innere Größe hat, die die äußerliche Größe der Sonne überragt, ging in der Kirche des Mittelalters und im besonderen in der Frage des Machtverhältnisses zwischen Papst und Kaiser bald verloren, und dies obwohl früh kirchliches Quellen die Kirche noch mit dem Mond vergleichen, die ihren Glanz von Gott empfängt.2 Spätestens seitdem die Kirche einen politischen Machtfaktor darstellte, war dieser Vergleich nicht mehr haltbar, weil es nun nicht mehr um ein theologisches Gleichnis ging, sondern um politischen Machterhalt, mittels einer weit hergeholten theologischen Begründung. So musste, nach kirchlicher Ansicht, um den weltlichen Einfluss der Kirche zu gewährleisten, die Sonne die Kirche darstellen und der Mond den Kaiser. Im Folgenden werde ich der Geschichte und den verschiedenen Interpretationen des Sonne-Mond-Gleichnisses im Mittelalter nachgehen und diese in den jeweiligen zeitlichen Kontext einordnen. 1 Vgl. Heda Janson (Hrg.), Märchen aus Israel, S. 6. 2 Vgl. Hugo Rahner, Symbole der Kirche, S.98-173.


Excerpt (computer-generated)

Ludwig-Maximilians-Universität München

Historisches Seminar
Hauptseminar Mittelalterliche Geschichte
,,Zum Verhältnis von regnum-sacerdotium im Mittelalter"
Sommersemester 2002

Das Sonne-und-Mond-Gleichnis
Über das Verhältnis zwischen Papst und Kaiser
im Mittelalter

Joseph Badde
LA Engl./Gesch.



Inhalt

I. Vorwort S. 2

II. Herkunft und Geschichte des Sonne-Mond-Gleichnisses S. 3

III. Päpstliche Inanspruchnahme des Gleichnisses S. 6

IV. Weltliche Verwendung des Gleichnisses S. 11

VI. Schlussbemerkung S. 18

Quellen S. 19

Literatur S. 21

 

I. Vorwort

Bei der Auswahl der Referatsthemen, über das Verhältnis von regnum und sacerdotium im Mittelalter, fiel mir das Sonne-Mondgleichnis auf, weil ich damit ein jüdisches Märchen in Zusammenhang brachte, dass ich aus meinen Kindheitstagen kannte und in positiver Erinnerung behalten hatte. Dieses Märchen handelt davon, dass am Anfang der Schöpfung Sonne und Mond gleich groß gewesen wären und friedlich nebeneinander koexistiert hätten. Doch eines Tages sei dem Mond der Gedanke gekommen, größer sein zu wollen als die Sonne und so ging der Mond zu Gott um ihm seine Gedanken zu erläutern. Gott hörte geduldig zu und sagte, er werde etwas ändern und wandelte das sonnenhafte Aussehen des Mondes in das mondhafte Aussehen, das wir heute noch kennen. Da war der Mond sehr erzürnt und eilte zu Gott, um sich zu beschweren: ,Du hast mir versprochen mich größer zu machen als die Sonne. Nun hast Du mich kleiner und kälter gemacht und auch das Licht erhalte ich nun von der Sonne!′ Doch Gott antwortete: ,Beruhige dich, du bist viel größer geworden als du denkst, denn nach dir werden sich die Weltmeere richten und die Menschheit wird ihren Kalender nach dir planen.′ Da war der Mond zufrieden.1
Dieses Märchen beschrieb das jüdisch-theologische Wissen, dass augenscheinliche Größe täuschen kann. Doch dieses Wissen, dass der Mond eine innere Größe hat, die die äußerliche Größe der Sonne überragt, ging in der Kirche des Mittelalters und im besonderen in der Frage des Machtverhältnisses zwischen Papst und Kaiser bald verloren, und dies obwohl früh kirchliches Quellen die Kirche noch mit dem Mond vergleichen, die ihren Glanz von Gott empfängt.2 Spätestens seitdem die Kirche einen politischen Machtfaktor darstellte, war dieser Vergleich nicht mehr haltbar, weil es nun nicht mehr um ein theologisches Gleichnis ging, sondern um politischen Machterhalt, mittels einer weit hergeholten theologischen Begründung. So musste, nach kirchlicher Ansicht, um den weltlichen Einfluss der Kirche zu gewährleisten, die Sonne die Kirche darstellen und der Mond den Kaiser. Nach einer weisen Interpretation, wie es das oben erwähnte Märchen vorschlägt, wurde selten gefragt, weil es nun um hierarchische Machtfragen zwischen den zentralen Herrschaftsgewalten Regnum und Sacerdotium ging und nicht mehr um theologische Lösungsansätze.
Im Folgenden werde ich der Geschichte und den verschiedenen Interpretationen des Sonne-Mond-Gleichnisses im Mittelalter nachgehen und diese in den jeweiligen zeitlichen Kontext einordnen.

[...]

1 Vgl. Heda Janson (Hrg.), Märchen aus Israel, S. 6.

2 Vgl. Hugo Rahner, Symbole der Kirche, S.98-173.


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