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J.G. Fichtes Nationalerziehungsplan in den ,Reden an die deutsche Nation' und seine Rezeption durch Diesterweg

Termpaper, 2004, 19 Pages
Author: Klaus Genschmar
Subject: Pedagogy - History of Pedagogy

Details

Event: Die didaktische Auffassung F.A.W. Diesterwegs und ihre Bedeutung für die Gestaltung des Unterrichts
Institution/College: http://www.uni-jena.de/ (Institut für Erziehungswissenschaften)
Tags: Fichtes, Nationalerziehungsplan, Reden, Nation, Rezeption, Diesterweg, Auffassung, Diesterwegs, Bedeutung, Gestaltung, Unterrichts
Category: Termpaper
Year: 2004
Pages: 19
Grade: 1,4
Bibliography: ~ 5  Entries
Language: German
Archive No.: V75961
ISBN (E-book): 978-3-638-81467-6
ISBN (Book): 978-3-638-81461-4
File size: 141 KB

Abstract

Johann Gottlieb Fichte gehört zu den bekanntesten deutschen Philosophen der Klassik. Laut Franz Mehring war ‚unter unseren klassischen Philosophen [...] Fichte der kühnste und revolutionärste Denker, ein ganzer Mann, zu dessen gewaltigen Lebenswerk jeder gesittete Mensch mit Ehrfurcht emporblicken wird’ . Er gehörte zu den Vertretern einer kämpferischen und idealistischen Geschichtsschreibung, gab sich bewusst volksnah und trat Zeit seines Lebens für die deutsche Nationalbewegung ein. Sein Traum eines ein-heitlichen deutschen und bürgerlichen Nationalstaates, wie er ihn in seinen „Reden an die deutsche Nation“ andeutete, konnte zu seinen Lebzeiten nicht verwirklicht werden. Die Wirkung Fichtes auf die deutsche Nationalbewegung und Philosophie war dennoch enorm. In seinen „Reden“ stellte er auch seine pädagogischen Vorstellungen im Hin-blick auf ein neues Menschengeschlecht im sog. Nationalerziehungsplan vor. Diese Hausarbeit möchte sich im Wesentlichen mit diesem Nationalerziehungsplan, der in den „Reden“ dargestellt wird, inhaltlich auseinandersetzen. Im ersten Teil soll dabei auf Fichtes Leben und Werk eingegangen werden. Danach soll das Wesen von Fichtes Erziehungsplan anhand der zweiten und dritten Rede vorgestellt werden. Der zweite Teil setzt sich, nach einer kurzen Vorstellung von Diesterwegs Leben und Werk, mit Diesterwegs Rezeption des Fichteschen Nationalerziehungsplan auseinander. Denn Diesterweg stand Fichtes Auffassungen durchaus kritisch gegenüber, ohne jedoch seine allgemeine Leistung zu schmälern.


Excerpt (computer-generated)

Friedrich-Schiller-Universität Jena, Institut für Erziehungswissenschaften
Proseminar: Die didaktischen Auffassungen F.A.W. Diesterwegs
und ihre Bedeutung für die Gestaltung des Unterrichts
Wintersemester 2003/04, 3. Fachsemester

J.G. Fichtes Nationalerziehungsplan in den
,Reden an die deutsche Nation′ und seine Rezeption durch Diesterweg

von

Klaus Genschmar

 


Inhaltsverzeichnis

Einleitung  3

1. Johann Gottlieb Fichte 4

1.1 Fichtes Leben 4
1.2 Persönlichkeit und Werk  6
1.3 Fichtes Geschichtsphilosophie und Sittenlehre  8
1.4 Der Nationalerziehungsplan in den „Reden an die deutsche Nation“  8

1.4.1 Vorbemerkungen  8
1.4.2 Zum Nationalerziehungsplan 9
1.4.3 „Vom Wesen der neuen Erziehung im allgemeinen“ in der zweiten Rede  11
1.4.4 „Fortsetzung der Schilderung der neuen Erziehung“ in der dritten Rede  13

2. Friedrich Adolph Wilhelm Diesterweg  14

2.1 Diesterwegs Leben und Werk 14
2.2 Diesterweg über Fichtes Ideen im Nationalerziehungsplan  15

Schluss  18

Literaturverzeichnis  19




 

Einleitung

Johann Gottlieb Fichte gehört zu den bekanntesten deutschen Philosophen der Klassik. Laut Franz Mehring war ‚unter unseren klassischen Philosophen [...] Fichte der kühnste und revolutionärste Denker, ein ganzer Mann, zu dessen gewaltigen Lebenswerk jeder gesittete Mensch mit Ehrfurcht emporblicken wird’1. Er gehörte zu den Vertretern einer kämpferischen und idealistischen Geschichtsschreibung, gab sich bewusst volksnah und trat Zeit seines Lebens für die deutsche Nationalbewegung ein. Sein Traum eines einheitlichen deutschen und bürgerlichen Nationalstaates, wie er ihn in seinen „Reden an die deutsche Nation“ andeutete, konnte zu seinen Lebzeiten nicht verwirklicht werden. Die Wirkung Fichtes auf die deutsche Nationalbewegung und Philosophie war dennoch enorm. In seinen „Reden“ stellte er auch seine pädagogischen Vorstellungen im Hinblick auf ein neues Menschengeschlecht im sog. Nationalerziehungsplan vor.
Diese Hausarbeit möchte sich im Wesentlichen mit diesem Nationalerziehungsplan, der in den „Reden“ dargestellt wird, inhaltlich auseinandersetzen. Im ersten Teil soll dabei auf Fichtes Leben und Werk eingegangen werden. Danach soll das Wesen von Fichtes Erziehungsplan anhand der zweiten und dritten Rede vorgestellt werden. Der zweite Teil setzt sich, nach einer kurzen Vorstellung von Diesterwegs Leben und Werk, mit Diesterwegs Rezeption des Fichteschen Nationalerziehungsplan auseinander. Denn Diesterweg stand Fichtes Auffassungen durchaus kritisch gegenüber, ohne jedoch seine allgemeine Leistung zu schmälern.

Hauptteil: „Erziehung, Vaterlandsliebe und Patriotismus – J.G. Fichte und F.A.W. Diesterweg“

1. Johann Gottlieb Fichte

1.1 Fichtes Leben

Johann Gottlieb Fichte wurde am19. Mai 1762 als erstes Kind des armen Bandwebers Christian Fichte (1737-1812) in Rammenau (Oberlausitz) geboren. Die traditionelle Lebensform eines handwerklichen Kleinunternehmens in bäuerlicher Umgebung, die Beteiligung an der Arbeit, die Sorgen und Freuden des Alltags prägten Fichtes ersten Lebensabschnitt. Von seinem Vater lernte er schon im frühen Alter das Lesen. Um 1770 wurde der Freiherr Ernst Haubold von Miltitz (1769-1813) zufällig bei einem Besuch in Rammenau auf die Intelligenz des jungen Fichte aufmerksam und gab ihn in die Obhut des Pfarrers Gotthold Leberecht Krebel in Niederau bei Meißen, wo er mit den alten Sprachen vertraut gemacht wurde. In seinem zwölften Lebensjahr trat er in die Stadtschule von Meißen ein und bald darauf wechselte er in die Fürstenschule Schulpforta bei Naumburg. Mit dem Abgangszeugnis begann er um 1780 das Theologiestudium in Jena, wechselte aber schon 1781 an die Leipziger Universität. Er legte aber kein Abschlussexamen in der Theologie ab, da er in einzelnen Bereichen (z.B. Hebräisch) beträchtliche Lücken hatte. Zudem belasteten ihn finanzielle Engpässe und er liebäugelte bereits in Jena mit den Rechtswissenschaften. Ab 1784 verdiente er seinen Unterhalt in wechselnden Stellungen als Hauslehrer. Ab 1788 schien seine finanzielle Lage immer aussichtsloser. Erst eine Hauslehrerstelle in Zürich half ihm aus dieser verzweifelten Situation. In Zürich knüpfte er Kontakte mit Lavater und Pestalozzi und lernte seine spätere Frau Marie Johanne Rahn (1755-1819), eine Nichte Klopstocks, kennen. Anfang 1790 kehrte Fichte nach Leipzig zurück, um noch einmal sein Studium aufzunehmen. Um Nachhilfeunterricht zu erteilen, studiert er die Werke Kants. Zum Sommer 1791 ging er nach Warschau, wo ihm eine Hauslehrerstelle angeboten wurde. Nachdem sich diese Sache zerschlug, machte er darauf einen Abstecher zu Kant in Königsberg. Um Interesse bei Kant zu erregen veröffentlichte er seine erste Schrift "Kritik aller Offenbarung". Kant war begeistert und gab die Schrift anonym an seinen Verleger weiter.
Zunächst hielt man Kant für den Verfasser der Schrift. Nach dessen Gegenerklärung um 1792 wurde Fichte als Verfasser bekannt und gelangte damit endlich zu philosophischer Berühmtheit. Im Sommer 1793 kehrte Fichte nach Zürich zurück und heiratete dort am 22. Oktober 1793 Marie Johanne Rahn. Unter dem Eindruck der Ereignisse während der Französischen Revolution veröffentlichte er im gleichen Jahr, inspiriert durch Kant, die "Beiträge zur Berichtigung der Urteile des Publikums über die Französische Revolution" bzw. "Zurückforderung der Denkfreiheit von den Fürsten Europas, die sie bisher unterdrückten". 1794 folgte er einem Ruf auf den vakanten Lehrstuhl für Philosophie in Jena. Fichte verlegte seine öffentlichen Vorlesungen "Über die Bestimmung des Gelehrten" auf den Sonntagvormittag, wogegen die Kirchenbehörde intervenierte. Nachdem Fichte 1795 gegen das Unwesen halb krimineller studentischer "Orden" opponierte, sah er sich tätlichen Angriffen ausgesetzt und zog sich nach Ossmannstedt bei Weimar zurück. Im gleichen Jahr brachte er gemeinsam mit Niethammer das "Philosophische Wochenjournal" heraus.

[...]


1 Zit. nach: Hrsg.-Kollegium: GÜNTHER, Karl-Heinz (Leiter), Geschichte der Erziehung, 16. Aufl., Berlin 1988, S. 193.


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