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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 38 Pages
Author: Christoph Schmidt
Subject: Geography / Earth Science - Tourism Geography
Details
Institution/College: University of Bayreuth (Lehrstuhl für Stadtgeographie und Geographie des ländlichen Raumes)
Tags: Binnentourismus, Entwicklungsländern, Marginale, Größe, Markt, Tourismus, Entwicklungsländern
Year: 2006
Pages: 38
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 51 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-88497-6
File size: 740 KB
Kommentar des Dozenten: "sehr gut"
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Abstract
Bei der Wahl des jährlichen Hauptreiseziels spielen gerade in unseren Breiten Faktoren wie Sonne, Sandstrand und tropische Vegetation eine dominante Rolle. Viele Entwicklungsländer verfügen in hohem Maße über jene naturräumliche Ausstattung und konnten infolge dessen eine große Zahl von Touristenankünften aus Industrieländern verbuchen. Als Reisender oder Urlauber gewinnt man leicht den Eindruck, für die Tourismusbranche in den Ländern der Dritten Welt die einzige bestimmende Größe darzustellen. Doch lassen die touristischen Attraktionen, salopp gefragt, die Einheimischen völlig kalt? Reisen sie überhaupt und wenn ja, welchen Motivationen folgen sie? Der Binnentourismus, falls vorhanden, ist ein kaum beachtetes Forschungsfeld. Es gilt demnach, dem quantitativen Umfang, sowie Motiven und Auswirkungen des Fremdenverkehrs der Einheimischen nachzuspüren und der Frage nachzugehen, inwiefern der Binnentourismus in Entwicklungsländern lediglich eine marginale Größe darstellt oder (bereits) einen nicht zu vernachlässigenden Rang im gesamten Tourismusaufkommen eingenommen hat.
Excerpt (computer-generated)
Universität Bayreuth, Lehrstuhl für Stadtgeographie und Geographie des ländlichen Raumes
Hauptseminar: „Tourismus in Entwicklungsländern“
WS 2006/2007, 7. Semester
Binnentourismus in Entwicklungsländern -
Marginale Größe oder kommender touristischer Markt?
von
Christoph Schmidt
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung... 5
2 Grundlegende Aspekte und geographischer Bezug... 5
2.1 Definition und Abgrenzung der Begriffe ‚Binnentourismus’ und ‚Entwicklungsland’... 5
2.2 Binnentourismus im Spiegel kulturgeographischer Forschung... 7
2.3 Endogener Tourismus als Indikator des Entwicklungsstandes... 8
3 Reisemotive der Binnentouristen im Wandel der Zeit... 10
3.1 Religions- und Pilgertourismus... 11
3.2 Körperliche Erholung: Sommerfrische und Heilquellen... 13
3.3 Verwandten- und Freundesbesuche... 15
3.4 Tourismusformen westlichen Musters... 15
4 Die quantitative Dimension des Binnentourismus in Entwicklungsländern... 17
4.1 Probleme der Erfassung des Binnentourismus... 17
4.2 Einflussgrößen auf den Umfang des Binnentourismus... 18
4.2.1 Naturräumliche Ausstattung... 18
4.2.2 Wirtschaftliche Entwicklung... 19
4.2.3 Sozio-kulturelle Faktoren... 19
4.3 Binnentourismus-Aufkommen in Entwicklungsländern... 20
4.4 Ökonomische Aspekte... 24
4.4.1 Binnentourismus und Bruttoinlandsprodukt... 24
4.4.2 Regionale Auswirkungen und Ausgleichseffekte in Raum und Zeit... 26
5 Sozio-kulturelle Auswirkungen... 27
5.1 Verhältnis der Binnentouristen zu den internationalen Touristen... 27
5.2 Verhältnis der Binnentouristen zum eigenen Land... 29
6 Ökologische Aspekte... 30
7 Binnentourismus in Entwicklungsländern – marginale Größe oder kommender touristischer Markt?... 31
8 Literaturverzeichnis... 36
1 Einführung
Bei der Wahl des jährlichen Hauptreiseziels spielen gerade in unseren Breiten Faktoren wie Sonne, Sandstrand und tropische Vegetation eine dominante Rolle. Viele Entwicklungsländer verfügen in hohem Maße über jene naturräumliche Ausstattung und konnten infolge dessen eine große Zahl von Touristenankünften aus Industrieländern verbuchen. Als Reisender oder Urlauber gewinnt man leicht den Eindruck, für die Tourismusbranche in den Ländern der Dritten Welt die einzige bestimmende Größe darzustellen.
Doch lassen die touristischen Attraktionen, salopp gefragt, die Einheimischen völlig kalt? Reisen sie überhaupt und wenn ja, welchen Motivationen folgen sie? Der Binnentourismus, falls vorhanden, ist ein kaum beachtetes Forschungsfeld. Es gilt demnach, dem quantitativen Umfang, sowie Motiven und Auswirkungen des Fremdenverkehrs der Einheimischen nachzuspüren und der Frage nachzugehen, inwiefern der Binnentourismus in Entwicklungsländern lediglich eine marginale Größe darstellt oder (bereits) einen nicht zu vernachlässigenden Rang im gesamten Tourismusaufkommen eingenommen hat.
2 Grundlegende Aspekte und geographischer Bezug
2.1 Definition und Abgrenzung der Begriffe ‚Binnentourismus’ und ‚Entwicklungsland’
Im Vorfeld der Beschäftigung mit dem Binnentourismus ist es unerlässlich, sich zunächst mit der Definition und Terminologie der relevanten Schlüsselbegriffe auseinander zu setzen. Die Vielfalt der geprägten Begriffe, vor allem im Kontext des Tourismus, erfordert eine genaue Abgrenzung, um Verwechslungen und Fehlinterpretationen zu vermeiden. Da sich diese Arbeit mit dem Binnentourismus befasst, soll die Mannigfaltigkeit der unterschiedlichen Definitionen von ‚Tourismus’ außer Acht gelassen werden, um sich gleich dem wesentlicheren Begriff des ‚Binnentourismus’ zuzuwenden. Die World Tourism Organization (WTO) (1993) definiert einen Binnentouristen als „any person residing in a country , who travels to a place within the country outside his/her usual environment, for a period not exceeding 12 months and whose main purpose of visit is other than the exercise of an activity remunerated from within the place visited“ (GHIMIRE 2001, S. 4). Neben den angeführten Bedingungen muss eine Person außerdem eine minimale Aufenthaltsdauer von 24 Stunden aufweisen, um als Binnentourist und nicht als ‘same-day visitor’ zu gelten. Als mögliche Reiseabsichten kommen laut WTO in Frage:
• Freizeit, Erholung und Urlaub
• Besuchen von Freunden und Verwandten
• Geschäftliches und Berufliches
• medizinische Versorgung
• Religiöses und Pilgerreisen
• Sonstiges
Anhand dieser Auflistung werden sofort die Schwächen dieser Definition offensichtlich: Die zu weit gefassten Reisemotivationen (sprich alle) führen dazu, dass jeder, der für mehr als 24 Stunden seine gewohnte Umgebung verlässt, als Binnentourist zu zählen ist. Außerdem ist es mit dieser Definition nicht möglich, eine Aufschlüsselung der Binnentouristen nach ihrer Reiseabsicht durchzuführen, die gerade im Vergleich zu den westlichen Ländern interessant wäre (GHIMIRE 2001, S. 4).
Dem ‚Binnentourismus’ stehen noch weitere Synonyme oder inhaltsverwandte Begriffe zur Seite. Der nationale Tourismus untergliedert sich nach UN und WTO (1994) in den ‚Inlandstourismus’ (engl. ‚domestic tourism’), der mit dem Binnentourismus gleichzusetzen ist, und den ‚Auslandstourismus’ (engl. ‚outgoing tourism’), dessen im Inland generierte Nachfrage durch Reisen ins Ausland befriedigt wird. Der Auslandstourismus ist aber wegen des grenzüberschreitenden Reisens zugleich Teil des internationalen Tourismus (MUNDT 2001, S. 5).
Der Ausdruck ‚endogener Tourismus’ „bezeichnet die touristische Nachfrageseite eines Landes (…) [, also] den in einem Lande selbst entstehenden Tourismus, der (…) nicht von außen (exogen) hineingetragen wird“ (SCHLENKE und STEWIG 1981, S. 6). Diese nur auf die Nachfrage des Tourismus ausgerichtete Definition impliziert eine weitere Unterscheidung in ‚endogenen Binnentourismus’ (Reise verläuft im Land der Nachfrage) und ‚endogenen Auslandstourismus’ (Reise ins Ausland) (SCHLENKE und STEWIG 1981, S. 6). Der allgemeinere Begriff des endogenen Tourismus darf also auf keinen Fall mit dem Binnentourismus gleichgesetzt werden; der Binnentourismus umfasst lediglich die im Inland durch die touristische Nachfrage durchgeführten Reisen (vgl. Tab. 1).
Tab. 1 Übersicht der Arten des Tourismus durch inländische Nachfrage [Tabelle in der Downloaddatei vorhanden]
GRÖTZBACH (1981, S. 11) merkt an, dass der semantische Gehalt von ‚Tourismus’ und ‚Tourist’ in Entwicklungsländern lediglich auf den internationalen Tourismus bezogen ist und den Binnentourismus völlig außer Acht lässt. Auch spricht der gleiche Autor (1981, S. 12) im Allgemeinen von ‚Binnenreiseverkehr’; erst wenn dieser „gewisse moderne Züge“ trägt, zum Beispiel hinsichtlich der Art der Unterkunft und Wahl der Verkehrsmittel, dürfe man von ‚Binnentourismus’ sprechen.
Ebenso wie beim ‚Tourismus’ gibt es auch für den Begriff ‚Entwicklungsland’ keine allgemeingültige Definition. Verschiedene Organisationen ziehen unterschiedliche Kriterien heran, um Staaten in Entwicklungsländer, Schwellenländer und Industrieländer einzuteilen. Erstes Kennzeichen von Entwicklungsländern ist ihre Unterentwicklung, die sich in exogenen (zum Beispiel die Einbindung in den Weltmarkt) oder endogenen (zum Beispiel Einkommen oder Lebenserwartung) Merkmalen manifestiert (NOHLEN 2002, S. 234). Während die Weltbank ausschließlich das Pro-Kopf-Einkommen zur Klassifizierung von Entwicklungsländern heranzieht (NOHLEN 2002, S. 683), bezieht das UN-Development Program (UNDP) mit dem 1990 eingeführten Human Development Index (HDI), der den „Stand menschlicher Entwicklung“ (NOHLEN 2002, S. 365) misst, auch soziale Komponenten und relative Indikatoren mit ein. Da nach Sicht des Verfassers der HDI zur Beschreibung der Entwicklung eines Landes am aussagekräftigsten ist, soll dieser im Folgenden maßgeblich sein.
2.2 Binnentourismus im Spiegel kulturgeographischer Forschung
Mit dem Aufkommen von Fernreisen in Entwicklungsländer ab Anfang der 1960er Jahre, an denen wegen der besseren und günstigeren Flugverbindungen auch zunehmend die Mittel- und Unterschichten der Industrienationen beteiligt waren (VORLAUFER 1996, S. 17ff.), wuchsen sowohl die Einflüsse westlicher Touristen in den Reisedestinationen als auch die Zahl der Arbeiten, die sich aus geographischer Sicht mit dem Phänomen des internationalen Tourismus in Entwicklungsländern auseinander setzten. Die wissenschaftlichen Untersuchungen konzentrierten sich auf volkswirtschaftliche und kulturelle Auswirkungen, verursacht durch Touristen aus dem ‚reichen Norden’, wohingegen der Tourismus innerhalb der Entwicklungsländer weitgehend unter den Tisch gefallen ist und auch wenige Studien existieren, die die Auswirkungen von Inlands- und internationalem Tourismus gegeneinander abgrenzen (GHIMIRE 2001, S. 2f.).
Ein Grund, der für das konsequente Ignorieren des Binnentourismus in unterentwickelten Ländern verantwortlich ist, stellt die unzureichende, wenn überhaupt vorhandene Datenlage zum Umfang des Binnentourismus dar. Dies kann sogar so weit gehen, dass die Existenz eines Binnentourismus grundsätzlich verneint wird (POPP 2001, S. 20). Wichtig erscheint in diesem Zusammenhang auch die geringere Finanzkraft der nationalen Touristen in südlichen Ländern (verglichen mit Touristen aus Industrienationen), die auf weniger Interesse seitens der Investoren sowie der Regierungen in den Zielländern stößt, welche ihrerseits nur wertbeständigen, westlichen Devisen Beachtung verleihen. Zudem sitzen die meisten Nongovernmental Organizations (NGOs) und Forschungsinstitutionen in den Industrieländern und neigen daher in ihren Untersuchungen dazu, lediglich die eigenen Reiseverhaltensmuster und die Tourismuspolitik der Regierung zu berücksichtigen (GHIMIRE 2001, S. 3). Ein weiterer Grund für die Vernachlässigung des Binnentourismus in Drittwelt- Ländern sind nach KAMP (1995, S. 138) die „selfish interests“ derjenigen, die für Entwicklungsprogramme, als welches ja auch der Tourismus betrachtet wird, werben und die Entwicklungsländer lediglich als „ready markets“ für den internationalen Fremdenverkehr ansehen. Außerdem kommt der Binnentourismus häufig in anderen Tourismusstilen zum Ausdruck, findet oft räumlich getrennt vom internationalen Tourismus statt und erscheint „weniger spektakulär“, so dass er, auch wegen der „eurozentrischen Orientierung“ (GRÖTZBACH 1988, S. 10) der Forschung bisher kaum Beachtung gefunden hat. Insgesamt gesehen sieht die bestehende Literatur der Tourismusforschung den ‚Touristen’ „as being automatically a ‚Northerner’, with leisure activity being his or her privileged practice“ (GHIMIRE 2001, S. 3).
2.3 Endogener Tourismus als Indikator des Entwicklungsstandes
[...]
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