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Bestattungen des frühen und mittleren Jungpaläolithikums

Scholary Paper (Seminar), 2000, 66 Pages
Author: Heinz Tron
Subject: Archaeology

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2000
Pages: 66
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 33  Entries
Language: German
Archive No.: V76174
ISBN (E-book): 978-3-638-79843-3
ISBN (Book): 978-3-638-79758-0
File size: 4520 KB

Abstract

Diese Arbeit soll sich mit den Bestattungssitten des frühen bis mittleren Jungpäläolithikums befassen. Es ist festzustellen, dass es dabei natürlich einige Schwierigkeit gibt, die hier vorweg erläutert werden sollen. So ist die Abgrenzung des Mittel- gegen das Jungpaläolithikum bereits mit einigen Schwierigkeit behaftet. Einige der frühstjungpaläolithischen Kulturen wie das Chatelperronien und Szeletin werden mit den Neandertalern in Verbindung gebracht. Es scheint sich hier um Neandertalerkulturen zu handeln, die nach der Wende des Mittel- zum Jungpaläolithikum weiter existierten und erst in der Frühphase des Jungpaläolithikum, aus bisher noch ungeklärten Ursachen, verschwanden. Das Aurignacien ist die erste Kultur, die offensichtlich ausschließlich mit dem modernen Menschen, dem Homo sapiens sapiens in Verbindung zu bringen ist. Es soll sich nun in dieser Arbeit ausschließlich mit den Bestattungen des modernen Menschen im frühen und mittleren Jungpaläolithikum befasst werden. Dazu wurden einige Bestattungsplätze ausgewählt und versucht diese näher zu betrachten um hier möglicherweise Gemeinsamkeiten, aber auch Trennendes festzustellen. Es handelt sich dabei um die mährischen Fundplätze des Pavlovian, Dolni Vestonice und Predmosti, den russischen Fundplatz Sungir, sowie die an der italienischen Riviera gelegen Fundplätze der Grimaldi Höhlen. Es muss hier darauf verwiesen werden, dass es bereits einige Überblicke über dieses Thema gibt, so Harrod (1980) und Binant (1991). Diese Überblicke sind jedoch nicht frei von Fehlern, was sicherlich an der ursprünglichen Publikationsform der einzelnen Funde liegt. Aus diesem Grund soll sich in dieser Arbeit auf einige, wenige, Fundplätze beschränkt werden.


Excerpt (computer-generated)

Humboldt-Universität zu Berlin

Hauptseminar: Steinzeitliche Bestattungen. Befund – Analyse – Interpretationen

Bestattungen des frühen und mittleren Jungpaläolithikums

Heinz Tron

 

Gliederung


1. Einleitung ... 1

2. Kultgemeinschaft ... 1

3. Einführung in die Kulturen des frühen und mittleren Jungpaläolithikums ... 3

3.1. Allgemeiner Überblick ... 3
3.2. Das früheste Jungpaläolithikum ... 6
3.3. Das frühe Jungpaläolithikum ... 7
3.4. Das mittlere Jungpaläolithikum ... 9

4. Vorstellung der einzelnen Bestattungen ... 12

4.1. Bestattungen des frühen Jungpaläolithikums ... 12
    4.1.1. Die Grimaldi Höhlen ... 12
        4.1.1.1. Grotte des Enfants ... 13
        4.1.1.2. Grotte de Caviglione ... 17
        4.1.1.3. Barma Grande ... 18
        4.1.1.4. Baousso da Torre (Caverna de la Cippa del Ponte) ... 21
        4.1.1.5. Zusammenfassung ... 23
4.2. Bestattungen des mittleren Jungpaläolithikums. ... 25
    4.2.1. Die Bestattungen von Sungir. ... 25
        4.2.1.1. Der Mann von Sungir ... 25
        4.2.1.2. Kinderbestattungen ... 27
        4.2.1.3. Zusammenfassung ... 28
    4.2.2. Die Bestattungen von Dolni Vestonice und Pavlov ... 29
        4.2.2.1. Dolni Vestonice ... 29
        4.2.2.2. Pavlov ... 40
        4.2.2.3. Zusammenfassung ... 41
    4.2.3. Predmosti ... 43
        4.2.3.1. Funde ... 45
        4.2.3.2. Verwandtschaftliche Beziehungen unter den Bestatteten ... 47
        4.2.3.3. Zusammenfassung ... 48

5. Zusammenfassung ... 50

6. Literatur ... 58

7. Anhang

 

 

1. Einleitung

Diese Arbeit soll sich mit den Bestattungssitten des frühen bis mittleren Jungpäläolithikums befassen. Es ist festzustellen, dass es dabei natürlich einige Schwierigkeit gibt, die hier vorweg erläutert werden sollen. So ist die Abgrenzung des Mittel- gegen das Jungpaläolithikum bereits mit einigen Schwierigkeit behaftet. Einige der frühstjungpaläolithischen Kulturen wie das Chatelperronien und Szeletin werden mit den Neandertalern in Verbindung gebracht. Es scheint sich hier um Neandertalerkulturen zu handeln, die nach der Wende des Mittel- zum Jungpaläolithikum weiter existierten und erst in der Frühphase des Jungpaläolithikum, aus bisher noch ungeklärten Ursachen, verschwanden.
Das Aurignacien ist die erste Kultur, die offensichtlich ausschließlich mit dem modernen Menschen, dem Homo sapiens sapiens in Verbindung zu bringen ist.
Es soll sich nun in dieser Arbeit ausschließlich mit den Bestattungen des modernen Menschen im frühen und mittleren Jungpaläolithikum befasst werden. Dazu wurden einige Bestattungsplätze ausgewählt und versucht diese näher zu betrachten um hier möglicherweise Gemeinsamkeiten, aber auch Trennendes festzustellen. Es handelt sich dabei um die mährischen Fundplätze des Pavlovian, Dolni Vestonice und Predmosti, den russischen Fundplatz Sungir, sowie die an der italienischen Riviera gelegen Fundplätze der Grimaldi Höhlen.
Es muss hier darauf verwiesen werden, dass es bereits einige Überblicke über dieses Thema gibt, so Harrod (1980) und Binant (1991). Diese Überblicke sind jedoch nicht frei von Fehlern, was sicherlich an der ursprünglichen Publikationsform der einzelnen Funde liegt. Aus diesem Grund soll sich in dieser Arbeit auf einige, wenige, Fundplätze beschränkt werden.


2. Kultgemeinschaft

Da sich gezeigt hat, dass eine ethnische Interpretation archäologischer Funde mit größeren Schwierigkeiten behaftet ist scheint es archäologisch opportun Kultgemeinschaften zu fassen. Hierfür scheint der Bestattungsbrauch die beste Möglichkeit zu sein, da, um mit den Worten von Camus zu sprechen „Der Mensch vor dem Tod wie der Schauspieler vor dem Vorhang“ agiert. Aus dieser Erkenntnis scheint sich ableiten zu lassen, dass eine Gemeinschaft die eine gleiche Jenseitsvorstellung hat, oder eine auch keine, die Toten ihrer Vorstellung entsprechend so behandeln wird, dass die Transformation in das Jenseits nicht gefährdet wird. Dies äußerte sich häufig in ähnlicher oder gleicher Bestattungssitte.
Als Beispiel kann das Christentum angeführt werden, hier äußert sich eine gemeinsame Jenseitsvorstellung in einer Uniformität der Gräber. Das idealchristliche Grab ist wie folgt definiert: Flachgräberfeld auf dem die Verstorbenen regelhaft mit dem Kopf im Westen in Rückenlage beigesetzt werden um am Tag des Jüngsten Gerichts den Sonnenaufgang zu sehen (Randsborg & Nybo, 1984) und Beigabenlosigkeit. Auch heute, in einer Zeit in der das Christentum immer mehr an Bedeutung verliert, bleiben einige Grundstrukturen einer christlichen Bestattung erhalten. Dies ist das Flachgräberfeld mit Einzelbestattungen ohne Beigaben. In diesen Gräberfeldern treten nun einige Ausnahmen auf. Dazu zählt unter anderem die Feuerbestattung. Doch äußern sich gerade in diesen „Sonderformen“ die Auflösungserscheinungen unserer Kultgemeinschaft.
Auch ist natürlich denkbar, dass trotz gleicher Jenseitsvorstellung die Toten auf unterschiedliche Art behandelt werden müssen um das Jenseits zu erreichen. So wäre es beispielsweise denkbar, dass Menschen die in der kalten Jahreszeit sterben eine andere Bestattungszeremonie erhalten, wie Menschen die im Sommer sterben.
Die größte Unsicherheit bei der Beurteilung der paläolithischen Bestattungssitten stellt allerdings die Menge der überlieferten Bestattungen dar. Auch scheint bei der Bergung dieser Bestattungen auf manche Aspekte nicht genügend Aufmerksamkeit gelegt worden zu sein.
So konnte Ullrich (1997) zeigen, dass es sich in der Zeit des Jungpaläolithikums nur bei rund 10-12 % der durch Knochenreste belegten Individuen um Körperbestattungen handelt.
Es sind sogar 84 % der jungpaläolithischen durch Skelettreste fassbaren Individuen nur durch isolierte Knochen bzw., Zähne repräsentiert (Ullrich, 1997, S. 349).
Häufig lassen sich an diesen Knochen Spuren von Manipulationen finden. Diese Spuren wurden oder werden mit Kannibalismus (Anthropophagie) in Verbindung gebracht. In neueren Untersuchungen konnte Ullrich (1997, S. 350) allerdings zeigen, dass diese Spuren wohl auch Teil eines Bestattungsbrauchs gewesen sein könnten. Demnach wäre das Hauptanliegen beim Abfleischen der Knochen oder beim Durchtrennen der Sehnen nicht die Gewinnung von Fleisch, sondern von Knochen gewesen.
Mit diesen könnte dann eine Bestattungszeremonie abgehalten worden sein, die dem Toten den Weg in das Jenseits oder zumindest aus dem Diesseits heraus ebnet. Man kann daher vermuten, dass der paläolithische Bestattungsbrauch die Knochen in den Mittelpunkt stellte und diese bei den Verstorbenen auf unterschiedlichste Weise gewonnen wurden. Laut Ullrich (1997, S. 348) sind bestimmte Knochen, oder besser gesagt bestimmte Knochenbruchstücke von Kranium, Femur und Unterkiefer im Fundgut überrepräsentiert.
Diese These hat einiges für sich, weisen doch viele Knochen Modifikationen auf, die wohl nicht auf Anthropophagie zurückzuführen sind, da die Schnittmarken wie Ullrich ausführt an Stellen liegen wo sie nicht zur Fleischgewinnung sondern eher zur Knochengewinnung dienen.
Die Anzahl der nur in einzelnen Knochen überlieferten Individuen ist auf keinen Fall mit Bestattungszeremonien gleichzusetzen bei denen nur ein Knochen, als pars pro toto, Verwendung fand. Vielmehr verbergen sich in dieser Zahl auch gestörte Bestattungen. Sei es, dass die Bestattung in urgeschichtlicher oder in relativ moderner Zeit gestört wurde. Auch ist an das Verschleppen von Knochen durch Karnivoren zu denken. Allerdings wurden bisher meines Wissens nach noch keine Zahnabdrücke gefunden, die dies beweisen würden.
Auch Anthropophagie kann natürlich nicht ausgeschlossen werden. Bisher wurden allerdings noch keine Zahnabdrücke gefunden, die den Beweis das tatsächlich Kannibalismus praktiziert wurde, erbringen.
Es wurden allerdings Fundzusammenhänge entdeckt, in denen offensichtlich die Knochen des Wildes Schnittspuren und Brüche genau an denselben Stellen zeigen, wie die im selben Befund gefundenen menschlichen Knochen (Eberl, 2000). Einschränkend muss hier angemerkt werden, dass es sich hierbei um eine Fundstelle von Neandertalern handelt, und dass es bis heute keinen ethnologischen Nachweis gibt, dass Menschen Menschen, außerhalb extremer Hungerereignisse, wie dem Flugzeugabsturz in den Anden 1972 verspeist haben (Peter-Röcher, 1997).
Da aber die Diskussion, inwieweit es sich bei den isoliert gefunden Knochen und Zähnen nun um die Reste einer Bestattungszeremonie handelt noch am Anfang steht und es nach der derzeitigen Befundlage als unmöglich erscheint diese wahrscheinlich vorhandenen Rituale zu beschreiben, soll sich in dieser Arbeit auf die intentionellen Körperbestattungen des frühen und mittlere Jungpaläolithikum konzentriert werden. Auf Grund der Befunde ist es als sicher anzusehen, dass es sich bei diesen Befunden um intentionelle Bestattungen handelt, auch wenn sie möglicherweise eine Sonderform im Bestattungswesen des Jungpaläolithikums darstellen.

 

[...]



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