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Die Presse in Italien

Scholary Paper (Seminar), 2007, 24 Pages
Author: Sabrina Loi
Subject: Communications: Print Media, Press

Details

Institution/College: University of Leipzig
Tags: Presse, Italien
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2007
Pages: 24
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 27  Entries
Language: German
Archive No.: V76325
ISBN (E-book): 978-3-638-80552-0
ISBN (Book): 978-3-638-80751-7
File size: 184 KB

Abstract

Es hat fast 59 Millionen Einwohner, ist über 300.000 Quadratkilometer groß und wenn man von oben darauf guckt, sieht es aus wie ein Stiefel: Italien. Das Land, das bekannt ist für Pizza, Pasta und Prosecco. Die Presse der Halbinsel dagegen ist nicht in aller Munde – höchstens das Fernsehen geriet vor allem wegen Medienmogul und Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi international in die Schlagzeilen. In dieser Arbeit wird das Pressesystem Italiens untersucht und veranschaulicht. Die Analyse beruft sich dabei auf die Theorie von Hallin und Mancini, die Italien dem so genannten polarisiert pluralistischem Modell zugeordnet haben. Dieses Modell vereint die südlichen Länder Europas unter sich, von denen die Autoren behaupten, sie hätten unter anderem folgende Gemeinsamkeiten: Eine elitäre und wenig objektive Presse, die teils noch vom Staat kontrolliert und zu instrumentalisieren versucht wird und die sich nur an eine sehr kleine Leserschaft wendet. Diese Arbeit zeigt, ob die genannten Hypothesen auf die Presse Italiens zutreffen. Zunächst wird dargestellt, wie der Journalismus in Italien entstand und worauf Aspekte, die dort auch heute noch vorzufinden sind, zurückzuführen sind. Anschließend wird auf die Organisation und Struktur der Presse eingegangen: wem sie gehört, wie sie finanziert wird und wie dies im Zusammenhang steht mit dem Gesicht der italienischen Presselandschaft. Am Ende wird ein Blick auf die Leserschaft geworfen und untersucht, wen die italienische Presse anspricht und wie verbreitet sie ist. An dieser Stelle wird eine aktuelle Entwicklung näher analysiert werden, nämlich ob die Auflagenzahl erhöht wurde, als die Zeitungen nicht mehr nur in den Zeitungskiosken, sondern auch an anderen Stellen verkauft werden durften. Der Schwerpunkt des Werkes liegt auf der nationalen Tagespresse.


Excerpt (computer-generated)

Universität Leipzig, Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft
Abteilung Historische und Systematische Kommunikationswissenschaft
Wintersemester 2006/2007, 9. Studiensemester

Die Presse in Italien

von

Sabrina Loi

 


Inhaltsverzeichnis

Italien: Pizza, Pasta und die Presse 2

Ursprung und Entwicklung des italienischen Stils 3

Organisation und Struktur der Presse 7

Die 1.500 Zeitungsleser in Italien 12

Die Auflösung des Monopols der edicole 17

Italien: Presse im polarisiert pluralistischen Modell 20

Quellen 21

 



Italien: Pizza, Pasta und die Presse

Es hat fast 59 Millionen Einwohner, ist über 300.000 Quadratkilometer groß und wenn man von oben darauf guckt, sieht es aus wie ein Stiefel: Italien. Das Land, das bekannt ist für Pizza, Pasta und Prosecco. Die Presse der Halbinsel dagegen ist nicht in aller Munde – höchstens das Fernsehen geriet vor allem wegen Medienmogul und Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi international in die Schlagzeilen.

In dieser Arbeit soll nun das Pressesystem Italiens untersucht und veranschaulicht werden. Die Analyse beruft sich dabei auf die Theorie von Hallin und Mancini (2004), die Italien dem so genannten polarisiert pluralistischem Modell zugeordnet haben. Dieses Modell vereint die südlichen Länder Europas unter sich, von denen die Autoren behaupten, sie hätten unter anderem folgende Gemeinsamkeiten: Eine elitäre und wenig objektive Presse, die teils noch vom Staat kontrolliert und zu instrumentalisieren versucht wird und die sich nur an eine sehr kleine Leserschaft wendet. Diese Arbeit wird zeigen, ob die genannten Hypothesen auf die Presse Italiens zutreffen.

Zunächst soll dargestellt werden, wie der Journalismus in Italien entstand und worauf Aspekte, die dort auch heute noch vorzufinden sind, zurückzuführen sind. Anschließend wird auf die Organisation und Struktur der Presse eingegangen: wem sie gehört, wie sie finanziert wird und wie dies im Zusammenhang steht mit dem Gesicht der italienischen Presselandschaft. Am Ende wird ein Blick auf die Leserschaft geworfen und untersucht, wen die italienische Presse anspricht und wie verbreitet sie ist. An dieser Stelle wird eine aktuelle Entwicklung näher analysiert werden, nämlich ob die Auflagenzahl erhöht wurde, als die Zeitungen nicht mehr nur in den Zeitungskiosken, sondern auch an anderen Stellen verkauft werden durften. Der Schwerpunkt der Arbeit wird auf der nationalen Tagespresse liegen.
Die Entwicklung der Presse steht im unmittelbaren Zusammenhang mit dem politischen System des Landes und dessen soziale Strukturen. Auf diese wird zu den gegebenen Anlässen in dieser Arbeit eingegangen werden, doch die Komplexität des Themas verbietet eine allumfassende und detaillierte Darstellung in der Kürze dieser Arbeit, die aus diesem Grund keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann. Aus dem gleichen Motiv können einige Aspekte gar nicht und andere Aspekte nicht von allen Seiten beleuchtet werden. Jedoch wird diese Arbeit versuchen eine Grundlage zu bilden, auf der weitere Untersuchungen aufbauen können.

Ursprung und Entwicklung des italienischen Stils

In Italien entstand der Journalismus zur gleichen Zeit, als sich das Land zu einem einheitlichen Staat verband: in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts. Der italienische Journalismus von heute hat zwei Wurzeln. Sie liegen zum einen in den alten und traditionellen Merkmalen aus der Literatur und zum anderen im Kommerzialisierungsprozess der achtziger Jahre. Die ersten Zeitungen in Italien waren literarische Anzeiger, die vor allem Themen über Kunst, Literatur und Theater veröffentlichten und damit eine Diskussion in einem nur sehr eingegrenzten Kreis gelehrter Menschen ermöglichten. Doch nicht nur die Thematik grenzte den Leserkreis ein, sondern auch das strukturelle Problem der fehlenden Alphabethisierung in Italien und die Vorherrschaft verschiedener Dialekte in den einzelnen Regionen. (Mancini, 2003: 93; 2005: 56; Natale 2004: 373)

Der Kommentar, die Interpretation und die Analyse waren die üblichen Darstellungsformen im literarischen Journalismus, schließlich ging es um die Besprechung, Interpretation und Beurteilung künstlerischer Werke. Allerdings änderte sich die literarische Ausrichtung langsam aber kontinuierlich in einen Parteienjournalismus. Während sich der journalistische Blickpunkt in Richtung politisches Geschehen entwickelte, blieben die Darstellungsformen und der Stil jedoch erhalten und wurden auf die neue Ausrichtung übertragen. Der Journalismus wurde in Italien also auch in Hinblick auf die politische Berichterstattung kein informierender, sondern blieb ein analysierender und kommentierender Journalismus. (Mancini, 2003: 94)
Diese Art der Entwicklung der Presse in Italien fasst Mancini (2005: 45) folgendermaßen zusammen:
Ausgehend von einem literarischen Ausgangspunkt entwickelte sich der italienische Journalismus im Wesentlichen zum Parteijournalismus – ohne jedoch einige seiner literarischen Charakteristika zu verlieren, zu denen die Tendenz zum Elitären und die übertriebene stilistische Sorgfalt gehörten.
Eine Ausnahme bildet hier der Corriere della Sera. Von 1900 bis 1925 war Luigi Albertini dort Direktor. Er hatte Erfahrungen bei der Londoner Times gesammelt und startete den Versuch erstmals einen an Fakten orientierten, also neutralen Journalismus in Italien einzuführen. Der Einbruch des Faschismus unterbrach dieses Vorhaben jedoch. Dieses historische Ereignis führte im Nachhinein insgesamt zu einer Verstärkung der zuvor genannten Charakteristika. (Mancini, 2005: 43)
Der politische Parallelismus, der heute in Italien vorzufinden ist, fand seinen Ursprung in der Resistenza und Nachkriegszeit. Der Kampf gegen den Faschismus zwang die Zeitungen dazu, ihre eigenen Ideen von Freiheit zu verbreiten und ihre Blätter als Kommunikationsmittel dafür zu benutzen. „Die alte Tradition des Parteienjournalismus lebte im Kampf um die Befreiung wieder auf.“ Zuvor, nämlich ab 1925, mussten Zeitungen das Regime unterstützen. Mussolini, der vorher selbst Journalist war, reichte beispielsweise den Redaktionen die so genannten veline ein, bestimmte Texte, die sie veröffentlichten sollten. (Mancini, 2005: 46f)
Verbindungen zum Faschismus sollten im Journalismus anschließend natürlich unterbunden werden. Der Weg, den die Alliierten dafür einschlugen, war allerdings nicht ganz ohne Widerspruch:

[...]


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