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Eine medienökonomische Analyse der Auswirkungen von IPTV

Diplomarbeit, 2007, 92 Seiten
Autor: Diplom-Volkswirtin Friederike Krieger
Fach: Medien / Kommunikation - Medienökonomie, -management

Details

Kategorie: Diplomarbeit
Jahr: 2007
Seiten: 92
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 46  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V76348
ISBN (E-Book): 978-3-638-73370-0
ISBN (Buch): 978-3-638-73534-6
Dateigröße: 426 KB

Zusammenfassung / Abstract

Im Laufe der letzten 50 Jahre hat der technologische Fortschritt beständig neue Möglichkeiten hervorgebracht, um Fernsehinhalte zu den Zuschauern zu transportieren. Zum terrestrischen Fernsehempfang über die Hausantenne kam die Übertragung via Kabel und Satellit hinzu. Seit einigen Jahren ist es nun auch möglich, Programme über das Internet zu versenden, womit sich für die Fernsehanbieter ein vierter Übertragungsweg eröffnet. Dieser vierte Weg weist einige Charakteristika auf, durch die er sich von den bisher genutzten Pfaden unterscheidet. So gehören Sorgen bezüglich begrenzter Übertragungskapazitäten der Vergangenheit an. Welche Implikationen die neue Übertragungsmöglichkeit genannt „IPTV“ für die tatsächliche Programmvielfalt (definiert als Anzahl unterschiedlicher Programmangebote) hat, darüber scheiden sich die Geister. Während zum Beispiel Thomas Langheinrich, Präsident der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg, mit einer ähnlichen Vielfalt wie bei den anderen Übertragungswegen rechnet (vgl. Langheinrich 2006, S. 4), erwartet Jeffrey Hart vom Political Science Department der Indiana University eine viel größere Angebotsvielfalt, „not unlike the greater diversity of audio offerings that occured with the transition from LP records to digital compact discs“ (Hart 2004, S. 214). Ähnlich widersprüchlich sind auch die Einschätzungen bezüglich des Einflusses auf die Programmqualität (definiert als Investitionen in das Programmbudget beziehungsweise als Programmkosten). So rechnet Eli Noam vom Columbia Institute for Tele-Information ausschließlich mit „high-cost content“ (Noam 2004, S. 241). Dem gegenüber glaubt David Waterman vom Department of Telecommunications der Indiana University an einen „dichotomous mix of niche-oriented, but relatively cheap Internet-original fare on the one side, and mass appeal, relatively expensive multi-market syndicated programming, on the other“ (Waterman 2001, S. 21). Ziel dieser Arbeit ist daher, die Auswirkungen des neuen Übertragungswegs auf die Vielfalt und Qualität des Fernsehangebots mit Hilfe von Modellen der Programmwahl zu klären. Insbesondere soll auch untersucht werden, wie die durch IPTV hervorgerufenen Veränderungen in der Fernsehlandschaft die volkswirtschaftliche Wohlfahrt beeinflussen und ob sich daraus Anreize für die Gesellschaft ergeben, den neuen Verbreitungsweg zu fördern.


Textauszug (computergeneriert)

Universität zu Köln
Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät

Diplomarbeit im Fach „Spezielle Volkswirtschaftslehre“ (Medienökonomie)

Eine medienökonomische Analyse der Auswirkungen von IPTV

Friederike Krieger

 

Inhaltsverzeichnis


1 Problemstellung ... 3

2 Auswirkungen von IPTV auf die Programmvielfalt ... 4

2.1 Einfluss unbegrenzter Übertragungsmöglichkeiten auf die Vielfalt ... 10
2.2 Einfluss der Finanzierungsform auf die Vielfalt ... 24
2.3 Zwischenfazit ... 40

3 Auswirkungen von IPTV auf die Programmqualität ... 41

3.1 Einfluss der Finanzierungsform auf die Qualität ... 42
3.2 Einfluss unbegrenzter Übertragungsmöglichkeiten auf die Qualität ... 49
3.3 Zwischenfazit ... 56

4 Einfluss des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf das private IPTV-Angebot ... 58

5 Fazit ... 70

6 Anhang ... 73

7 Literaturverzeichnis ... 85

 

 

1 Problemstellung


„Nix bliev wie et wor“ (Kölsches Grundgesetz)

Im Laufe der letzten 50 Jahre hat der technologische Fortschritt beständig neue Möglichkeiten hervorgebracht, um Fernsehinhalte zu den Zuschauern zu transportieren. Zum terrestrischen Fernsehempfang über die Hausantenne kam die Übertragung via Kabel und Satellit hinzu. Seit einigen Jahren ist es nun auch möglich, Programme über das Internet zu versenden, womit sich für die Fernsehanbieter ein vierter Übertragungsweg eröffnet. Dieser vierte Weg weist einige Charakteristika auf, durch die er sich von den bisher genutzten Pfaden unterscheidet. So gehören Sorgen bezüglich begrenzter Übertragungskapazitäten der Vergangenheit an.
Welche Implikationen die neue Übertragungsmöglichkeit genannt „IPTV“ für die tatsächliche Programmvielfalt (definiert als Anzahl unterschiedlicher Programmangebote) hat, darüber scheiden sich die Geister. Während zum Beispiel Thomas Langheinrich, Präsident der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg, mit einer ähnlichen Vielfalt wie bei den anderen Übertragungswegen rechnet (vgl. Langheinrich 2006, S. 4), erwartet Jeffrey Hart vom Political Science Department der Indiana University eine viel größere Angebotsvielfalt, „not unlike the greater diversity of audio offerings that occured with the transition from LP records to digital compact discs“ (Hart 2004, S. 214).
Ähnlich widersprüchlich sind auch die Einschätzungen bezüglich des Einflusses auf die Programmqualität (definiert als Investitionen in das Programmbudget beziehungsweise als Programmkosten). So rechnet Eli Noam vom Columbia Institute for Tele-Information ausschließlich mit „high-cost content“ (Noam 2004, S. 241). Dem gegenüber glaubt David Waterman vom Department of Telecommunications der Indiana University an einen „dichotomous mix of niche-oriented, but relatively cheap Internet-original fare on the one side, and mass appeal, relatively expensive multi-market syndicated programming, on the other“ (Waterman 2001, S. 21).
Ziel dieser Arbeit ist daher, die Auswirkungen des neuen Übertragungswegs auf die Vielfalt und Qualität des Fernsehangebots mit Hilfe von Modellen der Programmwahl zu klären. Insbesondere soll auch untersucht werden, wie die durch IPTV hervorgerufenen Veränderungen in der Fernsehlandschaft die volkswirtschaftliche Wohlfahrt beeinflussen und ob sich daraus Anreize für die Gesellschaft ergeben, den neuen Verbreitungsweg zu fördern.
2 Auswirkungen von IPTV auf die Programmvielfalt
Die Programmvielfalt beziehungsweise die Anzahl unterschiedlicher Programmangebote spielt in vielen Modellen zur Analyse der Fernsehlandschaft eine wichtige Rolle, da sie als Maßstab dafür dient, wie gut den Präferenzen der Zuschauer durch ein marktmäßiges Fernsehangebot entsprochen wird und damit auch, welchen Nutzen sie daraus ziehen. Gleichzeitig ist die Programmauswahl eine zentrale Entscheidungsvariable für die Fernsehsender, mit der sie ihre Einnahmen zu maximieren versuchen.
Eine häufig geäußerte Befürchtung ist, dass der Marktmechanismus Programme benachteiligt, „die von einer im Vergleich zu den Opportunitätskosten zu kleinen Gruppe nachgefragt werden, d.h. kommerzielles Fernsehen diskriminiert von Minderheiten nachgefragte Meinungen“ (Schellhaaß 1994, S. 1). Da das Bundesverfassungsgericht im Rundfunkbereich aber eine Meinungsvielfalt fordert, die sich an den Interessen und Werten aller Bevölkerungsgruppen orientiert, setzen hier Begründungsmuster für die Einrichtung eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks an, der die Unzulänglichkeiten der kommerziellen Programmanbieter ausgleichen soll. Kapitel 4 geht näher darauf ein, ob diese Forderung im Zeitalter von IPTV noch ihre Berechtigung hat.

Zunächst soll die Frage beantwortet werden, was IPTV überhaupt ist, um anhand dieser Definition die maßgeblichen Charakteristika herausarbeiten zu können, die den neuen Übertragungsweg von den alten Wegen unterscheiden und um eine Auswahl bezüglich der zu untersuchenden Modelle treffen zu können.
Langheinrich definiert Internet-Protokoll-Fernsehen (IPTV) als „digitale Übertragung von Fernsehprogrammen und Filmen über ein digitales Datennetz (...), bei der das Internetprotokoll IP verwendet wird“ (Langheinrich 2006, S. 1). IP-basiertes Fernsehen kann demnach über das Internet übertragen werden, aber auch über alle anderen Netze, das heißt, es ist auch „IPTV via Satellit“, „IPTV via Kabel“ oder „IPTV via Terrestrik“ möglich. Wer in der heutigen Diskussion über IPTV spricht, meint in der Regel aber die Übertragung über einen (breitbandigen) Internet-Anschluss (z.B. DSL, ADSL2+, VDSL). Beim „IPTV via Internet“ lassen sich zwei Grundformen unterscheiden: Das IPTV im weiteren Sinne und das IPTV im engeren Sinne.

IPTV im weiteren Sinne, häufig auch „Internet TV“ genannt, bezeichnet das Abspielen von einzeln aufrufbaren Fernsehsendungen oder ganzen Sendern über das Internet auf einem PC mit Hilfe einer Technologie, die Video-Streaming genannt wird (vgl. Noll 2004a, S. 4). Unter Streaming versteht man eine „technique for transferring data processed as a steady and continuous stream, allowing the client browser to start displaying the data before the entire file has been transmitted.” (Einav 2004, S. 215 - 216). Die Fernsehinhalte müssen also nicht wie beim klassischen Download komplett auf dem Computer gespeichert werden, bevor die Wiedergabe starten kann, was je nach Datenumfang mehrere Stunden in Anspruch nehmen kann. Während das Anschauen von heruntergeladenen Bewegtbildern also längerer Planung bedarf und die Nutzung eines solchen Services somit eher einem Besuch in der Videothek gleichkommt, ist beim Streaming „the viewing experience (...) more like that of television. Once viewed, the content does not remain on the viewer’s computer“ (ebenda). Streaming Video stellt also das Internet-Äquivalent zur herkömmlichen Fernseh-Technologie dar.

 

[...]



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