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Diploma Thesis, 2007, 74 Pages
Author: Elena Kott
Subject: Social Pedagogy / Social Work
Details
Tags: Suchtprävention, Jugendlichen, Migrationshintergrund, Beispiel, Spätaussiedler
Year: 2007
Pages: 74
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 55 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-73118-8
ISBN (Book): 978-3-638-83763-7
File size: 563 KB
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Abstract
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hatte Deutschland Ende 2004 82,501 Mio. Einwohner, darunter ungefähr 3 Mio. in der letzten Zeit zugewanderte Aussiedler. Dies entspricht ca. 3,6 % der Gesamtbevölkerung. 2004 gab es in Deutschland 1.385 Todesopfer im Zusammenhang mit Drogenkonsum, sogenannte Drogentote. Mit 123 Personen lag der Anteil der Spätaussiedler bei 9 % und ist damit in Relation zum Anteil an der Gesamtbevölkerung auf relativ hohem Niveau. Während die Zahl der Drogentoten insgesamt sinkt, ist sie bei Aussiedlern im Jahr 2003 um 25,3 % gestiegen. Dieser alarmierende Tatbestand ist aber nur die Spitze des Eisbergs der „Drogen, Sucht und Migration“ umfasst viele nicht beschriebene Problemursachen und Problemfolgen. Einige davon sind Drogen, Alkohol, Kulturschock, Sprachbarrieren, schulische und berufliche Eingliederung, Status- und Integrationsprobleme. Jugendliche aus Migrantenfamilien erfahren diesen Stress doppelt. Bedingt durch die alterstypischen Entwicklungsaufgaben sind ihre Belastungen im Vergleich mit einheimischen Jugendlichen gewaltig. Für den größten Teil der jugendlichen Aussiedler verläuft die Integration aber erfolgreich. Für den anderen Teil begünstigen die Folgen auftretender Integrationsprobleme den Rückzug in die eigene Community und setzen jugendliche Migranten der Gefahr aus, im Drogenkonsum einen Kompensationsmechanismus für ihre Akzeptanzprobleme zu suchen. Die Drogen konsumierenden jugendlichen Spätaussiedler fallen durch einige Besonderheiten auf, wie z. B. wesentlich höhere Kritiklosigkeit und Unwissenheit über die Gefahrenpotenziale, schnellerer Verlauf vom Missbrauch zur Abhängigkeit, Mischkonsum von Heroin und Alkohol, hohes Niveau an Beschaffungskriminalität. Es ist richtig, dass die Suchthilfe für alle, auch für die jugendlichen Aussiedler, ihre Unterstützungsleistungen anbietet. Die Frage ist, ob die für Einheimische entwickelten Präventions-, Beratungs- und Unterstützungsangebote in gleichem Maß für Aussiedler, aber auch für andere Migranten hilfreich bzw. angeboten werden können.Es gibt eine Reihe von Zugangsbarrieren, die das Suchthilfesystem unbewusst und weitgehend unreflektiert für drogengefährdete und drogenabhängige jugendliche Aussiedler errichtet hat.
Excerpt (computer-generated)
Evangelische Fachhochschule Hannover
Diplomarbeit zur Diplomprüfung Wintersemester 2006/2007
Suchtprävention bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund am Beispiel der Spätaussiedler
Elena Kott
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung ... 4
1.1 Aufbau der Arbeit ... 5
1.2 Zur Wortwahl ... 6
2 Lebens- und Migrationserfahrungen jugendlicher Aussiedler ... 7
2.1 Jugend in Russland ... 7
2.2 Rechtlicher Status von Aussiedlerjugendlichen ... 13
2.3 Integrationsverläufe jugendlicher Aussiedler und Risikofaktoren, die Drogenkonsum und Suchtentwicklung bedingen ... 14
2.4 Drogenabhängigkeit von Aussiedlerjugendlichen ... 16
2.5 Zugangsbarrieren und Probleme jugendlicher Aussiedler im System der Suchthilfe ... 17
3 Sucht und Abhängigkeit ... 20
3.1 Zum Begriff „Drogen“ ... 20
3.2 Definition der Begriffe Sucht und Abhängigkeit ... 21
3.2.1 Stoffgebundene und Stoffungebundene Abhängigkeit ... 21
3.2.2 Physische Abhängigkeit ... 22
3.2.3 Psychische Abhängigkeit ... 23
3.3 Erklärungsansätze zur Entstehung von Sucht – und Drogenabhängigkeit ... 23
3.3.1 Psychoanalytische Suchttheorie ... 24
3.3.2 Lerntheoretisches Modell ... 25
3.3.3 Soziologische Theorien ... 27
3.3.4 Multifaktorieller Ansatz ... 28
3.4 Drogengebrauch in den Jugendphasen ... 31
3.5 Einfluss der Peer-group auf das Konsumverhalten ... 33
4 Zum Begriff der Prävention ... 36
4.1 Primäre Prävention ... 36
4.2 Sekundäre Prävention ... 37
4.3 Tertiäre Prävention ... 38
4.4 Suchtpräventionen als integrativer Bestandteil der Gesundheitserziehung und –Förderung bei jugendlichen Spätaussiedlern ... 38
4.5 Berücksichtigung rechtlicher Aspekte ... 41
4.6 Aufgaben und Ziele pädagogische Suchtprävention: Abstinenz oder Konsumtoleranz? ... 42
4.7 Erziehung zur Genussfähigkeit ... 44
5 Handlungskonzepte für Soziale Arbeit mit Suchtgefährdeten jugendlichen Spätaussiedlern ... 47
5.1 Case Management ... 48
5.2 Streetwork ... 51
5.3 Mobile Jugendarbeit bei Jugendlichen aus Aussiedlerfamilien ... 54
6 Interkulturelle Öffnung der Suchthilfe ... 58
6.1 Die Notwendigkeit der interkulturellen kompetenten Sozialen Arbeit mit den Migranten ... 59
6.2 Mitarbeiter mit Migrationshintergrund und die Bedeutung der Muttersprache
6.3 Anforderungen an das System der Suchthilfe ... 63
7 Schlusswort ... 65
8 Abkürzungsverzeichnis ... 68
9 Literaturverzeichnis ... 69
Sucht kommt nicht von Drogen,
sondern von betäubten Träumen,
verdrängten Sehnsüchten,
verschluckten Tränen,
erfrorenen Gefühlen.
(Bilstein und Voigt)
1 Einleitung
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hatte Deutschland Ende 2004 82,501 Mio. Einwohner, darunter ungefähr 3 Mio. in der letzten Zeit zugewanderte Aussiedler. Dies entspricht ca. 3,6 % der Gesamtbevölkerung (Statistisches Bundesamt, 2006). 2004 gab es in Deutschland 1.385 Todesopfer im Zusammenhang mit Drogenkonsum, sogenannte Drogentote. Mit 123 Personen lag der Anteil der Spätaussiedler bei 9 % und ist damit in Relation zum Anteil an der Gesamtbevölkerung auf relativ hohem Niveau. Während die Zahl der Drogentoten insgesamt sinkt, ist sie bei Aussiedlern im Jahr 2003 um 25,3 % gestiegen (Drogen- und Suchtbericht, 2005).
Dieser alarmierende Tatbestand ist aber nur die Spitze des Eisbergs der „Drogen, Sucht und Migration“ umfasst viele nicht beschriebene Problemursachen und Problemfolgen. Einige davon sind Drogen, Alkohol, Kulturschock, Sprachbarrieren, schulische und berufliche Eingliederung, Status- und Integrationsprobleme. Jugendliche aus Migrantenfamilien erfahren diesen Stress doppelt. Bedingt durch die alterstypischen Entwicklungsaufgaben sind ihre Belastungen im Vergleich mit einheimischen Jugendlichen gewaltig. Für den größten Teil der jugendlichen Aussiedler verläuft die Integration aber erfolgreich. Für den anderen Teil begünstigen die Folgen auftretender Integrationsprobleme den Rückzug in die eigene Community und setzen jugendliche Migranten der Gefahr aus, im Drogenkonsum einen Kompensationsmechanismus für ihre Akzeptanzprobleme zu suchen. Die Drogen konsumierenden jugendlichen Spätaussiedler fallen durch einige Besonderheiten auf, wie z. B. wesentlich höhere Kritiklosigkeit und Unwissenheit über die Gefahrenpotenziale, schnellerer Verlauf vom Missbrauch zur Abhängigkeit, Mischkonsum von Heroin und Alkohol, hohes Niveau an Beschaffungskriminalität.
Es ist richtig, dass die Suchthilfe für alle, auch für die jugendlichen Aussiedler, ihre Unterstützungsleistungen anbietet. Die Frage ist, ob die für Einheimische entwickelten Präventions-, Beratungs- und Unterstützungsangebote in gleichem Maß für Aussiedler, aber auch für andere Migranten hilfreich bzw. angeboten werden können. Es gibt eine Reihe von Zugangsbarrieren, die das Suchthilfesystem unbewusst und weitgehend unreflektiert für drogengefährdete und drogenabhängige jugendliche Aussiedler errichtet hat.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit folgenden Fragen: Wie kann das Suchthilfesystem die jugendlichen Aussiedler erreichen? Wie werden die Schwellenängste abgebaut? Wie und wo können präventive pädagogische Strategien bei dieser Gruppe effektiv angesetzt werden? Welche Möglichkeiten sind im Jugendalter gegeben, suchtpräventive Maßnahmen unter Berücksichtigung „Abstinenz“ und Konsum akzeptierender Zielsetzungen zu konzipieren und umzusetzen?
1.1 Aufbau der Arbeit
Um zu verstehen, wieso etablierte Präventionsangebote der Jugendsozialarbeit bei jungen russisch sprechenden Migranten scheitern und was bewährte sowie neue Arbeitsansätze berücksichtigen müssen, ist es für die Mitarbeiter in der Suchtprävention wichtig, sich auf die Vorgeschichte und Erfahrungen der Jugendlichen einzulassen. Im zweiten Teil dieser Arbeit wird versucht, das Leben der Jugendlichen vor und nach der Migration zu beschreiben; auch mit der Migration und Integration verbundene Belastungen und Risikofaktoren, die Suchtgefährdung und Abhängigkeit bedingen können. Im Weiteren wird auf allgemeine Zugangsbarrieren für Migranten zu den Drogendiensten eingegangen.
Im dritten Teil werden die Termini Sucht und Abhängigkeit definiert und differenziert betrachtet, da es für Sozialarbeit notwendig ist, eine mögliche Suchtgefährdung oder Abhängigkeit genauer erkennen und besser einschätzen zu können. Die Perspektive, die aus der Sucht und Abhängigkeit betrachtet wird, bestimmt im Wesentlichen auch die konzeptionellen Inhalte und Ziele sozialpädagogischer Suchtprävention.
Es ist für die pädagogische Arbeit im Rahmen der Suchtprävention obligat, die unterschiedlichen Motivationen und Ursachen, die zum Suchtmittel- oder Drogenkonsum führen oder führen können, unter dem Fokus verschiedener theoretischer Ansätze zu betrachten. Neben den im zweiten Teil beschriebenen migrationsspezifischen Ursachen werden klassische Erklärungsansätze zur Genese von Sucht und Drogenabhängigkeit mit dem multifaktoriellen Ansatz vorgestellt.
Im Weiteren werden Jugendphasen und Einfluss der Peergroup, die im Hinblick auf das erstmalige Experimentieren mit Drogen eine entscheidende Rolle spielen, beschrieben.
Im vierten Teil der Arbeit werden die Bedeutungen und Aufgaben von primärer, sekundärer und tertiärer Prävention dargestellt. Obwohl die tertiäre Prävention ein wichtiger Bestandteil des Suchthilfesystems und bedeutend für die Drogenabhängigen und Suchtkranken sowie für ehemals Abhängige ist, beschäftigt sich die Arbeit mehr mit der Vorbeugung von Abhängigkeit.
Des Weiteren wird die Relevanz und Notwendigkeit erläutert, die sozialpädagogische Suchtprävention als Teilbereich von Gesundheitserziehung und Gesundheitsförderung besitzt. Auf die Notwendigkeit juristischer Aspekte, die vor allem bei Unkenntnis im Umgang mit Konsumierenden bei Sozialarbeitern zu Unsicherheiten führen können, wird hingewiesen. Im Folgenden werden Ziele pädagogischer Suchtprävention unter Berücksichtigung der sekundärpräventiven Risikobegleitung vorgestellt. Als wesentliche Zielsetzung der primären Suchtprävention im Kindes- und Jugendalter wird die Erziehung zur Genussfähigkeit erläutert und abschließend unter dem Aspekt des experimentellen Konsums diskutiert.
Auf der Basis der Kenntnisse über die Zielgruppe und ihre Bedürfnisse werden im fünften Teil zwei Handlungskonzepte der Sozialarbeit vorgestellt: Sozialarbeit durch Streetworker und Case Management. Dabei sind die Ausführungen zu den Konzepten Streetwork und Case Management von besonderem Interesse, weil sie über die Sucht- und Drogenarbeit hinaus auch große Bedeutung für andere Integrationsmaßnahmen erlangen können. Anstatt ein konkretes Beispiel zu beschreiben, wird auf die mobile Jugendsozialarbeit, ihre Methoden und Aufgaben, als eine Art von Streetwork genau eingegangen.
Im Aufheben der Zugangsbarrieren liegen bereits die Ansätze für interkulturelle Öffnung der Einrichtungen der Suchthilfe. Im letzten Teil der Arbeit werden Anforderungen an das System der Suchthilfe und anderen Regeldiensten gestellt, die notwendig sind, um die Situation von jugendlichen Aussiedlern und anderen Migranten zu verbessern.
1.2 Zur Wortwahl
Auch wenn Sozialarbeit teilweise mehr mit Hilfe und Fürsorge und Sozialpädagogik mit Erziehung und Bildung in Verbindung gebracht wird, sollen die Begriffe „Sozialarbeiter“ und „Sozialpädagoge“ in dieser Arbeit identisch sein.
Aufgrund der besseren Lesbarkeit habe ich mich entschlossen, die männliche Form durchgängig zu wählen. Natürlich soll die weibliche Form nicht ausgeschlossen, sondern ebenso impliziert werden. Verwendung der männlichen Form bei Jugendlichen hat auch damit zu tun, dass im Kontext Delinquenz und Drogen fast ausschließlich bei jungen Männern vorkommen (Mädchen und junge Frauen fallen fast nicht auf) (vgl. Deutsches Jugendinstitut, 2002, S. 8). Trotzdem sind beide Geschlechter damit gemeint.
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