Autor: Katarina Bobkova
Fach: Verkehrswissenschaft
Details
Jahr: 2006
Seiten: 24
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 12 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 2304 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-80133-1
Textauszug (computergeneriert)
Humboldt-Universität zu Berlin
Fragebogen zum Fahrerleben und Fahrverhalten
Katarina Bobkova
Inhaltsverzeichnis
1. Die konzeptuelle Unterscheidung: “violations“, “errors“, “lapses“ ... 2
2. Der Manchester Driving Behaviour Questionnaire ... 4
2.1 Definition und Anwendung ... 4
2.2 Stichprobe ... 5
2.3 Rahmenbedingungen ... 5
2.4 Versuchsleiter und Material ... 5
2.5 Vorbereitung ... 5
2.6 Durchführung ... 6
2.7 Auswertung ... 6
2.8 Kritische Aspekte ... 6
2.9 Begründung der Unterscheidung zwischen „errors“ und „violations“ ... 7
2.10 Das Follow-up-Design mit MDBQ ... 11
2.11 Kulturelle Übertragbarkeit vom Manchester Driving Behaviour Questionnaire ... 13
3. Die Driving Quality Scale ... 16
3.1 Das Projekt EUCLIDE ... 16
3.2 Das Projekt COMMUNICAR ... 17
Literaturverzeichnis
1. Die konzeptuelle Unterscheidung: “violations“, “errors“, “lapses“
Fahrerfertigkeiten und Fahrerstil bzw. Fahrerleistung und Fahrerverhalten (Elander et al., 1993) werden als die zwei wichtigsten Komponenten des Menschenfaktors in der Fahraufgabe betrachtet. Während der Fahrerstil durch Motive, Einstellungen und Persönlichkeitseigenschaften beeinflusst wird, stehen die Fahrfertigkeiten in Beziehung zur Informationsverarbeitung und zu den motorischen Fähigkeiten. In der Praxis interagieren diese beiden Komponenten zusammen und beeinflussen das Unfallrisiko und die Fehlerwahrscheinlichkeit beim Fahren.
Weltweit verliert jährlich über eine Million Menschen ihr Leben in Folge eines Verkehrsunfalls, täglich sind es fast 3000 Menschen und weitere Millionen erleiden schwere Verletzungen (WHO, 2004).
In vielen Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass in 90-95% der Verkehrsunfälle der Mensch als der einzige bzw. der beitragende Faktor die Schuld trägt. Daher sind die meisten Verkehrsunfälle nicht auf das technische Versagen zurückzuführen, sondern auf das falsche Funktionieren eines Fahrers. Reason´s modell of human errors1 trennte die Fehler des Menschenverhaltens in „errors“ und „violations“.2
Reason et al. (1990) fanden in ihrer ersten Studie die zwei empirisch unterschiedlichen Konzepte bestehend aus 3 Faktoren: „deliberate violations“, „dangerous errors“ und “lapses“. Der dritte Faktor „lapses“ beinhaltet Aufmerksamkeits- und Gedächtnisfehler, die zwar Verwirrung stiften können, allerdings keinen Einfluss auf die Fahrsicherheit haben (Parker et al., 1995).
Es besteht ein Konsens bzgl. der Unterscheidung der Fehler in „lapses“ und „mistakes“. (Reason et al., 1990, S.1315) „Lapses“ sind nicht absichtliche Abweichungen der Handlung von der Intention und „mistakes“ stehen für die Abkehr der geplanten Aktion von den befriedigenden Wegen zum erwünschten Ziel. Laut Norman (1983): „If the intention is not appropriate, this is a mistake. If the action is not what was intended, this is a slip.” “Lapses“ sind meist über externalisierte Handlungen beobachtbar. „Mistakes“ resultieren aus Defiziten in Urteils- und Inferenzprozessen (d.h. Auswahl von einem falschen Ziel oder einem falschen Mittel).
Im Rahmen einer konzeptuellen Unterscheidung wird davon ausgegangen, dass „errors“ und „violations“ einen anderen psychologischen Ursprung haben und daher auch andere Sanierungs- bzw. Rehabilitationsmaßnahmen erfordern. „Errors“ werden nur in Relation zu kognitiven Prozessen eines Individuums beschrieben, „violations“ finden in einem sozialen Kontext statt. Das Verhalten bei „violations“ wird durch Übung, Regeln und Normen bestimmt. Sie sind als absichtliche Abweichungen von der Praxis eines sicheren Autofahrens zu verstehen.
Parker et al. (1995b) bestätigten in einer anderen Untersuchung diese 3-Faktoren-Struktur und prüften gleichzeitig die Reliabilität des Instruments über die Zeit. Im Abstand von sieben Monaten legten sie wiederholt den Manchester Driving Behaviour Questionnaire (im Weiteren nur noch abgekürzt als MDBQ bzw. DBQ) einer Stichprobe von 80 Versuchspersonen. Die Retestreliabilität betrug 0,69 für „errors“; 0,81 für „violations“ und 0,75 für „lapses“.
Nachfolgend ergänzte Lawton et al. (1997) die „violations“-Skala um neue Items. Die Faktoranalyse zeigte bei dieser Erweiterung, entsprechend der Ursache, warum ein Fahrer einen Verstoß begeht, zwei unterschiedliche Skalen. „Deliberate violations“ beinhalten eine interpersonelle aggressive Komponente. „Unintended violations“ dagegen erfolgen ohne eine spezifische aggressive Absicht.
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1 http://www.bmj.com/cgi/content/full/320/7237/768 (letzter Zugriff: 15.3.2007)
2 Die Übersetzung ins deutsche könnte die Bedeutung der Begriffe möglicherweise verzerren. Daher wurden diese von mir in ihrer ursprünglichen englischen Version beibehalten.
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